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Die Vertreibung der Pächter von Derryveagh
Hintergrund
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte die Mehrheit der Iren unter unvorstellbaren Bedingungen. Die Westküste war am schlimmsten betroffen. Überbevölkerung und Unterdrückung durch die Landlords trug dazu bei, dass die Landbevölkerung keine Aussicht auf ein besseres Leben hatte. Verschlimmert wurden diese Zustände durch die Hungersnot in den 40er Jahren, als die Kartoffelfäule mehrere Jahre die Hauptnahrung der armen Pächter zerstörte. über eine Million Menschen verhungerte oder starb an Krankheiten, die sich schnell verbreiteten. Noch einmal soviele wanderten aus. Der Grund für die Entwicklung ist in der Art und Weise zu suchen, wie das Land verteilt wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert richtete die englische Regierung "Plantations" ein als Reaktion auf den Aufstand der O'Dohertys Anfang des 17. Jahrhunderts. Land wurde an verschiedene Gruppen verteilt, die dafür zu sorgen hatten, dass dieses besiedelt wurde. Dabei erhielten vertrauenswürdige Engländer und Schotten bis zu 2000 Morgen, Armeeoffiziere 1500 Morgen und einheimische Iren, denen die Engländer vertrauten 1000 Morgen gewöhnlich schlechten Landes. Die Besitzer mussten einen jährlichen Betrag an die Krone entrichten und übertrugen das Land gegen Pacht an andere. Die Pächter wiederum konnten ihr Gebiet weiter vergeben an Kleinbauern. Der Verpächter und nicht notwendigerweise der Besitzer wurde als Landlord bezeichnet. Dieses System konnte sich über mehrere Stufen fortsetzen, so dass die Parzellen immer kleiner wurden und die untersten Pächter nicht mehr genug zum Leben hatten. Der Besitzer des Landes von Glenveagh vergab sein Land auf dieselbe Weise, behielt sich
aber Jagd-, Fischerei- und Schießrechte darauf vor. Pächter waren praktisch rechtlos.
Alle Verbesserungen, die sie auf ihrem Land machten, gingen automatisch in den Besitz
des Landlords über. Als Pächter hatten sie keinerlei Anspruch auf ihr Pachtland. Wenn es
dem Landlord geraten schien, Land in anderer Weise zu nutzen, konnte er seine Pächter
problemlos von ihrem Land vertreiben. Die Situation in UlsterIn der Provinz Ulster erhielten die Pächter im Unterschied zu anderen Provinzen Entschädigungen
für gemachte Verbesserungen. Das änderte sich, als Schwarzkopfschafe eingeführt
wurden. Landbesitzer erwarteten sich große Profite von der Zucht dieser Schafe und
gingen dazu über, Land, das bisher den Herden ihrer Pächter vorbehalten war, zu nutzen
und diese davon zu vertreiben. Auseinandersetzungen waren die Folge.
John George Adair - der neue BesitzerAdair war durch Landspekulationen reich geworden und kaufte den Grund von Derryveagh und Glendowan im Jahr 1857, den er durch Zukäufe ständig erweiterte. Bereits seine ersten Maßnahmen auf dem neuen Besitz zeigten, dass er nicht daran dachte nachsichtig zu sein. Er ließ eine Polizeistation errichten und setzte ein Pfund Strafe für jedes Stück Vieh aus, das unerlaubt seinen Besitz betrat. Kurz nach seiner Ankunft in Glenveagh machte Adair einen Jagdausflug auf das Land seiner Nachbarn, das er später kaufen sollte. Zu dieser Zeit hatte er bereits die Jagdrechte gekauft. Einer der Pächter, der nichts von diesem Kauf wusste, bedrohte ihn und verjagte das Wild. In der Folge wurde die Angelegenheit vor Gericht gebracht, aber es kam zu keiner Entscheidung. Die Zwietracht zwischen Landlord und seinen Pächtern war gesät und wiederholte Gerichtsverfahren folgten. In dieser Zeit holte Adair einige schottische Verwalter und Schäfer auf sein Land, die
zwielichtige Gesellen waren und das Vieh der Pächter immer wieder beschlagnahmten und
erst gegen hohe Strafen wieder hergaben, weil es den Adairgrund betreten hatte. Obwohl
es keine Schutzzäune gab, mussten sie bezahlen. Einer der Aufseher wurde schließlich
ermordet, und weil kein Schuldiger festgenommen werden konnte, entschied Adair,
alle Pächter von seinem Land zu vertreiben. Er war der Ansicht, die Pächter hätten
sich gegen ihn verschworen. Die Vertreibung der kleinen PächterEs spielten sich dramatische Szenen ab, als die Kleinpächter vertrieben wurden. Ganze Familien wurden ohne Vorwarnung mit Polizeigewalt aus ihren Katen vertrieben. Die Häuser wurden vor den Augen ihrer Bewohner sofort zerstört. Diese standen hilflos dabei und mussten zusehen, wie alles, was sie besessen hatten, zerstört wurde, ohne Hoffnung auf Hilfe oder baldige Verbesserung ihrer Lage. Für viele Pächter bedeutete dies Obdachlosigkeit und schlimme Not. Bei den Vertreibungen wurde keine Rücksicht darauf genommen, wie alt oder wie gebrechlich die
Bewohner waren. Jeder musste heraus, ob er selbst gehen konnte oder getragen werden
musste. Manche hatten Glück und konnten bei Freunden oder Verwandten unterkommen. Für die
meisten jedoch bedeutete der Verlust ihrer kleinen Häuser entweder das Armenhaus oder die
Auswanderung nach Australien.
Auswanderung nach AustralienIn Zeitungsberichten wird die Abreise der Auswanderer beschrieben. Dort heißt es, dass sie auf dem Weg aus dem Dorf noch einmal auf den Friedhof gingen, um endgültig Abschied von der Heimat und ihren Vorfahren zu nehmen. ältere Familienmitglieder mussten zurückbleiben, da nur die 18- bis 25jährigen ausreisen durften. Erst 1982 hat Dr. Bernard Barrett, ein australischer Historiker, herausgefunden, was mit diesen Menschen geschah. Sie hatten keine Vorstellung davon, was am anderen Ende der Welt auf sie wartete. Nachdem vier Schiffe mit ehemaligen Pächtern aus Derryveagh in Australien angekommen waren, verbreitete sich in Sydney die Nachricht von den dramatischen Ereignissen. Es wurde Geld gesammelt, um den Neuankömmlingen den Beginn eines neuen Lebens in Australien zu erleichtern. Ihre Überfahrt dauerte fast drei Monate. Dabei starben einige der Betroffenen. Drei Kinder
wurden an Bord geboren. Als sie am anderen Ende der Welt ankamen, wurden sie in Einwandererlager
gebracht, wo ihnen der Einstieg in die neue Welt erleichtert werden sollte. Sie erhielten Arbeit.
Viele der ledigen Mädchen verdingten sich als Dienstboten in Sydney, während die Männer als
Farmarbeiter in New South Wales ihren Unterhalt verdienten. Im Laufe der Zeit gliederten sie sich
in ihre neue Umwelt ein. Adairs SchicksalNach der Vertreibung seiner Pächter heiratete Adair die reiche amerikanische Witwe Cornelia Ritchie. Die Hochzeit fand 1867 statt, und die beiden erbauten Glenveagh Castle. Sie verbrachten viel Zeit in Amerika, und Adair kaufte sich dort unter anderem in eine Ranch in Texas ein. Er starb 1885 in Amerika. Seine Frau überlebte ihn um 36 Jahre. Sie überließ das Management ihrer amerikanischen Besitztümer anderen und kehrte nach Glenveagh zurück, wo sie zu einer bekannten Gastgeberin wurde. Sie betrieb das Schloss, den Park und den Grundbesitz und baute diese aus. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verließ sie Glenveagh und ließ dort eine Gruppe belgischer Flüchtlinge wohnen, die einen der Wege im Park des Schlosses anlegten. Während des irischen Unabhängigkeitskrieges wurde ein Brandanschlag auf das Schloss verübt, der aber scheiterte. 1922 wurde es von Gegnern des Unabhängigkeitsvertrags besetzt, die es als Festung benutzten und von dort aus Anschläge verübten. Im Sommer desselben Jahres marschierten Truppen der Armee der Republik darauf zu. Da die Besatzer vorher abzogen, wurde kein Schuß abgefeuert, und die Armee hielt das Schloss bis 1925 in ihrer Gewalt. Während dieser Zeit wurden Schloss und Park vernachlässigt, und als der Enkel von Mrs. Adair sie
erbte, verpachtete er es zunächst und verkaufte es dann an einen Harvard Professor, Arthur
Kingsley Porter. http://www.travelworldonline.de/glenveaghraeumungen.html
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