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Jean Talon1625 - 1694Montreal City Guide Old Montreal Map
Jean Talons frühe Jahre
1625 wurde Jean Talon als Sohn Philippe Talons und Anne de Burys in Chalons-sur-Marne in der Champagne geboren. Er besuchte
das Jesuitenkolleg in Clermont und begann danach eine Karriere in der Militärverwaltung. Im Alter von 30 Jahren war er bereits zum Intendenten
von Hainaut aufgestiegen, einen Posten, den er bis 1665 innehatte. Der Posten des IntendentenIn den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts war unter Cardinal Richelieu der Posten eines Kolonialintendenten geschaffen worden, dessen Aufgabe es war, die königliche Autorität in den kolonialen Besitzungen zu festigen. Zu den Aufgaben eines Intendenten gehörte die Kontrolle des Rechtssystems einschließlich aller Rechtsanwälte und Richter.
Ihm oblag die Aufsicht über die Finanzen und das Eintreiben der Steuern. Er musste für die Versorgung des Militärs sorgen, den Bau von
Straßen und Kanälen in die Wege leiten und den Bergbau beaufsichtigen. Sein Machtbereich war weit gefasst. Vorgeschichte NeufrankreichsVor Talons Ankunft geriet Neufrankreich zunehmend in Schwierigkeiten: Der Pelzhandel verlor an Bedeutung, nachdem die
Irokesen das Land der Huronen in der Zeit zwischen 1648-50 zerstört hatten. Wegen der indianischen Bedrohung wurden immer weniger Siedler
ins Land gebracht. Die Verteidigungsausgaben - und damit die Schulden - stiegen. Die Entsendung des Carignan-Salieres Regiments
und die Ernennung Talons zum Intendenten von Neufrankreich waren nur zwei der Maßnahmen, die von Ludwig XIV. und seinem Finanzminister Colbert
unternommen wurden, um der Kolonie zu helfen. Schöngeist und AmbitionenJean Talon verbrachte zwei Amtsperioden als Kolonialintendent in Neufrankreich: von 1665 bis 1668 und von 1670 bis 1672. In den kurzen fünf Jahren seiner Amtszeit erreichte er aufgrund der umfassenden Macht, die sein Posten mit sich brachte, viel für das gebeutelte Neufrankreich. Talon war in kulturell engagiertem Milieu aufgewachsen und interessierte sich für viele Dinge. Er nahm an philosophischen Diskussionen im Jesuitenkolleg in Quebec teil, komponierte musikalische Werke und sammelte Kunst. Er besaß eine starke Persönlichkeit und war freundlich und aufgeschlossen. Dieser Charakterzug erleichterte ihm die Erfüllung seines Auftrags, wenn auch seine Begeisterung und Überschwenglichkeit ihm manchmal Schwierigkeiten im Umgang mit den Kolonisten einbrachten. Eines seiner größten Probleme scheint seine schwache Gesundheit gewesen zu sein, denn immer wieder berichtet er in seinen Schreiben an die Kolonialbehörde, dass es indisponiert sei. Das scheint auch der Grund dafür gewesen zu sein, dass er nach jeder Amtszeit darum bat, nach Frankreich zurückkehren zu dürfen. Sein größtes Ziel war, die Kolonie zum Zentrum eines großen Reiches zu machen. Seine Ambitionen für Neufrankreich waren
so groß, dass Colbert ihn daran erinnern musste, dass Neufrankreich dem Mutterland unterstand und diesem dienen sollte. So begann Talon
die Infrastruktur der Kolonie zu verbessern und trieb die Besiedlung des Territoriums voran. Neue Siedler braucht das LandKurz nach seiner Ankunft stellte Talon in einer Volkszählung fest, dass 63% der Bevölkerung aus jungen Männern bestand. Auf eine unverheiratete Frau kamen drei unverheiratete Männer. Eine der Aufgaben Talons bestand darin, die Besiedlung der Kolonie voranzutreiben. Dies in einem Land zu tun, das fast das ganze 17. Jahrhundert in Kriege verwickelt war und unter einem König, der seine Untertanen nur ungern ziehen ließ, ließ ihm keine große Auswahl an Maßnahmen zur Förderung des Bevölkerungswachstums: dies mußte auf natürlichem Wege geschehen. Eine dieser Maßnahmen bestand darin, Familien, ausgebildete Handwerker und Vertragsarbeiter ins Land zu holen, wobei Letztere vor allem Land rodeten und Grundstücke für spätere Siedler vorbereiteten. Dafür erhielten sie vom König die Überfahrt, Kost und Logis und ein Gehalt bezahlt und hatten nach ihrer Vertragsdauer die Möglichkeit, sich in der Kolonie niederzulassen. Sie blieben selten länger als die drei Jahre, für die sie sich verpflichtet hatten. Wenn das Bevölkerungswachstum auf natürlichem Wege erfolgen sollte, brauchte die Kolonie unbedingt mehr Frauen. Dies erreichte Talon durch gezielte Anwerbung junger Frauen - den Filles du Roi - , die sich bereit erklärten, einen Kolonisten zu heiraten und sich in Neufrankreich niederzulassen. Ihnen wurde die Überfahrt bezahlt, und sie erhielten vom französischen König sogar eine kleine Mitgift.
Junge Kolonisten erhielten einen besonderen Anreiz, früh zu heiraten: Männern ab zwanzig und Frauen ab sechzehn Jahren erhielten 20 livres am Tag ihrer Hochzeit ausbezahlt, Familien mit zehn oder mehr Kindern bekamen 300 livres pro Jahr. Ehrenvolle Posten wurden nur an Familienväter großer Familien verliehen. Und wer sich weigerte zu heiraten, konnte sein Jagd-, Fischerei- oder Handelsrecht verlieren. So verdreifachte sich die Geburtenrate zwischen 1664 und 1674. Talon kontrollierte die Besiedlung vergebener Ländereien, sogenannter Seigneurien, und legte großen Wert darauf, die
Besiedlung zu konzentrieren. Vorher wurden Seigneurien wahllos über ein riesiges Gebiet verstreut vergeben, und viele Seigneurs scherten sich
kaum um die Auflage, Siedler ins Land zu holen. Neue Seigneurien wurden an Offiziere des Carignan-Salieres Regiments vergeben, die nach dem
Abzug ihrer Truppe im Land blieben. KolonialwirtschaftDie wachsende Bevölkerung musste versorgt werden, und auch darum kümmerte sich Talon. Vor seiner Amtszeit mussten Kleider aus Frankreich importiert werden. Er ließ Hanf und Leinen anbauen, aus denen Stoffe und Seile hergestellt wurden. Schafzucht, Gerbereien und Webereien wurden gefördert. Und sogar ein Hutmacher begann seine Dienste anzubieten. Alkohol und Wein, der teuer aus Frankreich importiert wurde, sah Talon nicht gerne in seiner Kolonie, da sie häufig zu Problemen führten. Stattdessen gründete er eine Bierbrauerei in Quebec. Bier galt als gesundes und nahrhaftes Getränk. Neufrankreich lieferte Rohstoffe, die von Handelsinteresse waren, wie Holz und Fisch. Diese wurden jedoch noch nicht genutzt. Talon ließ Hartholz (z.B. Eichen) für den Schiffsbau nach Frankreich bringen und Weichholz (z.B. Kiefern und Fichten) nach Westindien transportieren, wo daraus Truhen, Schachteln, Fässer und andere Gefäße hergestellt wurden. Er ließ Schiffe in einer kolonialen Werft bauen. Allerdings fehlte es an erfahrenen Arbeitern und an Geld, um diese Unternehmung am Laufen zu halten. Bald wurde das Holz im Rohzustand nach Frankreich exportiert, wo es weiter verarbeitet wurde. Kabeljau war ein Exportschlager der Kolonie. Die ersten Siedler ergänzten ihre Einkünfte dadurch, dass sie in den Flüssen
und Bächen ihrer Umgebung Fische fingen. Aber erst als Talon Fischerflotten in der Gaspe, in Akadien und an Labradors Küste schuf, nahm
die Bedeutung des Lachs-, Aal-, Kabeljau- und Robbenfangs zu. DreieckshandelDiese Produkte erlaubten Talon den Aufbau eines Dreieckshandels zwischen Neufrankreich, Westindien und dem französischen Mutterland, der für alle Beteiligten profitabel war. Im Herbst fuhren die Schiffe mit kolonialem Holz, Fisch und Robbenöl nach Westindien, wo sie ihre Waren ablieferten und mit Zucker, Rum, Baumwolle und Tabak beladen nach Frankreich segelten. Im daraufkommenden Frühjahr transportierten sie Stoffe, Wein, Waffen und Gebrauchswaren nach Neufrankreich. Wegen der Eisbildung im Sankt Lorenzstrom und der großen Entfernungen konnten diese Fahrten jeweils nur einmal pro Jahr
unternommen werden. Zudem waren die Kosten des Dreieckshandels enorm. EntdeckungenErmutigt durch die Erfolge seiner ersten Amtszeit konnte Talon nach 1670 daran gehen, das Land jenseits der Grenzen im Westen und Süden der Kolonien zu erforschen. Entdecker wie Daumont de Saint-Lusson (Große Seen), Louis Jolliet (Mississippi River) und Charles Albanel und Paul Denys (Hudson Bay) wurden ausgeschickt, neue Territorien zu erkunden. Ziel seiner Politik war es, neue Partnerschaften mit indianischen Pelzlieferanten einzugehen, die Verteidigung der Kolonie und den Zusammenhalt der Kolonie zu sichern und möglicherweise die sagenumwobene "Nordwestpassage" zu finden. Gleichzeitig sandte er Spezialisten aus, die die Kolonie nach Bodenschätzen durchsuchten. Blei, Kohle, Eisen und
Kupfer wurden entdeckt. Es fehlte jedoch an Bergleuten und finanziellen Mitteln, um diese Rohstoffe abzubauen. Persönliche ErfolgeJean Talon kehrte als wohlhabender und angesehener Mann nach Frankreich zurück. Bei seinem Tod im Jahr 1694 im Alter von 68 Jahren hinterließ er seinen Verwandten ein kleines Vermögen. Er stand beim König in hohem Ansehen und erhielt im Laufe seines Lebens zahlreiche Titel und Auszeichnungen. Nach seiner
Rückkehr wurde er zum Vertrauten des Königs ernannt, eine besondere Ehre, denn nur jene, die das absolute Vertrauen des Regenten genossen,
erhielten diesen Titel. Talon gehörte bis 1692 zum Hofstaat des Königs. Zwei Jahre vor seinem Tod zog er sich schließlich völlig aus dem
öffentlichen Leben zurück. Neufrankreich nach TalonDie meisten Projekte, die Talon in Neufrankreich gestartet hatte, wurden nach seiner Abreise eingestellt - sei es aus Geldmangel, sei es aus Mangel an Fachkräften oder sei es mangels fähiger Nachfolger. Die zwei Amtsperioden, die Talon in der Kolonie diente, reichten nicht aus, um seine Projekte zu dauerhaften Erfolgen zu verhelfen. Allein die Schuhproduktion blieb erfolgreich. Die meisten anderen Maßnahmen - die Bierbrauerei, der Holzhandel oder der Dreieckshandel - litten an der Vernachlässigung entweder durch das Mutterland oder durch desinteressierte Kolonialintendanten. Der Fischerei ging es etwas besser, vor allem weil die Nachfrage besonders groß war. Eines der größten Probleme der Kolonie war seine schiere Größe, die von einer Handvoll Menschen verwaltet, besiedelt und
verteidigt werden sollte. 1673 hatte Neufrankreich gerade 6700 Einwohner, während die britischen Kolonien im
Süden zusammen bereits mehr als 120000 Siedler vorweisen konnten. LeistungenTalon trug viel dazu bei, Neufrankreich aufzubauen. Seine Fähigkeit, die königlichen Weisungen den Bedingungen der
Kolonie anzupassen und sein starkes soziales Engagement trugen dazu bei, das Leben der Kolonisten zu erleichtern und die Kolonie zu erweitern.
Jean Talon, First Intendant of New France, The Man and His Achievements http://www.travelworldonline.de/jeantalon.html
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