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Boston Tea Party 1773

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Segelschiffe auf dem Charles River heute © Copyright Greater Boston CVB

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Bostoner Teeparty 1773

Nachdem die britische Regierung seit 1765 Steuern von den amerikanischen Kolonisten verlangte bzw. Zölle auf Produkte erhob, die in die Kolonien importiert werden sollten, ohne den Siedlern die Möglichkeit zu bieten, ihre eigenen Repräsentanten zu wählen, nahmen die Proteste der Amerikaner gegen die Besteuerung zu. ("No taxation without representation"). Die Regierung hob schließlich alle Steuern und Zölle wieder auf mit Ausnahme des Zolls für Tee.

Die amerikanischen Patrioten weigerten sich daraufhin, Tee von britischen Schiffen zu kaufen, und bevorzugten stattdessen geschmuggelten niederländischen Tee.

Der weitgehende Wegfall des nordamerikanischen Marktes brachte die Ostindiengesellschaft alsbald in arge Bedrängnis, so dass sogar ihr Bankrott kurz bevorstand. Unverkaufter Tee verrottete tonnenweise in Londoner Lagerhäusern. Die britische Regierung konnte sich eine solche Entwicklung aber in keiner Weise leisten, auch weil die Gesellschaft aus eigenen Ressourcen die britischen Kolonialtruppen in Indien unterhielt.

Um den Ruin der Gesellschaft zu vermeiden, beschloss das britische Parlament im Mai 1773 auf Betreiben von Premierminister Frederick North den so genannten Tea Act. Durch ein Absenken des Endpreises sollte dabei der Tee-Verkauf und damit der Profit der Ostindiengesellschaft in den Kolonien wieder erhöht werden. Kurioserweise konnte man sich zum Erreichen dieses Ziels jedoch nicht auf den simpelsten Weg der Aufhebung der nordamerikanischen Importzölle, die eigentlicher Auslöser der Misere waren, einigen. Statt dessen wurden die von der Ostindiengesellschaft beim Import nach England zu entrichtenden Zölle beseitigt. Außerdem erhielt diese nun größere Autonomie bei der Abwicklung ihres Handels und konnte beispielsweise auf amerikanische Zwischenhändler beim Absatz ihres Tees verzichten.

Im Verhältnis zu den nordamerikanischen Kolonien führte der Tea Act aber zu einer entscheidenden Eskalation. Die Ostindiengesellschaft wäre jetzt nämlich in der Lage gewesen, den Endpreis des trotz allem weiterhin mit den nordamerikanischen Importzöllen belasteten Tees so stark zu senken, dass dieser in den Kolonien sogar billiger hätte verkauft werden können als der weit verbreitete niederländische Schmuggel-Tee.

Darin erblickte man in Nordamerika aber den Versuch, die Boykottbewegung gegen die als unberechtigt angesehenen Zölle zu unterlaufen und dadurch einen Keil zwischen die eher von prinzipiellen und die eher von ökonomischen Überlegungen geleiteten Kolonisten zu treiben. Außerdem sahen einflussreiche nordamerikanische Zwischenhändler ihre Interessen durch die im Tea Act vorgesehene Möglichkeit des direkten Endverkaufs durch die Ostindiengesellschaft verletzt. Man befürchtete die Einrichtung eines Handelsmonopols auch innerhalb der Kolonien. Schließlich wurde argumentiert, erwartete Mehreinnahmen der Krone durch die Importsteuern würden direkt zur Finanzierung von Institutionen der königlichen Gouverneure herangezogen werden und dadurch die Selbstregierung durch die kolonialen parlamentarischen Versammlungen ausschalten.

Der Zusammenfall der Interessen der amerikanischen Teeimporteure und -händler einerseits und der Sons of Liberty, Gegner einer Gängelung durch britisches Parlament und Regierung, andererseits, führte zu dem Entschluss, Landung und Verkauf des verbilligten Tees der Ostindiengesellschaft unter allen Umständen zu verhindern. Ihre zwischen den einzelnen Kolonien koordinierten Appelle an die Kapitäne von Lotsenschiffen, mit englischem Tee beladene Schiffe nicht mehr in die Häfen zu navigieren, war größtenteils erfolgreich.

Die Boston Tea Party vom 16. Dezember 1773

Anders verhielt es sich jedoch in Boston, wo am 28. November 1773 die Dartmouth, das erste von vier von der Ostindiengesellschaft dorthin entsandten Schiffen, mit einer Ladung billigen Tees vor Anker ging. Gegner der Krone wie John Hancock (der selbst kräftig am Schmuggel mit niederländischem Tee verdiente) und Samuel Adams waren entschlossen, die Entladung des Tees unter allen Umständen zu unterbinden - auch durch entsprechende Drohungen gegen Schiff und Kapitän sowie gegen Hafenarbeiter.

Andererseits erklärte Gouverneur Thomas Hutchinson, die Dartmouth unterliege seit dem Einlaufen im Hafen der Jurisdiktion des Bostoner Zollamtes. Er verbot dem Kapitän Francis Rotch, dem als Miteigentümer des Schiffes an einer friedlichen Lösung des Konflikts gelegen war, daher, das Wiederauslaufen ohne Zahlung der angefallenen Importzölle. Hutchinson ordnete die Royal Navy an, jeden Versuch der Dartmouth, den Hafen zu verlassen, notfalls gewaltsam zu unterbinden und kündigte Zwangslöschung und -verkauf des Tees an, falls die Abgaben nicht innerhalb von drei Wochen entrichtet würden. Dabei spielten auch private Motive eine Rolle, denn zwei von Hutchinsons Söhnen hatten als Agenten der Ostindiengesellschaft ein direktes Interesse am Verkauf des Tees.

Kurz vor Ablauf von Hutchinsons Ultimatum eskalierte am Abend des 16. Dezember 1773 schließlich die Situation. Bei einer Versammlung der Sons of Liberty im Old South Meeting House feuerte Samuel Adams die Anwesenden mit dem Hinweis auf die in wenigen Stunden bevorstehende Entladung des Tees von der Dartmouth an. Die Versammlung entsandte daraufhin Kapitän Rotch mit einer letzten Petition zu Gouverneur Hutchinson, welche die bereits zuvor erhobene Forderung wiederholte, der Dartmouth und den zwei zwischenzeitlich angekommenen Schiffen Eleanor und Beaver das Wiederauslaufen ohne Entladung des Tees und Zahlung der Zölle zu ermöglichen. Gouverneur Hutchinson wies die Petition jedoch zurück.

Als Rotch dies den im Meeting House versammelten Menschen mitteilte, liefen ca. 50 Teilnehmer des Treffens, die sich größtenteils aus Protest gegen die Kolonialregierung als Mohawk-Indianer "verkleidet" hatten, unter Kriegsgeheul zum Hafen. Dort angekommen, stürmten die Männer in drei Gruppen die drei Schiffe und kippten die gesamte Ladung von immerhin 45 Tonnen Tee ins Wasser. Tausende Zuschauer sahen der vom Mondlicht beleuchteten, mehrstündigen, spektakulären, aber völlig gewaltfrei ablaufenden Aktion feierlich vom Ufer aus zu ohne einzugreifen. Obwohl ihre unterstützende Haltung außer Zweifel stand, blieben Anfeuerungsrufe für die 'Mohawks' die Ausnahme. Versuche einzelner Personen, sich unter die Männer auf den Schiffen zu mischen und dort Teeblätter für den privaten Konsum in die Taschen zu stecken, wurden unterbunden.

Der britische Admiral John Montague, der die Szene vom Haus eines Freundes am Hafen aus beobachtet, aber ebenfalls nichts unternommen hatte, soll den abziehenden Beteiligten nach Ende der Aktion zugerufen haben: "Das war ein netter, spaßiger Abend, den ihr mit eurem Indianer-Streich hattet, Jungs, aber vergesst nicht, dass ihr die Zeche noch nicht bezahlt habt." Angeblich schwenkte daraufhin einer der 'Mohawks' sein Beil und antwortete Montague mit den Worten: "Machen Sie sich diesbezüglich keine Sorgen, Euer Hochwohlgeboren. Wenn Sie nur so freundlichst wären, herunterzukommen, können wir die Rechnung in zwei Minuten begleichen."

Der insgesamt äußerst disziplinierte Ablauf der Aktion, an deren Ende die Männer die Schiffe säuberten und sich sogar noch bei den Hafenwachen für ein einziges aufgebrochenes Schloss entschuldigten, spricht für deren sorgfältige Planung. Tatsächlich war eine Zerstörung des Tees bereits mehrmals auf den in den Wochen zuvor abgehaltenen Bürgerversammlungen aus der Menge heraus angeregt worden, jedoch hatte sich nur einer der führenden Männer der Sons of Liberty die Forderung zu eigen gemacht.

John Adams vermerkt zu den Ereignissen des 16. Dezember 1773 in seinem Tagebuch:

"Gestern Abend wurden drei Ladungen Bohea-Tee ins Meer geschüttet. Heute Morgen segelte ein Kriegsschiff los. Dies ist die bisher großartigste Maßnahme. Dieses letzte Unternehmen der Patrioten hat eine Würde (...), die ich bewundere. Das Volk sollte sich nie erheben, ohne etwas Erinnerungswürdiges zu tun - etwas Beachtenswertes und Aufsehen erregendes. Die Vernichtung des Tees ist eine so kühne, entschlossene, furchtlose und kompromisslose Tat, und sie wird notwendigerweise so wichtige und dauerhafte Konsequenzen haben, dass ich sie als epochemachendes Ereignis betrachten muss."
- John Adams: Diary and Autobiography of John Adams, 17. Dezember 1773

Der Sekretär der St. Andrews Lodge gab am Abend des 16. Dezember 1773 zu Protokoll, die Loge habe ihre Versammlung auf den nächsten Abend vertagt und schrieb als Begründung über die gesamte Seite ein großes "T".

Die Boston Tea Party wurde zum Vorbild einer ganzen Reihe ähnlich ablaufender Aktionen in den folgenden Monaten auch in anderen nordamerikanischen Kolonien. Wanderhändler, die vermeintlich englischen Tee verkaufen wollten, wurden dabei wiederholt gezwungen, ihre Waren zu verbrennen. In Weston, Massachusetts, wurde ein Wirtshaus von einem Trupp als Indianer verkleideter Bürger demoliert, nachdem dem Besitzer nachgesagt worden war, er würde Bohea-Tee der Ostindiengesellschaft verkaufen. In größeren Städten versammelten sich Bürger um ihre privaten Teevorräte öffentlich Scheiterhaufen zu überantworten und dabei Schwüre gegen den weiteren Konsum des Getränks abzulegen. In Zeitungen erschienen Artikel, in denen Bohea-Tee für die Gesundheit abträgliche Eigenschaften nachgesagt wurden. Der offizielle (also zollrelevante) Import von Tee in die amerikanischen Kolonien fiel vom bereits niedrigen Niveau des Jahres 1773 in den folgenden zwölf Monaten um über 90%.

Die Provokation der Tea Parties und der anderen Widerstandsaktionen konnte sich die britische Regierung nicht bieten lassen. Nur "neuengländische Fanatiker", bemerkte Premierminister Lord North, könnten sich einbilden, von verbilligtem Tee unterdrückt zu werden. Im Parlament in London kam die Forderung nach einer Strafaktion gegen Boston, gar nach einer Zerstörung der Stadt auf. Edmund Burke, der bedeutende Staatstheoretiker und Debattenredner, stand mit seinem Appell zur Mäßigung und der Forderung nach dem Zugeständnis an die Kolonien, sich selbst besteuern zu dürfen, isoliert da.

Die Regierung von Lord North erhob eine Reihe von Gesetzen bekannt unter dem Namen Intolerable Acts. Diese beinhalteten die Schließung des Hafens von Boston und die Einschränkung der Freiheiten der Kolonien, insbesondere diejenigen von Massachusetts. Die Vertreter aus zwölf Kolonien trafen sich darauf vom 5. September bis 26. Oktober 1774 in Philadelphia zum ersten Kontinentalkongress, der empfahl, eine eigene Miliz, die Kontinentalarmee, zu bilden und ökonomische Sanktionen gegen Großbritannien zu verhängen. Die weitere Eskalation des Konfliktes führte ab April 1775 zum Ausbruch des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges.
Quelle: Wikipedia © Copyright Autoren

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