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Das Leben der Bewohner der Aran-InselnAnsichten über das Leben auf den Aran-Inseln
Unterschiedlicher könnten sie kaum sein - die Ansichten über das Leben auf den Aran-Inseln. Was auf romantische Besucher wie John Millington Synge wie das einfache Landleben wirkte, das er als die "artistic beauty of medieval life" (die künstlerische Schönheit mittelalterlichen Lebens) bezeichnete, war für die betroffenen Inselbewohner harte Realität. Peadar Ua Concheanainn, ein Einwohner von Inis Meain, beschrieb die Inselbewohner zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er bezeichnete sie als Arbeiter und Jäger, die tagein, tagaus, ohne Rücksicht auf die Jahreszeit und das Wetter sich ihren Unterhalt von den kargen Landflecken oder der rauhen See sichern mussten. Realistischer ist sicherlich die zweite Sicht der Dinge. Die Menschen auf den Aran-Inseln
führten ein hartes Leben, das sie der unfruchtbaren Umgebung, die sie als Heimat bezeichnen,
abringen müssen. Sie hatten Güter, die sie anderen anbieten konnten, und waren damit keine
Subsistenzfarmer oder -fischer. Galway oder Clare waren Abnehmer für Kelp, Fische, Kalk,
Seevogeleier und Federn und Vieh, vor allem Schweine, Rinder und Schafe. Ihre Inseln liegen
nahe genug an der Küste, dass sie immer in Kontakt mit den Geschehnissen auf der Hauptinsel
standen und kein isoliertes Leben führten.
Natürliche MaterialienTypisch für die Inseln war die Verwendung natürlicher Materialien für alle Arten von
Gebrauchsartikeln. Roggenstroh wurde zum Decken von Häusern verwendet, Fussabstreifer
wurden daraus gemacht und Nahrungsbehälter. Seile waren aus Pferdehaar. Geflochtene
Behälter wurden benutzt, um Sand und Algen zu transportieren oder um Kartoffeln zu
waschen. Aus dem Leder von Rindern und manchmal auch Robben wurden Schuhe hergestellt, Rindsleder
nutzte man für den Bau von Curraghs. Bojen für Fischernetze und Angelleinen waren aus Schafsleder.
Eines der größten Probleme auf den Insel war, Brennmaterial zu bekommen. Dafür verwendete
man getrockneten Kuhdung. Oder man kaufte Torf aus der Connemara. Für Licht sorgte Fischöl. Die Mode der InselbewohnerIn der Kleidung entwickelte sich eine eigene Mode. Die Frauen trugen sehr weite Röcke über mehreren Flanellunterröcken, die gegen die kalten Winde schützten. Mäntel, die in anderen Teilen Irlands beliebt waren, konnten sich auf den Inseln nur schwer durchsetzen. Warme breite Schals waren populärer. Noch heute kann man auf Inis Meain die gestrickten oder gehäkelten Schals sehen. Eine andere Form des Schals war der sogenannte Galwayschal, der mit breiten Stickborten und Baumwollfransen verziert war. Hergestellt wurden sie in Schottland und waren seit der Jahrhundertwende auf den Inseln erhältlich. Männerkleidung bestand aus einem warmen Wollhemd, über dem eine Flanelljacke getragen wurde. Dazu trugen sie weite Hosen, die über dem Knöchel endeten. Gehalten wurden die Hosen durch einen farbigen geflochtenen Gürtel. Die mokassinartigen Schuhe bestanden aus weichem Leder, ursprünglich von Robben, heute aus Rindsleder. Im Laufe der Zeit verhärtete sich das Leder, das dann einfach in Wasser gelegt wurde, um es wieder weich zu machen. Mädchen trugen Kleidung, die der ihrer Mutter ähnelte. Kleine Jungen trugen Röcke bis sie im
Teenageralter waren. Eine Legende berichtet, dass der Grund dafür darin zu suchen war, dass
man so die Feen oder daoine maithe irreführen wollte, die kleine Jungen lieber mochten als Mädchen.
Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Mütter einfach ihre abgelegten Kleider für die
Kinder beiderlei Geschlechts kleiner machte, um das Geld für Schneider und Weber zu sparen.
Traditionelle InselhäuserVon den ursprünglichen Inselhäusern sind nur noch wenige erhalten. Sie hatten einen rechteckigen Grundriss mit dicken Außenwänden und waren strohgedeckt. Das Stroh wurde mit Seilen befestigt und musste alle zwei Jahre erneuert werden. Im Inneren gab es zwei bis drei Zimmer mit einer Küche und je einem Schlafzimmer an beiden Enden. Die meisten dieser Häuser hatten zwei Eingangstüren, die einander gegenüberlagen. Je nach Windrichtung wurde eine offengelassen, um Licht hineinzulassen. In der Küche gab es gewöhnlich ein Fenster an der Vorderseite des Hauses. Das Leben spielte sich in der Küche ab, wo gekocht und gebacken wurde. Möbel gab es nicht viele.
Stühle und ein Tisch in der Küche, ein Geschirrschrank und Abstellplatz für Töpfe, Angelzeug und
Körbe. In den Schlafzimmer standen Himmelbetten, deren Vorhänge im 19. Jahrhundert Zugluft draußen
hielten. Im 20. Jahrhundert galten diese als ungesund und wurden durch einfachere
Betten ohne Aufbau ersetzt. ArbeitIm 19. Jahrhundert hatte die Inselbevölkerung großes Glück, dass die Kartoffelfäule, die auf dem Festland so großes Elend verursachte, die Inseln nicht erreichte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten die Menschen hauptsächlich vom Fischfang und dem Sammeln von Kelp - Algen, mit denen sie ihre Felder düngten. Angebaut wurden Kartoffeln und Roggen. Gefischt hat man Kabeljau, Seehecht, Schellfisch, Steinbutt, Makrelen und Hering. Herzmuscheln und Miesmuscheln, Hummer und Krabben gab es im Überfluss. Auch Haie wurden gefischt, die so häufig waren, dass sie die zweitwichtigste Fischsorte nach den Heringen waren. Auf den Inseln gibt es Hasen und Kaninchen, die man jagte. Und an den Steilküsten brüten Tölpel, Tauben, Regenpfeifer und Papageientaucher. Inis Meain lebte man vor allem von dem, was das Land bot, auf Inis Oirr war der Fischfang die wichtigste Einkommensquelle und auf Inis Mor lag das Verwaltungszentrum der Inseln in Kilronan. Die meisten Männer arbeiteten auf den Feldern und als Fischer. Frauen stellten Stoffe her und Kleider für die Inselbewohner. Viele Bewohner der Inseln wanderten aus, vorzugsweise nach Boston, wo noch heute eine große Zahl Iren von den Aran-Inseln leben. Saisonarbeit in anderen Regionen Irlands war auf den Inseln kaum üblich, obwohl es auf dem Festland östlich von Galway solche Arbeitsstellen gab. Die Menschen der Inseln lebten von dem, was ihr Land und das Meer hergab. Kelp lieferte das Material, das in der Seifen- und Glasproduktion benötigt wurde. Die Nachfrage nach Jod erneuerte den Algenabbau wieder. Zahlreiche Algenarten wachsen entlang der Küsten. Dabei unterscheidet man zwischen schwarzen und roten Algen, wobei die roten als wertvoller angesehen werden. Sie enthalten Salze, die jodhaltig sind. Im späten Frühjahr wurden sie gesammelt und in Körben transportiert. Ein Teil davon wurde verbrannt und mit Tang, Sand, der wenigen vorhandenen Erde und Viehdung auf dem kahlen Kalkstein verteilt. Auf diesem neugewonnenen Boden wurden Kartoffeln und Roggen angebaut. An anderen Stellen legte man Weideland für das Vieh an. Allerdings war es immer ein Problem,
genügend Wasser zum Tränken der Tiere zu sammeln. Der poröse Kalkboden ließ das Regenwasser
schnell wieder versickern. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts errichtete man daher
Tränken, in denen sich das Regenwasser sammeln konnte. Um die starken Winde abzuhalten, die den mühsam
gewonnenen Boden leicht abtragen konnten, wurden Steinmauern um die kleinen Felder angelegt.
FischfangDer Fischfang auf den Inseln war lange Zeit sehr einfach. Man fischte von den Klippen mit Angeln, an denen Uferschnecken oder Krabben als Köder angebracht waren. Diese Art des Fischfangs verlangte großes Geschick, denn der Fischer musste schnell auf die Bewegung von Fischen reagieren, die Dutzende von Metern unterhalb der Klippen an der Angel zappelten. Die irische Fischerei war lange Zeit von nur geringer Bedeutung, während fremde Fischer vor den Küsten Irlands ihre Netze auswarfen. Im 15. und 16. Jahrhundert waren es die Spanier, die oft mit Hunderten von Schiffen vor der Küste fischten. Im 17. Jahrhundert kamen vor allem Franzosen und Engländer und im 19. Jahrhundert waren es die Claddaghfischer aus Galway, die um die Inseln herum Fische fingen. 1892 wurde die Makrelenfischerei und eine fischverarbeitende Anlage in Kilronan eingerichtet. Der Makrelenfang fand im Frühjahr zwischen April und Juni von großen Booten aus statt. Im Herbst kamen die Fische näher an die Küste, und kleine Boote reichten aus, um die Fische zu fangen. Ende des Jahrhunderts jedoch gingen die Fischpopulationen zurück, und Marktschwierigkeiten verzögerten den Ausbau der Fischerei. Dazu kam, dass die Fischer der Aran-Inseln vor allem Küstenfischer waren und mit ihren kleinen Booten nicht mit den Fabrikfischerbooten der großen Fischereinationen mithalten konnten. Erst in den 30er Jahren änderte sich das, als die Irish Sea Fisheries Association gegründet wurde. Bis in die 60er Jahre hinein wurden traditionelle Fischereimethoden auf den Aran-Inseln angewandt. Dazu gehörte der Fischfang per Hand oder per Speer. Erst der Gebrauch von Netzen veränderte die Fischerei auf den Inseln. Das Fischen mit Angelleinen war bei den Aran-Fischern besonders beliebt. Damit wurden Kabeljau, Lengfisch, Rochen, Butt, Dorsch, Schellfisch und Heilbutt gefangen. Netzfischerei wurde von Land aus betrieben. Dafür legte man die Netze am Abend aus. Sie wurden durch Korken im Wasser gehalten und nicht festgebunden, sondern konnten mit den Gezeiten wandern. Am Morgen wurden sie wieder eingeholt. Fischfang war vor allem Männerarbeit, obwohl die Frauen dabei halfen, Köder an den Leinen anzubringen, den Fisch zu verarbeiten und die Netze zu trocknen. Meist fuhren mehrere Männer in einem Curragh hinaus. Wenn der Fang an Land gebracht wurde, teilte man ihn in gleiche Teile auf und verloste die Anteile unter den Beteiligten. Die Fische wurden eingesalzen und getrocknet. Zum Einsalzen schabte man ihnen die Schuppen ab, nahm
sie aus und wusch sie in frischem Wasser. Danach schnitt man sie auf, salzte sie mit grobem
Salz ein und legte sie mit der Haut nach unten in ein sauberes Fass. Darin blieben sie 3 bis 4 Wochen.
Danach wurden sie erneut gewaschen und legte sie
mehrere Tage auf den Steinmauern zum Trocknen aus. Ein Teil der Fische wurde auf den Inseln selbst
verwendet, der Rest wurde an die Fischhändler aus der Connemara oder Galway weiter verkauft.
The Book of Aran, Newtownlynch, Kinvara, Co. Galway, 1994 http://www.travelworldonline.de/araninselnleben.html
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