Das legendäre Gold der Tauern

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Goldgräberdorf Heiligenblut
Goldgräberdorf Heiligenblut

 

Wir hatten schon davon gehört: vom legendären Gold der Tauern. Allerdings dachte ich bis zu unserem Besuch in Heiligenblut und am Großglockner im vergangenen Jahr, dass es sich tatsächlich nur darum handelt: um eine Legende. Dass dem nicht so ist, erfuhren wir bei unserem Ausflug ins Goldgräberdorf in der Nähe von Heiligenblut. Es war kein Tag, an dem sich ein Ausflug in die Hochalpen gelohnt hätte, denn es goss in Strömen. Nach dem traumhaft schönen Wetter bei unserer Fahrt über die Grossglockner Hochalpenstrasse am Tag zuvor war uns der Wettergott diesmal nicht so wohlgesonnen. Oder vielleicht doch? Denn nachdem wir kurz hinter Heiligenblut in einer scharfen Kehre der Hochalpenstrasse abzweigten zum Goldgräberdorf bauten sich immer mehr Nebelschwaden an den Berghängen auf und verliehen der Szenerie einen fast unwirklichen Charakter. Nieselregen bedeckte die Frontscheibe unseres Autos, und die Scheibenwischer schafften es kaum, der Feuchtigkeit Herr zu werden. Sie öffneten uns nur immer wieder einen kurzen klaren Blick auf das, was vor uns lag. So, als ob die Goldgräber vergangener Tage uns nur widerwillig einen Blick auf das erlauben wollten, was sich in den versteckten Stollen der Goldfundstätten in den Hohen Tauern verbirgt. Es war fast, als ob wir eine Reise zurück in der Zeit machten – geheimnisvoll und voller Rätsel.

 

Wasserfall
Wasserfall

 

Dem Gold der Tauern auf der Spur im Goldgräberdorf Heiligenblut

Das Gefühl einer Zeitreise verstärkte sich noch, als die schmale Teerstraße an der Brücke über die Fleiß in eine Schotterstraße und schließlich einen Waldweg überging. Wir parkten unser Auto nicht am Haupteingang zum Goldgräberdorf, sondern fuhren zu seinem oberen Ende, wo wir unser Fahrzeug am Rande des Bachbetts abstellten. Im Frühjahr zur Schneeschmelze rauscht vielleicht ein wilder Bergbach durch das Bett der Fleiß. Zur Zeit unseres Besuches im Herbst war das Bachbett trotz des strömenden Regens, der noch immer fiel, trocken. Vielleicht brauchten die Wasserfälle, die am Berghang hinter uns die steile Bergwand herabfielen, etwas mehr Zeit, um das Bachbett zu erreichen? Oder versickerte es vielleicht in den Stollen, die einst die Goldgräber in die Berge gegraben hatten? Wir wussten es nicht.

 

Das trockene Bachbett der Fleiss
Das trockene Bachbett der Fleiss

 

Nach ein paar Minuten erbarmte sich der Wettergott unserer, und der Regenguss ließ nach. Die Wolken, die sich bis dahin am Talende an den Bergen aufgebaut hatten, rissen auf, und es zeigte sich sogar ein Stückchen blauer Himmel. Holzhütten, in denen einst die Knappen und Bergleute wohnten, säumen unseren Weg entlang der Fleiß. Eine Wasserrinne aus Holz begleitet uns auf unserem Weg. Darin hat man einst das Gold aus den höheren Lagen der Hohen Tauern bis zum „Alten Pocher“ transportiert, dem Mahlwerk für das goldhaltige Gestein, das wir uns im Goldgräberdorf anschauen können. Die Methoden, wie man das Gold gewann, haben sich im Laufe der Geschichte geändert. Außerdem sind die Stollen im Hochgebirge im Laufe der Jahrhunderte vom Gletschereis verschlossen worden. Trotzdem hat man das Gold der Tauern bis zum Zweiten Weltkrieg gewonnen. Zwar nicht mehr eine Tonne pro Jahr wie im Spätmittelalter, aber als Zubrot für die Bauern der Region reichte es bis 1944 immer noch.

 

Mahlwerk
Mahlwerk

 

Heute können Besucher sich im Goldgräberdorf am Goldwaschen versuchen. Uns ist das an diesem regnerischen Tag zu nass und ungemütlich. Allerdings kann ich mir gut vorstellen, dass das an einem heißen Sommertag eine willkommene Erfrischung darstellt. Wir schauen uns die Werkzeuge an, mit denen man das Gold gewonnen hat. Einer der alten Stollen mündet mitten im Goldgräberdorf, und ich frage mich, wie anstrengend die Arbeit darin gewesen sein muss, denn aufrecht stehen könnten weder Petar noch ich in diesem niedrigen Tunnel. Was muss das für eine Plackerei gewesen sein, das Edelmetall aus dem Berg zu holen?

 

Gold der Tauern - Erzstollen
Gold der Tauern – Erzstollen
Goldgräberhütte
Goldgräberhütte

 

Auf einer der erklärenden Tafeln, die entlang des Wegs erzählen, wie die Goldsucher in diesen Goldlagern lebten, beschreibt, wie karg ihr Leben war: ein verheirateter Knappe erhielt im 16. Jahrhundert fünf Laib Brot pro Woche, eineinhalb Kilo Mehl und je ein halbes Kilo Schmalz, Käse, Schaf- oder Ziegenfleisch und Schweinefleisch. Unverheiratete erhielten ein Viertel weniger. Nicht gerade üppig, wenn man bedenkt, dass sie 44 Stunden pro Woche harte körperliche Arbeit ausübten. Dabei gab es diese Rationen nur zu den besten Zeiten. In Notzeiten ernährten sie sich nur von Brennsuppe, Sauerkraut, Brot und Speck. Von schnellem Reichtum konnte bei den Goldgräbern also keine Rede sein. Ungefährlich war die Arbeit sicher auch nicht. Während in der Anfangszeit das Gold aus dem Erz bereits an der Fundstelle gewonnen wurde, brachte man dies später in eisernen Karren den Berg herunter zum „Alten Pocher“. Ein mutiger Knappe setzte sich auf den Karren und steuerte ihn mit einem Stakhaken die steile und gefährliche Abfahrt ins Tal herunter.

 

Goldhaltige Steinbrocken
Goldhaltige Steinbrocken

 

Wir können uns gut vorstellen, wie schwer das Leben dieser Menschen gewesen sein muß, wenn wir auf die steilen Bergwände am Talende blicken. An diesen sammeln sich inzwischen wieder die nächsten Nebelwolken und langsam beginnt es wieder zu nieseln, so dass wir unseren Weg zurück zum Auto finden nach diesem spannenden Einblick in das Leben der Bergleute, die einst das Gold der Tauern aus den Bergen holten. Dieses Gold kann man heute übrigens in den Schlössern, Kirchen und Klöstern der Fürstbischöfe von Salzburg bewundern, die damit ihre herrschaftlichen Bauten ausstatten ließen. Hier im Tal können wir mit bloßem Auge kaum die winzigen Goldpartikel im Quarzgestein erkennen. Was für eine Plackerei zur Ehre der Fürsten des Landes!

Nach einem spannenden Nachmittag mit dem Gold der Tauern im Goldgräberdorf machen wir uns schließlich wieder auf den Rückweg nach Heiligenblut am Fuße der Hohen Tauern.

Folgt uns auf unserem Rundgang durch das Goldgräberdorf in Heiligenblut in Petars Video:


Reiseorganisation

Goldgräberdorf Heiligenblut
Ausfahrt von der Großglockner Hochalpenstraße an Kehre 17
Den Schildern folgen.

Übernachtungsmöglichkeiten:

Wir haben im Hotel Kärntnerhof* in Heiligenblut übernachtet. Hier könnt Ihr nachlesen, wie es uns gefallen hat.

Weitere Hotels in Heiligenblut* findet Ihr unter diesem Link.


Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir danken 50 Plus Hotels und dem Hotel Kärntnerhof in Heiligenblut, dem Hotel am Großglockner, für die freundliche Einladung. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

4 Antworten

  1. Andreas
    | Antworten

    Die Alpen im Zentrum Europas sind Rückzugsorte. Das wahre Gold der Tauernregion ist heute die einmalige schöne Natur. Die Ursprünglichkeit der Landschaft und die Vielfalt von Flora und Fauna. Gruß Andreas

  2. Mir rieselt beim Besuch solcher „historischen“ Stätten immer ein Schauer über den Rücken. Diese Zeitreisen faszinieren sehr. Danke für den Einblick in vergangene Zeiten.
    Outdoor-Hochgenuss kürzlich veröffentlicht…Perfektes Outdoor-Wochenende im PasseiertalMy Profile

    • Hier ging es uns genauso, Silke. Die Goldgräberhütten liegen abseits in einem kleinen Seitental, das man nur über enge Straßen erreicht, die auf Schotterpisten im Wald enden. Da kommt dieses Gefühl einer Zeitreise ganz besonders auf.

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