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Einsame Insel im Atlantik: Miscou Island in New Brunswick

Einsame Insel im Atlantik - Leuchtturm am Wilson's Point
Leuchtturm am Wilson’s Point

 

Eine einsame Insel im Atlantik? Wie hört sich das für Dich an? Ich denke bei so etwas sofort an erfrischenden Wind, der vom Meer her weht, und ich sehe Leuchttürme wie eine Fata Morgana aus dem feinen Dunst, den der Morgen über langen Sandstränden hinterlässt, in der Ferne auftauchen, bis die Sonne Kraft genug gewonnen hat, um die letzten Reste des Morgennebels zu verbrennen. Vor der Küste fliegen Schwärme von Möwen dicht über den sanft ans Ufer rollenden Wellen, und wenn sie nah genug sind, kann ich ihre kreischenden Rufe hören, die über das Wasser zu mir herüber schallen. Ich schmecke das Salz, das in der Luft liegt, und das der Atlantikwind auf meinen Lippen hinterlässt. Vor allem aber weckt das in mir ein Gefühl, nur einer von wenigen zu sein, die diese Insel bisher gesehen haben, und ich fühle mich fast wie Robinson Crusoe, der sich aufmacht, ein unbekanntes Eiland zu entdecken. Ein erhebendes Gefühl! Und ein Erlebnis, das mir in Erinnerung bleibt.

 

Einsame Insel im Atlantik - Nordostecke von New Brunswick
Nordostecke von New Brunswick

 

Miscou Island, eine einsame Insel im Atlantik

Zugegeben: bis zu unserer Reise durch die akadischen Regionen hatte ich noch nie von dieser Insel gehört. Aber das ist bei einsamen Inseln wohl so und gehört dazu, sonst würde man sie nicht als solche bezeichnen. Die Insel Miscou Island vor der Küste von New Brunswick ist zwar nicht gänzlich unbesiedelt, aber die wenigen Wohnhäuser auf diesem Eiland im äußersten Nordostzipfel der kanadischen Atlantikprovinz finden wir außer in Miscou Harbour nur entlang der Hauptstraße und in der Nähe des Strands. Im 19. Jahrhundert sollen bis zu 1500 Menschen auf der Insel gelebt haben. Heute sind es gerade noch 700, und die meisten davon leben im Hafen gleich am Beginn der Insel. Im Rest des Eilands wohnen vielleicht ein paar Fischer, oder möglicherweise handelt es sich um Ferienhäuser, die wir unterwegs sehen. Auf dem Radar deutscher und europäischer Reiseveranstalter ist Miscou Island bisher nicht aufgetaucht. Sicher liegt das auch daran, dass es außer einem kleinen Campingplatz kaum Möglichkeiten zum Übernachten auf der Insel gibt. Um auf die Insel zu gelangen, müssen wir die üblichen Touristenpfade verlassen. Die nächste größere Attraktion ist das Freilichtmuseum Caraquet, in dem wir uns tags zuvor auf die Suche nach der Renaissance der Akadier begaben. Und auch das liegt eher am Rande europäischer Touristenrouten durch die Atlantikprovinzen. Eine Insel “off the beaten path”, quasi. Abgelegen, unbekannt, und einsam.

 

Felsenbirne
Felsenbirne

 

Zu erreichen ist Miscou Island über eine zweite Insel – Lameque Island, mit der sie über eine Brücke verbunden ist. Von dieser Brücke gibt es nur eine Straße, die bis zur äußersten Spitze im Nordosten führt, und von der nur ab und zu kurze oder längere Sackgassen abzweigen, von denen die meisten an verschiedene Punkte entlang der Inselküste führen und dort enden. Auch die Hauptstraße durch die Insel ist eine Sackgasse, über die wir nach unserer Tour wieder zurück müssen.

 

Torfmoor auf Miscou Island
Torfmoor auf Miscou Island
Fleischfressende Pflanze - das Schlauchblatt
Fleischfressende Pflanze – das Schlauchblatt

 

Nach einigen Kilometern sehen wir einen Steg, der hinein führt ins Inselinnere. Wir überlegen nicht lange und halten an. So wird uns schnell klar, warum Insel kaum noch bewohnt ist: sie besteht zu einem großen Teil aus Torfmoor, das in den vergangenen 8000 Jahren in Kuhlen entstanden ist, die die letzte Eiszeit hinterlassen hat. Der Boden ist so feucht, dass wir zu Fuß nicht weit kommen. Ans Bauen ist hier schon gar nicht zu denken. Daher steht ein großer Teil von Miscou Island unter Naturschutz. Uns gibt das die Chance, uns ein wenig intensiver mit der Flora der Torflandschaft zu beschäftigen. Wir entdecken Orchideen, aber auch fleischfressende Pflanzen wie das Schlauchblatt, Sonnentau oder den gehörnten Wasserschlauch und eine Unmenge an Büschen, an denen Heidelbeeren, Cranberries und Felsenbirnen heranreifen. Am liebsten würden wir den Steg verlassen, um daran zu naschen, aber der sumpfige Boden und die überall sichtbaren Teiche und Pfützen halten uns davon ab. Im Moor zu versinken entspricht nicht unserer Vorstellung von einem schönen Aufenthalt auf einer einsamen Insel.

 

Die einsame Insel im Atlantik lockt Sportangler an
Sportangler am Atlantik

 

So fahren wir zum Ende der Straße zum Wilson’s Point, wo sich ein Leuchtturm befindet, der über die nordöstliche Ecke von New Brunswick an der Baie de Chaleurs wacht, der großen Atlantikbucht, die diese kanadische Provinz von ihrer Nachbarprovinz Quebec trennt. Die einzigen Menschen, die wir unterwegs sehen, sind eine Frau, die gerade ihre Wäsche auf der Wäscheleine vor ihrem Haus aufhängt, um den frischen Wind zu nutzen, der vom Meer hereinweht, und ein paar Angler, die ihr Lager auf dem langen Sandstrand an der Inselspitze aufgeschlagen haben. Mit Gummistiefeln oder barfuß stehen sie am Meeresrand und werfen ihre Angeln in die Wellen aus, die über die Weiten der Bucht auf sie zurollen. Ob sie schon Beute in ihren Eimern gesammelt haben, die im Sand hinter ihnen stehen, können wir von unserem Standpunkt aus nicht erkennen. Jedenfalls strengen sie sich mächtig an. Während einer von ihnen wie wild an seiner Angel kurbelt, um die Leine einzuholen, ist seine Begleiterin gerade dabei, frischen Köder am Haken anzubringen, nur um es ihm dann gleichzutun.

 

Einsame Insel im Atlantik Wilson's Point - Die Nordostecke von New Brunswick
Wilson’s Point – Die Nordostecke von New Brunswick

 

Wilson’s Point trägt seinen Namen in Erinnerung an den ersten Siedler auf Miscou Island. Andrew Wilson kam aus Aberdeen in Schottland hierher. Als katholischer Schotte erhielt er 1927 diesen Flecken Land zugewiesen. Seine Kinder heirateten französisch-sprechende Katholiken aus den umliegenden Akadiergemeinden, und so war Wilson’s Point eine zeitlang zweisprachig. Vor der Küste liegt eine winzige Insel, die als Schatzinsel bekannt ist. Angeblich haben dort Piraten ihren Schatz vergraben. Allerdings verkneifen wir uns den Ausflug dorthin, um nach dem Schatz zu suchen. Man erzählt sich, dass dieser verflucht sein soll, und wer danach sucht, verschwindet auf geheimnisvolle Art und Weise.

 

Laden am Ende von Miscou Island
Laden am Ende von Miscou Island

 

Und so kehren wir um und machen uns auf den Weg zurück nach Lameque Island und zum Festland. Nicht bevor wir uns an frischem Fisch und Hummer satt gegessen haben in einer Hummerhütte am Strand. Aber das ist eine andere Geschichte, die wir Dir noch erzählen. Unsere einsame Insel im Atlantik hat noch mehr zu bieten.



Reiseorganisation:

Anreise:

Air Canada, Condor und Icelandair fliegen von Deutschland aus verschiedene Flughäfen im Osten Kanadas an.

Mietwagen:

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Hotels:

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Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei Tourism New Brunswick für die freundliche Einladung zu dieser Reise. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos © Copyright MonikaFuchs, TravelWorldOnline

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