In die Northwest Territories in Kanada über den Dempster Highway

Dempster Highway

Was war meine spannendste Reise?

Was war meine spannendste Reise? Vielleicht denkt Ihr, das ist bei meinen vielen Reisen durch alle Welt sicher schwierig zu beantworten. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Mir fällt dazu nur eine Reise ein, die diesen Status verdient. Eine Reise, die ich vor Jahren durch die Northwest Territories in Kanada unternahm. Sie führt mich am Yukon River entlang nach Dawson City und von dort über den Dempster Highway bis in die Arktis.

 

Unterwegs auf dem Dempster Highway
Unterwegs auf dem Dempster Highway in die Northwest Territories in Kanada

Auf den Spuren der Goldsucher von Whitehorse nach Dawson City

Sie dauerte zwei Wochen, startete in Whitehorse im Yukon Territorium, folgte dem Yukon River in die Goldgräberstadt Dawson City. Ihr denkt: „Wow! Toll!“ ? „Stimmt,“ antworte ich Euch. „Das war es auch, folgten wir doch den Spuren der Goldsucher, Glücksritter und Abenteurer, die Ende des 19. Jahrhunderts auf diesem Weg von der Küste und über den Yukon River ins Land am Klondike zogen. Dort erhofften sie sich Reichtum aus den Goldfeldern, fanden aber oft nur mit Plackerei und wenig Erfolg. Häufig konnten sie gerade das Nötigste mit ihren Goldnuggets kaufen, weil Geschäftemacher die Goldgier der Greenhorns aus aller Welt ausnutzten. Diese waren ins Yukon gekommen, um Profit zu machen.“ Dawson City ist der letzte Versorgungsstopp, bevor es weiter geht in die Northwest Territories in Kanada.

Auf den Spuren der Goldsucher in die Northwest Territories in Kanada

Aber das war nur der Beginn einer Reise, die mich in die Northwest Territories in Kanada bis ans Eismeer bringen sollte. Die Strecke zwischen Whitehorse und Dawson City folgt dem Verlauf des Yukon River. Sie bietet immer wieder Ausblicke auf den Fluss im Norden Kanadas. Dabei erinnern die Five Finger Rapids noch an die Schicksale der Goldsucher, die sich durch die Stromschnellen flussabwärts zum Klondike bewegten. Kaum zu glauben, dass sie auf ihren hanebüchenen und selbst zusammen gezimmerten Flößen, Kanus oder anderen Wasser-Vehikeln den Fluss bezwangen.

Begegnungen unterwegs

Ich erinnere mich an unser Picknick in Minto direkt am Yukon. Dabei leistete uns ein Kanufahrer Gesellschaft, der den Fluss herunter gepaddelt kam. Wie sich herausstellte, stammte er aus München. Er war mehr als zehn Jahre zuvor ins Yukon ausgewandert, wo er sich, zusammen mit seiner Frau, mitten in der Wildnis eine Hütte am Fluss errichtet hatte. Diese ist nur mit dem Kanu zu erreichen. Er war nach Minto gekommen, um seine Vorräte an Grundnahrungsmitteln wie Zucker, Mehl, Salz und andere Notwendigkeiten einzukaufen. Eine Fahrt, die er im Sommer nur alle paar Monate unternahm. Im Winter gar nicht, wie er uns erklärte.

 

 

Dawson City muss sein

Nach unserem Aufenthalt in Dawson City absolvierten wir das Standardprogramm. Einen Bummel durch die erste Hauptstadt des Yukon, den Besuch in Diamond Tooth Gertie’s Saloon, der schon zu Zeiten des Goldrausches existierte, den Ausblick vom Midnight Dome auf den Zusammenfluss von Yukon und Klondike River und natürlich einen Versuch, selbst Gold aus einer Schüssel Fluss-Sand zu waschen. Erst danach begann unser Nordland-Abenteuer.

 

Inuvik, die Ölstadt in den Northwest Territories in Kanada
Inuvik, die Ölstadt in den Northwest Territories in Kanada

Auf dem Dempster Highway nach Inuvik in den Northwest Territories in Kanada

Die nächste Etappe dieser Reise führte mich über den Dempster Highway nach Inuvik in den Northwest Territories in Kanada. Dieser Highway ist – mit Ausnahme der „Freedom Road“ in Quebec und Labrador – die einzige Straße, die vom Süden Kanadas in den hohen Norden des Landes führt. Diesen Highway in Kanadas Arktis war ich vorher schon zweimal gefahren. Er war also  nichts Neues für mich.

Abenteuer in der Wildnis am Dempster Highway

Trotzdem ist jede Fahrt auf dem Dempster Highway ein Abenteuer. Hängt der Zustand der Straße doch von den Wetterverhältnissen ab, die gerade oder kurz vor der Reise nach Norden herrschten. Diesmal hatte ich Glück, und der Highway war trocken, wenn auch staubig. Das bedeutet, dass wir jedes Fahrzeug, so selten sie auch waren, schon in weiter Entfernung an seiner Staubwolke sehen konnten, die es hinter sich erzeugte. Wenn es uns dann passierte, machten wir alle Schotten dicht (soweit das ging), um möglichst viel von dem feinen Straßenstaub draußen zu lassen. Nicht überall gelingt dies, und so ziehen wir bereits auf halber Strecke in Eagle Plains unser Gepäck völlig staubverkrustet aus dem Kofferraum. Unser erstes Anzeichen, dass das Abenteuer im hohen Norden beginnt.

Der Dempster Highway führt in die Northwest Territories in Kanada

Der Dempster Highway ist eine reine Schotterstraße, die durch Permafrostgebiete und über zwei große Flüsse, den Peel und den Mackenzie River von Dawson City bis nach Inuvik führt, einer Stadt im Mackenzie Delta, die vor allem als Ausgangsbasis für die Ölindustrie im Eismeer dient. Von dort wird im Winter die Ausrüstung über Eisstraßen von den Ice Truckern zu den Ölplattformen in der Beaufort Sea transportiert. Im Sommer ist die Straße in den hohen Norden dagegen nicht so gut für die Schwerlasttransporte geeignet, die über die Wintertrasse geliefert werden. Es sind ganz normale Lastwagen, denen wir auf dem Highway begegnen, die die Stadt im Sommer mit allem Lebensnotwendigen versorgen.

Eagle Plains – Zwischenstopp auf dem Dempster Highway

Besonders eindrucksvoll ist der Dempster Highway deswegen, weil er durch Wildnisgebiete führt. Links und rechts der Straße gibt es nichts als Wald, die Spitzen der Tombstone Mountains oder die Kette der Richardson Mountains, die wir von Eagle Plains aus sehen, dem einzigen Zwischenstopp auf dem Weg nach Inuvik. In Eagle Plains gibt es gerade mal eine Station der Straßenmeisterei, die dafür sorgt, dass die Straße einigermaßen befahrbar bleibt, ein Motel, in dem Trucker, Ölarbeiter und auch wir absteigen und eine der seltenen Tankstellen auf dieser Strecke.

Über den Polarkreis in die Northwest Territories in Kanada

Ab Eagle Plains werden die Bäume entlang der Strecke immer niedriger. Wir sind in den Breiten der Taiga.  Dann verschwinden die Bäume schließlich ganz und wir blicken nur noch auf die Weiten der Tundra. Nur wenige Kilometer nördlich von Eagle Plains passieren wir den Polarkreis, der durch eine Ausfahrt an der Straße gekennzeichnet ist. Ein Schild erklärt, was es mit dieser imaginären Linie auf sich hat. Von hier aus nach Norden geht im Sommer die Sonne nicht mehr unter, und es ist 24 Stunden lang hell.

 

Sonnenuntergang über dem Mackenziedelta Northwest Territories in Kanada
Sonnenuntergang über dem Mackenziedelta in den Northwest Territories in Kanada

Über den Peel und den Mackenzie River nach Inuvik in den Northwest Territories in Kanada

Von Eagle Plains geht es mit einer Ausnahme fast nur noch bergab. Während die Raststation auf dem Kamm einer Bergkette liegt, von dem aus man in beide Richtungen bis zum Horizont über die Baumkrüppel der Taiga blickt, senkt sich der Dempster Highway wenige Meilen dahinter stetig bergab. Nur einmal noch geht es bergauf, als wir uns der Grenze zwischen dem Yukon und den Nordwestterritorien nähern. Auch hier kennzeichnet ein Schild die Grenze zwischen diesen beiden Territorien, die sich mitten im Nirgendwo befindet. Kurz dahinter blicken wir hinunter auf Tundraregionen, die sich weit nach Norden erstrecken. Kein Anzeichen von Menschen ist hier zu sehen – es sein denn, eines der seltenen Fahrzeuge auf dem Highway schickt seine Staubfontänen in die Luft.

Zwei Flüsse – zwei Fähren auf dem Dempster Highway

Unser Weg nach Inuvik wird noch zweimal unterbrochen von den beiden Flüssen, die wir im Sommer mit kostenlosen staatlichen Fähren überqueren. Im Winter verbinden Eisbrücken die beiden Ufer. Die Auffahrt auf diese Fähren ist abenteuerlich und passend für diese wilden Regionen. Hier gibt es keine Fährstation, an der Einrichtungen den Höhenunterschied des Wassers in den Flüssen ausgleichen. Hier endet die Straße einfach im Wasser. Die Fähre drückt sich so nahe wie möglich ans Ufer, und die Brücke wird so flach wie möglich aufs Festland gelegt. Je nach Wasserstand gelingt dies mal besser, mal schlechter. Und wenn man mit einem größeren Fahrzeug unterwegs ist, kann es schon mal vorkommen, dass bei der Auffahrt auf die Fähre die Stoßstange abreißt, weil die Zufahrt zu steil ist (was uns bei einer früheren Reise tatsächlich passiert ist). Diesmal jedoch haben wir Glück, und wir überqueren unbeschadet die Flüsse.

 

 

Fort McPherson bis Inuvik in den Northwest Territories in Kanada

Wir legen noch einen Stopp ein im Ort Fort McPherson, wo wir in der Bar des Dorfs die Dollarscheine bestaunen, die über, auf und unter der Theke kleben. Im Friedhof des Ortes besuchen wir die Gräber der „Lost Patrol“, einer Winterpatrouille, die den Weg zurück von Dawson City nach Fort MacPherson nicht mehr gefunden hatte und im März 1911 nur wenige Kilometer von Fort McPherson in der Tundra gefunden wurde. Von hier sind es nur noch ein paar Stunden, bis wir durch Wälder, die links und rechts der Straße auftauchen, schließlich Inuvik am Mackenzie River erreichen.

Unsere Reise geht weiter mit dem Flugzeug nach Tuktoyaktuk und Herschel Island am Eismeer.

 

 

Die Northwest Territories in Kanada
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Quelle: Recherchen vor Ort (diese Reise wurde von niemandem unterstützt)

Text: Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline (Sorry für die Qualität einiger Fotos. Das sind Dias. Sie entstanden zu einer Zeit, als ich noch keine Digitalkamera hatte.)

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