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Nachtwächterführung Salzburg: Salzburgs geheimnisvolle Seiten

Nachtwächterführung Salzburg: Geheimnisvollen Geschichten aus Salzburg lauschen Petar und Elena Paschinger
Nachtwächterführung Salzburg: Geheimnisvollen Geschichten aus Salzburg lauschen Petar und Elena Paschinger

 

Salzburg ist eine Stadt mit vielen Gesichtern. Das haben wir am vergangenen Wochenende in der Stadt an der Salzach herausgefunden. Es gibt das Salzburg Mozarts, das Salzburg der Fürstbischöfe und das Salzburg der Getreidegasse und der Linzer Gasse. Aber es gibt auch das Salzburg, bei dem man tiefer blicken muss, um es zu entdecken. Das haben wir bei unserem letzten Besuch getan und dabei Erstaunliches entdeckt: wir haben von den “Sellenen” gehört, waren einem Naturheiler auf der Spur und haben uns die Grüfte und Katakomben im Mönchsberg angeschaut. Was es damit auf sich hat? Hier erfahrt Ihr es:

 

Nachtwächter Hans im Sebastian Friedhof in Salzburg
Nachtwächterführung Salzburg im Sebastian Friedhof

 

Nachtwächterführung Salzburg auf der Suche nach den “Sellenen” durch Salzburg

Was sind die “Sellenen”? Das erklärt uns Nachtwächter Hans mit bedeutungsschwangerer und sonorer Stimme: “Das sind die Pariahs, die Ausgestoßenen der Gesellschaft, die Könige der Nacht, aber auch die Mistmänner und die Nachtwächter”. Wir gehen mit Hans und seiner Frau durch Salzburg auf seiner Nachtwächter-Führung, bei der wir bereits bekannte Orte wie den Sebastiansfriedhof, die Linzer Gasse und sogar die Getreidegasse besuchen, aber diesmal einen ganz anderen Blick darauf werfen. Er zeigt uns den einstigen Galgen der Stadt, der sinnigerweise an der Hauptstraße zwischen Salzburg und Linz stand – oder wie Hans mit verschmitztem Augenzwinkern meint – zwischen Salzburg und Österreich. “Mozart war Salzburger”, darauf legt er Wert. Und: “Mozart würde heute in Salzburg noch Vieles wieder erkennen, nur den Geruch nicht,” sagt er mit schelmischem Schmunzeln und deutet auf das Straßenschild der Königsgasse hin, die so gar nicht königlich ausschaut und sich eng und schmal von der Linzer Gasse weg schlängelt: “Die Könige, nach der diese Straße benannt ist, waren die König der Nacht, die Mistmänner oder Müllmänner. Sie zogen jede Nacht durch die Stadt in den dunklen Stunden, um den Abfall der Stadt einzusammeln. Ging man tagsüber durch die Königsgasse, musste man mit “Segen” von oben rechnen – manchmal mit Warnung, manchmal ohne – je nachdem, wie derjenige gerade aufgelegt war, der sein Potschamperl über der Gasse ausleerte.” Wir lernen viel auf der Nachtwächterführung Salzburg von Hans und seiner Frau.

 

Nachtwächter Hans mit seiner Frau
Nachtwächter Hans mit seiner Frau auf der Nachtwächterführung Salzburg
Welche Könige in diesem Gäßchen wohl gemeint sind?
Welche Könige in diesem Gäßchen wohl gemeint sind? Auf der Nachtwächterführung Salzburg erfährst Du es

 

Mit solchen oder ähnlichen Geschichten bringt uns Hans Salzburg und das Alltagsleben in seiner Stadt im Verlauf der Jahrhunderte näher mit viel historischem Detailwissen, einem gewissen Schmunzeln in den Augen und einer Stimme, die jedem Schauspieler zur Ehre gereichen würde. Diese Stimme, und seine Nachtwächter-Kluft mit Filzschlapphut, Hellebarde, seinem Horn, das er uns nicht vorführt (“Das tu ich Euch nicht an. Das ist zu laut.”), und den anderen Hilfsmitteln, die ein Nachtwächter so brauchte, sind es, die immer wieder Passanten dazu verleiten, sich uns anzuschließen und zu fragen, welche Führung das denn ist, mit der wir hier durch Salzburg gehen. “Kommen’s in die Altstadt”, klärt Hans sie auf. “Dort beginnt anschließend eine öffentliche Nachtwächter-Führung durch die Stadt.” Ihr könnt Euch aber schon vor Eurem Besuch in Salzburg bei Hans für eine Führung anmelden (und diese Nachtwächterführung Salzburg ist es wert, erlebt zu werden. Ihr lernt Salzburg von einer ganz neuen Seite kennen.):

Hans Anton Gogl
Nachtwächterführung Salzburg
Tel. +43 (0) 664 338 77 31
hans.anton.gogl@gmail.com

 

Goldrute
Goldrute

 

Das Erbe eines Naturheilers aus Anthering bei Salzburg

Aber nicht nur die Nachtwächterführung Salzburg zeigt Salzburg von seiner geheimnisvollen Seite. Nicht weniger geheimnisvoll ist unser nächstes Ziel: die Firma SonnenMoor in Anthering. Dort werden Kräutermischungen, Kräutercremes, Kräuteröle, Moorprodukte und mehr hergestellt nach Rezepten von Franz Fink, dem Vater des jetzigen Geschäftsführers der Firma. “Die Naturheilkunst liegt bei uns schon seit Generationen in der Familie”, erklärt mir Siegfried Fink beim gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Ammerhauser im gleichnamigen Seminarhotel in Anthering, wo wir ausschließlich Moorgerichte serviert bekommen: Moorbier, Moorbrot mit Aufstrich, Kürbisschaumsuppe mit Moorschöberl, Saiblingsfilet mit Moorspätzle, Lauch und Radiccio, und sogar einer Nachspeise mit Moor: Moorpalatschinke mit Melonensorbet und Holler. “Alle diese Gerichte werden mit unserem original Trinkmoor gekocht”, sagt Siegfried Fink. Dieses ist geruchs-, geschmacksneutral und dunkel. Daher haben alle Speisen, die wir hier kosten, eine dunkle Farbe. “Den Geschmack erhalten sie von den anderen Zutaten in den Speisen.” Gesund soll es sein, und dass es schmeckt, können wir selbst feststellen bei unserem Mahl in Anthering.

 

Kräutersortiment
Kräutersortiment

 

“Wir vertreiben heute die ‘Trankl’, die mein Vater Zeit seines Lebens gebraut und gemischt hat aus getrockneten Kräutern aus Mitteleuropa. Erst hat er sich selbst damit geheilt von verschiedenen Krankheiten und Gebrechen, dann heilten seine Kräutermischungen meine Mutter von ihrer Angina. Mein Vater arbeitete in jungen Jahren auf einer Hühnerfarm und verkaufte Küken an die Bauern in der Umgebung. Diese erzählten ihm von ihren Leiden und ließen sich von ihm Kräutermischungen zusammen stellen. Viele von ihnen wurden geheilt und es sprach sich herum. So lebte mein Vater vierzig Jahre davon, den Menschen in seiner Umgebung und mit zunehmender Bekanntheit in ganz Österreich und den Nachbarländern Kräutertinkturen, Kräutertees, Kräuteröle und Moorprodukte zusammen zu stellen und zu empfehlen.” Siegfried Fink erzählt mir, dass bereits sein Ururgroßvater und seine Urgroßmutter bekannte Kräuterheiler waren. Sein Vater wuchs bei seiner Großmutter auf und statt zum Arzt zu gehen, erhielt er einen Kräutertrank, war er einmal krank. In jungen Jahren war das völlig normal für ihn. Allerdings interessierte er sich als junger Mensch nicht für solche Dinge.

 

Moorbrot
Moorbrot

 

Erst als er aus dem Krieg nach Hause kam und schweres Rheuma mitbrachte, begann er sich dafür zu interessieren. Seine Großmutter lebte aber nicht mehr und hatte auch keinerlei Aufzeichnungen hinterlassen. So machte er sich selbst daran, nach Kräuterrezeptbüchern passende Tinkturen und Mischungen zusammen zu stellen und das Ergebnis war: nichts verbesserte sich. Da er aus seiner Kindheit aber die Heilkraft der Kräuter am eigenen Leib erlebt hatte, gab er nicht auf und befasste sich intensiv mit den Wirkungen der einzelnen Kräuter, die er dann selbst zu passenden Mischungen zusammen mixte. Und diese brachten die erwünschten Ergebnisse. Heute werden diese von Heilpraktikern, Kliniken und Ärzten empfohlen und können in Drogerien, im medizinischen Fachhandel, über Apotheken und Reformhäuser bezogen werden. Oder Ihr fahrt mal vorbei in der Firma SonnenMoor und schaut Euch die Produktion der Kräuter- und Moorprodukte in Anthering an. Dort könnt Ihr außerdem die Öle, Cremes, Moorprodukte und Kräutertinkturen testen. Die Halsgut-Zuckerl und das Gurgelwasser brachten meiner Erkältung jedenfalls schnelle Linderung.

SonnenMoor GmbH
Landstraße 14
A-5102 Anthering
www.sonnenmoor.at

Der Stiftsfriedhof St. Peter
Der Stiftsfriedhof St. Peter


Geheimnisvolles Salzburg im Stiftsfriedhof St. Peter

Ein weiteres Highlight neben der Nachtwächterführung Salzburg ist ein Besuch im Stiftsfriedhof St. Peter. Wir haben das Glück, auf unserer Bloggerreise eine Führung durch den Stiftsfriedhof St. Peter mitmachen zu dürfen. Normalerweise sind Führungen dort streng verboten. So erfahren wir einiges Wissenswertes und Unbekanntes über die Menschen, die hier begraben liegen. Unterhalb der steilen Felswand des Mönchsberg schmiegen sich Gruften an den Felsen, in denen bekannte, aber auch unrühmliche Tote begraben liegen, wie einer der Lieblingsbildhauer Adolf Hitlers. Seine Gruft ist leicht daran zu erkennen, dass sie ungeschmückt ist. Keine Blumen verzieren sein Grab. Nicht weit davon entfernt entdecken wir die Grabstätte der Familie Hagenauer: “Diese waren die Vermieter der Mozarts”, erklärt uns unsere Führerin Heidi. “Sie freundeten sich mit ihnen an und waren ihr Leben lang eng mit ihnen verbunden.” Wenige Schritte weiter befindet sich die Familiengruft der Familie Fürst, die die berühmte Mozartkugel erfanden. “Mozart war nicht immer so bekannt wie heute. Und schon gar nicht nach seinem Tod. Der Musikgeschmack hatte sich verändert, und Mozarts Musik war aus der Mode geraten. Grund genug für Paul Fürst, mit seiner mit Marzipan gefüllten Schokoladenkugel an den genialen Musiker zu erinnern.” Sein Plan ging auf, und er brachte nicht nur Mozart wieder ins Gespräch, sondern startete damit den Erfolg seiner eigenen Konditorei, der bis heute anhält. Die Mozartkugel gehört zu Salzburg wie Mozart selbst.

 

Gruften im Stiftsfriedhof St. Peter in Salzburg
Gruften im Stiftsfriedhof St. Peter in Salzburg

 

Der Stiftsfriedhof St. Peter ist Salzburgs ältester Friedhof. In den Felswänden des Mönchsbergs befinden sich die Katakomben, die wir uns bei unserem Friedhofsrundgang ebenfalls anschauen. Am Eingang zum Treffenaufgang finden wir die Communegruft von Johann Michael Haydn, dem Bruder Josef Haydns und von Marianne Freifrau von Berchtold zu Sonnenburg, dem Nannerl, wie die Schwester Wolfgang Amadeus Mozarts liebevoll im Familienkreis genannt wurde. Sie hatte sich in jungen Jahren in einen Bediensteten der Fürstbischöfe verliebt, den ihr Vater Leopold jedoch als nicht standesgemäß erachtete. Er verbot ihr die Heirat, und als folgsame Tochter willigte Nannerl nach ein paar Jahren in die arrangierte Ehe mit dem Freiherrn von Sonnenburg ein, einem Witwer, der bereits mehrere Kinder mit in die Ehe brachte. Nannerl gebar ihm noch fünf weitere Kinder, von denen drei überlebten. Aber die Ehe war nicht glücklich. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie in ein Haus am heutigen Stadtmarkt, wo sie die letzten Jahre ihres Lebens erblindet lebte. Man erzählt sich, dass Nannerl eine ebenso begabte Musikerin gewesen sein soll wie ihr Bruder, allerdings gibt es keine Aufzeichnungen ihrer Musikwerke. Als Frau war dies eine indiskutable Karriere für sie. Stattdessen holte sich ihr Vater ihr erstes Kind, um es zu einem weiteren Musikgenie zu erziehen, allerdings ohne dass ihm der Erfolg beschert war.

 

Hagenauer Gruft
Hagenauer Gruft

 

Im Aufgang zu den Katakomben entdecken wir eine in den Felsen eingelassene Kapelle, deren romanische Bögen und verblassten Wandmalereien, auf denen unter anderem der Hl. Patrick zu sehen sein soll, mich an die frühen Kirchen auf der irischen Insel erinnern. Man weiß nicht, wie alt die Kapelle ist. Sie gehört jedoch zu den ältesten Kirchenstätten der Stadt Salzburg. Der Weg hinauf zu den Katakomben lohnt sich auch wegen des Ausblicks auf den Friedhof St. Peter, die Peterskirche und den Dom, dessen Kuppeln hinter dem Stift St. Peter aufragen.

 

Communegruft von Nannerl Mozart und Johann Michael Haydn
Communegruft von Nannerl Mozart und Johann Michael Haydn

 

Der Eingang zum Stiftsfriedhof St. Peter befindet sich unterhalb des Mönchsbergs rechts des Aufgangs zur Felsengasse.

Dass Salzburg nicht nur eine Stadt des Prunks und der Pracht ist, zeigte uns dieser Aufenthalt in der Stadt, die Ihr auf diesen Rundgängen und an diesen Orten sehr gut erleben könnt. Genauso spannend ist es, die andere Seite der Stadt kennenzulernen. Lasst Euch doch einmal entführen in die Geschichte der “Anderen” von Salzburg. Die Nachtwächterführung Salzburg und die anderen Stadtführungen zeigen es Dir.

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Salzburg Insidertipps: Salzburg für Genießer (TravelWorldOnline Insidertipps 4)*

Quelle: eigene Recherche vor Ort. Wir bedanken uns bei Tourismus Salzburg für die freundliche Einladung zu dieser Reise und bei Nachtwächter Hans für die tolle Nachtwächterführung Salzburg. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Was Elena Paschinger im Almkanal von Salzburg und bei der Nachtwächterführung Salzburg erlebt habt, beschreibt sie hier:
Hinter den Kulissen der Stadt Salzburg: Nachtwächter und Almkanal-Führung

 

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline


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