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Anne of Green Gables lebte hier, oder so …

Green Gables - Das Haus der Grünen Giebel und fiktives Heim von Anne of Green Gables
Green Gables – Das Haus der Grünen Giebel

 

Eigentlich gab es sie gar nicht. Anne of Green Gables, das kleine, sommersproßige Mädchen mit den roten Zöpfen, das auf Prince Edward Island allgegenwärtig ist, ist eine Erfindung von Lucy Maud Montgomery, einer Autorin, die mit der Protagonistin ihrer Kinderbücher zu Weltruhm gelangte. Anne, wie sie in ihrern Büchern beschrieben wird, gab es so nicht. Aber Lucy Maud Montgomery ließ sich inspirieren: von einer Geschichte, die sie in einer Zeitung gelesen hatte, in der davon berichtet wird, dass einem Ehepaar von den zuständigen Behörden ein Waisenmädchen anstatt eines Waisenjungen geschickt wurde. Das kinderlose Paar nahm das Mädchen trotzdem auf, und damit war die Idee geboren, eine Geschichte zu schreiben, die sich um ein ebensolches aufgewecktes Mädchen dreht, das nie aufhört zu reden. Die Idee von Anne war entstanden. In ihre Romane verwob Lucy Maud Montgomery ihre eigenen Kindheitserinnerungen über ihre Zeit, die sie bei ihren Großeltern auf Prince Edward Island verbrachte.

 

Der Weg führte zum Haus von Lucy Maud Montgomerys Großeltern, dem Vorbild des Heims von Anne of Green Gables
Der Weg führte zum Haus von Lucy Maud Montgomerys Großeltern

 

Lucy Maud Montgomery wuchs unweit des Hauses auf, zu dem fast jeder Tourist pilgert, der die Insel Prince Edward Island heute besucht. Egal, woher er kommt – aus Deutschland, Japan, den USA oder irgendeinem anderen Land der Welt – Anne of Green Gables ist überall bekannt. Die Geschichte des schnoddrigen Mädchens, dem seine Unabhängigkeit und seine Bildung wichtig war, ist in fast allen Kinderzimmern der Welt zu Hause. Ähnlich wie Pippi Langstrumpf übrigens: und das ist kein Zufall. Gehörte die Geschichte von Anne of Green Gables doch zu den Lieblingsbüchern von Astrid Lindgren, die Anne schließlich zum Vorbild für ihre noch pfiffigere Pippi machte.

 

Hier waren Gäste willkommen
Hier waren Gäste willkommen

 


Hier könnte Anne of Green Gables gelebt haben

Das Haus, das heute die Pilgerstätte aller Anne of Green Gables Fans ist, zeigt, wie Lucy Maud einst gelebt haben mag. Das Haus, in dem sie aufwuchs, steht nicht mehr. Das Gebäude, das heute als Green Gables bekannt ist, ist das Heim von David und Margaret MacNeill, Cousins von Lucy Mauds Großvater, und sie verbrachte viel Zeit in diesem Haus und seiner Umgebung. Erinnerungen an diese Zeit inspirierten sie zu ihrem Roman, und als dieser 1908 erschien, erkannten viele Bewohner der Insel das Haus wieder.

 

Hier wurde gekocht
Hier wurde gekocht
Muffins gefällig?
Muffins gefällig?

 

Wir fahren etwa fünfundvierzig Minuten von Charlottetown nach Cavendish an der Nordseite von Prince Edward Island. Green Gables liegt am Rand des Prince Edward Island National Parks und unweit der Stelle, an der sich das Haus von Ludy Maud Montgomerys Großeltern befand. Wir können uns gut vorstellen, wie diese als Kind durch die kleinen Wäldchen zum Haus ihrer Verwandten lief, um sie zu besuchen. Ein Gemüsegarten und ein Garten mit großer Rasenfläche und Blumen am weißen Gartenzaun verlocken Kinder noch immer zum Herumtollen vor dem Haus. Gemütlich eingerichtete Zimmer, in denen Gläser und Karaffen aus gepresstem Glas auf Kommoden aus dunklem Holz darauf warten, für die Bewirtung von Gästen eingesetzt zu werden, versetzen uns zurück in die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts. Elektrolampen erhellen den Raum, dessen dunkelgrüne Tapeten zusätzliche Lichtquellen nötig machen, denn durch die mit Spitzenvorhängen versehenen Fenster strömt sogar tagsüber nicht genügend Licht, um dem Zimmer zu ausreichend Helligkeit zu verhelfen. An den Wänden hängen gerahmte Stilleben und Radierungen, die das Leben auf dem Land darstellen. Selbst gehäkelte Tischdecken und Zierdeckchen zeugen von einer kreativen Umgebung, in der Lucy Maud aufwuchs. Hier hätte sich sicher auch Anne of Green Gables wohl gefühlt.

 

Das gute Geschirr für Gäste
Das gute Geschirr für Gäste

 

Die Betten in den Schlafzimmern sind mit Quiltdecken bedeckt. In der Küche stehen Tonkrüge, Messingbackformen und Glasschalen und wecken Erinnerungen an die Küche meiner Großmutter, in der es immer verlockend nach frischem Gebäck duftete. Ich kann mit vorstellen, dass Lucy Maud das nicht anders erlebt hat. Hübsches Porzellangeschirr, Gläser in verschiedenen Formen und Größen, Terrinen und Servierplatten warten darauf, den nächsten Sonntagsbraten mit allen Zutaten auf den Tisch zu bringen. Und frische Eier, eine Rührschüssel aus Holz und bereit stehende Muffinformen lassen die Küche aussehen, als ob die Köchin nur eben rasch das Haus verlassen hat, um Vorräte zu besorgen oder frische Kräuter aus dem Garten zu holen. Das war ein Haus, in dem man sich Zuhause fühlen konnte, und es wundert mich nicht, dass dies zur Kulisse der Geschichte des kleinen Waisenmädchens Anne of Green Gables wurde, das das Leben zweier ältlicher Geschwister völlig durcheinander brachte.

 

Petar und Monika vor Green Gables auf den Spuren von Anne of Green Gables
Petar und Monika vor Green Gables

 

Dieses Gefühl des Zuhause Seins und die Erinnerung an die Zeiten mit den Großeltern spielen offenbar auch eine große Rolle bei der Attraktion, die die Geschichte und der Ort auf die zahlreichen Besucher aus aller Welt ausüben. Irgendwie sind sie alle auf der Suche nach ihrer eigenen Kindheit und kommen ihr in Green Gables ein Stückchen näher.

 

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Wir waren unterwegs mit Duncan’s Island Tours, einer Tourgesellschaft, die Ausflüge in und um Charlottetown anbietet.


Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei Tourism Prince Edward Island für die freundliche Einladung zu dieser Reise. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

 

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos © Copyright MonikaFuchs, TravelWorldOnline

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