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Karneval in Quebec City
Der Bonhomme Carnaval regiert

Der Bonhomme Carnaval

Zwischen Eisskulpturen und Paraden:
Straßenkarneval in Quebec City - "Bonjour Carnaval" bei minus 30 Grad

QUEBEC CITY (w&p) - Auf dem breiten Strom vor den verschneiten Häusern der Altstadt schieben sich dicke Eisschollen zum Meer hin. Es ist klirrend kalt. Doch aus den Lautsprechern schallen die aufwärmenden Klänge von Volksmusik, wie sie in der Provinz Quebec gepflegt wird. Eine schneeweiße, mannsgroße Figur schreitet majestätisch winkend durch die Menge. Überall wo sie stehenbleibt, bilden sich Trauben von Menschen, tanzen, lassen sich mit ihr fotografieren und singen die alten Lieder. "Bonhomme Carnaval", die Symbolfigur des Karnevals, hat Einzug gehalten in Quebec City, der Hauptstadt der kanadischen Provinz Quebec. Zehn Tage lang regiert der lustige Schneemann alljährlich im Februar die verschneite Stadt. Sein Erkennungszeichen ist die rote "Tuque", die typische Zipfelmütze der Holzfäller und Bauern der größten Provinz im Osten Canadas.

Unter der Führung ihres Maskottchens feiern die Bürger Quebecs den schönsten Winterkarneval Nordamerikas. Schauplatz ist die Altstadt, die - einzigartig in Nordamerika - von einer heute noch vollständig erhaltenen Stadtmauer aus den Gründertagen umgeben ist. Die gepflasterten Straßen und Gassen rings um das historische Hotel Le Chateau Frontenac, das weithin sichtbare Wahrzeichen Quebecs hoch über dem St. Lorenz-Strom, verwandeln sich in eine festliche Bühne. Traditionelle Wettkämpfe und bunte Paraden, phantastische Eisskulpturen und ein abenteuerliches Kanurennen sorgen für Stimmung.

Wochenlange Kälte von minus 20 Grad und weniger ist keine Seltenheit im langen kanadischen Winter. Dicke Schneepolster lasten auf den Häusern. Doch dann, im Februar, ist es genug der dunklen Winterstimmung.

Die "joie de vivre", die sprichwörtliche Lebensfreude der Einheimischen, läßt sich nicht mehr einschließen, sie bricht machtvoll heraus. Wenn sich die Einwohner anderer Städte schlotternd in unterirdische Einkaufszentren verkriechen, taut Quebec City auf. Das Ende des Winters ist abzusehen, und das muß man feiern. Man will hinaus, den Elementen trotzen und mit anderen fröhlich sein. Über hundert Jahre ist der "Carnaval de Quebec" schon alt. Wie in vielen katholischen Ländern feiert man in der kanadischen Provinz ausgelassen in den Tagen vor dem Aschermittwoch - die letzte Gelegenheit vor der Fastenzeit. Aus diesen Wurzeln entstanden in vielen katholischen Regionen der Welt Karnevals: in Rio und New Orleans ebenso wie in Köln und Mainz.

Bereits 1894 wurden beim "Carnaval de Quebec" die ersten Eisskulpturen gebaut, wurden Paraden und Schneeschuhrennen ausgetragen. Heute nehmen Tausende an den farbenfrohen Paraden und Wettkämpfen teil. Ganze Straßenzüge, wie zum Beispiel die Rue Ste.-Therese sind von Eisskulpturen gesäumt. Beim 'Carnaval' werden die Anwohner dieser Straße zu wahren Künstlern. Wer hier lebt, schnitzt Skulpturen aus Eis und Schnee. Die Motive reichen von Märchenfiguren bis hin zu aktuellen politischen Themen.

Schon am frühen Morgen wird hier das typisch kanadische Holzfällerfrühstück mit Pfannkuchen und Speck serviert. Daneben gibt es Stände, an denen in großen Kesseln der Ahornsirup brodelt. Eine echte Delikatesse! Nach einem deftigen, wärmenden Mittagessen zieht man am letzten Tag des Festes hinab zum Ufer des St. Lorenz-Stroms. Seit Wochen trainieren dort die Kanuten. Es gilt, den fast einen Kilometer breiten Fluß, in dem riesige Eisschollen treiben, in beide Richtungen zu überqueren. Gut eine Stunde brauchen die schnellsten Teams. Wer nicht genug geübt hat oder in eine falsche Strömung gerät, muß oft Stunden später vom Eisbrecher gerettet werden.

Inzwischen wird in der Altstadt schon wieder gefeiert. Immer unter der Führung von "Bonhomme Carnaval", dem symbolischen Schneemann, dem närrischen Riesen. Seine Residenz ist das zwanzig Meter hohe Schloß aus Eis und Schnee, das für die zehn Tage des Festes gegenüber dem Parlament der Provinz errichtet wird.

Abends, wenn es dann noch kälter wird und die Temperaturen auf minus 30 Grad Celsius sinken können, brauchen die tapferen Karnevalisten Stärkung. "Caribou" heißt das Zauberwort und ist eine hochprozentige Mischung aus Rotwein, Rum und anderem mehr. Glühwein kanadisch! Um das zum Überleben notwendige Elixier immer griffbereit zu haben, wird es in hohle Spazierstöcke abgefüllt. Jeder, der ernsthaft feiern will, geht daher schon frühabends am Stock. Am späteren Abend werden die Stöcke dann leichter, und die Stimmung steigt auf den Höhepunkt. Auf den verschneiten Plätzen tanzen die Menschen und singen. Aus allen Winkeln und den erleuchteten Fenstern der zuvor winterlich erstarrten Stadt klingt es: "Bonjour Bonhomme! Bonjour Carnaval!"

Offizielle Homepage des "Carnaval du Quebec"

Weiterführende Literatur

http://www.travelworldonline.de/quebeccarnaval

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