Zuckerstangen aus Gränna – Polkagrisar selber machen

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Zuckerstangen - zu Minzbonbons verarbeitet
Zuckerstangen – zu Minzbonbons verarbeitet

 

Ihr kennt bestimmt die rotweißen Minzbonbons, die es bei uns in Zellophan eingewickelt zu kaufen gibt, oder? Schweden hat da eine ganz ähnliche Spezialität. Im kleinen Ort Gränna direkt am Ufer des Vättern Sees reiht sich ein Süßwarenladen an den anderen. Sie alle setzen das Erbe von „Tante Amalia“ fort, einer Witwe, die ihr Kind nach dem überraschenden Tod ihres Mannes, selbst ernähren musste. Tante Amalia lebte zu einer Zeit, als es für Frauen nicht so einfach war, eigenes Geld zu verdienen. So überlegte sie lange, was sie machen konnte, um ihre kleine Familie über Wasser zu halten. Schließlich hatte sie die Idee, die Zuckerstangen, die sie regelmäßig herstellte, zu verkaufen. Sie machte sich die Lage Grännas zunutze, denn durch den Ort führte die Hauptstraße entlang des Sees. Und so stellte sie am Straßenrand Schilder auf, auf denen sie ihre Zuckerstangen anpries.

 

Amalias Zuckerstangen
Amalias Zuckerstangen

 

Es sprach sich schnell herum, was es bei Tante Amalia zu kaufen gab, und für viele Durchreisende wurde es zur Selbstverständlichkeit, auf ihrer Reise bei Tante Amalia einen Stopp einzulegen, um sich ein paar der erfrischenden Zuckerstangen zu holen. Tante Amalia mischte Minze und rote Farbe aus Cochenille unter die Zuckermasse und machte sie so zu einer frischen Süßigkeit, die offenbar den Geschmack vieler traf. Bald kamen Leute aus den umliegenden Orten nach Gränna, nur um sich Nachschub von Tante Amalias Zuckerstangen zu holen. So sprach es sich herum, und Gränna wurde bekannt wegen ihrer süßen Minzstangen.

Als Tante Amalia schließlich starb, sprangen schlaue Unternehmer aus Gränna in die Bresche und setzten ihre Produktion der Zuckerstangen fort. Aus diesem Grund gibt es noch heute die langen rotweißen Stangen in den zahlreichen Süßwarenläden im Ort.

 

Hier brodelt die Zuckermasse für die Zuckerstangen
Hier brodelt die Zuckermasse für die Zuckerstangen

 

Zuckerstangen in Gränna selber machen

Wir sind in einem davon zu Gast, und Isaac, der Geschäftsführer erzählt uns die Geschichte von Tante Amalie. „Inzwischen machen wir neben den traditionellen Zuckerstangen auch noch viele andere Geschmacksrichtungen“, fügt er hinzu. „Es gibt Polkagrisar mit Himbeer-, Erdbeer- oder Apfelgeschmack. Wir experimentieren aber auch mit exotischeren Zutaten wie Kräutern, Kakao oder Kaffee.“ Dann lacht er mich an und meint: „So, und jetzt bist Du dran! Du kannst heute Deine eigenen Zuckerstangen machen.“ Sagt’s und geht in seine Küche, wo bereits ein dicker Zuckerbrei auf dem Herd kocht und Blasen schlägt. „Die Vorbereitung mache ich. Dafür braucht es etwas Übung. Aber hinterher darfst Du weiter machen“, sagt er.

 

Isaac gießt die Zuckermasse auf die kalte Platte
Isaac gießt die Zuckermasse auf die kalte Platte
Ein Teil der Zuckermasse wird mit rotem Farbstoff und Minze vermischt
Ein Teil der Zuckermasse wird mit rotem Farbstoff, der andere mit Minze vermischt
Der zweite Teil der Masse wird solange mit einer Spachtel geknetet, bis er weiss ist
Der zweite Teil der Masse wird solange mit einer Spachtel geknetet, bis er weiss ist

 

Er schüttet die heiße und zähflüssige gelbliche Masse auf eine kalte Metallplatte, die durch kaltes Wasser gekühlt wird, das in Rohren unter der Platte durchgeleitet wird. Dabei wendet er sie immer wieder mit einer Spachtel, wobei sie langsam eine weiße Farbe annimmt. „Das ist Luft, die durch das Kneten in die Zuckermasse hineingearbeitet wird“, erklärt er. Zu einem kleinenTeil der Masse fügt er einen roten Farbstoff hinzu, zum anderen wenige Tropfen einer Flüssigkeit, die intensiv nach Minze riecht. „Hiermit muß ich vorsichtig sein“, meint es. „Sonst werden die Zuckerstangen zu scharf.“ Beide Farben dreht er zu einem langen Strang, den er – als er kühl genug ist – über einen schweren Haken an der Wand wirft und immer wieder in die Länge zieht, bis er zäh und so kühl ist, dass ich die Masse bearbeiten darf.

 

Das setzt er fort an einem Haken an der Wand
Das setzt er fort an einem Haken an der Wand
Als die Masse zäher wird, überlässt er das Ziehen einer Maschine
Als die Masse zäher wird, überlässt er das Ziehen einer Maschine

 

Er schneidet mir die Hälfte des Strangs ab und legt sie auf ein Holzbrett vor mich hin. „Jetzt rollst Du den Strang gleichmäßig, bis er die Breite des Bretts erreicht.“ Mit einer großen Schere schneidet er den Strang in zwei Hälften, und ich wiederhole den Vorgang so lange, bis ich eine Reihe von etwa daumendicken Stangen vor mir liegen habe. „Die schneidest Du jetzt noch einmal in die Hälfte und wickelst sie in Papier. Et voilá! Hier hast Du Deine selbst gemachten Zuckerstangen!“

 

Dann verdrillt er den roten mit dem weißen Strang zu dicken Zuckerstangen
Dann verdrillt er den roten mit dem weißen Strang zu dicken Zuckerstangen
Die Zuckerstangen rollen wir in immer dünnere Stränge
Die Zuckerstangen rollen wir in immer dünnere Stränge

 

Diese sind inzwischen ganz kalt und hart geworden, so dass wir sie problemlos mit auf unsere Reise durch Schweden nehmen können. Petar schmecken sie so gut, dass er unseren ganzen Vorrat an Zuckerstangen – mit meiner gelegentlichen Unterstützung – während unserer zweiwöchigen Schweden-Reise verzehrt. Fast hätte er zum Schluss unserer Reise in Stockholm noch einmal Nachschub besorgt. Aber schließlich verzichtet er doch darauf. „Das ist ein Grund, um wieder zu kommen“, meint er. Und Recht hat er.

 

und verpacken sie zum Mitnehmen
und verpacken sie zum Mitnehmen

In Petars Video könnt Ihr live miterleben, wie die Zuckerstangen hergestellt werden:

Wir bedanken uns bei Visit Smaland für die Einladung zu dieser Reise. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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