Bernsteinfischer von Binz

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Finbarr Corrigan
Der irische Bernsteinfischer von Binz

 

Zu Gast beim irischen Bernsteinfischer von Binz

Bernstein nennt man auch liebevoll das „Gold der Ostsee“. Für uns war das Anlass genug, uns bei unserem Aufenthalt in Binz näher mit diesem außergewöhnlichen Stein zu befassen. Und so machten wir uns auf, den irischen Bernsteinfischer in Binz zu besuchen. Finbarr Corrigan kam schon in jungen Jahren häufig an die Ostseeküste, lebte doch sein Bruder auf der benachbarten Insel Hiddensee. Dort machte er zum ersten Mal Bekanntschaft mit den Steinen, von denen die Ostseewellen Jahr für Jahr neue Fundstücke an Land schwemmen. Finbarr versuchte sich bei einem seiner Aufenthalte in der Suche nach den legendären Steinen und hatte gleich Geschmack daran gefunden. Von da an verbrachte er regelmäßig seinen Urlaub an der Ostseeküste, bis er eines Tages beschloss, nicht mehr nach Großbritannien zurück zu kehren. Er verkaufte sein Restaurant und ließ sich auf Hiddensee nieder. Dort traf er seine heutige Frau und zog mit ihr zurück in deren Heimatstadt Binz, wo er jetzt ein eigenes Bernsteingeschäft betreibt zusammen mit seiner Familie, zu der heute eine erwachsene Tochter gehört.

Dass Finbarr Corrigan ein kreativer Mann ist, zeigt sich bereits, bevor wir seinen Laden und seine Werkstatt sehen. Auf den Stufen vor dem Haus stehen die tollsten Kunststücke, und bei den meisten spielt zumindest ein Stück Bernstein eine Rolle. Da werden skurrile Hölzer kombiniert mit dem in warmem Gold leuchtenden Stein, aber auch Metalle oder Spiegel bieten attraktive Verbindungen mit den Steinen, die Finbarr meist selbst gesammelt hat.

Sobald wir den Laden betreten, kommt er uns mit ausgestreckten Händen entgegen und heißt uns willkommen in seiner Werkstatt. „Do you want a cup of tea?“, fragt er uns im breiten Akzent der irischen Insel und wartet gar nicht ab, dass wir das bejahen. Stattdessen schickt er seine Tochter los, um uns eine Tasse Tee aufzubrühen. Und dann entführt er mich in sein Reich: in Holzschalen, auf Tellern und in Schüsseln liegen Bernsteine in allen Farben. Zu meinem Erstaunen muss ich erkennen, dass dieser Stein nicht nur in warmem Gold daher kommt, sondern sogar bis zu Schwarz gefärbt sein kann. Das macht unter anderem den Reiz dieser Steine aus, denn Bernsteinketten sind nie einheitlich gefärbt, sondern immer in den verschiedensten Farbtönen, in denen das gehärtete Baumharz auftreten kann. Um nichts anderes handelt es sich.

Als ich Finbarr frage, woher die Steine kommen, meint er etwas verlegen: „In diesen Dingen kennt sich meine Tochter viel besser aus. Die ist ein wandelndes Lexikon, was Bernstein anbelangt.“ Und tatsächlich kann sie mir genauestens erklären, wie Bernstein entstand: „Bei Bernstein handelt es sich um das Harz von Bäumen. Allerdings waren das nicht die Bäume, wie wir sie heute hier auf Rügen kennen. Als Bernstein entstand, wuchsen hier ganz andere Baumarten. Deren Harz war viel flüssiger als das heutiger Bäume. Und so kam es immer wieder vor, dass Insekten vom rasch fließenden Baumharz umflossen wurden und so im Harz eingeschlossen waren. Das ist der Grund, warum man im Bernstein so viele Fossilien findet – meist kleine Fliegen oder Käfer, die nicht schnell genug dem herabfließenden Baumsaft entkamen. Das Harz trocknete und versank im sandigen Boden. Die Ostseeküste ist nur eine Region, an der man ihn findet. In Deutschland entdeckt man ihn bis in die Region um Bitterfeld. Aber er kommt auch in anderen Regionen der Welt vor, in Afrika, dem Malaiischen Archipel, Neuseeland oder Kolumbien zum Beispiel, wo er unter dem Namen „Kopal“ bekannt ist.“ Sie lacht: „Im Bernstein findet man heute bis zu 310 Millionen alte Insekten.“

 

Insekten im Bernstein
Bis zu 50 Millionen Jahre alt – eines der Lieblingsstücke des Bernsteinfischer von Binz

 

Bei solchen Zahlen stockt mir ehrfürchtig der Atem. Und Finbarr sucht aus seinen Schätzen gleich mehrere Beispiele heraus, in denen fossile Tiere hervorragend erhalten sind. Unglaublich, dass ich durch das gelbe gehärtete Harz einem Tier in die Augen schaue, das vor Hunderten von Millionen von Jahren auf dieser Insel lebte. Das sind zeitliche Dimensionen, die ich mir gar nicht vorstellen kann, und ich frage mich, was sich wohl alles ereignet hat, seit dieses winzige Tierchen in einem flüssigen Tropfen Harz für die Ewigkeit festgehalten wurde.

Er zeigt mir einige Fundstücke, die Urlaubsgäste vorbeigebracht haben. „Ich bohre ihnen ein Loch in den Stein, damit sie diesen als Schmuckstück tragen können.“ Und er zeigt mir, wie er das macht: mit einem dünnen Bohrer entsteht ein kleines Loch im uralten Stein, das er mit einem breiteren Bohrer erweitert. Anschließend wird die Bohrstelle glatt geschliffen – und fertig ist das Schmuckstück. Er macht aber auch ganze Ketten aus Bernstein oder kombiniert ihn mit den unterschiedlichsten Materialien. Besonders schön finde ich, wie natürlich diese Kunstwerke aussehen.

Eine Sache interessiert mich brennend: „Wie und wo findet man denn am besten den Bernstein?“ Er lacht, und meint: „Das ist am einfachsten nach einem Herbst- oder Wintersturm.“ Ich bekomme große Augen und frage: „Sie gehen bei winterlichen Temperaturen hinaus in die Ostsee, um die Steine zu sammeln?“ Und er antwortet: „Ja. Die Stürme bringen große und kräftige Wellen mit sich, die den Grund des Meeres aufwühlen und so größere Bernsteinstücke freilegen. Durch die Wellenkraft werden diese in die Uferregionen getrieben, und ich brauche sie von dort nur noch einzusammeln.“ Was sich hier so einfach anhört, ist sicher nicht leicht. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt im eisigen Wasser zu stehen, nur um die goldenen Steine einzusammeln – dazu gehört schon eine große Portion Begeisterung. Er zeigt mir die größten Stücke, die er bisher gefunden hat. Es sind zwar nicht viele, aber zwei davon sind fast handtellergroß. „Und was machen Sie mit diesen beiden?“ will ich wissen. „Die behalte ich für mich selbst. Die sind unverkäuflich“, lacht er und betrachtet seine Schätze fast liebevoll. Offenbar gehört eine enge Beziehung zu den Fundstücken dazu, um als Bernsteinfischer die notwendige Energie aufzubringen, sich bei Wind und Wetter in die Ostsee zu wagen auf der Suche nach ihnen.

Mit diesen Eindrücken verabschieden wir uns von Finbarr Corrigan und seiner Familie und denken daran, wann er wohl wieder hinaus geht ins Meer auf der Suche nach seinen goldenen Steinen. Im Herbst, wenn die ersten Stürme übers Land ziehen, kommen mir seine Bernsteine und seine Schatzsuche sicher wieder in den Sinn. Der irische Bernsteinfischer von Binz hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen!

 

 

Der Bernsteinfischer von Binz
Inh. Finbarr Corrigan
Paulstr. 1
18609 Ostseebad Binz
Tel:038393-436444
Fax:038393-436444


Reiseorganisation:

Anreise per Flugzeug, Bahn oder Fernbus
Lufthansa oder Germanwings fliegen nach Rostock. Von dort geht’s weiter mit dem Mietwagen. Möglich ist die Anreise per Bahn zum Bahnhof Rügen (Fahrplan und Buchung*). Außerdem fahren Fernbusse* nach Binz.

Mietwagen:
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Veranstaltungstickets auf Rügen:
Veranstaltungstickets auf Rügen* gibt’s bei unserem Partner Get your Guide.

Hotels in Binz:
Hotels in Binz* könnt Ihr über unseren Partner booking.com unter diesem Link buchen. Das Travel Charme Kurhaus Binz* findet Ihr unter diesem Link.


Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei der Kurverwaltung Binz für die freundliche Einladung zu unserem Aufenthalt in der Stadt und beim Bernsteinfischer von Binz. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text:  © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos:  © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video:  © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

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