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Apfelwein und Weinprobe in Quebec

Die Frontenac Trauben sind besonders gut für die Region geeignet © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Die Frontenac Trauben sind besonders gut für die Region geeignet © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Was machen wir, wenn es regnet im Urlaub? Wir suchen uns eine Beschäftigung im Trockenen. Und genau das tun wir bei unserer Reise durch den Süden Quebecs. Wir sind unterwegs in den Cantons de l’Est, einer Region etwa eine Autostunde südlich von Montreal und wollen herausfinden, was diesen Teil Quebecs einzigartig macht. An einem unserer Tage dort regnet es einen Nachmittag lang ohne Pause. Kein Wetter also, um durch die kleinen Dörfer zu bummeln, nach schönen Aussichten Ausschau zu halten oder Boot zu fahren auf einem der zahlreichen Seen in der Gegend. Aber es gibt etwas, was wir auf unserer Reise unbedingt kennenlernen wollen, und das sind die regionalen Spezialitäten. Quebec ist für seine kulinarischen Leckerbissen berühmt, und die Cantons de l’Est machen da keine Ausnahme. Als wir allerdings hören, dass man hier auch Wein anbaut, glauben wir unseren Ohren nicht zu trauen. “Bei den langen und kalten Wintern in diesem Gebiet?”, frage ich unseren Wirt. Dieser lacht und meint: “Probiert sie einmal! Ihr werdet staunen!”

Das macht uns neugierig, und wir fahren in die Umgebung von Dunham. Auf dem Weg dorthin sehen wir immer wieder Schilder am Straßenrand, die auf Weingüter hinweisen und bald fahren wir an den ersten Weinfeldern vorbei. Tatsächlich, hier wird Wein angebaut, und das nicht wenig. Als wir Dunham hinter uns lassen, werden die Weinfelder immer größer, bis die Weinreben sich bis zum Horizont erstrecken. Wir machen Halt an einer Stelle, an der sich mehrere Weingüter konzentrieren und sind neugierig, mehr über den Weinanbau in diesen Breiten zu erfahren. Unser erster Stopp ist im Vignoble de l’Orpailleur, was – wie wir später erfahren – das “Weingut des Goldgräbers” heißt. Ein passender Name, wie uns Maryse Blanchard erklärt, die uns durch das Weingut führt: “Zwei der Besitzer dieses Weingutes kamen vor etwa zwanzig Jahren aus Frankreich hierher und versuchten als Erste Wein anzubauen. Die benachbarten Bauern hielten sie für verrückt. Aber die beiden stammten aus erfahrenen Winzerfamilien und testeten so lange mit passenden Reben, bis ihre Weine höchsten Ansprüchen genügten.”

 

Das macht Appetit auf Wein, oder? © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Das macht Appetit auf Wein, oder? © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Mit Blick auf das nasskalte Wetter vor den Fenstern des Weinguts frage ich Maryse: “Aber wie schaffen sie es, dass die Rebstöcke die eisigen Temperaturen in den Wintern überleben?” “Die Kälte im Winter macht den winterharten Reben nichts aus. Ein Problem ist nur, wenn im Frühjahr die ersten Knospen sprießen, und es noch einmal zu Kälteperioden kommt. Dann verbringen die Besitzer ganze Nächte im Weinberg, um die Rebstöcke zu beobachten. Wird es zu kalt, schleppen Sie Metallkessel mit Holzkohle in den Weinberg. Seht Ihr dahinten den Ventilator im Feld? Darunter werden sie platziert und die Holzkohle angezündet. Der Ventilator verteilt die aufsteigende Hitze mit seinem Quirl über das ganze Feld und verhindert so, dass die zarten Knospen durch die Frühjahrsfröste beschädigt werden.” Dafür also sind die Ventilatoren in den Weinfeldern, denke ich bei mir.

Maryse zeigt uns auch, dass man im Vignoble de l’Orpailleur Champagner herstellt, leicht zu erkennen an den Flaschengestellen, die in den Kühlhallen stehen und in denen die Flaschen mit dem Kopf nach unten stecken. Sie müssen regelmäßig per Hand gedreht werden, bis der Wein vergoren ist. Ist der Champagner fertig, friert man den Flaschenhals ein und entfernt das gefrorene Ende, das Restabfall enthält. Dann werden die Flaschen aufgefüllt und verschlossen.

 

Hier entsteht Champagner © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Hier entsteht Champagner © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Nach unserem Rundgang dürfen wir einige der hauseigenen Weine verkosten, und ich bin überrascht wie leicht diese schmecken. Noch mehr überrascht mich, dass allein dieses Weingut zwölf verschiedene Weinsorten im Angebot hat.

Beim Nachbarn, im Vignoble Alfonso Gagliano, werden wir vom Besitzer höchstpersönlich empfangen und durchs Weingut geführt. Alfonso Gagliano erzählt uns, dass er erst vor wenigen Jahren mit dem Weinanbau begann. Bis dahin war er jahrelang als Botschafter Kanadas in Skandinavien tätig und fuhr in seiner freien Zeit immer wieder in die Heimat seiner Vorfahren, nach Italien. Dort lernte er – wie konnte es anders sein – die italienischen Weine schätzen und kaufte sich nach seiner Pensionierung das Nachbargrundstück. Er führt uns, trotz Regen, kurz hinaus in den Weinberg und zeigt uns die Reben, die er hier anbaut. Was für unsere ungeübten Augen zunächst aussieht wie neu angepflanzte Rebstöcke, die noch sehr niedrig sind, stellt sich als der älteste Teil seines Weinguts heraus. “Dies sind die Reben, die dem Winter hier besonders gut widerstehen können. Wir bedecken sie während der Wintermonate mit Erde, um sie vor der extremen Kälte zu schützen, und im Frühjahr, wenn die letzten Fröste vorbei sind, entfernen wir die Erde wieder und lassen sie normal wachsen.”

 

Ein Schluck "Fire Cider" gefällig? © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Ein Schluck “Fire Cider” gefällig? © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Daneben befindet sich ein Feld mit höheren Rebstöcken, und ich frage Alfonso, warum diese anders aussehen. “Das sind Frontenac-Trauben. Sie gehören zu den Sorten, die speziell für diese Regionen gezüchtet wurden. Vor allem die Universität von Minnesota hat sich damit intensiv beschäftigt und erfolgreich besonders winterharte Reben entwickelt.” Und auch hier sind wir von den hervorragenden Weinen der Region schnell überzeugt, als Alfonso uns einige verkosten lässt.

Da es noch immer regnet, besuchen wir die Vinothek des Nachbarn auf der anderen Straßenseite. Bei Union Libre spezialisiert man sich auf die Herstellung von Apfelwein und Most. Im Gegensatz zu den bitteren und nicht eßbaren Apfelsorten, die man bei der Apfelmost-Herstellung bei SeaCider auf Vancouver Island verwendet, nutzt man hier vor allem die süßen und wohlschmeckenden Macintosh-Äpfel zur Cidre-Produktion. Und das merken wir sofort: sind die Mostsorten von der Insel in British Columbia herb und trocken, ist der Apfelwein aus Quebec eher vollmundig und fließt wie süßer Honig die Kehle hinab. Für die Herstellung des “Fire Cider”, dem Flaggschiff im Produkt-Angebot von Union Libre, wird der Apfelsaft erst erhitzt, bevor er vergoren wird. “Das sorgt für den ganz besonderen Geschmack”, sagt Anouschka Bouchard, eine der Besitzerinnen von Union Libre. Die junge Frau hat sich vor einigen Jahren zusammen mit ihrem Freund dazu entschlossen, das hektische Leben in der Großstadt hinter sich zu lassen und ein ruhigeres und – wie sie sagt – erfüllteres Leben auf dem Land zu führen. Eine ausgezeichnete Entscheidung, wie wir finden, als wir genüsslich ihren Apfelwein kosten.

Und so wird ein verregneter Nachmittag im Süden Quebecs uns in guter Erinnerung bleiben, dank der Winzer und Apfelmost-Produzenten um Dunham und ihrer hervorragenden Erzeugnisse.

Tipps zu Wein und Getränken findest Du unter Weintourismus – Weingebiete.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Die Reise wurde unterstützt von Tourism Quebec. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos:  © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video: © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

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