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Maison St. Gabriel

Montreal City Guide

Maison St. Gabriel
© Maison Saint-Gabriel

Geschichten aus einem historischen Haus

Sogar in einer der ältesten Städte Nordamerikas (Montreal wurde 1642 besiedelt) gibt es wenige Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. Eines, das gut erhalten ist, ist das Maison Saint-Gabriel, die größte Farm der Congregation de Notre-Dame, eines Frauenordens, der in der Gründerzeit der Stadt eine große Rolle spielte. Abgesehen davon, dass es ein schönes altes Haus ist, ist es eines der historisch bedeutendsten in Quebec und ist heute für die Öffentlichkeit zugänglich.

Das beeindruckende Steinhaus mit den steilen Giebeln im normannischen Stil und seiner gemauerten Scheune stammen aus dem Jahr 1698. (Ein früheres Gebäude aus dem Jahr 1660 brannte 1693 nieder.) Das weite Farmland, das das Haus früher umgab, versorgte die Kolonie mit Nahrung.

Heute liegt das Gebäude in Pointe Saint-Charles, einem Arbeitervorort zwischen dem Lachine Kanal und dem St. Lorenz Strom. Bei einem Besuch erfahren Sie faszinierende Details und Anekdoten aus der Geschichte des Hauses. So zum Beispiel, dass das Haus seine symmetrische Form im Jahr 1720 verlor, als ein neuer Westflügel für männliche Farmarbeiter angebaut wurde, der durch eine solide Wand von den Wohnräumen der Nonnen getrennt war. Es wird erzählt, dass die Nonnen sitzend schliefen, weil es damals als gut für die Lungen und das Verdauungssystem galt.
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Maison St. Gabriel
© Dan Lavoie (Studio Odyssee)

Marguerite Bourgeoys

Die erste Leiterin des Hauses war Marguerite Bourgeoys (1620-1700, heiliggesprochen 1982). Sie war eine Tochter aus gutem Hause und trat 1640 der Congregation de Notre-Dame in ihrer Heimatstadt Troyes bei, jedoch nicht als Nonne, sondern als Laienschwester, und machte es sich zur Aufgabe, Frauen und junge Mädchen in der Neuen Welt zu unterrichten. Zu diesem Zweck reiste sie mehrmals zwischen Europa und Neufrankreich hin und her, um Geld für ihr Vorhaben zu sammeln.

1657 war unter ihrer Aufsicht die erste Steinkirche Montreals, Notre-Dame-de-Bon-Secours, fertiggestellt worden, die noch heute in der Altstadt Montreals steht. Von 1658 an unterrichtete sie in ihrer ersten Schule. Die Farm kaufte sie 1668 von der Familie Le Ber als Unterkunft für Nonnen, als Mädcheninternat und Farm und unterstellte sie der fähigen Leitung von Catherine Cralo.
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Les Filles du Roi

Die wahrscheinlich romantischste Episode in der Geschichte des Hauses ist die Rolle, die es als erste Heimat der "Filles du Roy", der "Töchter des Königs", gespielt hatte. Zwischen 1665 und 1673 kamen etwa 1000 junge Frauen aus Frankreich in die Neue Welt als Bräute für die Kolonisten. Es war die Idee König Ludwig XIV., daher der Spitzname. Sein Ziel war, dass die Kolonie aus eigener Kraft wuchs, ohne Frankreich zu entvölkern.
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Jeanne Le Ber

Marguerite Bourgeoys beeinflusste das Leben einer weiteren jungen Dame. Jeanne Le Ber (1662-1714) war die einzige Tochter eines der wohlhabendsten Bürger des jungen Montreal - dem ursprünglichen Besitzer der Farm. Sie war wahrscheinlich eine der besten Partien in Neufrankreich. Aber schon als kleines Mädchen war sie introvertiert und fasziniert von der Religion. Sie beschloss, Einsiedlerin zu werden.

1680 zog sie sich in ihr Zimmer zurück, das sie 1695 mit einer Zelle hinter dem Altar der Kapelle der Congregation de Notre-Dame vertauschte. Dieser Umzug war vertraglich festgelegt worden: Jeanne Le Ber zahlte Miete und unterstützte die Congregation großzügig. Die Nonnen versorgten sie mit Essen, Kleidung, Holz und einer Zofe. Außerdem wurde auf der Rückseite der Kapelle eine dreistöckige "Zelle" angebaut.

Jeanne Le Ber verbrachte einen Großteil ihrer Zeit mit dem Besticken von Messgewändern und Altartüchern für verschiedene Montrealer Kirchen. Und 1711, als eine englische Armee auf Montreal zumarschierte, schuf sie eine Flagge, die von den Verteidigern der Stadt mit in die Schlacht getragen wurde. Als ein Sturm die englischen Versorgungsschiffe zerstörte, zog sich die Armee zurück. In Montreal schrieb man den Sieg dem Banner Jeanne Le Bers zu.

Wenn es heute auch übertrieben erscheint, einem Stück Stoff soviel Macht zuzuschreiben, so wird Sie ein Blick auf das Werk Jeanne Le Bers überraschen. Es wird noch heute in einer Vitrine im Maison St. Gabriel aufbewahrt und ist ein Meisterwerk, in dem chinesische, persische und mittelalterlich europäische Stilrichtungen geschickt miteinander verwoben wurden. Schon allein deswegen lohnt ein Besuch im Maison Saint-Gabriel.
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Weiterführende Links

Frühe Schulen in Neufrankreich
Weitere Informationen zu Marguerite Bourgeoys

Les Filles du Roi - Die Töchter des Königs
Die Geschichte der jungen Bräute aus Frankreich in den Kolonien

Montreal Tourism - Sehenswürdigkeiten
Weitere Attraktionen in Montreal.

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