Canadian Canoe Museum – Mit dem Kanu durch Kanada

Hudson Bay Blankets im Canoe Museum Peterborough

Es gibt nur wenige Länder, in deren Geschichte das Kanu ein so große Rolle spielte, wie in Kanada, das Land der 10000 Seen (wenn diese Zahl überhaupt reicht). Die ersten Europäer kamen hierher, weil sie einen Weg durch die Landmasse suchten, die ihren Weg zu den Preziosen versperrte, die sie aus Asien kannten und hinter denen sie her waren. Sie wollten den nordamerikanischen Kontinent nur möglichst schnell durchqueren, und da es damals keine Wege gab, oder sie diese zumindest nicht kannten, nutzten sie die zahllosen Wasserwege, die großen und kleinen, die in den Kontinent hinein und durch ihn hindurch führten. Erst unterwegs erkannten sie, dass auch dieses Land Dinge bot, die die Menschen in den Herkunftsländern interessierte, allen voran die wertvollen Felle der Biber. Das Kanu wurde zum Hauptverkehrsmittel der Voyageure, die damit ihre Waren in alle Regionen des Kontinents transportierten, um sie gegen die Pelze einzutauschen, die ihnen die Indianer lieferten. (Dass Kanada selbst ebenfalls Unmengen an Bodenschätzen besitzt, erfuhr man erst viel später, als der Transport mit Kanus keine große Rolle mehr spielte.) Grund genug für die Kanadier, diesem traditionellen Fortbewegungsmittel sogar ein eigenes Museum zu widmen. Es befindet sich in dem kleinen Ort Peterborough östlich von Toronto, und wir haben es uns angesehen.

 

Willkommen im Canoe Museum
Welcome oder Bienvenue im Canadian Canoe Museum in Peterborough © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Schon an der Fassade werden Besucher in englischer und französischer Sprache willkommen geheißen – passend, wie wir finden, waren doch die ersten europäischen Reisenden französische Voyageure auf der Suche nach einem Weg nach Westen. Ihnen folgten bald die englischen Pelzhändler der Hudson’s Bay Company, die in ihren großen Lastkanus die bunten Wolldecken nach Westen schafften, die bei den Indianern so begehrt waren, dass sie schließlich sogar zu einer Art Währung im kanadischen Pelzhandel wurden. Wie voll bepackt die Kanus waren, zeigen Beispiele im Museum. Nicht nur die beliebten Decken stellten einen Teil der Ladung dar. Dazu gehörten außerdem Kochtöpfe aus Metall, Vorräte an Mehl, Rum und Mais und die begehrten winzigen Glasperlen, mit denen die indianischen Kunden der Pelzhändler im Laufe der Zeit Kleider, Schuhe und Zelte verzierten. Sie liebten die bunten Farben und nutzten schließlich sogar Muster, die sie auf Tabakdosen oder anderen Konserven fanden, als Vorlage für die Muster, die sie auf ihre Lederkleidung und -schuhe stickten.

 

Waren der Voyageure
Lastkanu der französischen Voyageure © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Im Canadian Canoe Museum lernt man nicht nur die Kanus der Europäer kennen, sondern auch die der Indianer, die diese bis heute zum Beispiel an der kanadischen Nordwestküste nutzen. Noch immer werden sie aus den riesigen Stämmen der Rotzedern gefertigt, die so stark ausgehöhlt werden, dass nur noch eine dünne Außenhaut übrig bleibt. Mit diesen Kanus fuhren sie früher aufs Meer hinaus, um dort Wale zu jagen. Heute gehen sei damit in den Küstengewässern und den großen Flüssen im kanadischen Westen zum Fischen oder nutzen sie als Zeremonialkanus für größere Fahrten.

 

Lager der Voyageure
Kanus dienten Voyageuren auch als Schutz auf ihren Reisen © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Peterborough ist nicht ohne Grund Standort des Canadian Canoe Museum. In diesem Ort befand sich die Peterborough Canoe Company, in der bis 1961 moderne hölzerne Kanus hergestellt wurden. Sogar Königin Elizabeth II. ist im Besitz eines der Kanus der Peterborough Canoe Company, die ihr das Kanu als Hochzeitsgeschenk überreichte. Im Museum sind mehrere Kanus der königlichen Familie ausgestellt, die dem Museum als Leihgaben zur Verfügung gestellt werden. Bei Bedarf holen sich die Prinzen ihre Kanus im Museum ab, wenn sie selbst eine Tour mit dem Kanu unternehmen wollen. Die Peterborough Canoe Company büßte ihre führende wirtschaftliche Stellung in der Kanuherstellung ein, als Fiberglas und Aluminium die Massenproduktion von Kanus vereinfachten. Auch die Umstellung auf die Produktion von hölzernen Schnellbooten und Segelbooten konnte den Untergang der Peterborough Canoe Company nicht aufhalten, und so schloss sie 1961 ihre Tore für immer.

 

Das Canadian Canoe Museum erinnert noch immer an die große Zeit der hölzernen Kanus, als diese Kanada auf den Wasserwegen erschlossen. Ein sehr sehenswertes Museum, wie wir finden, vor allem für alle, die sich für kanadische Geschichte interessieren.

Peterborough ist nicht weit entfernt vom Elmhirst Resort, in dem Ihr, wenn Ihr wollt, Euch selbst einmal im Kanufahren auf dem Rice Lake ausprobieren könnt.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung durch Tourism Ontario

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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