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Das beste Frühstück der Welt?

Das beste Frühstück der Welt - große Ansprüche © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Das beste Frühstück der Welt – große Ansprüche © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Auf solche oder ähnliche Superlative stößt man in amerikanischen Restaurants immer wieder. Wir wollten die amerikanische Gigantomanie einmal testen und haben uns von den Versprechungen des Lighthouse Café auf Sanibel Island anlocken lassen. Groß prangt hier – direkt unter dem Restaurant-Namen vor der Haustür – der Anspruch, das beste Frühstück der Welt zu servieren. Wir sind um halb neun Uhr morgens vor den Toren des doch eher unscheinbar wirkenden Cafés unweit des Causeway, der Sanibel Island mit dem Festland bei Fort Myers verbindet. Der Parkplatz vor dem Café ist übervoll, und vor dem Restaurant sitzen und stehen eine ganze Menge Leute herum. “Wollen die etwa auch alle dort frühstücken?”, frage ich mich.

Wir lassen uns nicht abhalten und betreten das Frühstücksrestaurant, das auch im Innern nicht sehr viel größer wirkt als von außen. An der Theke sage ich, dass wir gerne einen Tisch für zwei Personen hätten. Der Mann schaut mich freundlich an und meint: “Es wird etwa zwanzig Minuten dauern”, und schickt uns wieder vor die Tür. Ich hatte also Recht. Die Leute vor dem Restaurant warten tatsächlich darauf, dort frühstücken zu können. “Na gut”, denke ich mir. “Vielleicht ist das ein Zeichen, dass das Essen wirklich besonders gut ist?” Oft ist das ja der Fall, wenn Warteschlangen vor einem amerikanischen Restaurant stehen. Und wir setzen uns auf eine der Banken unter der Veranda und beobachten das Kommen und Gehen der Restaurantgäste. Und es scheinen immer mehr zu kommen.

Langsam verschwinden die Leute, die bereits länger als wir warten und werden ersetzt durch neue Wartende – ein ständiger Strom an Frühstücksgästen. Das Lighthouse Café hat offenbar keine Schwierigkeiten, Kunden zu finden. Und schließlich sind wir dran. Laut werden wir aufgerufen: “Monika Fjusch” ertönt es aus dem Lautsprecher über der Tür. Unser Nachname Fuchs macht allen Englisch sprechenden Menschen der Welt Probleme, und meist werden wir schlicht und einfach umgetauft. Aber mit etwas Fantasie können wir  erraten, dass wir damit gemeint sind.

 

Wir harren der Dinge, die da kommen © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Wir harren der Dinge, die da kommen © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Wir werden an einen winzigen Zweiertisch in der Ecke des Nebenraums im Lighthouse Café geführt – gerade, dass wir genug Platz haben, unsere Taschen unterzubringen und uns an den Tisch zu zwängen. Eine Speisekarte wird auf den Tisch geknallt und uns die Frage entgegen geschleudert: “Tea or Coffee?” Etwas eingeschüchtert wählen wir Tee und Kaffee, je eins für je einen von uns, und bitten außerdem um ein Glas Orangensaft. Und dann studieren wir die Speisekarte.

Die hat es in sich. Da gibt es Gerichte, von denen ich bisher noch nie gehört hatte: darunter sind Turkey Benedict (pochierte Eier mit Truthahn), Granola Nut Whole Wheat Hot Cakes (heiße Pfannkuchen aus braunem Mehl mit Granola und Nuss), Malted Hot Cakes (Pfannkuchen aus Malzmehl), ein Hungry Fisherman (ein Omelett mit Shrimp, Krabbenfleisch und Muscheln mit einer Sauce Alfredo), Ocean Frittata (Shrimp, Muscheln und Krabbenfleisch mit Brokkoli und frischen Pilzen unter Artischockenherzen und einer Sauce Alfredo) oder eine Red Sauce Frittata (geräucherte Wurst gedünstet mit Paprikaschoten, frischen Pilzen und süßen Zwiebeln mit einer hausgemachten Marinara Sauce und Provolonekäse überbacken). Nun, erfinderisch sind sie, das müssen wir zugeben.

“Na gut”, denke ich. “Wir sind am Meer, also bestelle ich mir einen Hungry Fisherman.” Petar wählt ein Omelett mit Pilzen und Käse. In der Zwischenzeit trinken wir unseren dünnen Kaffee und den wässrigen Orangensaft, die inzwischen auf unserem Tisch gelandet sind. Was wir bekommen, ist das:

 

Petars Omelett © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Petars Omelett © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Der "hungrige Fischer" © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Der “hungrige Fischer” © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Zwei lieblos zusammengestellte Frühstücksteller, auf denen die Zutaten nur mit Mühe zu bestimmen sind. Und genauso schmeckt es auch – verkocht, pampig unter einem Liter “Sauce”, kaum gewürzt und mit vertrockneten Bratkartoffeln.

Daher lasst Euch gesagt sein, amerikanische Gigantomanie ist fast immer mit Vorsicht zu genießen. Aber in Touristenorten wie Sanibel Island ist es damit offensichtlich noch immer möglich, ausreichend Kundschaft anzulocken, damit das Geschäft brummt. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute, die auf der Insel wohnen, hier frühstücken gehen.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung der Reise durch The Beaches of Fort Myers and Sanibel. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text: © Copyright  Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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