Nach einigen Tagen in Montréal spürt man irgendwann, dass sich das Tempo der Reise ändern darf. Die Stadt ist lebendig, dicht, vielfältig. Cafés, Märkte, Viertel, Museen, vieles passiert gleichzeitig. Genau an diesem Punkt beginnt der Reiz der Eastern Townships.
Südlich von Montréal wird die Landschaft weiter. Die Straßen führen vorbei an Seen, Hügeln und kleineren Orten mit englisch klingenden Namen. Hier ist Québec weniger urban und weniger touristisch geprägt. Die Region wirkt nicht spektakulär. Sie wirkt ländlich.
Wenn du deine Reise bewusst zwischen Stadt und Land ausbalancieren möchtest, sind die Eastern Townships kein Abstecher, sondern eine sinnvolle Ergänzung.

Wo liegen die Eastern Townships – und wann sie sich lohnen
Von Montréal aus erreichst du die Eastern Townships in etwa ein bis zwei Stunden mit dem Auto. Schon diese kurze Distanz verändert das Gefühl der Reise. Hochhäuser weichen offenen Landschaften, Verkehr wird leiser, Seen tauchen zwischen Wäldern auf.
Reicht dafür ein Tagesausflug?
Möglich ist es. Empfehlenswert eher nicht. Wer morgens losfährt und abends zurückkehrt, sieht einzelne Orte. Wer dagegen mindestens eine Nacht bleibt, erlebt die Region anders. Am Abend am See zu sitzen, morgens ohne Eile aufzubrechen, genau dann entsteht das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.
Wenn deine Reise nach Québec nur ein langes Wochenende umfasst, konzentriere dich besser auf eine Stadt. Hast du dagegen eine Woche oder mehr Zeit, entsteht durch die Kombination von Montréal und den Eastern Townships eine angenehme Balance.
Einen Überblick über Montréal findest du hier.

Knowlton und das Lebensgefühl kleiner Orte
Die Kleinstadt Knowlton ist kein Ort, den man wegen einer einzelnen Sehenswürdigkeit besucht. Man kommt wegen der Atmosphäre. Veranden aus Holz, kleine Geschäfte, Cafés, ein See in der Nähe, vieles wirkt vertraut, ohne inszeniert zu sein.
Wer Unterhaltung im klassischen Sinn sucht, wird hier nicht fündig. Wer dagegen gern durch ruhige Straßen geht, in einem Café länger sitzen bleibt oder den Tag ohne festen Plan beginnen möchte, wird sich wohlfühlen.
Hier haben wir unsere Eindrücke zu Knowlton beschrieben: Ein charmantes Dorf in Quebec
Wenn du dir unsicher bist, ob dieser Teil Québecs zu dir passt, hilft eine einfache Frage: Suchst du Abwechslung vom Stadtleben oder zusätzliche Programmpunkte? Die Eastern Townships sind eher das Erste.

Wein, regionale Küche und kleine Produzenten
Die Eastern Townships gehören zu den wichtigsten Weinregionen Québecs. Die Weingüter werden oft von Familien geführt, die Verkostungen sind persönlich. Es geht weniger um große Namen, mehr um Begegnungen und Gespräche.
Ein oder zwei Weingüter bewusst auszuwählen, fühlt sich sinnvoller an, als viele Stationen nacheinander abzufahren. Wer Wein schätzt, wird hier fündig. Wer keinen Bezug dazu hat, kann die Region trotzdem genießen, durch Märkte, Restaurants und kleine Produzenten.
Mehr zur Weinregion findest du hier: Quebec Wineries
Und zur kulinarischen Seite Québecs insgesamt hier: Essen in Quebec
Eine praktische Entscheidung vorab: Ohne Auto wird es schwierig. Öffentliche Verkehrsmittel verbinden die Orte nur eingeschränkt. Wer flexibel bleiben möchte, plant die Region am besten mit eigenem Fahrzeug.

Übernachten am See – bewusst langsamer werden
Nach mehreren Tagen in Montréal wirkt ein Hotel am Wasser wie ein Kontrastprogramm. Statt Verkehr hörst du Wind in den Bäumen, statt Straßenlärm vielleicht nur Schritte auf einem Steg.
Das Manoir Hovey ist ein Beispiel für diese Art von Aufenthalt.
Hier stellt sich weniger die Frage nach dem Programm, sondern nach dem Tempo. Bleibst du nur eine Nacht, fühlt es sich schnell nach Zwischenstopp an. Planst du zwei Abende ein, verändert sich die Wahrnehmung. Plötzlich bleibt Zeit für ein spätes Frühstück oder einen Spaziergang ohne Ziel.
Für uns hat genau dieser Übergang funktioniert: erst die Vielfalt Montréals, dann die Ruhe am See. Nicht als Gegensatz, sondern als Abfolge.

Lavendel, Jahreszeiten und kleine Entdeckungen
Im Sommer ziehen die Felder von Bleu Lavande viele Besucher an. Der Duft, die Farben und die offene Landschaft prägen die Region in dieser Zeit besonders stark.
Mehr dazu findest du hier: Bleu Lavande – Lavendel Farm in Quebec
Außerhalb der Blütezeit verändert sich jedoch das Bild. Dann treten Seen, Wälder und Dörfer stärker in den Vordergrund. Die Eastern Townships leben nicht von einem einzelnen Highlight, sondern vom Zusammenspiel kleiner Eindrücke.

Seen, Wege und kleine Straßen in den Eastern Townships bewusst erleben
Die Eastern Townships erschließen sich nicht nur über Orte und Weingüter. Vieles passiert unterwegs. Eine schmale Straße führt an einem See entlang, plötzlich taucht ein kleiner Anleger auf, dahinter Wald. Kein Parkplatz mit Reisebussen, keine große Inszenierung, nur Landschaft.
Wer hier unterwegs ist, merkt schnell: Die Region lebt von Strecken, die man nicht plant, von Aussichtspunkten, die nicht auf jeder Karte stehen.
Wandern ist möglich, ebenso Radfahren oder einfach ein längerer Spaziergang am Wasser. Es sind keine alpinen Herausforderungen, sondern Wege, die man ohne große Vorbereitung gehen kann. Genau das macht sie für viele Reisende attraktiv.
Wenn du Outdoor-Abenteuer mit Adrenalin suchst, bist du hier nicht richtig. Schätzt du jedoch Bewegung in ruhiger Umgebung, passt die Region gut.
Auch hier stellt sich eine Entscheidung: Möchtest du jeden Tag ein neues Highlight abhaken oder suchst du Strecken, die Teil des Erlebnisses werden?
In den Eastern Townships ist oft der Weg selbst der Grund zu bleiben.

Wie sich die Eastern Townships sinnvoll in eine Québec-Reise einfügen
In unserer Erfahrung hat sich eine klare Abfolge bewährt. Nach einigen Tagen in Montréal entsteht oft das Bedürfnis nach mehr Raum. Die Eastern Townships bieten genau das. Danach wirkt Québec City wieder anders: kompakter, historischer und dichter.
Nicht jede Reise muss so aufgebaut sein. Wer nur wenige Tage hat, sollte sich entscheiden und nicht alles hineinquetschen. Bist du jedoch eine Woche oder länger unterwegs, profitierst du davon, die Reise in Abschnitte zu gliedern: von der Stadt in die Landschaft und weiter in die nächste Stadt.
Montréal als Einstieg, die Eastern Townships als Ruhephase, Québec City als Abschluss: diese Abfolge hat für uns gut gepasst, weil sie unterschiedliche Seiten Québecs sichtbar macht.
Einen Überblick über die Provinz findest du hier.
Die Eastern Townships sind kein Ziel für alle. Sie lohnen sich besonders für Reisende, die nach der Stadt bewusst langsamer werden möchten, die Genuss schätzen und denen es nichts ausmacht, wenn der Tag nicht nur aus Programm besteht.
Wenn du genau das suchst, sind sie mehr als nur ein Zwischenstopp. Sie sind der Moment, in dem Québec ruhiger wird, wenn du bereit bist, weniger zu planen und mehr wahrzunehmen.

Quelle Eastern Townships in Quebec: Recherchen vor Ort mit Unterstützung von Bonjour Quebec sowie der Tourismusbehördeder Region, für die wir uns auf jeden Fall bedanken. Unsere Meinung bleibt jedoch wie immer unsere eigene.
Text: © Monika Fuchs sowie TravelWorldOnline
Fotos: Copyright Monika Fuchs sowie TravelWorldOnline
Video: Copyright Petar Fuchs sowie TravelWorldOnline