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So lebten die Wikinger in L’Anse aux Meadows, Newfoundland

Ein junger “Wikinger” blickt hinaus auf die Strait of Belle Isle © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Vom Wind umtost erstreckt sich die Nordspitze Neufundlands hinaus in die schmale Meeresstraße der Strait of Belle Isle, die die Insel vom Festland von Labrador trennt. Kaum zu glauben, dass die Wikinger, die im Jahr 1000 n.Chr. die Ostküste Nordamerikas erreichten, sich eine so raue Umgebung ausgesucht hatten für ihren Siedlungsversuch in der Neuen Welt. Wenn man aber weiß, dass sie von ihren Siedlungen auf Grönland nach Westen aufgebrochen waren, ist dies verständlich, muss diese Region ihnen doch sehr vertraut vorgekommen sein. Lange wusste man nicht, wo sich Erik, der Rote und seine Gefolgsleute in Amerika niedergelassen hatten. Erst als Helge und Anne-Stine Ingstad, zwei norwegische Archäologen, 1961 bei L’Anse aux Meadows im Norden Neufundlands die Überreste einer Wikingersiedlung nachweisen konnten, kam Licht ins Dunkel der Geschichte der Wikinger in Nordamerika. Heute kann man sich dort die Originalsiedlung ansehen, und gleich nebenan in der rekonstruierten Norstead-Siedlung erleben, wie das Leben der Wikinger in Neufundland ausgesehen haben mag.

 

Mit Schiffen wie diesem überquerten die Wikinger den Atlantik
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Hölzerne Nussschalen waren es, mit denen die Wikinger sich auf die lange und gefährliche Fahrt über den Nordatlantik mit seinen Stürmen und den trügerischen Eisbergen machten. Aber sie waren erfahrene Seeleute, und da sich die Lebensbedingungen in ihrer Heimat Grönland immer stärker verschlechterten, hatten sie Grund genug, sich nach einem neuen Siedlungsgebiet umzusehen. Dabei brachen sie mit ihren ganzen Familien auf und machten sich auf den Weg nach Westen.

 

An der Strait of Belle Isle mit Blick auf Labrador © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Wahrscheinlich folgten sie der Küste von Labrador nach Süden, bis sie auf die Bucht im nördlichen Neufundland stießen, wo sie eine typische Wikinger Siedlung errichteten. Die Ingstads fanden Schmelzöfen, in denen die Wikinger Eisen schmolzen und Nägel herstellten – und damit den eindeutigen Beweis, dass diese Siedlung von den Nordmännern erbaut worden war, hatten die Ureinwohner der Gegend doch keine Kenntnis von der Eisenbearbeitung.

 

Eine Schmiedelehrling erklärt, wie die Wikinger Eisen gewannen © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

“Halt! Frauen haben hier keinen Zutritt!” So empfängt mich ein junger Rotzlöffel, als ich die Schmiedewerkstatt der Wikinger betreten will. Etwas konsterniert weiß ich zunächst nicht, wie ich mich verhalten soll, dann grinst er plötzlich verschmitzt übers ganze Gesicht, und meint: “Das war früher bei den Wikingern so.” Und ich darf offensichtlich doch ins Männerreich eindringen. Und dann erklärt er mir detailliert, wie die Wikinger einst Eisen gewannen. In eigens dafür gebauten Schmiedestellen schmolzen sie eisenhaltige Torfklumpen und gewannen so das Rohmaterial für Werkzeuge und Nägel, die sie für den Bau ihrer Unterkünfte und den Alltag an der neufundländischen Küste benötigten.

 

Konzentriert arbeitet diese Frau an ihrer Strickarbeit – mit einer Nadel © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Freundlicher geht es im Nachbarhaus zu, wo die Wikingerfrauen dabei sind, Decken und warme Kleidung und Schals herzustellen – mit traditionellen Wikingermethoden. Fleißig stricken sie mit nur einer Nadel an wärmenden Stulpen, die in den kalten Wintermonaten, aber auch den stürmischen Sommertagen sicher gern getragen wurden. Und stolz erklären Sie mir, wie die Wolle aus dem Fell der Schafe gewonnen wird und zeigen mir, wie man einen Spinnwirtel bedient, um daraus das Garn herzustellen, aus dem die bunten Decken und Strickstulpen gemacht werden.

 

Sturmumtost – die Küste Neufundlands an der Strait of Belle Isle mit Blick auf Labrador am Horizont
© Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Draußen weht inzwischen der Wind, der in dieser Gegend nur selten innehält. Von der flachen Küste blicke ich hinaus auf die Strait of Belle Isle, den schmalen Meeresarm im Gulf of St. Lawrence, und ich frage mich, was die Menschen wohl gedacht haben mögen, die versuchten, sich in dieser unwirtlichen Region ein neues Leben aufzubauen? Es ist schon erstaunlich, wozu der Mensch fähig ist, wenn es sein muss.

 

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Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung von Tourism Newfoundland und der Canadian Tourism Commission

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video:  © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

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