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Ein interessanter Spaziergang durch Bad Windsheim

Im Stadtzentrum von Bad Windsheim
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Sie ist eine jener Kleinstädte in Franken, deren historisches Stadtbild noch ausgezeichnet erhalten ist: in Bad Windsheim wetteifern prächtige Fachwerkhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert mit barocken Verwaltungsgebäuden am Stadtplatz aus der Zeit, als die fränkische Stadt noch freie Reichsstadt war, um die Aufmerksamkeit der Besucher. Die Stadt wusste sich schon immer gut zu schmücken in stetiger Hoffnung, dass der Kaiser sich einmal Bad Windsheim als Aufenthaltsort während einer seiner Reisen auswählen würde – was allerdings nie geschah. Trotzdem ist diese Stadt im Tal der fränkischen Aisch ein echtes Schatzkästlein an sehenswerter Architektur, besaß sie als freie Reichsstadt doch zahlreiche Rechte, die ihren Einwohnern ein Leben in Wohlstand ermöglichten und so stets genügend Geld im Stadtsäckel war, um diese schmuck herzurichten.

 

Rolandsstatue neben dem Rathaus der Stadt
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Wir treffen unsere Stadtführerin vor dem Rathaus, wo ein Schild darauf hinweist, dass von hier die Rundgänge durch die Stadt beginnen. Gemeinsam mit anderen interessierten Gästen, von denen die meisten einige Tage in der Therme von Bad Windsheim zur Erholung verbringen, sind wir knapp zwei Stunden unterwegs und erfahren viel über die Geschichte der Stadt. So werfen wir durch die Archäologischen Fenster vor dem Rathaus einen Blick auf Skelette, die man an dieser Stelle ausgegraben hat, und sehen in den unterirdischen Ausstellungsräumen einen der ältesten Brunnen der Stadt und zahlreiche Fundstücke, die Hinweise auf das frühere Leben in Bad Windsheim geben.

 

Unterwegs treffen wir auf nette Pilsstuben
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Wir bummeln vorbei an einladend aussehenden Pilsstuben und Weinschänken, die wir uns für später merken, und erfahren, dass Bad Windsheim einst 30 Bierbrauereien besaß – eine beeindruckende Anzahl für eine Kleinstadt dieser Größe, die noch dazu nicht weit vom fränkischen Weinland entfernt liegt. Heute existiert nur noch eine davon im Stadtzentrum: die Privatbrauerei Döbler. Die große Seekuh aus Metall erinnert an einen der berühmten Söhne der Stadt: Georg Wilhelm Steller (1709 – 46), der einst 1741 Vitus Bering auf seiner Fahrt von Kamtschatka nach Alaska begleitet hatte und als Arzt und Forschungsreisender zahlreiche Tiere der nordamerikanischen Westküste entdeckt hatte, darunter die nach ihm benannte Stellersche Seekuh.

 

Fachwerkturm aus dem 17. Jahrhundert
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Vorbei an den Überresten des ehemaligen Klosters der Augustiner-Eremiten und der späteren Stadtbibliothek führt uns der Weg zu den Eiskellern der Stadt. Kalt ist es in den Gewölben unter der Stadt, in denen dicke Wände und fließendes Wasser für Temperaturen sorgten, in denen verderbliche Waren über einen langen Zeitraum aufbewahrt werden konnten.

 

“Seekapelle” und Malerwinkel
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Sehenswert ist die Kapelle am See aus dem Jahr 1402 mit ihrem Buntziegeldach und das umliegende Malerviertel mit seinen Gebäuden aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Im Inneren der Seekapelle befindet sich eine meisterliche Kopie des Windsheimer Zwölfbotenaltars von Tilman Riemenschneider. Das Original befindet sich im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg.

 

Barocke Hausfassaden am pittoresken Holzmarkt
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Der Reichtum späterer Zeiten in Bad Windsheim wird deutlich am Holzmarkt, wo eine ganze Reihe barocker Häuser liebevoll restauriert um die Aufmerksamkeit der Besucher buhlen. Besonders schön sind die Details an den Hausfassaden wie dieses schmiedeeiserne Ladenschild, das auf die langjährige Tradition der Metzgersfamilie hinweist, die in diesem Haus ihren Sitz hat.

 

Rathaus von Bad Windsheim
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Versteckt liegen die wohl schönsten Fachwerkhäuser der Stadt: das Stadtschreiberhaus, die Lateinschule und das Rektorhaus – alle aus dem 16. Jahrhundert. Sie befinden sich im Hinterhof des Rathauses und grenzen an die älteste Kirche der Stadt: St. Kilian, die wahrscheinlich schon im 12. Jahrhundert errichtet wurde. In ihrer heutigen Form existiert sie allerdings erst seit dem 18. Jahrhundert, brannte sie doch beim Stadtbrand von 1730 fast bis auf die Grundmauern nieder.

 

 

Sicher kann man sich diese Stadt auf eigene Faust ansehen bei einem Spaziergang durchs Stadtzentrum – allerdings verpasst man einiges, wenn man sich nicht die (noch dazu äußerst erschwingliche) Stadtführung gönnt, die jeden Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag, Montag und Feiertag ab 15.00 Uhr vom Marktplatz vor dem Rathaus aufbricht zu einem knapp zweistündigen Rundgang durch das Zentrum der Stadt. So kommt man dabei in Sehenswürdigkeiten wie das Archäologische Fenster oder die Eiskeller von Bad Windsheim, die sonst während der Woche der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Und man erfährt viel über die Hintergründe der Personen, Gebäude und Plätze, die Bad Windsheim so attraktiv machen.

Nicht entgehen lassen solltest Du Dir außerdem einen Besuch im Freilandmuseum Bad Windsheim, in dem man in mehreren Dörfern zeigt, wie die Bauern einst in Franken lebten. Dieses Museum hat uns besonders gut gefallen, weil es so gar nichts Museales an sich hat, sondern man eher das Gefühl hat, durch die Geschichte zu spazieren und diese hautnah zu erleben.

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Quellen: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung der KKT

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos:  © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video:  © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

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Monika Fuchs und Petar Fuchs sind die Herausgeber des Slow Travel und Genuss Reiseblogs TravelWorldOnline Traveller. Sie veröffentlichen dieses Blog seit 2005.

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Monika Fuchs ist Autorin und Fotografin des Blogs und schreibt als freie Journalistin für DIE ZEIT Online und Reisemagazine wie 360° Kanada, 360° USA, touristik aktuell, etc. Außerdem verfasst sie Reiseführer über Destinationen und Genuss Reiseziele in aller Welt. Petar Fuchs produziert die Videos auf diesem Blog sowie auf YouTube.

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