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Was man aus Ahornsirup macht

Fulton's Sugar Bush in Ottawa, Ontario
Fulton’s Sugar Bush in Ottawa, Ontario

 

Eine gute Stunde fährt man von Ottawa, Ontario, aus nach Osten zu Fulton’s Sugar Bush, einer Ahornsirup Farm, auf der man in der Zeit von Februar bis April miterleben kann, wie der süße Saft der Zuckerahornbäume zu Ahornsirup eingekocht wird.

Eine Ahornsirup Farm mitten im Wald

Die Farm ist nicht leicht zu finden. Sogar unser Navigationsgerät gibt auf, als wir die Adresse der Farm – 291 Concession Road 6 – eintippen. Nur ein großes Fragezeichen erscheint im Display. Aber gottseidank gibt es ja Google, und gut gewappnet mit den Anfahrtshinweisen auf der Website von Fulton’s, der ausgedruckten Googlekarte und -routenbeschreibung sowie der zumindest anfangs hilfreichen Unterstützung des Navigationsgeräts finden wir unseren Weg in den Ahornwald der Familie Fulton. Die letzten Kilometer Straße – wenn man sie denn so nennen will – verlaufen auf einer von der Schneeschmelze feuchten und an manchen Stellen ziemlich matschigen Schotterpiste. Unsere Mietwagenfirma wird sich freuen, wenn wir ihr morgen unser Fahrzeug verklebt mit dem angetrockneten Schlamm zurückgeben.

 

Der Baum wird angezapft, um den süßen Saft zu ernten
Der Baum wird angezapft, um den süßen Saft zu ernten

Erleben, wie Ahornsirup hergestellt wird

Aber genau das haben wir gesucht. Wir wollen selbst erleben, wie der süße Saft der Bäume schließlich zu dem wird, was so lecker schmeckt auf Pfannkuchen, Obst oder Gebäck und dabei so gesund ist wie der Sirup aus Ahorn. Süßes gesund? Gibt es das denn überhaupt? Aber ja! Der Zucker der Indianer ist einer der gesündesten Süßstoffe. Er besteht vor allem aus Sucrose. Andere Bestandteile sind Apfelsäure, Mineralien, Phenolverbindungen, Aminverbindungen und Vitamine.

Ich hatte schon vorher andere Ahornsirup Farmen besucht und dort Führungen mitgemacht, aber noch nie zur Zeit der tatsächlichen Ernte. Natürlich kannte ich bereits die traditionelle Methode der Saftgewinnung aus dem Baum: dafür bohrte man ein Loch in den Stamm und steckte ein Metallventil hinein. Daran hängte der Farmer einen Eimer, in dem der Saft aufgefangen wurde und anschließend mühsam in Bottichen oder Fässern gesammelt wurde, die über die schlammigen Wege zur Zeit der Schneeschmelze mit Pferdefuhrwerken zur Zuckerhütte transportiert wurden. Eine mühselige und äußerst anstrengende Arbeit, für die man den Ahornsirup wirklich gern essen musste, um sie auf sich zu nehmen.

Heute wird der Saft bequemer eingesammelt. Und diese Methode kann man nur sehen, wenn der Saft tatsächlich fließt. Dann nämlich wird ein Netz aus Plastikschläuchen zwischen den Ahornbäumen verlegt, über das der Saft direkt in das Sugar Camp läuft. Das Prinzip unterscheidet sich nicht stark von der herkömmlichen Methode des Saft-Sammelns. Auch hier werden Löcher in den Stamm gebohrt. Nur wird nun statt eines Ventils ein Schlauch im Baum befestigt, der mit anderen Schläuchen zu einem noch dickeren Schlauch führt, der den gesamten Saft direkt in den Topf in der Zuckerhütte transportiert. Die Zuckerahornwälder sind im Frühjahr mit einem dichten Netz aus Schläuchen durchzogen. In der Zuckerhütte wird der Saft zunächst von Schmutz gereinigt, bevor er in einem großen Bottich solange gekocht und konzentriert wird, bis er die gewünschte Süße aufweist.

 

Nur eines von vielen Produkten aus Ahornsirup: Karamell
Nur eines von vielen Produkten aus Ahornsirup: Karamell

Weitere Produkte aus dem Saft der Ahornbäume

Was ich bisher nicht wusste, ist, dass man aus dem Baumsaft des Zuckerahorns neben Ahornsirup und -süßigkeiten auch noch andere Produkte herstellen kann. Natürlich kannte ich bereits die süßen Bonbons in Form eines Ahornblatts, die man überall in den Souvenirläden Kanadas vom kleinsten Museum bis hin zu den internationalen Flughafenshops kaufen kann. Hier ist man sich schließlich dessen bewusst, dass Ahornsirup eine kanadische – oder zumindest amerikanische, denn auch in den Neuenglandstaaten der USA wird der süße Saft produziert – Spezialität ist. Schon die Indianer kannten den Ahornsaft, der ihre einzige Süßstoffquelle war. Rohrzucker oder Zuckerrüben waren den amerikanischen Ureinwohnern unbekannt. Und da ist man es dem kanadischen Nationalgefühl schuldig, ausländischen Gästen Landestypisches anzubieten. Und wenn das doppelt möglich ist – als kanadisches Ahornblatt aus kanadischem Sirup – umso besser.

Aber dies ist kein neues Erzeugnis. Das kannten schon die Indianer, wenn sie bei der Ahornsafternte ihren Kindern Süßigkeiten herstellten, indem sie den frisch eingekochten Saft in den Schnee gossen und so mit Holzstöckchen die ersten Lutscher Kanadas produzierten. Heute sehen diese nur etwas anders aus.

 

Auch das wird aus Ahornsirup hergestellt: Wellness-Produkte
Auch das wird aus Ahornsirup hergestellt: Wellness-Produkte

 

Etwas Neues ist jedoch eine Pflegeserie für die Haut, die aus den Abfallprodukten des Sirupsafts gemacht wird. Ja, das gibt es! Und es ist keine klebrige, dafür aber eine umso wohlriechendere Angelegenheit. Beim Filterprozess des Baumsafts bleiben Rückstände zurück, die der Saft bereits im Baum mit sich transportiert. Diese winzigen Partikel hat man bisher als Abfall betrachtet und weggeworfen. Anders bei Fultons: die findige Besitzerin der Farm, Shirley Fulton-Deugo, stammt aus einer Familie, die schon immer sehr geschäftstüchtig war. Sie kannte natürlich Spa-Produkte aus Honig, Obst- oder Gemüsesorten. Und sie dachte sich, warum sollte man das nicht auch mit Ahornsirup machen können.

Gesagt, getan. Sie las viele Bücher und lernte, woraus diese Pflegeprodukte bestanden und wie sie gemixt wurden. Dann war ihre Familie dran: ein Jahr lang musste jedes Mitglied ihre Testcremes und Peelings am eigenen Leib ausprobieren. Ihre Tochter erzählte mir, dass es sogar vorkam, dass sie an einer Seite der Wade eine Testversion der Creme auftrug, und auf der anderen Seite eine zweite – um festzustellen, welche davon besser wirkte.

Bei diesem Prozess kam eine erstaunliche Serie von Spa-Produkten aus Ahornsirup heraus, die inzwischen von den Wellnesstempeln in Kanada entdeckt wurde. Immer mehr verwenden die Pflegeprodukte, die eigentlich aus dem Abfall der Ahornsirup Herstellung bestehen. Und – ich habe sie selbst ausprobiert – ich kann verstehen warum: die Wirkung ist phänomenal. Meine wunderbar zarten Hände dufteten nach einer Behandlung mit Peeling und Creme tagelang nach Ahornsirup …

 

 

Fulton’s Pancake House and Sugar Bush

399 Sugar Bush Rd.
Pakenham, Ontario
Canada K0A 2X0
Tel: 613-256-3867
Email: info@fultons.ca
Website: www.fultons.ca/



Reiseorganisation:

Anreise:

Air Canada und Lufthansa fliegen von Deutschland nach Ottawa.

Mietwagen:

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Hotels:

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Sightseeing Touren in und um Ottawa:

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Reiseführer:

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Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung von Tourism Ontario und Tourism Ottawa

Text: © Copyright  Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video: © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

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