Vom Donaukanal zum Prater in Wien durch die Leopoldstadt

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Vom Donaukanal zum Prater in Wien
Vom Donaukanal zum Prater in Wien

Spaziergang abseits der Touristenpfade vom Donaukanal zum Prater in Wien

Wir haben einen Tag Zeit bei unserem Besuch in Wien und beschließen, die nähere Umgebung des Schick Hotel Capricorno zu erkunden, in dem wir übernachten. Das Hotel liegt direkt am Donaukanal und damit am Rand des 1. Bezirks, der Altstadt von Wien. Auf der gegenüber liegenden Kanalseite beginnt die Leopoldstadt oder der 2. Bezirk. Die Leopoldstadt liegt auf der Unteren Werd, einer Insel zwischen dem Donaukanal und der Donau. Das Stadtviertel gilt bis heute als Judenviertel Wiens. Auf unserem Spaziergang vom Donaukanal zum Prater in Wien begegnen wir einigen Menschen, die die Kippa auf dem Kopf tragen, die Kopfbedeckung männlicher Juden. Deutsch oder Österreichisch hören wir auf unserem Rundgang kaum. Dafür sprechen viele der Menschen, die uns begegnen, Französisch oder Englisch.

 

Am Nestroyplatz in Wien
Am Nestroyplatz in Wien
Johann Nestroy
Johann Nestroy

 

Wir beginnen unseren Spaziergang vom Donaukanal zum Prater in Wien durch die Leopoldstadt in der Praterstraße und folgen ihr zum Nestroyplatz, an dem eine Statue des österreichischen Schauspielers und Dramatikers steht. Unterwegs fallen uns einige Wohnhäuser auf mit prachtvollen Portalen und Balkonen, die von imposanten Statuen getragen werden. Weiter die Praterstraße hinunter steht die Johann Nepomuk Kirche, deren Inneres aber eher düster auf uns wirkt. Nicht weit davon entfernt auf der anderen Straßenseite steht der auffällige Dogenhof mit seiner Venezianer Fassade.

 

Prachtvolle Fassaden auf unserem Weg vom Donaukanal zum Prater in Wien
Prachtvolle Fassaden auf unserem Weg vom Donaukanal zum Prater in Wien
Architektonisches Detail
Architektonisches Detail

 

Am Praterstern biegen wir ab zum Pratergelände und passieren die Prater Hauptallee, unter deren Ahornbäumen Jogger, Radfahrer und Spaziergänger das frische Frühlingsgrün genießen. Unter den Bäumen blühen gerade Tulpen in allen Farbschattierungen und versetzen uns in tolle Frühlingsstimmung. Nur wenige Schritte weiter dreht das Prater Riesenrad langsam seine Kreise und bleibt bei jeder Gondel, die unten ankommt, stehen, um die Passagiere aussteigen zu lassen. Wir bummeln kurz durch den Prater Rummelplatz, aber der marktschreierische Lärm der Budenbesitzer verlockt uns nicht zu einer Fahrt mit einem der vielen Karusells oder einer Gruseltour durch die Geisterbahn. Lieber gehen wir zurück in die Leopoldstadt auf die Suche nach weiteren Spuren jüdischen Lebens.

 

Das Prater Riesenrad in Wien
Das Prater Riesenrad in Wien
Auf dem Prater Rummelplatz in Wien
Auf dem Prater Rummelplatz in Wien
Hauptallee in den Grünen Prater
Hauptallee in den Grünen Prater

 

Seinen Namen verdankt dieser Stadtteil Leopold I., der 1669 die Juden endgültig von hier verbannte. Schon 1624 waren sie aus der Innenstadt Wiens hierher vertrieben worden. Um 1700 durften wieder zehn jüdische Familien in diesem Teil der Stadt wohnen, benötigte man doch deren Gelder, um die Staatsausgaben zu finanzieren. 1764 erlaubte Maria Theresia den Zuzug von Juden, wobei die sephardischen Juden aus dem spanischen Raum mehr Rechte erhielten als die osmanischen. Sie siedelten sich zwischen der Prater- und der Taborstraße an.

Während und nach dem Ersten Weltkrieg kamen immer mehr Juden nach Wien, bis vor dem Zweiten Weltkrieg etwa 180.000 Juden in Österreichs Hauptstadt lebten. Ein Drittel davon wohnte in der Leopoldstadt. Als 1938 die Nationalsozialisten die Macht in Österreich übernahmen, fielen die Juden der Judenverfolgung zum Opfer. Viele flohen oder wurden in Konzentrationslager abtransportiert. Heute leben wieder mehrere Tausend Juden in der Leopoldstadt. Uns fallen einige in den Boden der Straße eingelassene Metallplatten auf, auf denen individuelle Schicksale der einstigen Bewohner in kurzer Form beschrieben werden – ähnlich wie bei den Stolpersteinen, die wir bereits von unseren Reisen nach Salzburg kennen.

 

In der Leopoldstadt in Wien
In der Leopoldstadt in Wien
Prachtvolle Balkone in der Leopoldstadt in Wien
Prachtvolle Balkone in der Leopoldstadt in Wien
Fensterreliefs in der Leopoldstadt in Wien
Fensterreliefs in der Leopoldstadt in Wien

 

An diesem Sonntag Nachmittag ist die Leopoldstadt ruhig. Wir begegnen auf unserem Spaziergang vom Donaukanal zum Prater in Wien nur wenigen Menschen. Ein Vater trägt seinen schlafenden Sprößling durch die Stadt. Ein paar Spaziergänger überholen uns. Und eine Fotografin ist offenbar in ähnlicher Mission unterwegs wie wir, denn sie fotografiert alle paar Meter ein Motiv, das ihr gerade auffällt. Wir folgen der Heinestraße zur Großen Stadtgutgasse und gehen durch die Glockengasse zurück zur Taborstraße. Entlang unserer Route entdecken wir immer wieder Stadtpalais mit prachtvollen Eingangsportalen und Fassaden, die von sehenswerten Reliefs unterbrochen werden. Aber erst als wir die Taborstraße erreichen, wird es wieder lebhafter auf der Straße. Hier locken Schaufenster zum Bummeln, und der Verkehr auf dieser Durchgangsstraße sorgt für mehr Betrieb.

 

An der Taborstraße in Wien
An der Taborstraße in Wien

 

Unser Rundgang vom Donaukanal zum Prater in Wien durch die Leopoldstadt zeigt uns die Stadt von einer ganz anderen Seite, als wir es bisher kennengelernt haben. Dieses Viertel eröffnet uns einen Blick in die Vergangenheit der Stadt, abseits der üblichen Touristenpfade. Ein wenig spüren wir hier noch das Alte Wien mit seinen versteckten Plätzen, den Häusern mit den schönen schmiedeeisernen Balkonen und Erkern und den Juden, die langsam wieder zurückkehren in das Viertel, in das sie einst verbannt wurden.


Reiseorganisation:

Anreise mit Flugzeug, Bahn und Fernbus
Lufthansa, Austrian Airlines, airberlin und Swiss fliegen nach Wien. Möglich ist die Anreise per Bahn nach Wien (Fahrplan und Buchung*). Außerdem fahren Fernbusse* nach Wien.

Mietwagen:
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Stadtführungen in Wien*
Bei unserem Partner Get Your Guide könnt Ihr die passende Stadtführung durch Wien buchen.

Aktivitäten in und um Wien*
Habt Ihr Lust auf ein Foto-Shooting, eine Wanderung oder einen Ausflug mit Weinprobe? Die gibt’s hier zu buchen.

City Card Wien*
Als sehr praktisch hat sich die City Card Wien erwiesen. Wir haben mit ihr schon zahlreiche Sehenswürdigkeiten der Stadt erkundet.

Kulinarik und Nachtleben*
Ihr wollt die kulinarischen Geheimtipps oder das Nachtleben von Wien kennenlernen? Hier gibt’s die passenden Touren dazu.

Tickets ohne Anstehen in Wien*
Egal, ob Hofreitschule oder Musical, Riesenrad oder Schloss Belvedere: hier könnt Ihr die Tickets kaufen, ohne in der Schlange anstehen zu müssen.

Transfers in Wien*
Ihr braucht einen Transfer vom Flughafen in die Stadt? Hier findet Ihr verschiedene Angebote.

Rabatte und Paketangebote in Wien*
Ihr seid länger in Wien? Dann nutzt die preisgünstigen Rabattangebote für die Erkundung der Stadt.

Unterkünfte in Wien*
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Unsere Reisetipps für Wien
Diese Reisetipps haben wir selbst getestet. Vielleicht ist etwas für Euch dabei?


Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei den Schick Hotels, die uns zu dieser Reise eingeladen haben.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

2 Antworten

  1. Anna
    | Antworten

    Die schönen Fassaden sind mir in Wien auch an vielen Stellen aufgefallen. Tolle Fotos habt ihr gemacht! Ich war im August da und habe nicht so gutes Wetter erwischt, weswegen Spazierengehen durch die Stadt leider so gut wie flachgefallen ist. Naja, nächstes Mal. 🙂

    Herzlich
    Anna
    Anna kürzlich veröffentlicht…#Cityguide HamburgMy Profile

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Ja, wir hatten Glück mit dem Wetter und hatten einen ganzen Tag Zeit, um uns die Region zwischen dem Prater und dem Donaukanal anzuschauen. Wir haben uns einfach treiben lassen. Da findet man häufig ganz überraschend schöne Ecken.
      Monika & Petar Fuchs kürzlich veröffentlicht…Indian Summer ReisenMy Profile

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