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Museen in Kanada und den USA sind anders

Pelzhändler Hütte im Museum of Civilization in Ottawa
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Das Wort “Museum” hat bei uns etwas Angestaubtes an sich, etwas, das nach “Altem”, “Gebrauchtem” oder “Vergangenem” riecht. Ein Museum in Deutschland oder in vielen Ländern Europas – das kann man sich in der Regel wahllos aussuchen – ist eine bierernste Sache. Da werden Exponate zusammen getragen, in Lagern gehortet und ab und zu mal in Ausstellungen präsentiert, die ebenfalls etwas “Lagermäßiges” an sich haben: Eine Ausstellung über wunderschönes Meissner Porzellan zeigt die herrlichen Ausstellungsstücke in Vitrinen aufgereiht, in denen jedes Einzelstück akribisch genau beschrieben ist und der Museumsbesucher häufig eine Lupe braucht, um alle Informationen lesen zu können. In einem Museum, das sich mit der Geschichte der Kelten befasst, liegen archäologische Fundstücke fein säuberlich nebeneinander aufgereiht unter Glashauben. Schöne Tonwaren, die als Grabbeigaben entdeckt wurden, werden genauso präsentiert, wie man sie bei der Ausgrabung vorgefunden hatte: in einer nach gebauten Grabkammer, in der die Tontöpfe wirr durcheinander lagen. Nur selten versteigt man sich dazu, Gebäude zu rekonstruieren, wie diese zu Zeiten keltischer Blüte ausgesehen haben mochten – und wenn, dann bestehen sie gewöhnlich nur aus hölzernen Grundformen oder deuten deren Form gar nur an. Ganz anders ist das in den USA und in Kanada …

 

Wikingerszene im Museum of Civilization in Ottawa
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Museen in Kanada und den USA sind anders

Geschichte wird lebendig in zahllosen Freilichtmuseen in Kanada und den USA. Noch lebendiger wird das Erlebnis “Museum” während der Sommermonate, wenn Personen diese Museumsstädte beleben. In Plymouth, Massachusetts, gibt es Spezialisten, die ein bestimmtes Mitglied der Pilgerväter repräsentieren. In Williamsburg, Virginia, reitet “Thomas Jefferson” durch die Straßen, in denen er tatsächlich einmal gelebt und gearbeitet hat. In Louisbourg, Nova Scotia, müssen Besucher erst die Inspektion eines “französischen Soldaten” über sich ergehen lassen, bevor sie die ehemalige französische Festungsstadt auf Cape Breton betreten dürfen. In Midland am Lake Huron kann man “Huronen Indianern” dabei zusehen, wie sie Mais, Bohnen und Kürbisse auf indianische Art anbauen oder wie “Laienbrüder” erlegte Enten im Räucherhaus räuchern.

 

Wachsoldat in Louisbourg, Nova Scotia
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Diese langweilige Form der Präsentation eigentlich hochinteressanter Forschungserkenntnisse und Ausstellungsstücke sucht man in Kanada und den USA in der Regel vergeblich. Sogar in Museen, die ein gewaltiges Archiv an weltberühmten Exponaten zusammen getragen haben – wie etwa das Metropolitan Museum of Art in New York City – versuchen, ihre Schätze in einem verständlichen und anschaulichen Zusammenhang zu zeigen. Schön zeigt sich das im Amerikanischen Flügel, der sich mit der Entwicklung amerikanischer Kunst und Geschichte beschäftigt. Das beginnt bei der Zusammenstellung der Exponate in epochalen Interieurs: wer will, kann im American Wing einen Spaziergang durch die Inneneinrichtungen amerikanischer Wohnhäuser von der Kolonialzeit bis in die Moderne machen. Es setzt sich fort in der Ausstellung amerikanischer Silberschmiedekunst, die zwar in Vitrinen gezeigt wird – die aber schon in ihren Formen zeigen, wie sich Amerika vom Pionierland zur modernen amerikanischen Gesellschaft entwickelt hat. Schön ist auch die Haupthalle des American Wing, in der vor der Fassade einer New Yorker Bank verschiedene Skulpturen in einer parkähnlichen Umgebung gezeigt werden. Besucher können sich die Kunstwerke gut in einer dafür ursprünglich vorgesehenen Umgebung vorstellen. Überhaupt wird die Imagination der Besucher viel stärker angesprochen als in europäischen Museen, wo man diese mühsam vor seinem inneren Auge aufbauen muss.

 

In Midland werden Gänse geräuchert
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Noch anschaulicher ist die Präsentation von amerikanischer und kanadischer Geschichte, Kunst und Architektur in den “Living History”-Museen, von denen es sowohl in den USA als auch in Kanada eine ganze Reihe gibt. Liebevoll werden dort ganze Dörfer, ja sogar Städte im Stil einer bestimmten Epoche, die meist historisch von besonderer Bedeutung war, rekonstruiert. In mühsamer Kleinarbeit, die auf ständiger Forschung beruht, entstehen so Lebensräume, wie sie historisch belegbar sind – und Ausstellungsstücke, die in herkömmlichen Museen nebeneinander aufgereiht gezeigt werden, werden so in ihrer ursprünglichen Umgebung gezeigt, gefertigt und präsentiert. Der Besucher erhält eine viel lebendigere und eindrücklichere Vorstellung vom Leben vor ein, zwei oder drei Jahrhunderten und geht nach Hause mit dem Gefühl, wirklich etwas darüber gelernt zu haben. Ich muss gestehen, dieses Gefühl habe ich in traditionellen Museen häufig nicht.

In Europa gibt es nur wenige solcher wahrhaft lebendiger Museen, in denen Geschichte sichtbar und erlebbar gemacht wird. Daher sind Museumsbesuche in Kanada und den USA auch etwas ganz Besonderes, das sich sogar Museumsmuffel nicht entgehen lassen sollten. Nirgendwo bekommt man einen so tiefen und verständlichen Einblick in die Entwicklung, Denkweise und Mentalität der beiden Völker als dort. Daher mein Tipp für die Reise: auf jeden Fall eines der angebotenen Museen besichtigen.

Text: © Copyright  Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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