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Das christliche Irland im 7. und 8. Jahrhundert

Blütezeit irischer Gelehrsamkeit und Kunst

In den beiden Jahrhunderten nach dem Tod des Hl. Columba des Älteren und den ersten Wikingereinfällen im 9. Jahrhundert kam es zu einer Blüte irischer Gelehrsamkeit und Kunst. In den Mönchsklöstern entstanden Schriften in irischer und lateinischer Sprache, die ab dem 9. Jahrhundert als Grundstock der Bildung dienten, die ins mittelalterliche Europa getragen wurden. Irische Schulen zogen Schüler aus England und Gallien an. Während der Rest Europas kaum kulturelle Errungenschaften aufweisen konnte, entwickelte sich Irland zu einem europäischen Zentrum der Gelehrsamkeit.

In dieser Zeit vermischte sich das irische Christentum mit der sie umgebenden Welt. Das bedeutete nicht selten die Aufgabe der früheren Isolation in den Klöstern. Als im 7. Jahrhundert die Pest in Irland wütete, scheint es eine Welle der Aufzeichnung alter irischer Traditionen gegeben zu haben. Anscheinend hat man versucht, durch schriftliche Niederlegung traditionelles Wissen für die Nachwelt zu erhalten.
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Bibelhandschriften

Die ältesten Bibelhandschriften Irlands stammen aus der Zeit um 600. Von den irischen Mönchen wurden zwei Bibelüberlieferungen kopiert, der altlateinische Bibeltext und der Text der Vulgata des Hieronymus.

Diese Bibelschriften dienten zum täglichen Gebrauch, wie die abgegriffenen Pergamentseiten beweisen. Die frühen Handschriften bewahrte man in Ledertaschen auf, von denen noch einige erhalten sind. Bibliotheken wurden erst später eingerichtet. Inhalt der frühen irischen Handschriften sind die vier Evangelien und Psalmen. An den Bibeltexten ist anhand von persönlichen Randbemerkungen der Verfasser erkennbar, dass sie der Unterweisung von Schülern dienten. Diese Kommentare lassen ab und zu Rückschlüsse auf das irische Leben der damaligen Zeit zu.
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Die Bußbücher

Die frühesten erhaltenen Bußbücher stammen aus dem 6. Jahrhundert. Darin verfassten Mönche, Nonnen und Geistliche eine Aufzählung von Klosterregeln und Verfehlungen, zu denen sie angaben, wie diese gesühnt werden konnten.

Meineid galt als größeres Vergehen als Mord. Hatte der Sünder die auferlegte Buße geleistet, dann war die Tat gesühnt. So durften nach Angaben des Finnian Nonnen, die gegen das Gebot der Keuschheit verstoßen hatten und ein Kind gebaren, nach einer Bußzeit von sieben Jahren wieder das Nonnengewand tragen und sich als Jungfrau bezeichnen. Die Ausübung keltischer Riten galt als Sünde. Das bedeutet, dass diese noch ausgeübt wurden.

Irische Bußbücher wurden im 8. und 9. Jahrhundert auch auf dem Kontinent verbreitet. So verdrängte die private Beichte der Iren die öffentliche Beichte der alten Kirche.
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Die Heiligenvitae

Aus der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts stammen die ersten Lebensbeschreibungen irischer Heiliger. Darin werden neben der legendenhaften Darstellung von ihrem Leben auch Hinweise auf das Leben in Irland gegeben. Aus der Vita der Hl. Brigit von Cogitosus ist bekannt, dass die frühen Kirchen Irlands aus Holz erbaut wurden, denen die späteren Steinkirchen, wie sie aus Glendalough bekannt sind, nachgebaut wurden.
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Die Annalen

Die politische Geschichte Irlands dieser Jahrhunderte ist erkennbar in den Annalen, die hauptsächlich von Mönchen verfasst wurden. Beschrieben wurden unter anderem Amtszeiten von Äbten und Bischöfen, Ereignisse im Leben von Königen, Schlachten, Naturkatastrophen und ähnliche Themen.

Die ältesten erhaltenen Annalen stammen wahrscheinlich von der Insel Iona. Zusammen mit späteren Chroniken erteilen sie Auskunft über das frühe Leben der Mönche auf Iona und ihre spätere Beziehung zum Kloster von Bangor. Damit beginnt die Einordnung irischer Ereignisse in eine weltgeschichtliche Entwicklung.
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Fürstenspiegel

Das erste nicht in irischem Latein verfasste Werk ist Audacht Morainn, das "Vermächtnis Moranns", in dem Ratschläge an einen jungen Herrscher erteilt werden. Vielleicht wurde es zur Einführung eines Königs vorgetragen?

Der König wird als Verkörperung des Volks, der tuath, gezeigt. Von ihm hängt es ab, ob dieses prosperiert. Durch die Aussagen in anderen Schriften erheben sich Zweifel daran, wie sehr das Christentum die Herrscher der damaligen Zeit beeinflusste. Adomnan berichtet in seiner Vita des Hl. Columba davon, dass dieser in Iona Aedan von Dal Riada durch Handauflegen geweiht haben soll. Vielleicht hat sich die kontinentale Sitte, Könige zu salben auch in Irland verbreitet. Sicher ist dies jedoch nicht. Wenn es geschah, dann eher als Modeerscheinung, die aus Europa übernommen wurde.
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Lehrbücher zur Anleitung von Rechtsgelehrten

Weltliche Anleitungen für Rechtsgelehrte kennt man erstmals aus dem 7. und 8. Jahrhundert. Diese wurden an Spezialschulen ausgebildet. Das Recht galt als heilig, genauso wie seine Vertreter, die brithem. Diese übten Schiedsrecht in speziell dafür bestimmten Gebäuden aus.

In diesen Rechtstexten wird eine Rangordnung festgelegt, nach der Gelehrte, Kleriker, Adlige und Dichter zu den freien Rechtspersonen gehören, während Handwerker, Schmiede, Kupferschmiede und Metallarbeiter zu den Minderfreien gehören. Es werden genaue Vorschriften für den Umgang mit Geschädigten erteilt und Rechte und Pflichten von Landbesitzern erwähnt.
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Kirchenrechtliche Sammlung

Cu Chuímne von Iona und Ruben von Dairinis verfassten die Sammlung von irischen Kirchenrechten, die sich neben dem Kirchenrecht auch mit moralischen und sozialen Fragen der irischen Christen befasst. Nach diesen Schriften und dem Synodus Hibernensis weiß man, dass die südirische Kirche im ausgehenden 7. Jahrhundert eher episkopal geprägt war, während im Norden das Klosterwesen vorherrschte.

In diesen Schriften wird der Streit um das Datum des Osterfestes erwähnt, der durch irische Missionare auch auf dem europäischen Kontinent ausgetragen wurde. Die westliche Kirche hing einer im Jahr 314 geprägten Meinung an, während Rom ein System aus dem Jahr 457 anerkannte.

Die locker strukturierte keltische Kirche konnte der zentralen Autorität Roms nicht lange widerstehen, da der Papst ja als Nachfolger des Hl. Petrus akzeptiert wurde. Nacheinander akzeptierten die verschiedenen Kirchen die römische Interpretation des Osterfestes. In Südirland geschah dies 630, Nordirland schloss sich 697 an und im frühen achten Jahrhundert folgten die irischen Missionen auf dem Kontinent.
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Kunst

Buchmalerei, Steinarbeiten und Metallverarbeitung waren die drei Hauptsäulen irischer Kunst in dieser Zeit. Die überlieferten Werke haben fast ausschließlich kirchlichen Bezug. Dabei bestehen große Ähnlichkeiten in der Ausgestaltung der verschiedenen Kunstarten. Vorchristliche Motive wie die Trompete, Spiral- und Blattornamentik blieben erhalten, aber es gibt auch andere Einflüsse.

In den Skriptorien waren Einflüsse aus Italien, ja sogar Ägypten und Syrien zu spüren. Die Teppichseiten der illuminierten Schriften sind offensichtlich von koptischer Kunst beeinflusst. Flechtmuster finden sich auch auf Grabsteinen der Zeit.

Metallarbeiten mit Emailverzierung kennt man schon aus keltischer Zeit. In frühchristlicher Zeit sind Filigran- und Buntglasarbeiten neu, die auf italienische Lehrmeister hindeuten. Goldschmiedearbeiten wie der Kelch von Ardagh oder die Tara-Brosche sind künstlerische Meisterwerke dieser Zeit.
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Weiterführende Links:

Die Christianisierung Irlands
Der. Hl. Columba

Weiterführende Literatur:

http://www.travelworldonline.de/christianisierungirland1.html

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