Burgenland Regionen an der Grenze – so lebt man dort

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Der Schlosshof von Burg Bernstein

Grenzland

Viele Burgenland Regionen grenzen gleich an mehrere fremde Länder: an die Slowakei im Norden, an Ungarn im Osten und an Slowenien im Süden. Damit haben Grenzen immer eine große Rolle in der Geschichte dieses Landes gespielt – und die war meist ziemlich dramatisch. Kein Wunder also, wenn viele seiner Bewohner das Leben im Grenzland auf ganz besondere Art und Weise geprägt hat.

 

Burg Bernstein im Grenzland
Burg Bernstein in einer der Burgenland Regionen im Grenzland

 

Alexander Berger-Almasy von Burg Bernstein mag keine Grenzen

„Ich mag keine Grenzen“, das sagt Alexander Berger-Almasy voller Überzeugung bei unserem Gespräch auf seinem Schloss im Burgenland, Schloss Bernstein im gleichnamigen Ort. Gleichzeitig erzählt er uns von den aufregenden Reisen, die er und eine ganze Reihe männlicher Vorfahren aus seiner angeheirateten Familie im Laufe der letzten Jahrhunderte unternommen haben. Dazu gehört Ladislaus Almasy, berühmter Wüstenforscher, Rennfahrer und Pilot, der die Vorlage für den Film „Der englische Patient“ lieferte.

Alexander Berger-Almasy
Alexander Berger-Almasy

Schon dessen Vater war begeisterter Reisender und zog als Ornithologe hinaus in die Welt auf der Suche nach außergewöhnlichen Vögeln. Seinen Großvater faszinierten eher die fremden Kulturen, und auch Alexander Berger-Almasy lockt die weite Welt. „Früher habe ich viele Fernreisen unternommen, aber jetzt ziehe ich Reiseziele vor, die ich mit meinem Motorrad erreichen kann“, lacht er. Dass diese durchaus nicht um die Ecke liegen müssen, zeigt sein nächstes Reiseziel. In drei Monaten bricht er auf zu einer Reise durch die slawischen Länder nach Osten durch Georgien und den Kaukasus bis in den Iran.

Burgen bewachen die Grenze in diesen Regionen im Burgenland bis heute

„Diese Reisen kann ich nur im Winter unternehmen“, meint der stolze Schloss-Besitzer und erklärt: „In den Sommermonaten empfangen wir Gäste in unserem Schloss. Aber in den Wintermonaten ist es geschlossen.“ Im Sommer betreibt er zusammen mit seiner Frau Andrea Almasy und seinem jüngsten Sohn Burg Bernstein im Burgenland als Hotel und vermietet einige der historischen Räume an geschichtsbegeisterte Gäste. Die Besucher übernachten in Gemächern, wie sie einst schon die Gäste der Almasys bewohnten, als die Schlossbesitzer lieber durch die Welt reisten. Sie sind mit echten Antiquitäten eingerichtet. Fernseher oder WLAN im Zimmer sucht man vergebens.

„Es kommt schon mal vor, dass Gäste dies nicht akzeptieren wollen. Aber die quartiere ich dann im Steigenberger Hotel ein, wo sie alle modernen Annehmlichkeiten vorfinden“, meint Alexander Berger-Almasy. Dafür besitzen seine Zimmer ein Ambiente, wie es kein modernes Hotel bieten kann: „Wir haben sogar ein kleines Schlossgespenst“, lacht er und weist auf ein winziges Püppchen, das in einer Vitrine sitzt. „Das zeige ich manchmal den Kindern unserer Gäste, und erzähle ihnen, dass es nur tagsüber so ruhig hier sitzt. Abends macht es seine Runde durchs Schloss.“ Er lacht verschmitzt: „Wenn ich am Abend meine letzte Tour durchs Schloss mache, nehme ich die Figur manchmal mit, so dass die Vitrine leer ist. Und am nächsten Tag kommen die Kinder unserer Besucher meist sehr still an den Frühstückstisch.“

 

Petar im Gespräch mit Alexander und Andrea Almasy
Petar im Gespräch mit Alexander und Andrea Almasy

 

Auf Burg Bernstein wird auf einem Kohleofen gekocht

Gekocht wird auf Burg Bernstein bis heute auf einem riesigen Kohleofen. Wir kommen in den Genuss der Kochkünste auf Burg Bernstein, als man uns zum Mittagessen eine leichte Bouillion, gebratene Steinpilze und Pfifferlinge, ein würziges Zitronenhuhn mit Erbsen, Salat und gekochtem Weizen und den besten Marillenknödeln serviert, die ich bisher in Österreich probieren durfte. „Wir kochen alle unsere Gerichte auf unserem Holzofen und sind dabei auf eine feste Essenszeit angewiesen. Daher gibt es für die Gäste um Punkt halb Acht Abendessen, und immer nur ein Menü. Eine Auswahl an verschiedenen Speisen können wir aus unserer Küche nicht anbieten“, lacht Andrea Almasy. „Ihr müsst Euch den Ofen später ansehen.“

Und tatsächlich erinnert mich die Küche von Burg Bernstein stark an die Küche meiner Großeltern, in der einst ein großer Holzofen befeuert wurde, auf dem gekocht wurde und ständig ein Topf mit heißem Wasser stand, mit dem man sich schnell eine Tasse Tee aufbereiten konnte. „Kommen Sie nur herein“, lädt Alexander Berger-Almasy einen seiner Gäste ein, der durch die Tür hereinschaut. „Mein Sohn wird sich gern um Ihre Wünsche kümmern.“

 

Der Schlosshof von Burg Bernstein
Der Schlosshof von Burg Bernstein
Hausgemachte Marillenknödel
Hausgemachte Marillenknödel
An diesem Holzofen kocht die Burgherrin
An diesem Holzofen kocht die Burgherrin
Das Wappen der Familie Almasy
Das Wappen der Familie Almasy

 

 


Burg Bernstein
Schlossweg 1
7434 Bernstein
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St. Emmerichskirche bei Inzenhof
St. Emmerichskirche bei Inzenhof

 

St. Emmerich im Burgenland

„Ihr seid nicht hier wegen der Kirche“, erklärt uns Frau Jaindl, als wir das einfache Kirchlein St. Emmerich nur wenige Meter hinter der Grenze zwischen dem Burgenland und Ungarn betreten. „Ihr seid hier, weil diese Kirche ein Symbol für die Grenzwirren zwischen Ungarn und Österreich ist, und weil sie zeigt, dass es auch anders geht.“ Frau Jaindl hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die halb verfallene Grenze, die vor dem Aufbau des Eisernen Vorhangs ein Ort war, an dem sich die Nachbargemeinden von Inzenhof auf Burgenländer Seite und Rönök auf ungarischer Seite immer wieder zu gemeinsamen Festen und Feierlichkeiten trafen.

„Wir haben gemeinsam Pfingsten und andere Feste im Jahresablauf gefeiert“, erzählt uns Frau Jaindl. „Da spielte es keine Rolle, woher man kam. Es entstanden Ehen über die Grenzen hinweg. Erst als Ost und West voneinander getrennt wurden, war es damit vorbei.“ Plötzlich patrouillierten Grenztruppen durch den Wald. Und ganze Familien wurden vertrieben. „Der Pfarrer von St. Emmerich erhielt eine Nachricht, dass er einen seiner Kollegen durch Falschaussage ins Gefängnis bringen sollte, und er weigerte sich. Daraufhin kam er erst einmal ins Gefängnis, und erst nach einiger Zeit gelang ihm die Flucht“, berichtet Frau Jaindl. „Er kehrte noch einmal zu seiner Kirche zurück und floh an dieser Stelle ins Burgenland. Als ich ihn vor einigen Jahren traf, zeigte er mir den Baum, an dem er sich niederkniete und Gott für seine Rettung dankte.“

 

Fenster im Altarraum
Fenster im Altarraum
Restauriertes Kapitell
Restauriertes Kapitell
Der Chor in der St. Emmerichskirche
Der Chor in der St. Emmerichskirche

 

Im Grenzland zu Ungarn verfiel die Kirche

Im Laufe der Zeit verfiel die St. Emmerichskirche immer mehr. Fotos im Kirchenraum zeigen, dass vor wenigen Jahren nur noch die Außenwände standen und das Gebäude einzufallen drohte. Das konnte Frau Jaindl nicht zulassen und machte sich noch zu Zeiten kommunistischer Herrschaft in Ungarn an die Arbeit, diese Kirche zu retten. Sie zog immer wieder zu den Bischöfen ihres Bistums und ersuchte sogar den Papst um Unterstützung. Dabei erhielt sie Beistand von Priestern aus dem ungarischen Nachbarland, die sich an die übergeordneten Instanzen in ihrer Region wandten. Frau Jaindl gründete einen Verein zum Wiederaufbau der St. Emmerichskirche, und schließlich gelang das, was bis dahin für unmöglich gehalten wurde: Spendengelder wurden gesammelt, und die Unterstützung auf beiden Seiten der Grenze machten es möglich, dass St. Emmerich heute restauriert ist und wieder als Gotteshaus dient.

„Nach der Öffnung der Grenze können wir heute wieder mit unseren Nachbarn gemeinsame Feste feiern. Es ist so schön, dass an den Ständen Zuckerwatte verkauft wird, und wir bis in die Abendstunden hinein beieinander sitzen können. Ich habe in der Kirche einen alten Mann aus den USA getroffen, der mir erzählt hat, dass seine Tochter hier ihre Hochzeit feiern wird. ‚Wir haben wieder eine Heimat‘, meinte er zu mir. ‚Ich bin in einem Haus aufgewachsen, das nur wenige Meter von hier stand. Es existiert heute nicht mehr, aber die Kirche symbolisiert für mich meine Heimat,'“ so erzählt sie die Geschichte von Leuten, die sie in „ihrer“ Kirche im Wald immer wieder trifft.

 

Die Kirche an der Staatsgrenze
Typisch für Burgenland Regionen an der Grenze – Die Kirche an der Staatsgrenze

 

Die St. Emmerichskirche als Symbol der Freiheit und eines Lebens ohne Grenzen

Dass das noch immer so ist, erleben wir selbst: während sie uns die Geschichte der St. Emmerichskirche erzählt, sammelt sich eine immer größere Zuhörerschaft um uns. Und von diesen Menschen kommen Kommentare über ihre eigenen Erfahrungen, die sie in diesem Landstrich gemacht haben, als sie Ende der Achtziger Jahre über die ungarische Grenze in die Freiheit nach Westen flohen. Viele kommen hierher zurück, um sich an den Schritt in die Freiheit zu erinnern. Die St. Emmerichskirche ist tatsächlich mehr als eine Kirche: sie ist ein Symbol für die Freiheit und ein Leben ohne Grenzen.


St. Emmerichskirche
Durch Inzenhof durchfahren in Richtung Ungarn. Über einen Waldweg (rechts abbiegen) erreicht man die Kirche auf ungarischer Seite direkt hinter der Grenze.


Grenzen entstehen in den Köpfen der Menschen

Grenzen sind bei den Menschen, die wir auf dieser Reise durchs Burgenland kennengelernt haben, da, um sie zu überwinden. Auch wenn sie Alexander Berger-Almasy und Frau Jaindl Grenzen vielleicht anders definieren, so setzen sich doch beide auf ihre Weise dafür ein, diese nieder zu reißen – der eine auf seiner Burg, auf der er die Grenzen zwischen Vergangenheit und dem Jetzt, aber auch die Grenzen auf seinen Wegen durch die Welt überwindet, die andere in ihrer Kirche, in der sie sehr reale Grenzen zwischen zwei konträren Systemen nieder reißt und heute dafür kämpft, dass dies in den Köpfen der Menschen ebenso stattfindet. Wir haben auf dieser Reise faszinierende Menschen kennen gelernt und freuen uns sehr über die Gespräche, die wir mit ihnen führen durften.

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Quelle für den Artikel Burgenland Regionen an der Grenze: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei Burgenland Tourismus für die Einladung zu dieser Reise. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

 

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

Burgenland Regionen an der Grenze – so lebt man dort

Monika Fuchs

Monika Fuchs und Petar Fuchs sind die Verfasser und Herausgeber des Slow Travel und Genuss Reiseblogs TravelWorldOnline Traveller. Sie veröffentlichen dieses Blog seit 2005. TravelWorldOnline ist online seit 2001. Ihre Themen sind Genuss Reisen und Weintourismus in aller Welt und Slow Travel. Monika Fuchs verbrachte während ihres Studiums einige Zeit in Nordamerika, wo sie – zum Teil gemeinsam mit Petar Fuchs – die USA und Kanada bereiste und ein Forschungsjahr in British Columbia verbrachte. Das verstärkte ihren Wissensdurst, den sie 6 Jahre lang als Abenteuer-Guide für Rotel Tours und danach 11 Jahre lang als Studienreiseleiterin für Studiosus Reisen in aller Welt zu stillen versuchte. Sie erweiterte ständig ihre Reiseregionen, aber trotzdem nagte die Neugier an ihr: „Was befindet sich hinter dem Horizont? Was gibt's in dieser Stadt noch zu entdecken? Welche Menschen sind hier interessant? Was isst man in dieser Region?“ Auf diese Fragen sucht sie nun als freie Reisejournalistin (ihre Artikel erschienen u. a. in DIE ZEIT, 360° Kanada, 360° USA, etc.), Reiseautorin und Reisebloggerin Antworten in vielen Ländern der Welt. Petar Fuchs produziert die Videos auf diesem Blog sowie auf YouTube. Monika Fuchs von TravelWorldOnline ist unter Deutschlands Top 50 Bloggerinnen 2021 Weitere Informationen über Monika und Petar Fuchs. Empfehlungen auf LinkedIn von Touristikern Weitere Empfehlungen von Kooperationspartnern und Touristikern Berufserfahrung Monika auf LinkedIn

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