Pictou – Die ersten Schotten in Nova Scotia

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Die "Hector" in Pictou
Pictou An Bord dieses Schiffes kam die erste größere Gruppe schottischer Einwanderer nach Nova Scotia

 

Von Pictou hatten wir bis vor wenigen Jahren noch nie etwas gehört, und wir brachten den Ort auch nicht mit größeren Entwicklungen der kanadischen Geschichte in Verbindung. Dabei spielte dieser Ort eine entscheidende Rolle in der Historie der Atlantikprovinzen in Kanada, kamen hier doch die ersten schottischen Immigranten Ende des 18. Jahrhunderts an Land. Während in den USA die Mayflower und die Pilgerväter in aller Munde sind, spielen die ersten Schotten in Nova Scotia, das schließlich nach ihnen benannt ist, offenbar keine so große Rolle. Vielleicht liegt’s an der unrühmlichen Vertreibung der Akadier einige Jahre vorher? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist die Geschichte der Schotten in den Atlantikprovinzen ein Thema, das uns auf unseren bisherigen Reisen durch Nova Scotia, New Brunswick und Prince Edward Island kaum begegnet ist. Grund genug für uns, uns damit einmal näher zu befassen. Und wenn man sich etwas bemüht, findet man durchaus Spuren der Schotten in dieser kanadischen Provinz. In Pictou wurden wir sogar mehrfach fündig.

Die ersten Schotten in Pictou, Nova Scotia an Bord der „Hector“

Der kleine Hafen Pictou in Nova Scotia gilt gemeinhin als der Ort, an dem die erste Gruppe schottischer Einwanderer in den kanadischen Atlantikprovinzen angekommen ist. 1755 hatten die Briten die französischen Akadier aus der Region zwangsweise deportiert, und nur wenigen von ihnen war es gelungen, in die Wälder abseits der Küstenregionen zu fliehen. Die britische Kolonialmacht wollte daraufhin ihre Präsenz in diesem Gebiet stärken und machte Werbung vor allem in Schottland, um Einwanderer zu mobilisieren. Die erste Gruppe von Schotten erreichte 1773 den Hafen von Pictou an Bord der „Hector“. Vor einigen Jahren hat man das Segelschiff rekonstruiert, mit dem diese den Atlantik überquerten, und kann es heute besichtigen. Daneben gibt es ein sehr informatives Besucherzentrum, das die Überfahrt der Schotten an Bord des Seglers detailliert vorstellt.

 

Die Hector Werft in Pictou
Die Hector Werft in Pictou

 

Beim Anblick der noch immer sehr dichten Wälder, die abseits der Ortschaften große Teile von Nova Scotia bedecken, wird mir klar, dass der Anfang in diesen Regionen nicht einfach gewesen sein kann. Die Schotten waren bereits in Europa nicht vom Schicksal begünstigt und hatten viele Gründe, sich ein Auskommen in der Neuen Welt zu suchen. Sie waren fleißige und arbeitsame Menschen, die es gewohnt waren, sich auch unter widrigsten Umständen „durchzubeißen“. Und sie machten sich daran, Neuschottland zu dem zu machen, was es heute ist: ein Land der Fischer, der Bauern und der Handwerker, die sich ihr Leben aus der Wildnis schufen.

Weitere Informationen zur „Hector“ und den ersten schottischen Einwanderern gibt’s hier

Das McCulloch House in Pictou

Ein späterer Einwanderer aus Schottland, Reverend Thomas McCulloch, hinterließ seine Spuren in Pictou. Er war 1803, also einige Jahre nach der Ankunft der „Hector“ nach Kanada aufgebrochen. Ursprünglich hatten er und seine Familie geplant, nach Prince Edward Island weiter zu reisen, wo er als presbyterianischer Priester arbeiten wollte. Die Bewohner von Pictou erkannten jedoch rasch, dass er ein gelehrter Mann war und überzeugten ihn davon, sich in ihrem Ort länger aufzuhalten als geplant. McCulloch verbrachte den Rest seines Lebens in Pictou.

 

Das McCulloch House in Pictou
In Pictou entstand die erste Schule in Nova Scotia

 

Er war Priester, Erzieher und politischer Reformer, und setzte seine modernen Ansichten gern gegen den Widerstand des etablierten Machtapparats durch. McCulloch errichtete ein Wohnhaus in Pictou, in dem er zusammen mit seiner Ehefrau Isabella seine Familie aufzog. Um seinen Kindern und den Kindern von Pictou eine Schulbildung angedeihen zu lassen, richtete er eine Schule in seinem Haus ein, die bald zu klein wurde. Ein Schulhaus wurde gebaut, um die wachsende Anzahl an Schülern unterzubringen.

Dieses brannte nieder und wurde wieder aufgebaut. 1816 wurde die Pictou Academy eröffnet, das erste konfessionslose College in Nova Scotia. Der erste Unterricht fand auch hier in einem Privathaus statt, bis die Akademie 1818 ihr eigenes Gebäude erhielt.

 

Der Gartenteich des McCulloch House
Der Gartenteich des McCulloch House in Pictou

 

Thomas McCulloch war ein sehr belesener Mann und interessierte sich sehr für Naturgeschichte und Ornithologie. Einen Teil seiner Vogelsammlung können wir in seinem ehemaligen Wohnhaus sehen. Dort erfahren wir auch, dass er befreundet war mit John James Audubon, dem großen amerikanischen Ornithologen.

Weitere Informationen zum McCulloch House findet Ihr hier

Das Northumberland Fisheries Museum in Pictou

Das Northumberland Fisheries Museum besuchen wir diesmal, weil wir noch etwas Zeit in der Stadt haben, und uns die Fischerei an der Atlantikküste sehr interessiert. Das Museum ist im Moment in drei Teilen zu besichtigen: im ehemaligen Bahngebäude des Ortes befindet sich der Hauptteil der Sammlung, die wir uns angeschaut haben. Ein weiterer Teil der Sammlung befindet sich im Leuchtturm am Hafen und in einer Fischaufzuchtanstalt. Es ist geplant, alle Exponate in einem neuen Gebäude unterzubringen, das am Hafen errichtet werden soll. Eine gute Idee, wie wir finden, denn im Augenblick wirkt sogar die Hauptausstellung im Bahnhofsgebäude ein wenig wie ein Dachboden, in dem man alles Mögliche zusammen getragen hat. Trotzdem bietet das Museum einen Einblick in die Fischerei an der Northumberland Küste: wir sehen Hummerfallen, Schiffs- und Bootsmodelle in allen möglichen Formen, die für den Fang verschiedener Fisch- und Meerestierarten eingesetzt werden, eine riesige Hummerschere, die von einem Hummer stammen muss, der über hundert Jahre alt war, eine Fischerhütte, Hummerbojen, einen Schwertfisch an der Museumswand, der uns das Fürchten lehrt, und eine interessante Muschelsammlung, die uns die einzelnen Muschelarten im Vergleich zeigt. Die Ausstellung macht deutlich, dass nicht nur das Leben der Schotten an Land schwierig war.Das Leben auf See war und ist dies noch umso mehr.

 

Schiffsmodelle im Northumberland Fisheries Museum
Schiffsmodelle im Northumberland Fisheries Museum
Fischerhütte an der Northumberland Küste
Fischerhütte an der Northumberland Küste

 

Beängstigend, oder?
Beängstigend, oder?
Hummerfallen
Hummerfallen

 

Weitere Informationen zum Northumberland Fisheries Museum gibt’s hier

Die Schotten in Nova Scotia fanden in ihrer neuen Heimat kein leichtes Dasein vor. Trotzdem war es besser, als das, was sie als Pächter im Heimatland hatten: Gängelung durch den Grundherren, keinen eigenen Grundbesitz und die drohende Vertreibung aus ihren einfachen Steinkaten, in denen sie das ganze Jahr über hausten. Freiheit ist ein verführerisches Gut, wenn man es nicht hat. Und kommt dazu noch der Besitz von eigenem Land, steigt der Anreiz, den Schritt in eine neue Welt zu wagen. Die Schotten bauten sich in Nova Scotia ihre eigene Welt nach ihren Vorstellungen auf, hartes Leben und Freiheit inbegriffen.


Reiseorganisation:

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Anreise:

Air Canada, Condor und Icelandair fliegen von Deutschland aus verschiedene Flughäfen im Osten Kanadas an.

Mietwagenrundreisen:

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Hotels:

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Reiseführer:

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Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung durch Tourism Nova Scotia

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos © Copyright MonikaFuchs, TravelWorldOnline

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