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St. John’s, Newfoundland – die Hauptstadt, in der die Natur vor der Haustür beginnt

St. John’s, Hauptstadt von Neufundland © Copyright, Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

So, oder zumindest so ähnlich hatte ich mir St. John’s vorgestellt. Die Hauptstadt von Neufundland mit ihren immerhin etwa 100 000 Einwohnern ist die größte Stadt auf dem Felsen, “the Rock”, wie die Neufundländer ihre Insel liebevoll bezeichnen. Sie ist zwar etwas größer, als ich gedacht hatte, aber die Downtown, der Kern der Stadt, erstreckt sich nur über ein paar parallel verlaufende Straßen, die sich vom Hafenbecken nach Nordwesten hin ausdehnen. Dort befinden sich Banken, Läden, Hotels und die (etwas versteckt gelegene) George Street – die Ausgehmeile von St. John’s, wo allabendlich der Bär tanzt. Die Auswahl an Pubs, Restaurants und Musikkneipen ist hier so groß, dass man jede Stunde das Lokal wechseln kann und morgens noch immer eine große Auswahl übrig ist, die locker für weitere nächtliche Streifzüge durchs Vergnügungsviertel reichen. Hinter dem Stadtkern gruppieren sich die Wohnviertel. Vom Signal Hill aus zeigt sich, dass diese von viel Grün durchzogen sind, und dazwischen liegen immer wieder kleine Seen wie der Long Pond, der Muddy Pond oder der Kents Pond: die Natur ist in St. John’s nie weit entfernt.

 

Die bunten Straßenzüge in der Innenstadt von St. John’s © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Dass in dieser Stadt viele Iren leben, ist bei einem Bummel durch die Shoppingmeilen der Innenstadt nicht zu übersehen. Viele der Läden mit ihren knallbunten Fassaden zieren sich mit gälischen Namen und weisen auf ihr keltisches Erbe hin. Irische Familiennamen sehe ich häufig auf unserem Spaziergang durch die Stadt: bei O’Briens in der Water Street – dem ältesten Laden in der ältesten Straße der ältesten Stadt Nordamerikas (so rühmt sich der Laden) – besorgen wir uns landestypische Musik für unsere Reise durch die Insel: Pub Songs, Reels, Gigs und Seemannslieder, die zum Mitsingen verleiten. Die Downtown von St. John’s ist gemütlich und übersichtlich. Und eilig hat es hier niemand. Wer in Zeitnot ist, sollte sich auf das Zuspätkommen einrichten, denn der Autoverkehr durch die Innenstadt verläuft ohne Hektik und Stress und wälzt sich im Schritttempo durchs Stadtzentrum. Fußgänger haben Vorfahrt – und das nutzen diese auch weidlich aus. Gehsteige und Ampeln sind zwar vorhanden, aber beim Überqueren der Straße wird auf den Autoverkehr kaum geachtet – im Gegenteil, man ist gewohnt, dass die Autos den Fußgängern den Vorrang lassen.

 

Fischerboote im Hafen von St. John’s © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Nur eine Parallelstraße weiter reihen sich Fischerboote, Schiffe der Küstenwache und sogar ein liegen gebliebener russischer Frachter an der Harbour Street entlang auf. Bernadette, unsere Begleiterin, die uns die Stadt zeigt, erzählt uns, dass eine russische Reederei Besitzer des ziemlich ramponierten Schiffes war, dass sie Pleite ging und ihr Frachter inklusive Mannschaft in St. John’s strandete. Es dauerte seine Zeit, bis die Mühlen der Bürokratie das Wirrwarr des Pleiteschiffes entzerrten, und in dieser Zeit blieb die russische Mannschaft an Bord ihres Schiffes im Hafen von St. John’s – immerhin einige Monate lang. Die Neufundländer nahmen sich der gestrandeten Seeleute an und bereiteten ihnen ein rauschendes Weihnachtsfest, Geschenke inklusive.

 

Steile Wohnviertel entlang der Hafeneinfahrt von St. John’s © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

St. John’s ist, wie die meisten Siedlungen Neufundlands an der Küste entstanden. Sie liegt an einem geschützten Hafen, den John Cabot am 24. Juni 1497 im Auftrag des englischen Königs entdeckt haben soll. Ob’s stimmt, dass er hier erstmals nordamerikanischen Boden betreten hat, darüber streiten sich die Historiker bis heute. Es gibt noch andere Orte, die diese Ehre für sich beanspruchen. Unbestreitbar jedoch ist, dass die ersten Siedlungen in Neufundland entlang der Küste gegründet wurden, von wo aus die Fischer hinausfuhren auf den Atlantik. Auffallend sind daher die Häuser, die an den steilen Küstenklippen errichtet wurden und sich dort nur mühselig fest zu klammern scheinen.

 

St. John’s Parlament liegt mitten im Grünen © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Wie nahe die Natur in dieser Stadt liegt, zeigt sich am Parlament der Provinz Newfoundland and Labrador. Das Gebäude liegt mitten im Grünen. Und auch die Bewohner der Stadt können ein Lied davon singen: Bernadette erzählt uns von ihrer Schwester, die in Portugal Cove, einem Vorort von St. John’s, ein Haus mit Garten besitzt. Ständiger Gast ist darin ein Elch, der in der Nähe geboren wurde und seit seiner Kindheit alljährlich wieder kommt. Die Familie hat ihn inzwischen auf den Namen “Harry” getauft. Und Harry hat so seine zivilisatorischen Marotten: er liebt Spinat, und so kommt es ab und zu vor, dass frisch gekaufter Spinat, der eigentlich für den Familientisch vorgesehen war, im Magen des groß geratenen “Haustieres” landet. Außerdem mag Harry den Luxus der Stadt: wird der Rasen im Garten der Familie gegossen, kommt Harry regelmäßig, um dort eine sommerliche Dusche zu nehmen.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung von Tourism St. John’s, Tourism Newfoundland & Labrador und der Canadian Tourism Commission. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text: © Monika Fuchs, TravelWorldONline
Fotos: © Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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