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Die Christianisierung IrlandsUrsprünge des keltischen Christentums
Als ältestes Kloster der britischen Inseln gilt die Kirche von Llanilltud Fawr (Llantwit Major) im südöstlichen Wales, das vom Hl. Illtud etwa 500 n. Chr. gegründet worden ist. Schnell entwickelte es sich zu einem Treffpunkt keltischer Christen, die auch aus Cornwall und der Bretagne und aus gälischsprachigen Regionen kamen. Die Kirche der Kelten war keine strukturierte religiöse Institution, die vom Rest der Christenheit getrennt war. In ihr wurde die kirchliche Lehre nicht zum Streitpunkt wie in der östlichen Kirche. Die Keltenkirche blieb orthodox. Zwar akzeptierte sie unvernünftige Forderungen päpstlicher Vertreter nicht, aber sie wies die Ansprüche des Papstes auch nicht zurück. Zwischen dem fünften und achten Jahrhundert drückte sich das keltische Christentum in Askese und Heiligkeit aus. Woher es stammt, ist bis heute umstritten. Lange bevor die Römer sich aus Britannien zurückzogen, war das Christentum in England verbreitet. Der erste britannische Märtyrer ist Alban, der im Jahr 220 bei Verulam umkam. Bischöfe aus Britannien nahmen an Konzilen Mitte des 4. Jahrhunderts teil. Der Hl. Patrick, der als Gründer der irischen Kirche gilt, stammte aus einer Familie britannischer Kelten, die schon seit drei Generationen Anhänger des Christentums waren. Dieses frühe Christentum in England war bestimmt durch römische Strukturen, die auf dem Bischofssystem basierten. Diese residierten in Städten und hatten ihre Anhänger dort und in den umliegenden Dörfern. Nach der Eroberung durch die Angelsachsen brach die
episkopale Organisation der englischen Kirche in den meisten Teilen des Landes zusammen. Der Hl.
Illtud wird eher als Abt, denn als Bischof gesehen. Die mönchische Tradition, die von Antonius
in Ägypten gegründet und von Martin von Tours in Gallien fortgeführt wurde, hatte sich nach
Britannien ausgebreitet. Sein Kloster wurde zur Ausbildungsstätte, von der viele Ideen
des keltischen Christentums ausgingen. Gelehrsamkeit und AskeseDer Hl. Patrick, der als Gründer der irischen Kirche gilt, war ebenfalls Brite und in dieser Tradition erzogen. Seine Arbeit in Irland war unzweifelhaft bereits von Mönchen aus Britannien und vielleicht auch aus Gallien vorbereitet. Das keltische Christentum breitete sich vor allem in ländlichen Regionen aus, so dass die bischöfliche Organisation des römischen Christentums keinen Sinn hatte, die der Hl. Patrick auch in Irland eingeführt hatte. Es existierte zwar weiterhin, spielte aber eine geringe Rolle. Wichtiger waren Äbte und Klöster. Alle Klostergründer in Irland scheinen dabei die Tradition Illtuds fortgesetzt zu haben. Dieser hatte besonderen Wert auf Gelehrsamkeit gelegt. Seine Nachfolger auf irischem Boden legten besonderen Wert auf asketische Praktiken, die die spirituelle Betrachtung fördern sollten. Sie errichteten ihre Klöster in abgelegenen Regionen, wo sie diese ungehindert ausüben konnten. Klosteranlagen wie die auf Skellig Michael, den Aran Inseln oder dem Berghang über dem Tal von Glendalough zeigen dies deutlich. Dass sie dabei in bestehende Besitzungen vordrangen, scheint klar. Es gibt Anzeichen, dass manche Dörfer sich zur Gänze solchen Klostergemeinschaften anschlossen. Viele Klostergründer entstammten herrschenden Familien und übten großen Einfluss aus. In manchen Königshäusern sieht es so aus, als ob das Christentum neben dem herkömmlichen Glauben der Kelten Bestand hatte. Deutlich wird dies an der Lebensgeschichte des Hl. Columba dem Älteren (521 - 597). Dieser war sowohl in der keltischen Tradition als auch von einem christlichen Bischof, Finnian von Clonard (?), erzogen worden. Die asketische Lebensweise war für die Mönche sicherlich Selbstkasteiung. Die umgebende Gesellschaft sah das oft als Beweis eines überzeugenden Christentums, das auf alles Weltliche verzichtet. Im Laufe der Zeit entstand daher in Irland Äbten und Heiligen gegenüber eine Art der Verehrung, die ihnen diesen Rückzug aus der Welt nicht mehr ermöglichte. Daher zogen manche das Exil als Ausdruck der Askese vor - die peregrinatio pro Christo.
Columba der Jüngere (543 - 615) war einer der ersten irischen Mönche, die diese Form der
Askese konsequent lebten. Er und weitere irische Einsiedlermönche zogen auf das europäische
Festland und gründeten Klöster in den Alpen bei Luxueil, St. Gallen und Bobbio. Andere
brachen auf in die noch abgelegeneren Regionen im atlantischen Ozean, nach Island und sogar
nach Amerika.
Einflüsse auf das frühkeltische ChristentumHinter diesem Streben nach asketischem Leben scheint eine Übersättigung im säkularen Leben zu stecken. Viele der späteren Äbte entstammten königlichen Familien. Auch Einflüsse der Ostkirche drangen über Gallien und durch direkte Handelskontakte mit der Levante ein. Dass die irischen Mönche die Schriften über die Wüstenmönche kannten, zeigt sich darin, dass die Mönche von Bangor im County Down im siebten Jahrhundert ihr Kloster priesen als "wahren Rebstock, der aus Ägypten verpflanzt worden war." Einige der bekanntesten Merkmale keltischen Christentums, die Tonsur, die Handglocken und des Rundkreuz scheinen auf diese Kontakte zurückzugehen. Auch die Kunstwerke der Skriptorien, die illuminierten Schriften, weisen Ähnlichkeiten mit frühen östlichen Schriften auf. Im Book of Kells erinnern manche Seiten an orthodoxe Manuskripte, die Tierdarstellungen deuten auf den Einfluss der keltischen Kunst von La Tene hin. Wie in der Ostkirche wird in der keltischen Kirche die Verbindung zur Natur deutlich. Die
Hl. Brigit hängt ihren Mantel an einen Sonnenstrahl zum Trocknen, der zahme Wolf des Hl.
Brynach hütet dessen Schafe, der Hl. Kevin von Glendalough ließ einen Vogel auf seiner
ausgestreckten Hand seine Eier ausbrüten. Die Einheitlichkeit der frühkeltischen KircheDie erhaltenen Zeugnisse frühkeltischen Christentums konzentrieren sich auf Irland, aber auch in Wales, Schottland, der Bretagne und in Cornwall gibt es Hinweise darauf. In Wales gab es Skriptorien, die Buchkunstwerke herstellten, aus Cornwall sind Steinkreuze bekannt, in der Bretagne gibt es Hochkreuze und in Schottland schufen die Pikten herausragende Steinskulpturen. Ein weiterer Hinweis auf den Zusammenhalt des keltischen Christentums sind die Beziehungen, die zwischen den Heiligen der Zeit bestehen. Im walisischen Kloster des Hl. David wurde wahrscheinlich mehr Gälisch als Walisisch gesprochen. Viele irische Heilige werden in anderen Teilen der keltischen Welt verehrt. Diese Ähnlichkeiten im frühen Christentum dieser Regionen dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen,
dass es die keltische Kirche nie gegeben hat. Es gab keine übergeordnete Hierarchie.
Diese Rolle wurde Rom nie streitig gemacht. Gelegentliche Meinungsverschiedenheiten mit der
Mutterkirche in Rom stellten deren Führungsrolle nie in Frage.
Die Christianisierung Irlands http://www.travelworldonline.de/christianisierungirland.html
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