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Stralsund – Hansestadt & UNESCO Weltkulturerbe

Gehört zum UNESCO Welterbe: die Backsteingotik in Stralsund
Gehört zum UNESCO Welterbe: die Backsteingotik in Stralsund

 

Zugegeben, an Stralsund sind wir bei unseren ersten Besuchen an der Ostsee immer vorbei gefahren. Allerdings nicht ohne einen neugierigen Blick auf die Stadt mit ihren drei auffallenden Kirchtürmen zu werfen, die alle anderen Gebäude der Stadt überragen. Von der Brücke, die das norddeutsche Festland mit der Insel Rügen verbindet, hat man einen guten Blick auf die Stadt. Zum ersten Mal sahen wir Stralsund bei unserer allerersten Reise nach Rügen kurz nach der Wende und erneut in diesem Frühjahr, als Rügen zum zweiten Mal auf unserem Reiseplan stand bei unserer Reise nach Skandinavien. Die Insel, die Ostsee und die Umgebung zogen uns so in ihren Bann, dass wir in diesem Jahr noch ein zweites Mal dorthin fuhren – und diesmal durfte Stralsund auf unserem Reiseplan nicht fehlen. Wir wollten zumindest einen Tag dort verbringen und übernachteten in der historischen Altstadt im Hotel Scheelehof, der uns gleich einstimmte auf die Zeit, als Stralsund noch Hansestadt war. Die Tatsache, dass Stralsund zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, bestärkte uns noch in unserem Beschluss, zumindest ein wenig hineinzuschnuppern in die Stadt an der Ostsee.

 

An der Alte Fähre in Stralsund
An der Alte Fähre in Stralsund

 

Und Stralsund sollte uns nicht enttäuschen! Bereits bei der Fahrt in die Stadt, die wir über die Hafenstraße, den Querkanal und die Straße am Fischmarkt erreichten, beeindruckte sie uns mit ersten Ausblicken auf die Boote, die im Langenkanal und am Querkanal am Kai liegen. Nach unserer langen Anreise aus dem Süden Deutschlands hatten wir – endlich! – das Meer erreicht. Als Landratten aus Bayern ist es für uns immer wieder etwas Besonderes, ans Meer zu kommen, das wir beide so lieben. Die Weite, der salzige Geruch der See, die frische Brise, die dort fast immer weht, und der raue Charakter seiner Landschaften locken uns, die achtstündige Anreise von München auf uns zu nehmen, auch wenn wir sie – wie diesmal im malerischen Caputh bei Potsdam – gern mit einem Zwischenstopp unterbrechen. Als wir über das holprige Kopfsteinpflaster der Fährstraße schließlich in die Altstadt hineinfahren, weiß ich: “Hier sind wir richtig.” Stralsund ist ein Ort, dessen Zentrum bis heute vom Charme seiner jahrhundertealten Vergangenheit lebt.

 

Prachtvoll und eine Reise wert: Die Backsteinfassade des Rathauses in Stralsund
Prachtvoll und eine Reise wert: Die Backsteinfassade des Rathauses in Stralsund

 

Warum ist Stralsund UNESCO Weltkulturerbe?

Da wir nur einen halben Tag zur Verfügung haben und keineswegs alle Sehenswürdigkeiten der Stadt in diesen paar Stunden sehen können, beschließen wir, uns einen Überblick zu verschaffen, über die Stadt am Strelasund. Mehr ist in der kurzen Zeit nicht drin. Wir stoppen kurz im Informationszentrum, das darüber informiert, wie und warum Stralsund zum UNESCO Weltkulturerbe wurde, und erfahren, dass das mit seiner tollen Backsteinarchitektur – und damit sind nicht nur das Rathaus mit seiner filigranen Fassade und die drei das Stadtbild beherrschenden Kirchen in Backsteingotik gemeint -, seinem über Jahrhunderte unveränderten Stadtplan, seinen Klöstern und seiner Geschichte als Hansestadt zu tun hat. Die Welterbe-Ausstellung im Olthofschen Palais in der Ossenreyerstraße 1 erweist sich als guter Ausgangspunkt, um einen kurzen Einblick in die Bedeutung der Stadt zu erhalten, der uns Anregungen gibt, was wir auf unserem Stadtbummel nicht versäumen sollten. Wir machen uns auf, die drei auffälligsten Backsteinbauten der Stadt – die drei Kirchen – und den Alten und Neuen Markt zu erkunden. Für die Klöster, das Meer vor der Stadt und die Museen müssen wir ein andermal wiederkommen.

 

Das Erdgeschoss im Rathaus von Stralsund
Das Erdgeschoss im Rathaus von Stralsund

 

Am Alten Markt erhebt sich das Rathaus über alle umliegenden Häuser am Platz, lässt man die Nikolaikirche und deren Turm außer Acht. Es raubt uns mit seiner filigranen Backsteinfassade den Atem, und ich frage mich, wie man mit so etwas Profanem wie gebrannten Ziegeln etwas so Schönes wie diese Fassade herstellen kann, noch dazu in einer Zeit, als die technischen Hilfsmittel begrenzt waren. Stralsund liegt in einer Region, die zwar Reich an Lehm, aber arm an Steinen war. Und so griffen die Baumeister des Mittelalters zu dem, was in der norddeutschen Tiefebene vorhanden war, und ließen aus dem Lehm Ziegel herstellen. Der rote Ton wurde in Holzformen gepresst, getrocknet, gebrannt, glasiert und noch einmal gebrannt und lieferte so das Baumaterial für die imposanten Kirchen und das Rathaus der Stadt. Wie schon zu Zeiten der Hanse bieten auch heute noch kleine Läden ihre Waren im Erdgeschoss an. Darunter gibt es Köstlichkeiten aus Rostock wie Trüffel und Kräuterschokolade, oder lokale Spezialitäten wie Whisky-Kaffee, Marzipan-Sahne Likor oder Ostsee-Schlamm Sahne-Likör. Interessant klingen die Angebote, aber es zieht uns weiter in die benachbarte St. Nikolai Kirche.

 

Der Seiteneingang in die St. Nikolai Kirche
Der Seiteneingang in die St. Nikolai Kirche

 

Die drei Kirchen von Stralsund

Die St. Nikolai Kirche am Alten Markt ist atemberaubend – und bunt! Schon über dem Seiteneingang zum Stralsunder Rathaus hin fallen mir die farbigen Heiligenfiguren und die Putten mit goldenem Haar auf, die über dem Eingangstor verkünden “Hie ist nichts anders denn Gottes Haus, und hie ist die Pforte des Himmels.” Da dieser Eingang versperrt ist und darauf hingewiesen wird, dass die Kirche nur über den Eingang am Alten Markt zu betreten ist, suchen wir diesen. Und suchen müssen wir ihn, denn es handelt sich nur um einen schmalen Zugang, versteckt in der Ecke des Alten Markts. Wir zahlen den kleinen Obulus, den man für die Restaurierung der Kirche verlangt und treten ein in eine Kirche, wie ich sie so noch nicht gesehen habe. Ein wahres Feuerwerk an Farben an den Säulen, den Spitzbögen, die den Hauptteil der Kirche von den Seiten trennen, der Kanzel und der Loge lenken den Blick – wie in gotischen Kirchen üblich – nach oben. Diese Kirche ist so atemberaubend, dass ich ihr einen eigenen Blogpost widmen werde, um Dir unsere Eindrücke besser vermitteln zu können. Jedenfalls wirft sie unseren Plan über den Haufen, an diesem Nachmittag den Turm der St. Marien Kirche zu besteigen, von dem aus man einen tollen Ausblick über die Stadt haben soll. Wir verbringen mehr als eine Stunde in St. Nikolai, die uns mit ihren Farben und ihren Kunstwerken sehr beeindruckt.

 

Bunt ist das Kirchenschiff der St. Nikolai Kirche
Bunt ist das Kirchenschiff der St. Nikolai Kirche

 

Erst als wir uns losreißen können von diesem Meisterwerk gotischer Baukunst und nach einer kurzen Teepause am Alten Markt machen wir uns auf unseren Weg entlang der Ossenreyerstraße in Richtung Neuer Markt. Auf unserem Weg passieren wir die Geschäftsstraße von Stralsund und werfen durch eine der schmucken Seitengassen einen ersten Blick auf die St. Jakobi Kirche, die wir uns für den Rückweg aufheben. Über dem Neuen Markt erhebt sich die St. Marien Kirche mit ihrer etwas aufgesetzt wirkenden Turmspitze. Dies war tatsächlich der Fall, wie wir etwas später erfahren. Im Jahr 1647 hatte ein Blitzschlag die bis dahin gotische Turmspitze zerstört. Diese wurde 1708 durch die barocke Haube ersetzt, die den Turm bis heute ziert. Jetzt ist die St. Marien Kirche das höchste Gebäude am Neuen Markt, dessen bunte und schön restaurierte Häuser ihr einen einladenden Rahmen bilden. Die Kirche selbst imponiert durch ihre schiere Größe. Ihre Vorderfront, die an einer der schmalen Seitenstraßen liegt, ist nur schwer aufs Bild zu bannen, ragt ihr Turm doch weit in den Himmel über uns. Die Vorhalle der Kirche überrascht: kahle Wände erstrecken sich über uns nur unterbrochen durch riesige Fenster, durch die das späte Nachmittagslicht hereinfällt. Die Halle wird gekrönt von einem schönen Kreuzbogengewölbe. Und auch das Innere der St. Marien Kirche wirkt nach dem imposanten Farbspektakel der St. Nikolai Kirche eher einfach. Über weiß gestrichenen Säulen wölben sich mit floralen Mustern bemalte Spitzbögen. Der goldene Hochaltar und das prachtvolle Buntglasfenster dahinter sind einige der wenigen Farbtupfer in dieser Kirche. Sehr gut gefällt uns die prachtvolle Stellwagen-Orgel des Lübecker Orgelbauers Friedrich Stellwagen aus dem Jahr 1659. In den Gewölbearkaden sind verschiedene Männer und Engel abgebildet, die wahrscheinlich Heilige darstellen.

 

St. Marien am Neuen Markt in Stralsund
St. Marien am Neuen Markt in Stralsund
Der hohe Turm der St. Marien Kirche
Der hohe Turm der St. Marien Kirche
Imposant: der Kirchenvorraum von St. Marien
Imposant: der Kirchenvorraum von St. Marien
Der Hochaltar von St. Marien
Der Hochaltar von St. Marien
Beeindruckend: die Stellwagen-Orgel in St. Marien
Beeindruckend: die Stellwagen-Orgel in St. Marien
Arkadengewölbe in St. Marien
Arkadengewölbe in St. Marien

 

 

Wir schenken uns den Aufstieg auf den Turm, weil wir uns noch die dritte Kirche Stralsunds anschauen wollen und wählen für unseren Rückweg zum Hotel den Weg vorbei an der St. Jakobi Kirche, die sich selbst als Kulturkirche bezeichnet. Darunter können wir uns zunächst nichts vorstellen, sind allerdings auf den ersten Blick geschockt von dem Anblick, der sich uns im Inneren bietet: Berge von Müll – und das meine ich wörtlich: alte Plastikflaschen, zerrissene Autoreifen, Schrott. Dreck und was man sich sonst noch so vorstellen kann – häufen sich im Kirchenschiff. Erst als wir die Schilder lesen, erfahren wir, dass es sich um eine Ausstellung über die Verschmutzung der Meere handelt. Eine Art Protest also. Wir kennen die Geschichte der Kirche nicht und können so also nicht darüber urteilen. Nur sind wir uns nicht ganz im Klaren darüber, wie wir diese Ausstellung bewerten sollen: Als Aufklärung oder als Blasphemie. Was meint Ihr? Wir diskutieren noch tagelang über den Eindruck, den diese Kirche und die Ausstellung bei uns hinterlassen hat. Damit haben die Veranstalter sicher eine ihrer Zielsetzungen erreicht.

 

Die St. Jakobi Kulturkirche in Stralsund
Die St. Jakobi Kulturkirche in Stralsund

 

Wir kommen wieder nach Stralsund

Schon auf unserem Weg zurück zum Hotel Scheelehof sind wir uns einig: das war nicht unser letzter Aufenthalt in Stralsund. Das nächste Mal nehmen wir uns mehr Zeit, um uns die Klöster, die Museen, die Gorch Fock und natürlich auch das Meer vor der Stadt anzuschauen. Und vielleicht bleibt ja noch ein wenig Zeit, um uns in die kulinarischen Köstlichkeiten der Stadt und ihrer Umgebung einführen zu lassen? Es gibt viel zu sehen und zu tun in Stralsund. Grund genug, um hier auch einmal länger zu bleiben.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort

 

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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