Friedrich Rückert, Sprachgenie & Weltpoet

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Friedrich Rückert
Friedrich Rückert

 

Aktueller könnte die Ausstellung „Der Weltpoet“ und die Veranstaltungsreihe aus Anlass des 150. Todestages des fränkischen Sprachforschers und Dichters Friedrich Rückert (1788-1866) im Jahr 2016 kaum sein. Der in Schweinfurt geborene Poet war gleichzeitig ein weltoffenes Sprachgenie. Er lernte im Laufe seines Lebens insgesamt 44 Sprachen mit 25 Schriften, darunter Afghanisch, Koptisch und das südindische Telugu. Dabei beherrschte er die Hochsprachen. Einen Kaffee in einem Restaurant in Kairo hätte er sich nicht bestellen können. In seinen Schriften schlug er eine Brücke zwischen Orient und Okzident, obwohl er selbst nie in diese Welten reiste. Sein Leben begann in Franken und endete dort. Friedrich Rückert, Sprachgenie & Weltpoet, könnte heute gut als Vorbild dienen für den verständigen Umgang mit den Problemen unserer Zeit beim Aufeinandertreffen einander fremder Kulturen. Daher gewinnt die Literaturausstellung „Der Weltpoet“, die 2016 in Schweinfurt, Erlangen und Coburg zu sehen ist, an tagesaktueller Brisanz.

 

In dieser Kirche wurde Friedrich Rückert getauft
In dieser Kirche wurde Friedrich Rückert getauft

 

Auf den Spuren von Friedrich Rückert durch Schweinfurt

Wir haben uns die Stadt Schweinfurt auf den Spuren dieses sprachgewandten Dichters angeschaut. Am Marktplatz der fränkischen Stadt steht an einer Ecke das Geburtshaus dieses Mannes, an deren Fassade eine Tafel mit der Aufschrift „Hier ward geboren Friedrich Rückert“ auf seine Bedeutung hinweist. Mitten auf dem Marktplatz der Stadt steht seine Statue. In Gedanken versunken studiert er ein auf seinen Knien liegendes Buch. Sehr viel mehr ist von Friedrich Rückert in seiner Geburtsstadt nicht erhalten geblieben. Wir gehen an der Kirche vorbei, in der er getauft wurde, und sehen die Lateinschule, die dahinter liegt, und die in den politischen Wirren seiner Zeit das Recht zu Unterrichten verlor. Trotzdem beendete er dort seine Schulausbildung, bevor er seine lebenslangen Sprachstudien begann.

 

Hier befand sich die Lateinschule Friedrich Rückerts
Hier befand sich die Lateinschule Friedrich Rückerts

 

Einer der besten Kenner des Sprachpoeten führt uns auf den Spuren des Dichters durch die Stadt bis ins Archiv der Rückert-Gesellschaft, deren Geschäftsführer er ist: der Historiker Dr. Rudolf Kreutner ist Hüter der Schweinfurter Bestände an Rückertiania und stellt uns das Sprachgenie in all seinen Facetten vor. „Rückert schrieb alles, was ihn beschäftigte, in Gedichtform nieder.“ Er zeigt uns ein mit einer Schleife gebundenes Paket handbeschriebener Zettel, die er aus dem Archiv geholt hat. „Rückert hatte ständig kleine Blätter Papier in der Tasche, auf die er die Gedanken, die ihm durch den Kopf gingen, in Gedichtform festhielt.“ Insgesamt soll er mehr als 20.000 Gedichte in seinem Leben geschrieben haben. Interessant wird es, schauen wir uns diese Gedichte und Texte genauer an: offenbar dachte Friedrich Rückert in den Sprachen, die er beherrschte, denn der Text, den wir uns ansehen, ist in verschiedenen Sprachen abgefasst. Dabei wechselt er manchmal sogar in einem einzigen Satz von einer Sprache in die nächste.

 

Saadis Bostan von Friedrich Rückert
Saadis Bostan von Friedrich Rückert
Wertvolle Originalausgaben
Wertvolle Originalausgaben

 

Die Rückert Gesellschaft besitzt die meisten Bestände an Handschriften von Friedrich Rückert. Dr. Kreutner zeigt sie uns voller Stolz und erklärt uns, was die teils prächtigen Buchdrucke beinhalten. Der  Schaffensreichtum des Dichters war schier unerschöpflich: allein seiner geliebten Frau Luise hat der Zwei-Meter-Mann mehr als 300 Liebeslieder geschrieben. Den Verlust seiner Kinder verarbeitete er durch das Verfassen von Todesliedern, von denen es ebenfalls mehr als 300 gibt.

 

Der Liebsten Herz ist aufgewacht
Der Liebsten Herz ist aufgewacht
Eng beschrieben - handschriftliche Notizen
Eng beschrieben – handschriftliche Notizen
Morgenländische Sagen von Friedrich Rückert
Morgenländische Sagen von Friedrich Rückert

 

Wer einmal selbst die Stadt Schweinfurt auf den Spuren von Friedrich Rückert erkunden will, kann dies auf einem ihm gewidmeten Themen-Stadtrundgang tun. Eineinhalb Stunden lang führt der Chronist Leonhard Enderlein in historischem Gewand durch die Stadt und vermittelt Einblicke in das Leben und Wirken des berühmten Mannes aus der Geschichte Schweinfurts. Heute ist eine Straße nach ihm benannt. Und in der „Kleinen Kaffeerösterei“ kann man sich bei Elke Hofmann einen Rückert-Espresso bestellen. Auf der Kaffeekarte wird er beschrieben als „eine besondere Auswahl aus reinen Arabicas mit einer schönen Crema“. Als wir ihn probieren wollen, ist gerade keiner auf Lager. Daher entscheiden wir uns für den Luisen-Espresso, der den Namen von Rückerts Frau trägt. Wir wollen wissen, was denn der Espresso mit Friedrich Rückert zu tun hat. Unsere Erwartungen, dass wir jetzt einen Vortrag darüber hören, wie gern der Dichter selbst Kaffee getrunken hat, werden jedoch enttäuscht. „Wir haben diese spezielle Röstmischung nach einem der herausragenden Männer unserer Stadt benannt, genau wie die Straße vor unserem Café den Namen Rückert-Straße trägt.“ So banal kann die Erklärung sein, wie der Kaffee zu seinem erlauchten Namen kommt. Geschmeckt hat uns der Luisen-Espresso trotzdem sehr gut.

 

Friedrich Rückert Espresso
Friedrich Rückert Espresso

 

150 Jahre ist es her, dass Friedrich Rückert starb. Begraben ist er in Coburg. Seine Überzeugung „Weltpoesie allein ist Weltversöhnung“ ist Thema der Literaturausstellung „Der Weltpoet“, die 2016 durch Franken auf Wanderschaft geht. Ihr Leitmotiv könnte aktueller kaum sein: die eigene kulturelle Identität finden, um sich auf fremde Kulturen einzulassen, damit Integration gelingt. Begleitend dazu finden mehr als 80 Veranstaltungen statt, die an den weltoffenen Dichter erinnern.

 


Reiseorganisation:

Wer die Literaturausstellung besuchen möchte, kann dies an folgenden Orten und Terminen tun:

Schweinfurt, Kunsthalle: 8. April bis 10. Juli 2016

Erlangen, Stadtmuseum: 24. Juli bis 13. November 2016

Coburg: 14. Januar bis 17. April 2017

 

Die kleine Kaffeerösterei
Rückertstraße 13
97421 Schweinfurt
Tel. 09721 / 5333414
www.kaffeeroesterei-schweinfurt.de/

Weitere Informationen:

FrankenTourismus
Postfach 44 04 53
90209 Nürnberg
Telefon 0911 / 94151-0
Fax 0911 / 94151-10
info@frankentourismus.de
www.frankentourismus.de

 

Übernachtungsmöglichkeit:

Wir haben im Zwei-Sterne Superior B&B Hotel Schweinfurt* übernachtet, von dem aus der Weihnachtsmarkt in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen ist.

Weitere Hotels in Schweinfurt* findet Ihr unter diesem Link.


Wenn Ihr mal reinschnuppern wollt in die Gedichte von Friedrich Rückert, dann klickt einmal hier: Ritornelle, Gedicht von Friedrich Rückert mit schönen Illustrationen von Margarete Gilge

 

Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei Schweinfurt Tourismus für die freundliche Einladung zu dieser Reise.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video: © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

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