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Yukon Life
Regen, Regen, Regen

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Regen, Regen, Regen

Ich fuhr von Whitehorse nach Johnsons Crossing zu Claudia und Matthias. Er war gerade mit einem Freund auf dem Big Salmon unterwegs und hatte wegen des niedrigeren Wasserstandes wohl keine einzige Portage gehabt. Schön so ein Satellitentelefon. Wir tauschten schnell die Kanus aus und ich quatschte noch lange mit Claudia. Am Abend machte ich mich mit Rusty auf die Socken beziehungsweise Reifen, und wir fuhren noch bis zur Tagish Road die ja bei Jakes Corner vom Alaska Highway nach Carcross abbiegt. Dort fanden wir ein schönes Plätzchen zum Übernachten.

Ich wachte erst am späten Morgen auf, musste mich sammeln und erst mal alle möglichen Infos sowie Begebenheiten für die Rundmails nachtragen. Ich saß in Rusty, der auf einer Schneise zwischen zwei Waldstücken geparkt war und war, wie üblich, beim Schreiben schwer konzentriert - glaubt ja nicht, dass sich die Rundmails so einfach schreiben, wie sie sich lesen. Ich schaute erst auf, als ein Reh etwa zwei Meter vor Rusty stand. Kamera raus und Fotos gemacht waren eins. Danach fuhr ich gen Carcross.

"Gone fishing"

Es war ein toller Herbsttag mit Sonnenschein, so dass ich in Tagish an der Brücke hielt und einige Bilder schoss. Außerdem befuhr ich mal einige Nebenstraßen von Tagish, das viel größer ist als ich vorher angenommen hatte. Tolle Häuser an See und Fluss, die meisten wohl Wochenendhäuser. Meiner morbiden Ader nachgebend besuchte ich den Friedhof, der sehr schön eingezäunt war. Nett fand ich den Spruch "Gone fishing", den ich direkt auf zwei Grabsteinen las.

Ich fuhr weiter. Besonders der Caribou Mountain sah durch das Herbstlaub toll aus. In Carcross stellte ich mich an den Lake Bennett, auf dem es mal wieder heftigst stürmte, so dass ich mich von der geplanten Befahrung innerlich distanzierte. Gegen Abend kam mir das Reh vom Morgen noch mal in den Sinn und ich fuhr die 45 Kilometer zur Schneise zurück, wo ich es gesehen hatte. Leider war es nicht mehr da. Wo ich gerade einmal da war, nahm ich auch das Fahrrad wieder mit, das ich morgens vergessen hatte einzuladen. Vor Carcross hatte ich einen schönen Platz am Chootla Lake gesehen, an dem ich übernachtete und mir vorher den Lachs einverleibte, den ich von Tina und ihrem Vater Bernd bekommen hatte.

Wieder ein grauer Morgen mit etwas Regen, der mich nun weiß Gott nicht zum Kanu fahren animierte. Also fuhr ich mit Rusty nach Carcross und lief dort etwas rum. Für den Road Relay - ein Rennen für Gruppen von zehn Läufern von Skagway nach Whitehorse - war ich leider etwas spät dran, dafür sah ich einen Autokorso aus zahlreichen Ambulanz-, Feuerwehr- und Polizeiwagen aus der ganzen Region. Bei einem Unfall mit der White Pass & Yukon Railway war einer der ihren tödlich verletzt worden und sie gaben ihm das letzte Geleit. Ich informierte mich ein wenig im Besucherzentrum als das Geleit kam, das für mich wirklich das letzte war: Zwei Busladungen voller Holland-America-Touris: Nichts wie weg.

Rusty auf Broncos Spuren

Ich wanderte ein wenig an den Schienen und am See entlang. Wegen des starken Windes brandeten die Wellen ans Ufer wie beim Meer. Es war keine Wetterbesserung in Sicht, so dass ich eine exzessive Leserunde startete. Gegen Abend fuhr ich an Bobos Bäckerei vorbei, über den ich schon gehört hatte, dass er krank und sie deshalb geschlossen war, und bog kurz vor dem Reiterhof nach links auf eine Nebenstraße in den Busch ab. Hier hatte ich 1999 meinen Ford Bronco - RIP - ausprobiert und war mit ihm über die Schienen gehüpft. Nach zwei Kilometern hatte ich mein Ziel erreicht: Einen Bogen oberhalb des Watson Rivers, den ich am nächsten Tage mit dem Kanu befahren wollte. Ich platzierte Rusty für die Nacht und las noch etwas.

Der nächste Morgen wurde von einem grauen Wolkenhimmel dominiert, aus dem es regnete, was mir irgendwie bekannt vorkam. Außerdem wehte ein heftiger Wind und es war arschkalt. Ich hatte die Schnauze von diesem Wetter gestrichen voll und beschloss, dass meine Toleranzgrenze überschritten wäre und fuhr nach Whitehorse. Kanutouren auf Flüssen und Seen der Southern Lakes Region waren auf unbestimmte Zeit verschoben. In Whity hatte ich einige Sachen zu erledigen und wollte dann etwas früher als geplant den Rückweg nach Keno City antreten, allerdings nicht direkt sondern mit einigen Zwischenstopps, so das Wetter es zu ließ.

Kulturecke

Auf dem Weg in die Innenstadt kam ich am Vorort McRae vorbei, wo das Yukon Arts Center eine Galerie hat, die ich mir anschaute. Na ja, es war viel Kitsch - nach meiner unmaßgeblichen Meinung - dabei, aber auch einige wenige schöne Sachen. Dabei kam ich mit der Malerin Wendy aus Ontario ins Gespräch, was ganz interessant war. In Downtown Whitehorse regnete es, der Wind pfiff um die Ecken und da Sonntag war, war nichts los.

Ich ging also in der Bibliothek ins Internet und las etwas. Es hörte einfach nicht auf zu regnen, so dass ich mir dort einen Konferenzraum reservierte und Videos anschaute. Zuerst pfiff ich mir das Roadmovie von Tagish Elvis rein, den ich dabei ja live in Ross River gesehen hatte. Das war ganz lustig, aber ich nicht drauf. Danach gab es noch einen Film über meine geliebten Karibus und Aurora Borealis, das Nordlicht. Alles kostenlos und bessere Filme als im Kino.

Schließlich schloss der Himmel doch noch seine Schleusen und ich fuhr auf die andere Seite des Yukons zum Long Lake, den ich in anderthalb Stunden umwanderte. Das dauerte deshalb so lange, weil ich mal wieder alle Nebenwege kurz anlaufen musste. Hier in Whity gibt es wirklich ein riesiges Netz an Wander- und MTB-Wegen und ich musste mir doch mal das Buch mit den Wegen holen. Gegen Ende der Wanderung wurde es dunkel, so dass ich mit Rusty direkt dort blieb.

Kleine Fische

Bei schönstem Wetter wachte ich am Long Lake auf. Typisch. Ich warf ein wenig die Angel aus, aber es kamen nur ein paar Minifische, die kleiner als der Blinker waren. Getreu der Devise "wo kleine Fische sind, sind auch große, weil sie die kleinen fressen" versuchte ich es weiter - erfolglos. Erst später las ich in einer Broschüre über Seen mit eingesetzten Fischen, dass die im Long Lake wohl wegen fehlender Nahrung alle eingegangen und die neuen Seeforellen gerade erst im letzten Jahr eingesetzt worden wären. Da müsste ich wohl noch einige Jahre warten. Ich fuhr zum Chadburn Lake und wanderte dort etwas, trieb mich in der Stadt rum und kaufte ein wenig ein. Außerdem schaute ich mir ein gebrauchtes Kanu an, aber das war zu klein und zu teuer.

Am nächsten Morgen regnete es erneut Bindfäden. Ich befand, dass ich für diesen sogenannten Sommer oft genug nass geworden war und nicht über "Los" zu gehen um 200 Mark zu bekommen (ist das bei Monopoly jetzt eigentlich in 100 Euro geändert worden?) sondern mich direkt nach Keno City zu begeben. Bei schönem Wetter könnte ich ja dort noch ein paar Touren starten. Eigentlich hatte ich in den Yukon News nach einem besseren Bett und einer Couch geguckt, aber da war nix gutes, dafür eine 30-30 Winchester mit Lever Action. So eine, wie man sie in den Western immer sieht. Die wollte ich schon immer haben.

Ich fuhr zu Geoff in seinen Trailer am Kopper King. Er hatte einen ganzen Raum mit zig-Waffen und Zubehör, ein richtiger Waffennarr. Er machte seine eigenen, reparierte und verkaufte. Die Winchester war klasse und außerdem hatte er eine günstige Schrotflinte, weil sie ein ungewöhnliches Kaliber hatte: 28 Gauge. Im Pack bekam ich sie mit jeweils einer Schachtel Munition für 280 $. Da musste ich einfach zuschlagen. Dafür brauchte ich natürlich noch anderes Reinigungsmaterial und einen guten Waffenkoffer.

Aufrüstung

Ich flitzte von Laden zu Laden und kaufte ein. Der Verkauf der Bücher ging weniger gut: Mac's hatte noch genug und der General Store auch, zudem sie den Laden am Flughafen schlossen und der andere ja auch verkauft werden sollte. Kaum hatte ich mal eine gute Absatzmöglichkeit erschlossen, schon war es wieder vorbei. Dazu kam noch, dass nicht nur mein Lieblingsrestaurant, das Pasta Place auf der Main Street, sondern auch meine Stammtankstelle, die Marwell Station vom Pakistani und im nächsten Jahr auch das Hostel "Hide on Jeckell" von Renate und Detlef verkauft werden sollen. Also, wenn einer von euch daran interessiert ist ein Geschäft in Whitehorse zu übernehmen, vermittele ich gerne ...

Die Schweizer Claudia - nicht zu verwechseln mit der österreichischen Variante - traf ich auch noch auf der Main Street. Sie war auf dem Weg nach Carmacks, wo sie Matthias und seinen Mit-paddler nach der Kanutour abholen wollte. In der Bibliothek checkte ich mal die Mails und lieh mir drei Bücher über den Yukon und Alaska aus, hinter denen ich schon lange her war. Ihr werdet noch davon lesen. Gegen 17 Uhr - während der Whitehorse Rush hour - kam ich endlich los.

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