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Yukon, ich bin wieder da

Schnell erledigte ich den notwendigen Papierkram für die Versicherung und Anmeldung des Autos. Dabei traf ich Gyula im Straßenverkehrsamt. Er arbeitet jetzt für Alexco Ressources, die die Minen in Elsa betreiben und hatte einige Tage frei, um in Whitehorse einige Sachen zu erledigen wie zum Beispiel seine Scheidung von Roxeanne. "Meine erste Ehe hat 16 Jahre gehalten, die zweite jetzt 16 Monate, bei der nächsten werden es wohl nur 16 Wochen sein", witzelte er. Nun, ganz so locker war die Sache wohl doch nicht gewesen. Die Mounties hatten ihm seine Gewehre abgenommen und es wird wohl noch ein gerichtliches Nachspiel geben. Heiraten, so ein Quatsch!

Danach fuhr ich mit dem Rad Richtung Campingplatz, dort über die "neue" Hängebrücke und auf der anderen Seite des Yukons zurück. Schließlich musste ich mich erst mal innerlich auf den Yukon einstellen, weil der direkte Hopser von Kevelaer nach Whitehorse trotz Zwischenaufenthalt in Darmstadt - noch mal besten Dank, Kai - doch recht drastisch war. Auf den Inseln im Yukon River war das Eis noch gut anderthalb Meter dich, die meisten Kanäle jedoch schon frei. Die Sonne schien, doch der Wind wehte recht frisch.

Die SS Klondike lag noch an ihrem Platz, auf dem Grey Mountain lagen noch zahlreiche Schneefelder und auf der Main Street hatte sich auch so gut wie nichts verändert. Genau so mag ich es. Zur Feier meiner Ankunft gönnte ich mir im Klondike Rib & Salmon BBQ Fish und Chips. Dabei erzählte ich kurz mit Dona und Trevor, die das Restaurant gerade erst ein paar Tage vorher eröffnet hatten. Sie hatten den Winter auf ihrer Trapline mit Fallen stellen und Jagen verbracht. Yukon, ich bin wieder hier (und nein, ich hörte kein "Oh, Gott" als Antwort)!!!

Da Kohlers nicht in die Stadt kommen konnten, trampte ich zum Fox Lake und war erstaunlich schnell dort. Fahrt zum Alaska Highway, nach fünf Minuten bis zum Klondike Highway mitgenommen, drei Minuten gestanden und bis zum Takhini River gefahren und schließlich brachte mich Larry Bagnell, Bundesratsmitglied des Yukons in Ottawa, bis zum Fox Lake. Hier erzählte ich mit Mike und den Kids, während Mutter Mecky gerade in Deutschland weilte. Mike hatte die Autobatterie geladen - und außerdem den bei der Jagd mit Matthias im letzten Herbst abgerissenen Spiegel angeklebt -, so dass Rusty 3 problemlos ansprang und ich gen Whitehorse fuhr.

"Noch mehr China junk!"

Im dortigen "Industriegebiet" hatte sich einiges getan. Vor allem die Umsiedlung des Canadian Tire Baumarktes und des Workwear World Ladens war für mich neu. Canadian Tire war jetzt viel, viel größer und ich braucht eine Weile, bis ich mich zurecht fand. Wie hatte Mike Kohler so treffend gesagt: "Noch mehr China junk!" Ich tätigte erste Einkäufe und sondierte Preise bei Canadian Tire, Wal Mart, Real Canadian Superstore und Extra Foods. Die meisten Sachen waren etwas teurer geworden, aber es hielt sich in Grenzen. Auf der Main Street hatte der Coast Mountain Outdoorladen wegen Umzugs ins Hougen Center auf der anderen Straßenseite wasserdichte Säcke mit Tragesystem im Angebot, so dass ich direkt zuschlug.

Gegen Vorabend fuhr ich zum Flughafen hoch, um Bazi Flo dort abzuholen. Mit mir war auch Nicola da, eine Ex-Freundin von Matthias, die in Whitehorse als Lehrerin arbeitet und dort lebt. Bei ihr würden wir uns in der nächsten Zeit aufhalten können. Schließlich mussten wir noch mindestens vier Tage hier bleiben, da Flo noch allerhand zu erledigen hatte und Versicherung und Anmeldung seines Autos erst am Dienstag erledigen konnte, da Montag irgend so ein dummer Feiertag war (wegen so einer englischen Königin namens Victoria, die schon seit Ewigkeiten tot ist). Flo war tierisch happy wieder im Yukon zu sein, hatte er doch 2006 ausgelassen.

Als erstes fuhren wir in den Vorort Riverdale wo Roxeanne - Gyulas Ex-Frau - jetzt wohnte, die den Schlüssel für sein Auto hatte. Hier trafen wir auch Gabor, Gyulas Sohn aus erster Ehe, der ebenfalls hier wohnte. Musste ich das jetzt verstehen? Mit Gyula trafen wir uns auf ein Bier in der Discovery Bar, bevor wir raus zu Nicola fuhren. Die wohnt mit ihrem Freund Tyson, der als Park Ranger in den Tombstones arbeitete, in der Nähe der Takhini Hot Springs Road, allerdings auf der rechten Seite des Klondike Highways, also außerhalb von Downtown. Eine nette Hütte, gar nicht weit vom Yukon River entfernt. Zusammen mit zwei Freundinnen spielte sie am Fernseher Super Mario. Eine typische Yukon-Freizeitbeschäftigung!? Um es in der Hütte nicht zu eng werden zu lassen und um mich dran zu gewöhnen pennte ich in Rusty 3.

"Treadwell - hu-jup, hu-jup"

Obwohl Flos alter Suburban anderthalb Jahre gestanden hatte, sprang er an. Nicht versichert und angemeldet fuhren wir zur Annie Lake Road, wo Gyula einen guten Mechaniker kennt, der sich des Autos annahm. Danach ging es zurück nach Downtown um Autoersatzteile zu besorgen und andere Klamotten einzukaufen. Nach der ganzen Hektik fuhren wir zurück zu Nicola um dort zu relaxen. Sie hatte für uns den Dokumentarfilm über Timothy Treadwell besorgt, den Vogel der 2003 mitsamt seiner Freundin im Katmai Nationalpark in Alaska von Kodiakbären aufgefuttert worden ist (ich hatte ja letztes Jahr schon kurz darüber berichtet).

Der Film war von Werner Herzog aus Material von Treadwell und Interviews von Leuten die ihn kannten zusammen gestellt worden. Treadwell war noch bekloppter als ich dachte, nachdem ich die beiden Bücher über ihn gelesen hatte. Nicht nur, dass er den Bären Namen gab, sie berühren und mitten unter ihnen campte, sondern er bewegte sich auch selbst oft wie ein Bär. Woanders werden sie in geschlossenen Anstalten untergebracht, während man sie im Norden in die Wildnis lässt und sich das Problem nach einer Weile von selbst erledigt. Nur schade, das seine Freundin und zwei Bären mit dran glauben mussten.

Freunde und Bekannte von Treadwell, die im Film interviewt wurden, standen ihm nicht viel nach. Die reinste Freak-Show, vor allem die Tussi mit der er zusammen die Organisation "Grizzly People" (www.grizzlypeople.com) gegründet hatte. In einem der Bücher schrieb der Autor auch darüber, dass die Parkverwaltung aus ihren Fehlern wohl nichts gelernt hätte und auch andere Tierfilmer, die sich nicht an die Regeln halten nur verwarnen würden. Als Beispiel wurde Andreas Kieling genannt, der ebenfalls meint bis auf zwei Meter an die Bären heran gehen oder sich zwischen brünftige Elchbullen legen zu müssen, um sich zu profilieren.

Hufeisen werfen

Am Sonntag wollte ich mich ein bisschen beschäftigen und füllte mit Flo die ganzen Löcher auf, die die Huskys um ihre Hütten und das Haus gebuddelt hatten. Danach erteilte ich den Hunden Buddelverbot, was aber nicht so richtig fruchtete. Anschließend fuhr ich mit dem Mountain Bike und einem der Hunde zum Yukon River (Nicola gab mir den wohl mehr zum Schutz mit, entweder vor Bären oder damit ich zurück finden würde). Waren die Nächte noch recht kühl, war es tagsüber schon richtig heiß. Ich setzte mich an den Fluss und es kam ein Kanu mit zwei französischen Paddlern vorbei, was die Unterhaltung auf ein Mindestmaß beschränkte.

Am Feiertag ging es zu einer Party bei Freunden von Nicola auf Cowley Road, in der Nähe der Annie Lake Road. Es wurde gefeiert, dass sie aus einem Riesenberg Holzstämme Bretter geschnitten hatten und jetzt endlich ans Haus bauen gehen konnten. Nicola hatte zu diesem Anlass sogar extra eine Flasche Champagner mitgebracht. Das Pärchen und eine weitere Freundin waren sehr nett. Wir unterhielten uns, futterten lecker und brieten in der Sonne. Das Grundstück bietet eine schöne Aussicht auf den Mount Lorne und den Mount Golden Horn. Hinten führen direkt die Schienen der White Pass & Yukon Railway vorbei, wobei dieser Teil von Carcross bis Whitehorse ja nicht mehr befahren wird. Zum Abschluss warfen wir Hufeisen, wobei ich gestehen muss, dass die Jungs - knapp - gegen die Mädels verloren.

"Was, du willst nicht handeln?"

Am nächsten normalen Arbeitstag erledigte Flo seine Behördengänge, wir brachten die Ersatzteile zu Mechaniker Rick und gingen auf Bootsuche. Nach langem hin und her fand Flo schließlich ein passendes, 14 Fuß langes Lund-Boot aus Aluminium beim Yamaha-Händler. Dabei vergaß er etwas und ich musste einschreiten: "Was, du willst nicht handeln?" (siehe mal wieder: "Das Leben des Brian"). Immerhin bekam er 200 Dollar runter. Die hauten wir beim anschließenden Lebensmittelgroßeinkauf im Superstore ganz locker auf den Kopf (aber jeder). Bei den Preisen in Mayo muss man sich halt vorher groß eindecken. Außerdem war das bevor ich in den Yukon News las, dass es im Superstore wohl eine Mäuseplage gibt.

Gegen abend ging es wieder zu Rick raus, wo wir endlich Flos Wagen abholten. Dabei entdeckte ich auch eine alte 400er Enduro von Yamaha, die Rick für 400 Dollar verkaufen wollte. Wäre ja ganz schön, aber auch wieder ein Teil mehr zu versorgen und ich wollte mich vom Konsumrausch hier zurück halten. Restlos erledigt von diesem anstrengenden Tag und der abermaligen Hitze fuhren wir zu Nicola zurück.

Mittwoch vertickte ich schnell einige Bücher bei Mac's. Dort wurde ich von den Kollegen der Buchkäuferin Lise schon als deren Freund gehandelt. Klar, der Ladykiller aus Keno war wieder da. Flo musste noch einen Öl- und Reifenwechsel vornehmen lassen. In der Zeit kauften wir noch die letzten frischen Lebensmittel ein, luden schließlich das Boot auf Flos Wagen und endlich kamen wir los. Es war schweineheiß und wir fuhren gemütlich im Mini-Konvoi den Klondike Highway rauf. Hatten wir beim Einkaufen schon zig Bekannte getroffen kam uns am Fox Lake noch Mike Kohler entgegen.

Gen Keno City

An den Twin Lakes, in Carmacks und an den Five Finger Stromschnellen legten wir kurze Pausen ein. Trotz des vielen Schnees im Winter führten der Yukon und auch andere Flüsse relativ wenig Wasser. Die Vegetation war überall schon sehr weit und nirgendwo lag mehr Schnee. Mit 80-90 km/h ging es weiter nach Pelly Crossing und schließlich nach Stewart Crossing. In Stewart Crossing trafen wir Otto Lind - Flos Nachbarn am Hanson Lake und Freund von meiner ehemaligen Nachbarin Helen - und quatschten mit ihm.

In Mayo tankte ich und fuhr nun vorne weg, weil Flo mit dem Boot auf der Schotterpiste nicht so schnell fahren konnte. Ich sah den Mount Haldane, die Halfway Lakes, Elsa und als ich Keno City schlussendlich in Sicht hatte, gab die Kupplung ihren Geist auf. Das geschah so plötzlich, dass ich ein gerissenes Kupplungsseil vermutete. So schlich ich im zweiten Gang nach Keno rein und fuhr zur Hütte. Hier war alles in Ordnung, ich nahm die Verkleidungen von den Fenstern und ruhte mich ein wenig aus. Danach ging zu Mikes Snackbar, wo Flo auch schon angekommen war. Nach dem "Hallo" frönte ich der schlechten Laune ob meines kaputten Autos in meiner Hütte und entzog mich so der Trinkerei.

Glücklicherweise war Joe weiterhin im Dorf, der sich als KFZ-Mechaniker meines Problems mit Rusty 3 annahm und schnell den Zylinder der Kupplung als Fehlerquelle ausmachte. Also bestellte ich per Telefon das Teil bei Napa (North American Autoparts) in Whitehorse. Es kostete etwa 50 Dollar, die Fracht noch mal 33 Dollar, dauerte über eine Woche und dann schickten die Deppen auch noch das falsche Teil. Mist, verdammter. Glücklicherweise fuhr Flo mit Gyula nach Whitehorse und nahm das Teil mit.

Fast alles beim alten

In Keno City war - wie immer - fast alles beim alten geblieben. Bis auf Insa, die für einen Monat nach Deutschland geflogen war, waren die üblichen Verdächtigen da oder trudelten nach und nach ein: Mein Nachbar Hans, Mike Kokanov und Yvonne, die das Museum betreuten, Kenos Faktoten Paul und Milos, Dick Brost, der Rusty 3 vor zwei Jahren aus dem Bach gezogen hatte, Lucien und Claus Barchen, die allerdings noch nicht auf ihrem Claim arbeiteten, Pat, der weiter an seinem Haus arbeitete, unsere Indianer Ruth und Jake, John, der ziemlich blank und auf der Suche nach einem Job war, Tyler und seine Freundin Raelene, die in Wolfis Haus wohnten, Insas Mann Bob und natürlich Geordie in seiner Kneipe.

Nach ein paar Tagen kamen Dirk und Christie, die ja das Grundstück von Bob Bush gekauft hatten und fingen mit einer Crew an zu bauen. Innerhalb einer Woche stand eine kleine, aber feine Hütte in der Milos wohnen sollte und dann fingen sie mit ihrem Holzhaus an. Das hatte eine falsche Häuserfront, wie das Museum und einige Häuser in Dawson City. Ruckzuck waren die vier Außenwände hochgezogen. Kein Wunder, schließlich hat Dirk ein Unternehmen, das genau so etwas macht. Das Haus steht auf einem Hügel und man hat von dort einen tollen Überblick über Downtown Keno und die umliegenden Berge. Als ehemaliger Handlanger auf dem Bau (Hallo Anselm!) musste ich mir das doch mal genauer anschauen und Dirk erklärte mir wie es gebaut wurde.

Aus meinem Schuppen war die Schubkarre verschwunden, die ich aus den Hinterlassenschaften von Bob Bush heraus geklaubt (ein wichtiges "b") hatte. Allerdings gehörte sie diesem gar nicht, sondern Mike Mancini und Paul hatte sie nur dort stehen lassen. Während des Winters hatte Paul sie dann aus meinen Gartenhäuschen geholt, weil Mike sie brauchte. Als wir mal bei Mike saßen, fragten wir uns wem denn wohl ein Kombi gehören würde, der seit einigen Tagen beim Museum stand. "Oh, denn könnte ich gut gebrauchen", sagte ich, immer noch nicht mobil durch das Problem mit Rusty 3. "Wenn in Keno City irgend etwas weg kommt, gucken wir am besten immer zuerst auf deinem Grundstück nach", bemerkte Mike darauf hin

Direkt am Tag nach unserer Ankunft in Keno feierte Gyula seinen 50. Geburtstag an seiner Hütte am Hanson Lake 1. Zusammen mit John und Flo fuhr ich vorher schon zum Hanson Lake 2, wo wir das neue Boot zu Wasser ließen, mit den gesamten Einkäufen und der Ausrüstung von Flo beluden und zur Baziinsel fuhren. Dabei hörten wir die Loonies rufen. An Flos Haus war alles in Ordnung, wir luden alle Klamotten ein und ruhten uns auf der Veranda aus. Nach einer Weile ging ich ins Haus, weil es mir draußen einfach zu heiß war. Wir drehten mit dem Boot eine Runde über den See, fuhren zum Ufer und anschließend mit dem Auto zu Gyula.

Zauberparty am Hanson Lake 1

Hier war noch nicht viel los, soll heißen wir waren die einzigen Gäste bis auf Gyulas Freund Attila, wie dieser aus Ungarn stammend. Die anderen Gäste waren Gyulas Arbeitskollegen aus der Mine bei Elsa, ein Haufen Kids um die 25, die ein Stündchen nach uns erschienen. Rechtzeitig zur Show, denn Attila ist ein bekannter Zauberkünstler aus Calgary. Einige Tricks waren recht einfach, andere wieder sehr verblüffend, aber es war auf jeden Fall gute Unterhaltung. Danach wurde halt Bier getrunken und gequatscht. Jedenfalls bis jemand auf die Idee kam, ein altes, vermodertes Boot von Gyula brennend in den See zu stoßen. Das sah echt klasse aus. Ein Wikingerbegräbnis ohne Wikinger. Die übrig bleibenden Teil wurden noch beschossen.

Autolos konnte ich ansonsten in Keno nicht viel anstellen. So las ich viel, sägte schon mal Brennholz, arbeitete auf meinem Grundstück ein wenig vor mich hin und reparierte das Kanu. Ein alter Bekannter vom letzten Herbst ließ sich wieder blicken: Der schwarze Crossfox mit der weißen Schwanzquaste. Paul erzählte mir, dass dieser über den Winter einen Teil seiner Nudelvorräte an den Fuchs verfüttert hatte. Aus den Yukon News erfuhr, das Bobo gestorben war, der die Bäckerei vor Carcross hatte und von dem ich meine Hütte - damals noch in mintgrün - gekauft hatte. Ich dachte an die schöne Zeit dort mit Bobo, seiner schon verstorbenen Frau Gail und Josh zurück. Mit Bobo verlor der Yukon einen weiteren seiner urigsten Charaktere im Stile der alten Sourdoughs.

Als Flo von seiner Insel in die große Stadt - gemeint ist Keno City - kam, brutzelten wir bei mir auf dem Lagerfeuer was zum Abendessen, tranken ein paar Bier und beobachten ein Vögelchen, das auf meinem Grundstück brütete. Das Wetter war klasse und Flo kam auf die Idee den Keno Hill hoch zu fahren, um auszuprobieren, wie weit wir kommen würden. Bei etwa Kilometer sieben stoppten wir, weil der Schnee doch ein wenig hoch lag. Wir gingen ein paar Schritte und guckten uns um. Schön hier. Habe ich schon mal so ganz nebenbei angemerkt, dass ich mich hier in einer ganz tollen Gegend nieder gelassen habe? Falls ja, mir egal. Wir gingen wieder zurück zum Auto und ich dachte gerade darüber nach, wie ich 1999 ungefähr hier stecken geblieben war, welch kleinen Wendekreis Rusty 1 und 2 doch hatten und wie weit ich mit Rusty 3 vielleicht noch hätte hoch fahren können, als Flo auf dem Schnee zurück und in den Graben setzte. Mist, wir steckten fest.

Mal wieder im Graben

Ein alter Suburban mit Hinterradantrieb, dem ganzen Gewicht vorn, Automatikgetriebe und purem Eis unter den Rädern Eis, war kaum zu bewegen. Wir probierten es mit einer alten IsoMatte, einer Decke, flachen Steinen und Ästen unter den Rädern sowie seitlichem Wackeln. Nix, tat sich. Schließlich legten wir noch mal Kies drunter, mittlerweile waren unsere beiden Schuhe durchflutet und die Finger vom Eiswasser gefroren, Flo gab Gas, ich drückte von hinten mit der Schulter und wir schaukelten den Wagen vor und zurück. Dadurch brachten wir ihn etwa 15 Zentimeter näher an die Straße. Ich war ganz schön aus der Puste. Nach einigen erfolglosen Versuchen, brachten wir die Karre komplett auf die Straße. Wir beglückwünschten uns gegenseitig und fuhren runter. Happy End, vor allem für mich, da ich mal mitbekam, das so etwas auch anderen passiert.

Ein anderes Mal fuhr ich mit Flo und Paul nach Mayo. Einige kurze Einkäufe, äh, also Bier, ein Blick ins Internet und schon ging es wieder zurück, weil wir den Mount Haldane hoch wollten. Paul wollte nur ein Wespennest absägen und für viel Geld verkaufen - waren wohl irgendwie seltene Wespen -, aber das war schon weg und er trampte zurück. Wir fuhren einen weiteren Kilometer in den Busch und wanderten los. Zuerst war es recht steil und dann lag dort wo die Sonne nicht hin kam Schnee auf dem Weg. Nach etwa zwei Stündchen waren wir auf dem Sattel.

Der Grat zum Gipfel war noch ziemlich von Schnee bedeckt, aber wir versuchten unser Glück. Das erst Stück ging noch, aber dann sackte ich immer tiefer in den Schnee ein. Schließlich kam ich an ein Schneefeld bei dem ich nicht mehr genau sehen konnte, ob unter dem Schnee noch Felsen oder das ein Überhang war. Da es auf dieser Seite recht steil war, brach ich meinen ersten Besteigungsversuch in diesem Jahr ab und ging zu Flo zurück. Wir setzten uns in die Sonne und pausierten, bevor es hinunter ging. Abends gab es Pizza bei Mike und später saßen wir mit Lucien bei mir am Lagerfeuer, quatschten dummes Zeug und tranken Bier. Ich glaube, dass der Flo einen schlechten Einfluss auf mich ausübt.

Gold?

In der nächsten Zeit regnete es viel, was ich zum Anlass nahm ausgiebig zu lesen und mich mit dem Inneren meiner Hütte zu beschäftigen. Außerdem buddelte ich bei schönem Wetter intensiv nach Gold auf meinem Grundstück. Auf der Rückseite der Hütte, etwa acht Meter entfernt, schaffte ich so ein ein Meter mal ein Meter breites und etwa 1,50 Meter tiefes Loch. Dicke Felsen, die ich mühsam ausbbudeln und dann hoch hieven musste (die waren so schwer, dass sie wirklich wie aus Gold schienen), erschwerten die Arbeit, aber nach einer Weile war es vollbracht. Gold hatte ich zwar keines gefunden, aber das Loch eignete sich ausgezeichnet, um darauf ein Outhouse - für Sandra: ein Klohäuschen - darauf zu errichten.

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