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Meine spannendste Reise

Unterwegs auf dem Dempster Highway in die Nordwestterritorien © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Unterwegs auf dem Dempster Highway in die Nordwestterritorien – meine spannendste Reise

 

Was war meine spannendste Reise?

Was war meine spannendste Reise? Vielleicht denkt Ihr, das ist bei meinen vielen Reisen durch alle Welt sicher schwierig zu beantworten. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Mir fällt dazu nur eine Reise ein, die diesen Status in meinen Augen uneingeschränkt verdient: eine Reise, die ich vor Jahren durch die Nordwestterritorien in Kanada unternahm.

Auf den Spuren der Goldsucher von Whitehorse nach Dawson City

Sie dauerte zwei Wochen, startete in Whitehorse im Yukon Territorium, folgte dem gleichnamigen Fluss in die Goldgräberstadt Dawson City. Ihr denkt: “Wow! Toll!” ? “Stimmt,” antworte ich Euch. “Das war es auch, folgten wir doch den Spuren der Goldsucher, Glücksritter und Abenteurer, die Ende des 19. Jahrhunderts auf abenteuerlichen Wegen von der Küste und über den Yukon River ins gelobte Land am Klondike zogen, wo sie sich unermesslichen Reichtum aus den Goldfeldern erhofften, aber oft nur mit mühseliger Arbeit und wenig Erfolg gerade das Nötigste mit ihren Goldnuggets kaufen konnten, weil skrupellose Geschäftemacher die Goldgier der Greenhorns aus aller Welt ausnutzten, um eigenen Profit zu machen.”

Aber das war nur der sanfte Beginn einer Reise, die mich in noch weitaus nördlichere Regionen bringen sollte. Die Strecke zwischen Whitehorse und Dawson City folgt größtenteils dem Verlauf des Yukon River und bietet immer wieder Ausblicke auf den berühmten Fluss des Nordens in Kanada. Dabei erinnern die Five Finger Rapids, deren Gefährlichkeit heute durch moderne Techniken wesentlich entschärft ist, noch an die Schicksale der goldhungrigen Massen, die sich durch die Stromschnellen flussabwärts zum Klondike bewegten auf ihren hanebüchenen und selbst zusammen gezimmerten Flößen, Kanus oder anderen Wasser-Vehikeln, die sie nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne Vorkenntnisse in kurzer Zeit selbst fabrizierten.

Ich erinnere mich an unser Picknick in Minto direkt am Yukon, bei dem uns ein Kanufahrer Gesellschaft leistete, der den Fluss herunter gepaddelt war. Wie sich herausstellte, stammte er aus München und war mehr als zehn Jahre zuvor ins Yukon ausgewandert, wo er sich, zusammen mit seiner kanadischen Frau, mitten in der Wildnis, die nur per Kanu zu erreichen ist, eine Hütte am Fluss errichtet hatte. Er war nach Minto gekommen, um seine Vorräte an Grundnahrungsmitteln wie Zucker, Mehl, Salz und andere Notwendigkeiten einzukaufen – eine Fahrt, die er im Sommer nur alle paar Monate unternahm. Im Winter gar nicht, wie er uns erklärte.

Nach unserem Aufenthalt in Dawson City, wo wir das touristische Standardprogramm absolvierten – einen Bummel durch die ehemalige Hauptstadt des Yukon, dem Besuch in Diamond Tooth Gertie’s Saloon, der schon zu Zeiten des Goldrausches existierte, den Ausblick vom Midnight Dome auf den Zusammenfluss von Yukon und Klondike River und natürlich einen Versuch, selbst Gold aus einer Schüssel Fluss-Sand zu waschen – begann unser Nordland-Abenteuer.

 

Inuvik, die Ölstadt in den Nordwestterritorien © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Inuvik, die Ölstadt in den Nordwestterritorien – meine spannendste Reise

Auf dem Dempster Highway nach Inuvik in den Nordwestterritorien

Die nächste Etappe dieser Reise führte mich über den Dempster Highway bis nach Inuvik in den Nordwestterritorien. Dieser Highway ist – mit Ausnahme der “Freedom Road” in Quebec und Labrador – die einzige Straße, die vom Süden Kanadas in den hohen Norden des Landes führt. Diesen Highway in Kanadas westliche Arktis war ich vorher schon zweimal gefahren. Er war also  nichts Neues für mich.

Trotzdem ist jede Fahrt auf dem Dempster Highway ein echtes Abenteuer, hängt der Zustand der Straße doch von den Wetterverhältnissen ab, die gerade oder kurz vor der Reise nach Norden herrschten. Diesmal hatte ich Glück, und der Highway war trocken, wenn auch staubig. Das bedeutet, dass wir jedes Fahrzeug, so selten sie auch waren, schon in kilometerweiter Entfernung an seiner Staubwolke sehen konnten, die es hinter sich erzeugte. Wenn es uns dann passierte, machten wir alle Schotten dicht (soweit das ging), um möglichst viel von dem feinen Straßenstaub draußen zu lassen. Nicht überall gelingt dies, und so ziehen wir bereits auf halber Strecke in Eagle Plains unser Gepäck völlig staubverkrustet aus dem Kofferraum. Unser erstes Anzeichen, dass das Abenteuer im hohen Norden beginnt.

Der Dempster Highway ist eine reine Schotterstraße, die durch Permafrostgebiete und über zwei große Flüsse, den Peel und den Mackenzie River von Dawson City bis nach Inuvik führt, einer Stadt im Mackenzie Delta, die vor allem als Ausgangsbasis für die Ölindustrie im Eismeer dient. Von dort wird im Winter die Ausrüstung über Eisstraßen von den berühmten Ice Truckern zu den Ölplattformen in der Beaufort Sea transportiert. Im Sommer ist die Straße in den hohen Norden dagegen nicht so gut für die schweren Lasten geeignet, die über die Wintertrasse transportiert werden. Es sind ganz normale Lastwagen, denen wir auf dem Highway begegnen, die die Stadt im Sommer mit allem Lebensnotwendigen versorgen.

Besonders eindrucksvoll ist der Dempster Highway deswegen, weil er durch riesige Wildnisgebiete führt. Links und rechts der Straße gibt es nichts als Wald, die rauen Spitzen der Tombstone Mountains oder die ferne Kette der Richardson Mountains, die wir von Eagle Plains aus sehen, dem einzigen Zwischenstopp auf dem Weg nach Inuvik. In Eagle Plains gibt es gerade mal eine Station der Straßenmeisterei, die dafür sorgt, dass die Straße einigermaßen befahrbar bleibt, ein Motel, in dem Trucker, Ölarbeiter und auch wir absteigen und eine der besonders seltenen Tankstellen auf dieser Strecke. Ab Eagle Plains werden die Bäume entlang der Strecke immer niedriger – wir sind in den Breiten der Taiga -, bis sie schließlich ganz verschwinden und wir nur noch auf die weiten Landschaften der Tundra blicken. Nur wenige Kilometer nördlich von Eagle Plains passieren wir den Polarkreis, der durch eine Ausfahrt an der Straße gekennzeichnet ist, an der auf einem Schild erklärt wird, was es mit dieser imaginären Linie auf sich hat. Von hier aus nach Norden geht im Sommer die Sonne nicht mehr unter, und es ist 24 Stunden lang hell.

 

Sonnenuntergang über dem Mackenziedelta in den Nordwestterritorien © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Sonnenuntergang über dem Mackenziedelta in den Nordwestterritorien – meine spannendste Reise

Über den Peel und den Mackenzie River nach Inuvik

Von Eagle Plains geht es mit einer Ausnahme fast nur noch bergab. Während die Raststation direkt auf dem Kamm einer Bergkette liegt, von dem aus man in beide Richtungen bis zum Horizont über die verkrüppelten Bäume der Taiga blickt, senkt sich der Dempster Highway nur wenige Meilen dahinter stetig bergab. Nur einmal noch geht es bergauf, als wir uns der Grenze zwischen dem Yukon und den Nordwestterritorien nähern. Auch hier kennzeichnet ein Schild die Grenze zwischen diesen beiden kanadischen Territorien, die sich mitten im Nirgendwo befindet. Kurz dahinter blicken wir hinunter auf Tundraregionen, die sich weit nach Norden erstrecken. Kein Anzeichen menschlichen Lebens ist hier zu sehen – es sein denn, eines der seltenen Fahrzeuge auf dem Highway schickt seine Staubfontänen in die warme Luft.

Unser Weg nach Inuvik wird noch zweimal unterbrochen von den beiden großen Flüssen, die wir im Sommer mit kostenlosen staatlichen Fähren überqueren. Im Winter verbinden Eisbrücken die beiden Ufer. Die Auffahrt auf diese Fähren ist abenteuerlich und passend für diese wilden Regionen. Hier gibt es keine Fährstation, an der technische Einrichtungen den Höhenunterschied des Wassers in den Flüssen ausgleichen. Hier endet die Straße einfach im Wasser. Die Fähre drückt sich so nahe wie möglich ans Ufer, und die Brücke wird so flach wie möglich aufs feste Land gelegt. Je nach Wasserstand gelingt dies mal besser, mal schlechter. Und wenn man mit einem größeren Fahrzeug unterwegs ist, kann es schon mal vorkommen, dass bei der Auffahrt auf die Fähre die Stoßstange abreißt, weil die Zufahrt zu steil ist (was uns bei einer früheren Reise tatsächlich passiert ist). Diesmal jedoch haben wir Glück, und wir überqueren unbeschadet die beiden Flüsse.

Wir legen noch einen Stopp ein im kleinen Ort Fort McPherson, wo wir in der Bar des Dorfs die Dollarscheine bestaunen, die über, auf und unter der Theke kleben. Im Friedhof des Ortes besuchen wir die Gräber der “Lost Patrol”, einer Winterpatrouille, die den Weg zurück von Dawson City nach Fort MacPherson nicht mehr gefunden hatte und im März 1911 nur wenige Kilometer von Fort McPherson in der Tundra gefunden wurde. Von hier sind es nur noch ein paar Stunden, bis wir durch plötzlich wieder auftauchende Wälder links und rechts der Straße schließlich Inuvik am Mackenzie River erreichen.

Unsere Reise geht weiter mit dem Flugzeug nach Tuktoyaktuk und Herschel Island am Eismeer.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort (meine spannendste Reise wurde von niemandem unterstützt)

Text: Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline (Sorry für die schlechte Qualität der Fotos. Das sind eingescannte Dias. Sie entstanden zu einer Zeit, als ich noch keine Digitalkamera hatte.)

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