MONTREAL (w&p) - Obwohl Canada noch ein recht junges Land ist, haben wir ihm doch einige bahnbrechende Erfindungen zu verdanken. Das Telefon zum Beispiel und der Reißverschluß kommen aus dem zweitgrößten Land der Erde. Die für die Kanadier selbst wohl wichtigste Erfindung stammt aus der Provinz Quebec: der Motorschlitten. Die Eskimos benutzen die Schneemobile zur Jagd, die Kinder fahren auf ihnen zur Schule. Und erst die Erfindung des Motorschlittens hat den von sechs Monaten Winter "geplagten" Canadiern die Mobilität und Freiheit gegeben, die weiße Jahreszeit so richtig zu genießen.
Der aus Quebec stammende Erfinder Joseph-Armand Bombardier erdachte 1922 den ersten Prototyp eines Kufenfahrzeuges mit Motor - damals noch von einem Propeller angetrieben. Doch es sollte noch fast 40 Jahre dauern, bis sein erster moderner "Ski-Doo" vom Band rollte. Seither wurden die Schneemobile weiter perfektioniert. Sie sind leise geworden und benzin-sparend, ein ideales Verkehrsmittel und Sportgerät im tiefen Schnee Canadas.
Da Quebec die Heimat des Schneemobils ist, gehört es sich natürlich, daß auch das härteste und längste Motorschlittenrennen der Welt hier stattfindet: das "Harricana". Ende Februar ist es wieder soweit: Von Quebec City am
St. Lorenz-Strom bis hoch in den eisigen Norden kämpfen sich die Wettbewerber über 3.000 Kilometer weit durch das fast menschenleere Land. Ein winterliches Gegenstück zur Ralley Paris-Dakar - sogar die Veranstalter der Motorralley sind dieselben. Schnee statt Sand heißt das Motto.
Aber man braucht kein Formel-1-Fahrer zu sein, um im winterlichen Quebec, der größten Provinz Canadas, auf seine Kosten zu kommen. Selbst Laien können das Schneemobilfahren auf den 26.685 Kilometern gespurten Pisten schnell erlernen. Pisten, auf denen man durch tiefverschneite, unberührte Wälder gleitet, Pisten, die sich entlang der zu Eiskaskaden erstarrten Flüsse schlängeln. Und natürlich Pisten, die zur rechten Zeit an gemütlichen Landgasthöfen vorüberführen - mit offenem Kamin und deftiger, altfranzösischer Kost. Auf einer Schneemobil-Expedition muß es in Quebec nicht an leiblichen Genüssen mangeln.
Für etwa 130 Kanadische Dollar pro Tag kann man einen Motorschlitten mieten - inklusive Helm, Ausrüstung und der vorgeschriebenen Versicherung. Wochenpreise und Pauschalarrangements sind noch günstiger. Pulvriger, tiefer Schnee ist sowieso garantiert. Doch was unternehmen vor und nach dem Schlittenfahren? Oder wenn man sich partout nicht auf ein Schneemobil setzen möchte? Nun, die Wintersportorte in den Bergen 50 Kilometer nördlich von Montreal und in der Nähe von Quebec City bieten die ganze Palette des weißen Vergnügens: Lifte und Pisten fürs Skifahren am Mont Tremblant und Mont St. Anne, gespurte Langlaufloipen durch die malerisch verschneiten Bergwälder - und ausgezeichnete Hotels, wo man im Whirlpool oder in der Sauna die müden Muskeln pflegen kann.
Als exotische Extras gibt es noch einige andere für Quebec typische Winteraktivitäten. Schneeschuhlaufen zum Beispiel, eine uralte indianische Erfindung, die von den französischen Waldläufern übernommen wurde. Die Schneeschuhe erleichtern das Winterwandern im lockeren, tiefen Schnee ganz erheblich - wenn man es erst einmal beherrscht.
Zu Anfang fühlt man sich, als hätte man Tennisschläger unter die Füße gebunden, und man muß sich an die breitbeinige Gangart erst gewöhnen. Kaum zu glauben, daß die Trapper einst 30 oder 40 Kilometer pro Tag mit ihren Schneeschuhen zurücklegten. Ebenfalls typisch für Quebec ist das Eisfischen in den oft meterdick gefrorenen Seen und Flüssen. Auf dem Eis des Ste-Anne-Flusses bei Ste-Anne-de-la-Perade und am Saguenay-Fluß entstehen in den Wintermonaten ganze Dörfer aus kleinen Holzhütten. Ohne Boden versteht sich, denn in der Hütte wird ein Loch gebohrt zum Angeln. Gleich daneben steht der Grill, und man kann den leckeren Fang sofort genießen.
Auch beim Feiern lassen sich die Einwohner Quebecs nicht von der Kälte abschrecken. Der "Carnaval de Quebec" in der Provinzhauptstadt Quebec City Anfang Februar ist sogar weltweit der größte Winterkarneval - mit Eisskulpturen und einem märchenhaften Schloß aus Schnee, einer großen Parade mit Feuerwerk und mit einem spektakulären Bootsrennen zwischen den treibenden Eisschollen auf dem St. Lorenz-Strom. Wer etwas ganz besonderes erleben möchte, kann in Quebec sogar den arktischen Winter kennenlernen: Bei einer Hundeschlittentour mit den Eskimos hoch oben im Norden der Provinz an der Ungava Bay. Winter in Quebec? Pourquoi pas?