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Unterwegs auf dem Dempster Highway – Stille und Ruhe in der Taiga des Yukon

In den südlichen Regionen des Dempster Highways sind die Bäume noch hoch
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Man hat mich schon oft gefragt, was für mich das eindrucksvollste Erlebnis war, das ich mit Kanada verbinde. Nun, es gibt viel, was ich in den mehr als zwanzig Jahren erlebt habe, die ich nun in den Weiten Kanadas unterwegs bin. Eines ist sicher die enorme Größe des Landes, für das ein Menschenleben nicht ausreicht, um es in seiner Gänze kennen zu lernen. Aber seit ich 1990 zum ersten Mal im Yukon Territorium und in den Nordwestterritorien war, lässt mich der Norden des Landes nicht mehr los.

Meine erste Fahrt auf dem Dempster Highway nach Inuvik

Die nachhaltigsten Eindrücke aus diesen Breiten sammelte ich einige Jahre später auf einer Reise über den Dempster Highway ans Eismeer. Bevor wir zur Durchquerung der Taiga und Tundra-Regionen zwischen dem Klondike Highway und Inuvik in den Nordwest Territorien aufbrachen, beobachteten wir gebannt die Entwicklung des Wetters. Tagelang schon regnete es wie aus Kübeln, und es wollte einfach nicht aufhören.

Die unendlichen Weiten im hohen Norden Kanadas
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Eagle Plains – unser Etappenziel auf dem Dempster Highway im Yukon

Der Dempster Highway ist in seiner vollen Länge ungeteert. Nur die ersten paar Kilometer fährt man auf einer Teerstrecke. Dann wird es abenteuerlich. Und das war diese Fahrt. Entlang des Dempster Highways gibt es nur ein einfaches Motel an einer Straßenmeisterei, die etwa auf halber Strecke des Highways liegt, und in dem fast jeder übernachtet, der die gut 700 Kilometer zwischen dem Klondike Highway und Inuvik zurück legt. Nur einige Campingplätze bieten unterwegs Campern die Möglichkeit in der Einsamkeit der Wildnis zu übernachten. Da wir allerdings nicht aufs Campen eingerichtet waren, mussten wir unser Etappenziel in Eagle Plains erreichen.

Regen und Schlamm behindern die Fahrt

Das sollte sich als gar nicht so einfach herausstellen, denn der erste Abschnitt unseres Weges war durch den Regen der vergangenen Tage so aufgeweicht, dass die Fahrt über diesen Teil der Strecke zu einer reinen Schlammschlacht wurde. Die Schotterstraße war so vom Wasser durchtränkt, dass man sofort im Schlamm versank, wagte man sich aus dem Auto. Und dieses hatte mit dem rutschigen Untergrund ebenso zu kämpfen wie wir: bei trockenem Wetter fährt der Straßendienst über die Schotterstraße und verspritzt ein Bindemittel, mit dem der Staub gebunden werden soll, damit den Autofahrern freie Sicht bleibt, auch wenn überholende Fahrzeuge den trockenen und feinen Staub so aufwirbeln, dass er in alle Ritzen dringt. Durch den mehrtägigen Regen waren Staub und Bindemittel zu reiner Schmierseife geworden, über die wir nur sehr vorsichtig und langsam fahren konnten. Und so dauerte unsere Fahrt nach Eagle Plains quälend lange acht Stunden.

 

Mineralien in der Erde färben diesen Fluss rot © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Unglaubliche Stille in der Taiga des Yukon

Müde und erschöpft erreichten wir schließlich den Bergkamm bei Eagle Plains, als – endlich! – die Sonne wieder durch die Wolken brach. Und was für ein Ausblick eröffnete sich da! Meilen um Meilen erstrecken sich die verkrüppelten Nadelbäume der kanadischen Taiga, die zwar aussahen als ob sie noch nicht ausgewachsen seien, die aber oft schon mehrere hundert Jahre alt waren. Hügelkette hinter Hügelkette reihte sich aneinander bis zum Horizont. Im Süden begrenzten die Richardson Mountains den Blick ins Unendliche. Nach Norden hin verloren sich die scheinbar nie enden wollenden Hügelketten im Dunst. Müdigkeit und Erschöpfung waren vergessen bei diesem Anblick der unendlichen Wälder Nordkanadas. Und hatte ich erst noch von einem saftigen Steak als Belohnung für die Anstrengungen des Reisetags geträumt, so war dies vergessen, als ich mich überwältigt auf eine Bank setzte, um diesen Ausblick zu genießen. Allein und müde blickte ich hinaus auf die Weiten des Yukon und lauschte dem Nichts. Und das war es wirklich: kein Windzug, kein Vogelgezwitscher, nicht einmal das Summen einer Mücke störte die unglaubliche Stille, die diese Landschaft umgab. Nirgendwo anders auf meinen zahlreichen Reisen habe ich diese absolute Stille erlebt, wie an diesem Ort, der seitdem für mich den kanadischen Norden verkörpert.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Diese Reise haben wir selbst finanziert.
Text: © Copyright  Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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