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Les Filles du Roi - Die Töchter des KönigsMontreal City Guide Old Montreal Map
Neufrankreich braucht Siedler
Die junge französische Kolonie bietet nicht gerade das, was Siedler in Scharen in die Neue Welt lockt. Gold oder andere Bodenschätze, wie sie in den spanischen Kolonien entdeckt werden, gibt es nicht, und das raue Klima und feindselig gesonnene Indianer sorgen nicht dafür, dass sich Siedler darum drängen, nach Neufrankreich zu gehen, um dort ihr Glück zu versuchen. Kabeljau, Pelztiere und Holz haben nicht dieselbe Anziehungskraft wie Gold und Silber. Um 1660 erkennen die Verantwortlichen, dass alle bisherigen Maßnahmen, Siedler ins Land zu locken, erfolglos geblieben waren. Seit 1627 muß jeder, der sich geschäftlich in Neufrankreich betätigen will, dafür sorgen, Siedler ins Land zu bringen. So sind etwa 2500 Männer, Frauen und Kinder ins Sankt Lorenztal gekommen. Dabei überwiegt die Zahl der Männer, die sich im Pelzhandel engagiert und die das freie Leben in der Wildnis den rigorosen Regeln der französischen Ordnung in den neuen Kolonialstädten oder in deren Umgebung vorzieht. Es besteht kaum Aussicht, dass sich die Situation schnell ändert - es sei denn, man unternimmt etwas dagegen. Zunächst einmal versucht man, die unverheirateten Männer dazu zu bringen, Land zu roden und zu bebauen. Der Pelzhandel
wird zunehmenden Kontrollen unterworfen. Gleichzeitig werden Anwerber in den Hafenstädten Frankreichs ausgeschickt, die Mädchen für die
Besiedlung Neufrankreichs rekrutieren sollen - junge Frauen, die dem harten Leben in der neuen Kolonie gewachsen sind und die jung und
kräftig genug sind, um zu heiraten und Kinder zur Welt zu bringen. SoldatenDas Leben in der Kolonie soll sicherer werden und die Bewohner vor den Angriffen der Irokesen geschützt werden. Frankreich schickt 1665 zu diesem Zweck das Carignan-Salieres Regiment nach Quebec. Zwei Jahre später wird der Friedensvertrag unterzeichnet, und das Regiment zieht wieder ab. Zurück bleiben 400 Soldaten und Offiziere im Alter zwischen 19 und 30 Jahren, die das Angebot ihrer Regierung annahmen, sich in der Kolonie anzusiedeln. Offiziere erhalten von Jean Talon, dem Repräsentanten des Königs in Neufrankreich, Ländereien - sogenannte Seigneurien -
und Nahrungsmittel für ein Jahr, wenn sie sich mit ihren Untergebenen niederlassen. Sie sollen sich Ehefrauen nehmen und zur
Entwicklung der Kolonie beitragen. Die Töchter des KönigsZwischen 1663 und 1665 kommen 138 junge Frauen in Neufrankreich an. Nach häufig stürmischer Überfahrt, die nicht alle überleben, werden sie in Quebec von den Ursulinerinnen unter der Leitung von Marie l'Incarnation und in Ville Marie, dem späteren Montreal, von der Congregation Notre Dame unter Marguerite Bourgeoys betreut. Die meisten von ihnen sind wenige Wochen danach bereits verheiratet und leben in Montreal, Quebec und Trois-Rivieres. Nach ersten Erfahrungen mit heiratswilligen Mädchen werden die Forderungen der Kolonialverwalter detaillierter: Sie suchen vor allem Mädchen, die das Arbeiten auf Feldern gewohnt sind, und die mit dem rauen Klima und den ungewohnten Lebensbedingungen in Neufrankreich zurechtkommen. Das sind nach Ansicht der Verantwortlichen vor allem Bauernmädchen und keine Stadtmädchen. Außerdem wird immer stärker betont, dass es nur junge Frauen sein sollen, die im gebärfähigen Alter sind, damit das Bevölkerungswachstum der Kolonie gesichert ist. Für die Offiziere werden Mädchen mit gehobener Bildung angefordert. Es sei besonders darauf zu achten, dass die jungen Frauen ansehnlich und kräftige Arbeiterinnen seien. Am schnellsten sind die molligen Damen vergeben, denn sie gelten als die zuverlässigsten und besten Ehefrauen. Um auch den Mädchen aus den Kolonien Chancen auf einen Ehemann zu geben, wird auf Verlangen Talons 1672 kein Nachschub aus Frankreich geschickt, sehr zum Missmut Louis de Buade de Frontenacs, dem Generalgouverneur von Quebec. Er beklagt sich darüber, dass in manchen entlegenen Gegenden Frauen ganz glücklich mit mehreren Männern zusammen leben, während manche Männer nicht einmal eine einzige Frau finden.
Bis zum Ausbruch des Kriegs zwischen Frankreich und Holland im Jahr 1673 werden schließlich weitere Mädchen aus Frankreich in die
Neue Welt geschickt. WiderstandNicht alle Bewohner in den Kolonien sind begeistert von der Ankunft heiratswilliger junger Frauen. Der Kolonialrat von Quebec erlässt 1663 ein Dekret, das allen Personen verbietet, die Mädchen an einer Heirat zu hindern, wenn sie selbst diese wünschen. 1670 verlangt Jean Talon einen Beweis dafür, dass die Bewerberinnen unverheiratet seien. Manche Priester überprüfen
den ehelosen Status der jungen Damen offensichtlich sehr genau. Erfahrungen der jungen Frauen1664 werden erste Berichte an Colbert geschickt. Darin heißt es, dass von den 300 Passagieren, die La Rochelle verließen, 240 in Kanada ankommen. Der Rest verstarb auf See. Fünfzehn von ihnen gehen in Neufundland von Bord, 159 in Quebec, und 38 werden verteilt auf Trois-Rivieres, Montreal und Quebec. Einige Monate später sind drei von ihnen noch nicht verheiratet und eine ist von Irokesen auf der Ile d'Orleans gefangengenommen worden. Die erste Gruppe heiratswilliger Mädchen kommt in bemitleidenswertem Zustand in der neuen Heimat an. Die Behörden müssen für sie sorgen, ihnen Nahrung, Kleider und Unterkunft geben, sonst können sie nicht überleben. Drei Jahre später beklagen sich die jungen Damen, die diesmal aus Dieppe und La Rochelle absegelten, über die
Bedingungen auf der Überfahrt. Ihr Betreuer hatte ihnen die Hälfte ihrer Kleider genommen und die Nahrung an Bord war schlecht. Jean Talon
versucht, die Gemüter der Neuankömmlinge zu beruhigen, denn er befürchtet, dass ihre Klagen Gerüchte ins Land setzen könnten, die die
weitere Anwerbung von Frauen unmöglich macht. Anreiz - eine königliche MitgiftBis 1657 liegt die Verantwortung für die Besiedlung Neufrankreichs in den Händen der Handelsgesellschaften, die sich mehr schlecht als recht um diese Belange kümmern. Dann übernimmt König Ludwig XIV. die Kontrolle darüber. Er betraut seinen Jean-Baptiste Colbert, den Minister für die Kolonien, mit der Aufgabe, neue Kolonisten ins Land zu bringen, und finanziert das Projekt aus der eigenen Schatzkammer. Den Interessentinnen werden 30 livres für Kleidung und 60 livres für die Überfahrt bezahlt. In den ersten Wochen ihres Aufenthalts in der neuen Heimat werden sie unter den Schutz von Nonnen, Familien und Witwen gestellt und erhalten kostenlos Unterkunft und Essen. Und wenn sie heiraten, erhalten sie noch einmal eine bescheidene Geldsumme oder eine Mitgift, die besteht aus: "1 kleinen Kiste, 1 Tuch, 1 Schuhband, 100 Nadeln, 1 Kamm, 1 weißen Faden, 1 Paar Strümpfe, 1 Paar Handschuhe, 1 Schere, 2 Messer, etwa
1000 Stecknadeln, 1 Hut, 4 Spitzen und 2 Silverlivres." Herkunft der MädchenDie meisten Siedlerinnen stammen aus Frankreich, wenn auch einige aus anderen europäischen Ländern und sogar aus Afrika darunter sind. Unter den ersten Ankömmlingen sind viele Stadtmädchen, die sich schwer an das harte Leben in der Kolonie gewöhnen. Daher wird nach 1668 besonders darauf geachtet, dass vor allem Frauen ausgewählt werden, die mit den Härten des Siedlerlebens fertig werden. Anne Gasnier, eine Frau aus Quebec, soll mithelfen, in Frankreich die richtigen Bewerberinnen zu rekrutieren, und sie konzentriert sich auf Armen- und Waisenhäuser. Die Mehrzahl der Frauen ist unverheiratet und stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Einige sind Bauernmädchen, andere Waisen. Mehrere Witwen sind darunter, von denen manche schon Kinder geboren haben. Wie gut die "jungen Damen" ausgebildet sind, die als Bräute für die Offiziere ins Land geholt werden, ist unbekannt. Von den insgesamt etwa 800 jungen Frauen, die im Laufe dieses Siedlungsprojekts nach Quebec kommen, zählen knapp 50 zu dieser Elite. Und wenn man den Worten Talons glauben darf, sind das noch zu viele. Beliebter und gesucht sind robuste und kräftige Frauen. Bereits vor dem Siedlungsprojekt der Filles du Roi beginnen Gerüchte zu kursieren, dass einige der Frauen, die in die
Kolonien kommen, Damen zweifelhaften Rufs seien. Die Jesuiten, die ein Interesse daran haben, weitere Frauen ins Land zu bringen, um eine
gesellschaftliche Ordnung in der Kolonie einzuführen, wehren solche Gerüchte schnell ab. Die große Mehrzahl der Frauen wird aus Familien
und religiösen Gemeinden ausgesucht. Tatsache ist auch, dass die Mehrheit der Mädchen nie irgendwelche Probleme verursacht. Erfolg der MissionDer Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Holland im Jahr 1673 beendet das Unternehmen "Filles du Roi". 1672, neun Jahre nach der Ankunft der ersten "Töchter des Königs", wird deutlich, wie wichtig die Rolle der Frauen und der Soldaten des Carignan Regiments für die demographische Entwicklung der jungen Kolonie ist. Die Bevölkerungszahl ist von 2500 Einwohnern im Jahr 1660 auf mehr als 3200 im Jahr 1666 und auf bis zu 6700 im Jahr 1672 angestiegen. Damit hat die Kolonialverwaltung ihr Ziel erreicht, die Bevölkerung Neufrankreichs zu stärken und durch die Förderung
von Familien dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung der Kolonie aus eigener Kraft weiter wächst.
Les filles du Roy http://www.travelworldonline.de/fillesduroi.html
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