» » » » » Das maritime Erbe in Montreal am Sankt Lorenz Strom

Das maritime Erbe in Montreal am Sankt Lorenz Strom

Montreal Skyline, Copyright Oknidius, Flickr CC BY 2.0

 

Montreal am Sankt Lorenz Strom

Eigentlich bringt man Montreal nicht mit dem Meer in Verbindung. Immerhin liegt der Atlantische Ozean 1600 Kilometer von der Metropole in Quebec entfernt. Trotzdem erhält man rasch einen anderen Eindruck, wenn man an der Uferpromenade von Montreal entlang bummelt. An den Kais wimmelt es nur so von Booten, Yachten, Ausflugsbooten und sogar Kreuzfahrtschiffen. Sicher, die Stadt liegt auf einer Insel, was schon einmal ein Grund für die zahlreichen Boote ist. Yachten und Ausflugsboote können auch nahe gelegene Ziele am Sankt Lorenz Strom ansteuern. Aber Kreuzfahrtschiffe und große Containerschiffe? Damit rückt das Meer eindeutig näher. Und das hat seinen guten Grund. Gelangen diese doch heute ganz einfach über den St. Lorenz Strom hierher.

Das maritime Montreal – stimmt das?

Und dieser wird nur 270 Kilometer entfernt von hier immer breiter. Ab Quebec City öffnet sich der Mündungstrichter des Sankt Lorenz Stroms so weit, dass man je weiter man nach Osten gelangt, das gegenüberliegende Ufer des Stroms nur noch erahnen kann. So hat man auf einer Fahrt entlang des Sankt Lorenz Stroms bald das Gefühl am Meer zu sein, und es ist also kein Wunder, dass hochseetüchtige Schiffe den Hafen von Montreal erreichen. Dieser ist das ganze Jahr über den Schifffahrtskanal des Sankt Lorenz Stroms zu erreichen. Ja, auf der Website des Port of Montreal heißt es sogar, dass der Winter die geschäftigste Zeit im Hafen der Stadt sei. Seit 1964 hält die kanadische Küstenwache die Fahrrinne im Sankt Lorenz Strom bis Montreal mit Eisbrechern frei. Bis die Schiffe den Hafen von Montreal erreichen, müssen sie keine Schleusen überwinden. Erst hinter den Wasserfällen von Lachine wird die Navigation auf dem Sankt Lorenz Strom schwieriger. Die Schleusensysteme des St. Lorenz Seewegs verbinden Montreal mit den stromaufwärts gelegenen Regionen Kanadas und der USA.

 

Lachine Canal Surfer
Lachine Canal Surfer, Copyright Ran Zwigenberg, Flickr CC BY 2.0

 

Die Stromschnellen von Lachine

Die Lachine Stromschnellen waren für die Entwicklung der Stadt von großer Bedeutung. Schon die Irokesen hatten an den Wasserfällen ein großes Dorf errichtet, Hochelaga, das in den ersten Berichten über diese Region häufig erwähnt wird. Und auch die Franzosen erkannten schnell die wichtige strategische Bedeutung dieser Stromschnellen im Sankt Lorenz Strom. An dieser Stelle wird der Fluss schlagartig um etliche Meter tiefer, so dass die nachströmenden Wassermassen ins Wirbeln gebracht werden und stehende Wellen entstehen, die für die Kanus der Pelzhändler genauso unüberwindlich waren wie für moderne Schiffe heute. Erst als 1825 der Lachine Kanal eröffnet wurde, konnten Kanus und Schiffe die trügerischen Stromschnellen auf dem Wasserweg umfahren. Später übernahm der Sankt Lorenz Seeweg diese Aufgabe, und heute können hochseetüchtige Schiffe über die Schleusen dieser künstlichen Wasserstraße bis ins Zentrum des amerikanischen Kontinents fahren.

Die Stromschnellen von Lachine haben heute ihre Bedrohlichkeit verloren und werden gerne von Surfern für einen Ritt auf den Wellen genutzt. Unterhalb der verschachtelten Wohneinheiten von Habitat 67 auf der Halbinsel Cité du Havre kann man ihnen auf der nach Süden gewandten Seite der Halbinsel beim Wellenreiten zuschauen. Fast scheinen sie im Wasser zu stehen, so beständig ist die Welle, die durch den Unterwasserhang entsteht.

Einst fuhren Pelzhändler hinter den Lachine Wasserfällen nach Westen

Erst hinter den Lachine Wasserfällen brachen einst Pelzhändler mit ihren großen Transportkanus nach Westen auf. Direkt am alten Lachine Kanal befand sich ein Handelsdepot, in dem die Pelze und Felle aus dem Westen Kanadas gesammelt wurden und weiter verschifft wurden zu den Verbrauchermärkten in Europa, wo das feine Unterfell der Biber zu eleganten Filzhüten weiter verarbeitet wurde.

 

Silo Number 5
Silo Number 5, Copyright Abdallahh, Flickr CC BY 2.0

 

Montreal – Hafen für Kreuzfahrer und Containerschiffe

Und auch im modernen Handels- und Kreuzfahrthafen von Montreal gibt es Hinweise auf die Bedeutung der Lachine Wasserfälle. Bis hierher transportierten einst Güterzüge Getreide und andere Produkte aus dem Mittleren Westen, die zunächst in riesigen Silos am Hafen zwischengelagert wurden. Heute ragen diese gewaltigen Getreidelager fast wie Mahnmale aus alten Tagen in die Höhe. Wer ihre Geschichte nicht kennt, tut sie leicht als hässliche Schandmale ab. Aber Silo 5 ist heute denkmalgeschützt, weil es an eine wichtige Episode in der Geschichte des Hafens von Montreal erinnert: die Waren aus dem Zentrum Kanadas wurden hier auf Containerschiffe verladen und zu ihren Zieldestinationen in aller Welt verschifft.

Auch heute noch werden Getreide, Zucker, Petroleumprodukte, Maschinen und Verbrauchsgüter per Zug angeliefert. Montreal ist bis jetzt wichtigster Bahnknotenpunkt in Kanada. Und der Hafen von Montreal ist der zweitgrößte Hafen Kanadas – nach Vancouver – und einer der größten Binnenhäfen der Welt. Pro Jahr werden hier durchschnittlich 26 Millionen Tonnen Waren verschifft.

Ein Besuch des Hafens von Montreal und der Lachine Wasserfälle lässt sich gut auf einer Rundreise durch Kanadas Osten einplanen. Mit der Geschichte des Pelzhandels befasst sich The Fur Trade at Lachine National Historic Site of Canada.

Unser Tipp für Montreal: Entdecke die kulinarische Seite von Montreal bei einem Bummel durch die Wohnviertel.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung von Tourisme Montreal und Bonjour Quebec

Text: © Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video: © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.