Unsere Philosophie des Reisens – oder wie reisen wir am liebsten?

 

Unsere Antworten auf die Frage: „Wie reist Ihr am liebsten?“ © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Diejenigen von Euch, die uns auf mehreren unserer drei Reiseblogs folgen, haben vielleicht schon mitbekommen, dass zur Zeit wieder einmal ein Blogstöckchen – ein Kettenblogpost, ähnlich wie die Kettenbriefe, die wir zu meiner Schulzeit schrieben – die Runde macht. Und dieses Blogstöckchen hat es in sich, legt hier doch jeder Teilnehmer seinen Nachfolgern neue Fragen vor, die diese beantworten müssen. Gestern habe ich ein paar indiskrete Fragen zum Reisen von Elke von Meerblog beantwortet. Heute geht’s um unsere Philosophie des Reisens, nach der uns unsere Bloggerfreundin Elena von Creativelena fragt, mit der wir im vergangenen Jahr häufig unterwegs auf Reisen waren. Zwei ganz unterschiedliche Ansätze zum Thema Reisen, die ich beide gerne beantworte.

Frage: Welches Reise-Erlebnis hat Dich in all den Jahren am meisten beeindruckt? Warum?

Eine gute Frage, Elli. In diesem Fall – und weil es sich in diesem Post ja um das Thema Reisephilosophie handeln soll – muss ich mich eigentlich auf ein Reise-Erlebnis beziehen, das sich über mehrere Jahre hinzieht, genauer gesagt über 17 Jahre. Diesen Zeitraum war ich nämlich immer wieder auf dem Alaska Highway von British Columbia über das Yukon bis hinauf nach Alaska unterwegs. Die ersten beiden Jahre meiner Reisen auf dieser legendären Straße fanden noch zu einer Zeit statt, als dieser Highway noch in großen Teilen ungeteert war, was für uns häufig zu recht abenteuerlichen Fahrten führte: Schlamm, Regen und Bindemittel, das bei Trockenheit den Staub binden sollte, machten die Straße zu einer rutschigen Piste, auf der wir oft mehr dahin schlidderten als in die richtige Richtung steuerten. Unterwegs trafen wir dabei selten, aber immer wieder auf unglaublich hilfsbereite und knorrige Typen, die es in den hohen Norden verschlagen hatte, und die dort abseits jeder Zivilisation ihr Leben aus eigener Kraft in der Wildnis meisterten. Ein buntes, überaus gastfreundliches und faszinierendes Volk haben wir dabei kennengelernt.

Als 1992 der Alaska Highway durchgängig geteert war, änderte sich das Bild der Menschen rapide, denen wir begegneten. Eine wahre Karawane der Wohnmobilisten und Touristen in den hohen Norden setzte ein, die immer höhere Ansprüche an die Versorgung, die Unterkünfte, die Campingplätze und die Menschen in diesen Regionen stellte. Und diese veränderten sich rasant. Die knorrigen Typen, die wir lieb gewonnen hatten, wurden immer mehr verdrängt von service-beflissenem Dienstpersonal, das – oft vergeblich, weil es sich in diesen Regionen nicht auskannte und nicht helfen konnte – versuchte, den Forderungen der die Zivilisation gewohnten Touristen zu erfüllen. Anfangs war das oft verlorene Liebesmüh, im Laufe der Zeit jedoch entstanden immer mehr Einrichtungen, die diesen Forderungen gerecht wurden. Nur: das Ursprüngliche, Wilde, Unberührte des hohen Nordens verschwand. Auch durch unser eigenes Mitwirken.

Eines unser Lieblingsreiseziele: die USA © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Seither versuche ich auf meinen eigenen Reisen, möglichst wenig in die Gegebenheiten vor Ort einzugreifen und lieber zu verstehen, warum bestimmte Dinge so sind, wie sie gerade sind. Ich frage mich vor jeder Beschwerde, die mir vielleicht gerade auf der Zunge liegt, „Ist das etwas, was ich unbedingt brauche? Oder ist das etwas, was die Menschen hier nicht haben oder verstehen können, weil es das in ihrer Kultur gar nicht gibt?“ Auf Reisen muss nicht immer alles so sein, wie ich es zu Hause gewohnt bin. Dann könnte ich ja gleich zu Hause bleiben und nicht in die Welt aufbrechen, um andere Lebensweisen zu entdecken. Reisen bedeutet für mich auch heute noch, Fremdes entdecken und offen zu sein für Ungewohntes.

Frage: Was hast Du auf Reisen stets dabei?

Das ist einfach: in mein Gepäck gehört auch heute noch ein Notizblock, in dem ich mir alle Gedanken, die mir unterwegs wichtig erscheinen, notiere. So halte ich Eindrücke fest, die ich unterwegs sammle, und die mir später beim Schreiben meiner Artikel hilfreich sind. Dabei sind mir Block und Bleistift noch immer die liebsten Hilfsmittel, weil ich dann auf einen Blick sehen kann, was mich unterwegs bewegt hat. Außerdem kann ich so auch kleine Skizzen machen, die mir als Gedankenstütze dienen. Es muss nicht immer nur elektronischer Schnickschnack sein, obwohl ich den auch dabei habe.

 

Frage: Wohin wirst Du mit 60 reisen? Und mit wem?

Wenn alles gut geht, noch in dieselben Länder wie heute (Europa, Nordamerika, Afrika, Australien) – und vielleicht noch einige, die ich bisher nicht gesehen habe, zum Beispiel in Asien oder Lateinamerika, die schon immer mein Traum waren. Und natürlich würde ich das dann gerne zusammen mit meinem Mann Petar machen, der mich auch heute auf allen meinen Reisen begleitet.

Frage: Was verstehst Du unter “kreativ reisen”? Würdest Du es ausprobieren wollen? Und wenn ja, wo und wie?

Dass wir das bereits ausprobiert haben, weißt Du ja, Elli. Du hast uns in die Welt des Kreativ Reisens eingeführt, und es hat unglaublich viel Spaß gemacht. In Altenmarkt-Zauchensee durften wir im vergangenen Jahr einmal unsere Fähigkeiten als Maler testen, und im Kunstmuseum Waldviertel in Schrems habe ich mein blaues Huhn aus Ton modelliert. Beide Erlebnisse bleiben mir sicher noch lange in Erinnerung, ermöglichen sie doch, dass wir uns viel intensiver mit unserem Aufenthalt in einer bestimmten Region auseinandersetzen, als wenn wir nur durchfahren. Ich bin auf jeden Fall gerne zu weiteren Kreativ Reisen bereit.

 

Kreativ Reisen in Österreich © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Frage: Dein schönstes Reiseerlebnis mit einem Einheimischen?

Dazu fällt mir unser Interview mit Peter Schleifenbaum im Haliburton Forest in Ontario, ein, der uns von seinem Leben und seiner Erfolgsgeschichte in seiner neuen Heimat Kanada erzählt hat. Ich fand es unglaublich, wie ein deutscher Forstwirt mit seiner ganzen Familie nach Kanada auswandert, dort eines der größten Waldgebiete Ontarios in Privatbesitz verwaltet, damit ein Unternehmen aufbaut, das sich sehen lassen kann und noch dazu eine Professur an der Universität Toronto meistert. Hut ab, Herr Schleifenbaum!

Frage: Wozu rätst Du jungen Menschen, die reisen möchten?

Nicht lange überlegen, tun! Es gibt nichts Besseres als Reisen, um seine Persönlichkeit zu prägen. Aber wenn Reisen, dann mit offenen Augen und offenen Sinnen. Lasst Euch ein auf Fremdes, auf Ungewohntes, versucht zu erfahren, warum das so ist, was dahinter steckt. Erst so wird Reisen interessant und spannend. Und: reist so oft wie möglich und so jung wie möglich. Das Leben ist so oder so zu kurz, um alles zu sehen, aber je früher ihr damit beginnt, umso mehr könnt ihr erleben und sehen.

Frage: Wo liegt Deine Schmerzgrenze beim Reisen? Was würdest Du gerade noch ausprobieren, ertragen, was nicht?

Da ich inzwischen nicht mehr zur jungen Generation gehöre, sind mir sportliche und extrem anstrengende Aktivitäten nicht mehr möglich. Ich will aber trotzdem noch Abenteuer erleben und an meine Grenzen gehen. Nur mache ich das inzwischen innerhalb meiner Grenzen, d.h. bestimmte Dinge und Aktivitäten schließe ich bewusst aus. Ein Adrenalin Junkie war ich nie, eine Sportskanone auch nicht, so dass es mir nicht sonderlich schwer fällt, nicht aus Flugzeugen mit dem Fallschirm abzuspringen, auf den höchsten Wellen zu surfen oder auf dem Rücken eines Pferdes in die Wildnis zu reiten. Ich kann aber trotzdem noch in extreme Zielregionen fahren – diese werden mich wahrscheinlich mein Leben lang locken -, nur dass ich dort auf bestimmte Unternehmungen verzichte. Ich steige stattdessen um auf Slow Travel und lerne eine Region, ihre Menschen und deren Lebensart intensiver kennen.

Frage: Auf welches Reiseerlebnis bist Du besonders stolz?

Den Hecht, den ich im Great Slave Lake bei Yellowknife in den kanadischen Northwest Territories selbst gefangen habe …

Frage: Wenn Du morgen ins Flugzeug steigen könntest, wohin würde es Dich bringen?

Das weiß ich ganz genau: wenn ich mir ein Reiseziel nach meinen Wünschen aussuchen könnte, dann wäre das die Antarktis. Ich träume schon lange davon, einmal die Pinguine der Antarktis in freier Wildbahn zu sehen, die Küste von South Georgia zu betreten und das Frühjahr in der Antarktis mit seinen blauen Eisriesen zu sehen und zu erleben.

 

Mohnnudeln in Armschlag im Waldviertel © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Frage: Das köstlichste Gericht, dass Du je in fernen Ländern probiert hast?

Das wird dich jetzt wahrscheinlich erstaunen, Elli: ich bin ja weit gereist und habe in vielen exzellenten Restaurants in aller Welt gegessen, die ich alle sehr genossen habe. Aber egal, ob das lateinamerikanische Küche in Florida war, ein australisches Busch-Barbecue im Outback, ein Hummer in Nova Scotia oder ein leckeres Poitjekos in Südafrika, nichts hat mir so gut geschmeckt wie die Mohnnudeln, die wir im vergangenen Jahr im Mohndorf Armschlag im österreichischen Waldviertel serviert bekamen. Inzwischen kann ich die sogar selbst kochen.

Frage: Wie lautet Deine ganz persönliche Reisephilosophie?

Wenn Reisen, dann intensiv – das bedeutet für mich nicht nur Ansehen von Sehenswürdigkeiten und schönen Landschaften, sondern auch Menschen kennen lernen, tiefer blicken, bestimmte Dinge hinterfragen und Zeit lassen. Nur so erfährt man ein Land richtig.

Vielen Dank für Deine tollen Fragen, liebe Elena. Es hat mir viel Spaß gemacht, diese zu beantworten. Und jetzt seid Ihr dran, meine neuen Fragen in einem Blogpost auf eurem Blog zu beantworten:

Anja von Travel on Toast
Julia von Wein-Blog
Thomas von Reisen und Essen
The Ryans von American Heritage Blog
Sarah von Heimatherz
Bastian von Berlin Food Tour Blog
Eva von Genuss-Blog
Cindy von Potpourri der Sensationen
Stefan von Faszination Südostasien

Da sich mein Blog um das Thema Genuss und Reisen in aller Welt dreht, will ich meinen Lesern gerne einen Überblick darüber bieten, was man in den Küchen der Welt so alles entdecken kann, daher drehen sich meine Fragen genau um dieses Thema: Reisen und Speisen. Ich bin schon gespannt auf Eure Antworten. Bitte verlinkt Eure Blogposts in den Kommentaren zu diesem Post, damit meine Leser sie dann auch leicht finden. Und hier sind die elf Fragen, auf die ich von Euch gern die Antworten hätte:

1. Was ist kulinarisch gesehen dein Lieblingsland und warum?
2. Wo kann man die Küche in deinem Lieblingsland am besten kennen lernen (Restaurants/Food Trucks/auf Märkten)?
3. Was sind die bekanntesten Spezialitäten in deinem Lieblingsland?
4. Was ist dein absolutes Lieblings-Gericht in deinem liebsten Reiseland?
5. Was sollte jemand über die Küche in deinem Lieblingsland wissen, der noch nie da war?
6. Gibt es kulinarische Spezialitäten in deinem Lieblingsland, die man lieber meiden sollte? Und warum?
7. Gibt es besondere Verhaltensweisen beim Essen in deinem Lieblingsland, die man als Fremder kennen sollte?
8. Kann man die Spezialitäten aus deinem Lieblingsland auch hier in Deutschland kosten? Wenn ja, wo?
9. Gibt es ein Rezept aus der Küche deines Lieblingslandes, das du gerne empfiehlst?
10. Gibt es einen Drink, der typisch ist für dein Lieblingsland? Wenn ja, gibt’s dazu ein Rezept?
11. Worauf achtest du am meisten beim Reisen und Speisen? Genuss, Erlebnis, kulturelle Authentizität oder was?

So nun seid Ihr dran. Stellt Euren Lesern kurz diesen Blogpost vor, damit sie wissen, worum es sich bei diesem Blogstöckchen handelt. Beantwortet anschließend meine Fragen und stellt dann zehn anderen Reisebloggern elf weitere Fragen zu Themen, die euch und eure Leser interessieren. Ich bin neugierig auf eure Antworten und hoffe, ihr habt genauso viel Spaß beim Schreiben eurer Posts wie ich mit dem meinen.

 

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Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos:  © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Unsere Philosophie des Reisens – oder wie reisen wir am liebsten?

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