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Bären beobachten im Wald von New Brunswick

Bärenjunges am Baum
Bärenjunges am Baum

 

Bären in den Atlantikprovinzen in freier Wildbahn zu sehen ist ungefähr wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen. Warum das so ist, ist mir bei unserem Flug nach Ostkanada in diesem Jahr erst so richtig bewusst geworden. Wir hatten traumhaft schönes Wetter bei unserem Anflug auf Halifax und sahen nach dem Flug über die Bay of Fundy außer ein paar kleinen Ortschaften entlang der Küste nichts als Wald. Wald, soweit das Auge reicht. Ohne ein Zeichen menschlicher Anwesenheit. Bei unserer Fahrt durch Nova Scotia und New Brunswick in den darauf folgenden Tagen schaute ich mir diesen Wald etwas genauer an. Oder besser, ich versuchte es. Denn die Wälder in diesen Regionen sind so dicht, dass man nicht weit hinein blicken kann. Es sind Urwälder, die seit Jahrtausenden unberührt sind, und es gibt nur wenige Lichtungen, die die Menschen hier für ihre Dörfer und Farmen in die Wildnis geschlagen haben. Buschwerk, Gras und Gestrüpp verhindern tiefere Blicke in diese Wälder. Darin einen einzelnen Bären zu sichten, ist fast unmöglich. Und diese  hüten sich meist, ihre gute Deckung zu verlassen. Daher kommt es nur sehr selten vor, einen Bären auf freiem Gelände zu sehen.

 

Bär auf dem Weg
Bär auf dem Weg
Bären im Wald bei Acadieville in New Brunswick
Bären im Wald bei Acadieville in New Brunswick

 

Die Bären bei Acadieville in New Brunswick

Umso gespannter war ich, als ich hörte, dass es in der Nähe von Acadieville in New Brunswick eine Möglichkeit gibt, Bären zu beobachten. Dabei ist diese Gelegenheit eher durch Zufall entstanden. Richard, der sich selbst als Bärenflüsterer bezeichnet, arbeitete 1999 im Wald von Acadieville, als ihm ein dreimonatiger Jungbär zulief und ihn als Ersatzmutter adoptierte. Seine leibliche Mutter war offensichtlich umgekommen und hatte die junge Bärin als Waise zurück gelassen. Richard nahm sich des Jungtiers an und päppelte es auf. Als es alt genug war, um in der Wildnis zu überleben, entließ er es wieder in die Freiheit. Nur – die Bärin hatte ihren eigenen Kopf. Sie kehrte immer wieder zu Richard zurück, den sie als Teil ihrer Familie betrachtete. Und sie brachte ihm ihre beiden Jungen … und deren Nachwuchs. So entwickelte sich eine Geschichte, die sich bis heute fortsetzt.

 

Bär im Grünen
Bär im Grünen
Bär und hohler Baum
Bär und hohler Baum

 

Richard hat inzwischen einen Beobachtungsturm in den Wald gebaut, zu dem er während der Sommermonate interessierte Besucher mit seinem ramponierten Kleinbus transportiert. Als wir uns dem Turm nähern, sehen wir bereits mehrere Bärenfamilien, die in seiner Umgebung auf Richard warten. Dieser ermahnt uns nochmal, sofort nach dem Verlassen des Busses hinaufzusteigen auf den Turm. “Die Bären sind wild”, sagt er, “und das, was ich mit ihnen tue, solltet Ihr auf keinen Fall versuchen. Es sind keine Haustiere, sondern wilde Tiere.” Wir folgen seinem Rat und haben von der Aussichtsplattform einen hervorragenden Ausblick auf die Bären, die sich inzwischen aus allen Ecken des Waldes dem Turm nähern. Wir zählen schließlich dreizehn erwachsene Schwarzbären – Bärenmütter, aber auch männliche Tiere, vor denen die Mütter ihre Jungtiere schützen – und eine ganze Reihe einjähriger Bärenjungen.

 

Bär im Wald
Bär im Wald
Bär und Bärenjunges am Baum
Bär und Bärenjunges am Baum

 

Während wir staunend beobachten, wie immer mehr Bären sich unter uns versammeln, lädt Richard Eimer aus dem Bus und fährt diesen außer Sichtweite. Anschließend geht er – von den Bären völlig unbehelligt – zurück zum Turm und verteilt eine Mischung aus Nüssen an verschiedenen Stellen im Wald. Später erklärt er mir: “Sie lieben vor allem Cashew Nüsse. Die sind für sie wie ein Dessert, das sie sich jeden Abend holen. Und wenn die Äpfel reif sind, dann kaufe ich ihnen kiloweise Äpfel, die sie sich hier abholen. Das hält sie von den Obstgärten der Farmer fern und dient ihrer eigenen Sicherheit, denn sie sind dort nicht gern gesehen, weil sie deren Obstbäume plündern.”

 

Im Visier des Bären
Im Visier des Bären
Drei Bärenjunge
Drei Bärenjunge

 

Die Bären kennen ihn offensichtlich. Sie reagieren auf seine Stimme. Einer stellt sich sogar auf seine Hinterbeine und bettelt um mehr Nüsse, die er ihm sanft aus der Hand frisst. Schließlich kommt Richard zu uns auf die Aussichtsplattform und erzählt uns, wie es dazu kam, dass die Bären ihn als “Familienmitglied” adoptierten. Seit ein paar Jahren ermöglicht er mit seinen Touren Besuchern das Bärenerlebnis. Er kennt die einzelnen Familien: “Der Bär, der dort drüben durch den Wald humpelt, ist der Sohn dieser Bärin mit drei einjährigen Jungen. Er hatte noch eine Schwester, die von der Mutter nach einem Jahr vertrieben wurde. Aber dieser Halbwüchsige weigert sich, die Mutter zu verlassen, wahrscheinlich weil er mit seinem verletzten Bein nicht allein zurecht kommt. Ihre drei einjährigen Jungbären muss die Bärenmutter immer wieder vor ihrem Zweijährigen Nachwuchs schützen. Und wir können kaum glauben, wie schnell so ein kleiner Bär den Baum hinauf klettern kann.

 

Zwei junge Bären
Zwei junge Bären
Richard und die Bären
Richard und die Bären

 

Wir verbringen mehrere Stunden auf unserem Ausguck und haben so die Gelegenheit, die verschiedenen Charaktere der Bären zu studieren und kennenzulernen: da gibt es die verspielten Kleinen, die besorgten Mütter, die immer wieder Ausschau halten nach möglichen Gefahren, und die dominanten männlichen Tiere, die sich fast wie Paschas verhalten. Erst als sie sich alle an den Nüssen satt gefressen haben, verschwinden die Bärenfamilien wieder langsam im Wald, und wir machen uns nach einem unvergesslichen Erlebnis auf den Weg zurück in die Zivilisation, während die Bären wieder abtauchen in der Wildnis der Wälder von New Brunswick.

Petars Video über die Bären könnt Ihr Euch hier ansehen:

Wo sich die Bären in New Brunswick versammeln

Hier könnt Ihr diese Bärensafari selbst erleben:

Little, Big Bear Safari
4120 Route 480
Acadieville NB E4Y 2B8
Telefon: 1 506 775-2354
E-Mail : info@bearsafari.com



Reiseorganisation:

Anreise:

Air Canada, Condor und Icelandair fliegen von Deutschland aus verschiedene Flughäfen im Osten Kanadas an.

Mietwagen:

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Hotels:

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Reiseführer:

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Quelle: eigene Recherche vor Ort. Wir bedanken uns bei Tourism New Brunswick für die freundliche Einladung zu dieser Reise. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

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