Kunst und Kultur hautnah im Wickaninnish Inn in Tofino auf Vancouver Island

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Die Sonne © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Das Wickaninnish Inn, eines der Top-Hotels in Kanada, beschäftigt lokale Bildhauer und Schnitzer, die fast alle Kunstwerke herstellen, die im Hotel ausgestellt werden. Und was diese Künstler schaffen, kann sich sehen lassen. Schon beim Betreten der Lobby des Wickaninnish Inn fühlt man sich wie in einer Kunstgalerie: an der Wand hängt ein wunderschön geschnitzter und auf Hochglanz polierter Mond aus Zedernholz über dem offenen Kamin. In der Fensternische davor stehen mehrere Kunstwerke aus Speckstein: eine Arbeit, die mehrere spielende Robben darstellt – so lebensnah aus dem Stein heraus gemeißelt, dass man meint, sie spielen wirklich miteinander. Daneben winden sich weitere Robben durch abstrakt dargestellte Wellen, und unweit davon fischt ein Bär aus Speckstein gerade einen Lachs aus dem Wasser.

Und auch die Außenbereiche, Zimmer und Aufenthaltsräume des Hotels zeugen vom Können der lokalen Künstlergemeinde von Tofino: An der dem Meer zugewandten Fassade des Hauses prangt eine riesige Sonne aus Zedernholz und Muscheln, den Eingang zum Pointe Restaurant ziert eine weitere Schnitzerei und in den Zimmern finden sich immer neue Überraschungen heimischer Künstler aus Tofino. Charles McDiarmid, der Inhaber und Geschäftsführer des Wickaninnish Inn erzählt uns, dass fast alle Kunstwerke in und am Wickaninnish Inn von Schnitzern und Bildhauern aus Tofino und Umgebung hergestellt wurden.

 

Die raue Natur vor dem Fenster
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Vorgeschichte des Wickaninnish Inn in Tofino, Vancouver Island

Gut – Kunst im Hotel ist nichts Neues. Aber dass diese von Künstlern in der hauseigenen Werkstatt hergestellt wird, ist etwas, das mir bisher auf meinen Reisen noch nicht untergekommen ist. Charles erzählt mir, dass dies eine Tradition ist, die schon auf seinen Vater zurückgeht:

„Dieser hat als Arzt in Tofino gearbeitet, als noch keine Straße vom Osten Vancouver Islands an die Pazifikküste führte. Sein Hauptverkehrsmittel war ein kleines Wasserflugzeug, mit dem er die Küste entlang zu seinen Patienten flog, von denen die meisten in ebenso abgelegenen Orten an der Westküste der Insel lebten.

Schon früh erkannte mein Vater das touristische Potential der schönen Landschaften um Tofino und begann, große Parzellen Land an der Küste zu erwerben, als dieses noch zu einem Spottpreis zu bekommen war. Sein Plan war, an dieser Stelle einmal ein Motel zu errichten, sobald die heiß ersehnte Straße von Osten fertiggestellt war.“

 

Henry Nola lebte beim Wickaninnish Inn
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Hippies am Pacific Rim in British Columbia

Die „Touristen“, die kamen, waren Hippies, die in den Wäldern und an den Stränden um Tofino ihre Lager in der freien Natur aufschlugen. Sie reisten zunächst mit Transportschiffen an, über die der Ort versorgt wurde, oder über die Holzfällerstrasse, die nur für die Öffentlichkeit zugänglich war, wenn keine Holz-Trucks darauf fuhren. Diese war erst 1959 errichtet worden und blieb bis 1972 ungeteert – ein Abenteuer für alle, die über die Straßenverbindung anreisten.

Unter diesen war auch Henry Nolla, der in den Wäldern auf dem Besitz der McDiarmids sein Lager aufgeschlagen hatte und dort im Einklang mit der Natur lebte. Henry, der eigentlich mit vollem Namen Enrique Sebastiani Nolla hieß, war als Sohn eines Spaniers und einer Schwedin in Barcelona, Spanien, geboren worden. Dort verbrachte er den Großteil seiner Kindheit zusammen mit seinen drei jüngeren Schwestern. Aber er reiste auch immer wieder zu seinen Großeltern mütterlicherseits nach Schweden. Sein Großvater stellte Möbel her und verzierte diese mit aufwändigen Schnitzereien. Nach dem spanischen Bürgerkrieg kehrte er mit seiner Mutter und seinen Schwestern zurück nach Spanien, wo er eine Lehre als Schmied machte und das Herstellen von Schmiedeeisen erlernte, ebenso wie die Werkzeugmacherei.

 

Henry Nolas Werkzeug kann man heute noch sehen
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Henry Nolla – Faktotum und hauseigener Künstler im Wickaninnish Inn

Nach einem mehrjährigen Aufenthalt im Norden Ontarios kam er schließlich 1965 an die Westküste von Vancouver Island, wo er sich Anfang der Siebziger Jahre am Chesterman Beach niederließ.

Dort errichteten die McDiarmids ihr Wohnhaus und engagierten Henry, damit er ihnen beim Bau ihres Hauses helfe. Henry selbst baute sich in der Nähe eine provisorische Hütte, in der er schließlich dreißig Jahre lang lebte.

Charles McDiarmid berichtet, wie „Henry sich dazu bereit erklärte, auf das Grundstück meines Vaters aufzupassen. In seiner Hütte im Wald schuf er Kunstwerke mit Werkzeugen, die er sich selbst herstellte – kein Kunststück für einen, der dies von der Pike auf gelernt hatte.“ Noch heute arbeiten die Künstler des Wickaninnish Inn mit den von Henry Nolla geschaffenen Ahlen und Meißeln.

So wurde Henry Nolla zu einem engen Freund der McDiarmids und aus den ursprünglich geplanten Wochen wurden dreißig Jahre, die er am Chesterman Beach verbrachte.

Henry war Faktotum und Künstler zugleich. Und seine Hippie-Vergangenheit legte er nie so ganz ab. Charles erzählt, wie einmal ein paar seiner Hotelgäste am Strand spazieren gingen und plötzlich Henry – so wie Gott ihn geschaffen hat – vor ihnen in die Wellen sprang, gefolgt von ebenso unbekleideten Badenixen. Seine Hotelgäste kamen ganz aufgeregt zurück von ihrem Ausflug, und einer von ihnen meinte zu Charles: „I really like it here.“ (Mir gefällt es hier sehr gut.)

 

Mond aus Zedernholz in der Lobby des Wickaninnish Inn in Tofino
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Lokale Künstler treten Henrys Erbe im Wickaninnish Inn an

Nachdem Henry Nolla 2004 starb, öffnete Charles McDiarmid seine Werkstatt für Schnitzer und Bildhauer aus Tofino und Umgebung, die darin bis heute Kunstwerke schaffen, die die Wände und Zimmer des Hotels schmücken. Wir treffen eine von ihnen, die gerade dabei ist, eine Schale aus Zedernholz zu schnitzen. Und sie erzählt uns, wie sie als junges Mädchen bei Henry Nolla das Schnitzen lernte. „Er war ein strenger Lehrmeister. Zuerst ließ er uns machen. Aber nach einiger Zeit kam er zu uns und begann unsere Arbeiten zu korrigieren. Oft nahm er dann einfach sein Werkzeug und bearbeitete unsere Werke mit einigen kurzen Schnitzbewegungen, und das Stück hatte plötzlich eine völlig andere Ausstrahlung.“

Noch heute nutzen seine Nachfolger Henrys Werkzeuge, und seine Lebensgeschichte prangt gut sichtbar auf einem Poster über den Arbeitsplätzen der neuen Künstler. Und auch die Hotelgäste spazieren noch immer durch den Wald, um ihnen bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen und einen kleinen Schwatz darüber zu halten, was gerade unter den fleißigen Händen entsteht.

Wer Henry Nollas Werkstatt und die Kunst im Wickaninnish Inn einmal erleben will, kann dies auf einer Rundreise durch Westkanada* einplanen. Vorschläge zu Kanada Reisen* im allgemeinen gibt’s unter diesem Link. Und wer sich eine individuelle Autoreise durch Kanada* organisieren lassen will, kann sich über dieses Formular ein unverbindliches Angebot dafür einholen.

Wickanninish Inn
500 Osprey Lane
Tofino V0R 2Z0
Weitere Informationen, aktuelle Verfügbarkeitsabfrage und bequeme Onlinebuchung*
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Quelle: eigene Recherchen vor Ort, mit freundlicher Unterstützung des Wickaninnish Inn und von Tourism British Columbia

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

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