Trapp Familie Salzburg – Die wahre Geschichte

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Die Villa Trapp in Aigen bei Salzburg Hier wohnte die Trapp Familie
Die Villa Trapp in Aigen bei Salzburg

 

Wenn Du unser Blog schon länger liest, dann erinnerst Du Dich vielleicht an unseren Besuch in der Trapp Family Lodge in Stowe in Vermont vor einigen Jahren. Seit damals nagt die Neugier an uns. Die Geschichte der Trapp Familie, die 1938 vor den Nationalsozialisten in die USA floh, hatte uns neugierig gemacht und ließ uns nicht mehr los. Vor allem wollten wir die Wahrheit über die Flucht der Trapp Familie vor den Nationalsozialisten herausfinden, nicht die Hollywood-Version des Films „The Sound of Music“, der die Familie weltberühmt machte. Die filmische Darstellung entspricht nicht ganz der Wahrheit. Daher machten wir uns am vergangenen Wochenende auf zu einem Besuch in Salzburg, der uns dem tatsächlichen Schicksal dieser bemerkenswerten Familie ein gutes Stück näher brachte. Die Gelegenheit war gut, denn am Abend wurde „The Sound of Music“ in deutschsprachiger Version im Salzburger Landestheater* aufgeführt.

 

Salon in der Villa Trapp
Salon in der Villa Trapp

 

Die Villa Trapp in Aigen bei Salzburg

Das Tolle an diesem Wochenende war, dass wir im ehemaligen Wohnhaus der Trapp Familie wohnen* konnten, der Villa Trapp, die heute als Garni Hotel nach Jahrzehnten wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Man sollte hier kein modernes Hotel mit allen Annehmlichkeiten der heutigen Zeit erwarten. Telefon oder Internetzugang sucht man im Zimmer vergeblich. Die Rezeption des Hotels ist nicht ganztägig besetzt. Vielmehr wird das Hotel als Frühstückspension geführt, in dem wir als Gäste in Zimmern untergebracht waren, die nach Familienmitgliedern der Trapp Familie benannt sind. Wir schliefen im Zimmer von Maria, der drittältesten Tochter von Baron Georg von Trapp. Auf meine Frage an Christoph Unterkofler, den Geschäftsführer des Hotels, ob hier denn tatsächlich Maria geschlafen hatte vor ihrer Abreise in die Staaten, lacht er und sagt: „Maria war bei der Eröffnung des Hotels Gast im Haus und hat genau diese Frage beantwortet. Sie meinte: ‚Wir waren eine Familie. Da schlief mal der eine in diesem Zimmer und einige Jahr später in jenem. So einfach zuordnen lassen sich die Zimmer in diesem Haus nicht.'“ Die Zimmernamen sind eher als Referenz an die Trapp Familie zu betrachten, denn als tatsächliche historische Tatsachen.

 

Treppenaufgang in der Villa Trapp
Treppenaufgang in der Villa Trapp

 

Die wahre Geschichte der Trapp Familie in Salzburg

Trotzdem haben wir das Gefühl, der Trapp Familie in dieser Villa näher zu kommen, gibt es doch zahlreiche Erinnerungsstücke, die Georg von Trapp und seinen Kindern gehörten. So finden wir in einer Vitrine im Salon eine Schiffsglocke, die von seinem U-Boot stammt, das er während des Ersten Weltkriegs im Dienste der Marine Österreichs zu K. und K. Zeiten kommandierte. In der Eingangshalle stehen zwei prachtvoll geschnitzte chinesische Holzbänke, die die Trapp Familie von einer ihrer Konzertreisen mitbrachte. In den Zimmern und im 150 Jahre alten Treppenhaus hängen Fotos von den Kindern und der Familie, und im Frühstückssaal steht ein altes Klavier, das an die Zeiten erinnert, als die Trapp Family Singers ihre Weltkarriere als Sängerfamilie starteten. Diese begann nachdem Georg von Trapp das Kindermädchen der sieben Kinder, die er mit seiner ersten Frau bekam, heiratete. Maria Kutschera kam 1925 als Hauslehrerin ins Haus der Trapp Familie. Sie arbeitete zuvor als Lehrerin im Kloster Nonnberg in Salzburg und stand kurz davor, selbst Nonne zu werden. Ihre Pläne änderten sich, als sie 1927 den 25 Jahre älteren Georg von Trapp heiratete. Maria war sehr musikalisch, und ihre Stiefkinder hatten bereits vor ihrer Ankunft in der Familie gemeinsam mit ihrem Vater musiziert. Georg von Trapp war – im Gegensatz zum militärisch wirkenden Vater des Musicals – ein liebevoller Vater. Angeblich liebte er es, seine Kinder um sich zu haben. Die Pfeife, mit der er in „The Sound of Music“ seine Rasselbande herum kommandiert, gibt es tatsächlich, und wir finden sie unter den Erinnerungsstücken an die Familie. Seine Tochter Maria berichtet darüber: „Mein Vater nutzte die Pfeife nur, um uns aus dem weitläufigen Park zu sich zu rufen, wenn er nach uns suchte. Jeder von uns hatte sein persönliches Signal. Wenn Vater nach uns pfiff, wussten wir immer, wen er gerade suchte.“

Da Georg von Trapp nach dem Ende des Ersten Weltkriegs seinen Beruf aufgeben musste, weil Österreich mit Kriegsende seinen Zugang zum Meer verlor, musste sich die Trapp Familie wirtschaftlich einschränken. Sie zog ins obere Stockwerk der Villa und vermietete die Räume in den beiden unteren Geschossen an zahlende Gäste. Einer davon war die bekannte Schauspielerin Lotte Lehmann, die während ihres Besuchs die Familie singen hörte. Sie war es auch, die Ihnen empfahl, an einem Volksmusik-Wettbewerb während der Salzburger Festspiele teilzunehmen. (Den „Onkel Max“, wie er im Musical „Sound of Music“ vorkommt, gab es so nicht. Genausowenig übrigens wie Elsa Schrader, die Geliebte im Musical.) Die Trapp Familie gewann den Sängerwettbewerb. Radioauftritte und Konzerte in Österreich und anderen europäischen Ländern folgten.

Nach Salzburgs Anschluss an Deutschland boten die Nationalsozialisten Georg von Trapp eine Position in der deutschen Marine an. Als überzeugter Monarchist weigerte er sich, dieses Angebot anzunehmen. Stattdessen bereitete die Trapp Familie ihre Ausreise vor. Ihr lag eine Einladung zu einer Konzertreise durch die USA vor, und so flohen sie mit dem Zug vom Bahnhof Aigen – nicht zu Fuß über die Berge wie im Film – zunächst nach Italien und von dort weiter in die USA, wo sie mit einem temporären Künstlervisum ihre Konzerte absolvierten. Maria brachte in den USA ihren jüngsten Sohn, Johannes, zur Welt. So konnten sie nach einer weiteren Konzerttour durch Schweden problemlos in die USA einwandern, besaß Johannes doch durch seine Geburt bereits die amerikanische Staatsbürgerschaft.

 

Schloss Leopoldskron
Schloss Leopoldskron – Die rückwärtige Fassade der Villa Trapp im Film

 

Eine Reise zu den Filmschauplätzen von The Sound of Music

Wir nutzen unseren Aufenthalt in Salzburg dazu, die Schauplätze der Filmversion von „The Sound of Music“ zu erkunden. Auch dabei stoßen wir auf Widersprüchlichkeiten, die die wahre Geschichte der Trapp Familie verfälschen. So verwendet Hollywood Regisseur Robert Wise nicht die echte Villa Trapp als Filmkulisse für das Wohnhaus der Trapp Familie. Diese war ihm offenbar nicht pompös genug. Stattdessen wählt er zwei Schlösser in der Umgebung von Salzburg als Drehorte aus: die Rückseite von Schloss Leopoldskron mit ihrem See dient als Rückseite der „Trapp Villa“ im Film, und die Vorderseite von Schloss Frohnburg außerhalb von Salzburg wird in Hollywood zur Frontseite der Trapp Villa. Dabei kommt es zu seltsamen Szenen, kennt man die tatsächlichen Örtlichkeiten der Aufnahmeorte. Während der Vater seine Kinder ins Haus ruft mit der Fassade von Schloss Leopoldskron und dem See im Rücken, toben die Kinder im Park von Schloss Frohnburg. Was in der Realität eine Distanz von mehreren Kilometern beinhaltet, erscheint im Film als kurzer Weg von wenigen Minuten.

 

I am sixteen, going on seventeen
I am sixteen, going on seventeen

 

Die Tanzszene zum Lied „I am 16, going on 17“ wurde vor einem Gazebo am Seeufer von Leopoldskron gedreht. Dieser Glaspavillion befindet sich seit einigen Jahren im Schlosspark von Hellbrunn. Im Film wirkt der Pavillion viel größer als in der Realität. Auch das hat mit Hollywood zu tun, wurden die Außenszenen doch am See von Leopoldskron gedreht, die eigentliche Tanzszene aber in einem viel größeren nachgebauten Gazebo in den Hollywood Studios. Ähnlich ist es mit Marias Herkunft aus dem Kloster Nonnberg. Ihr Weg von dort zur Villa Trapp dauert im Film gerade mal wenige Minuten. In Wirklichkeit liegen 25 Kilometer zwischen der Trapp Villa und dem Kloster. Im Film heiraten Georg und Maria in der Basilika in Mondsee. Ihre echte Hochzeit fand im Kloster Nonnberg statt. Unsere Tour auf den Spuren Hollywoods ist spannend.

 

Basilika von Mondsee
St. Michaels Basilika von Mondsee
Hauptschiff der St. Michaels Basilika in Mondsee
Hauptschiff der St. Michaels Basilika in Mondsee – Hier wurde die Trauungsszene im Film gedreht

 

Wir sind unterwegs mit einer der organisierten Busrundfahrten auf den Spuren von „The Sound of Music“, auf der wir diese interessanten Details erfahren. Was mich auf dieser vierstündigen Tour durch Salzburg, die Salzburger Vororte und das Salzburger Land vorbei am Fuschlsee, dem Wolfgangsee bis zum Mondsee am meisten überrascht, ist die Tatsache, dass wir uns den Bus mit meist jungen Leuten aus aller Welt teilen. Andere deutschsprachige Gäste suchen wir dagegen vergeblich. Das Musical und dessen Verfilmung mit Julie Andrews als Maria und Christopher Plummer als Baron, das in Österreich und Deutschland kaum bekannt ist, ist offenbar in der ganzen Welt ein Renner. Bis heute ist „The Sound of Music“ das meist gesehene Musical der Welt mit mehr als 2 Milliarden Zuschauern. Mit uns sind junge Australier, Briten, Asiaten und ein paar Kanadier unterwegs. Und alle verbinden „The Sound of Music“ mit der Weihnachtszeit, in der es zu ihren Familienbräuchen gehört, sich das Musical anzuschauen.

 

Kaffeepause mit Apfelstrudel im Cafe Braun in Mondsee
Kaffeepause mit Apfelstrudel im Cafe Braun in Mondsee?
Heiße Schokolade
Oder doch lieber eine heiße Schokolade …
Schokoladentorte
… und ein Stück Schokoladentorte?

 

Unser Tag auf den Spuren der Trapp Familie ist ein überaus spannender Tag voll komplexer Zusammenhänge zwischen der Wahrheit, der Geschichte, den Filmdreharbeiten in Salzburg und Hollywood und den Akteuren, die sich bis heute mit der Geschichte der Trapp Familie befassen. Uns bot sich ein überaus lebendiger Einblick in die Geschichte Europas und Salzburgs in den letzten 100 Jahren.

 


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Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei Salzburg Tourismus für die freundliche Einladung zu dieser Reise.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline


2 Antworten

  1. Wie schön, einmal die Drehorte im Licht der heutigen Zeit zu sehen! „The Sound of Music“ ist hier in den USA in der Tat ein Adventsklassiker, den jedes Kind kennt. Dass die Familie gar nicht über die Berge wandern musste, ahnt aber kaum jemand. Danke fürs Geraderücken!

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Hallo Petrina,

      im Gegenteil – die Familie von Trapp hatte nur fünf Minuten zu Fuß bis zur nächsten Bahnstation. Von dort ging die Reise erstmal nach Italien und dann über die Schweiz in die USA.

      LG,
      Monika

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