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Bildung im Frankreich der Zeit
Bildung war in Frankreich bis ins 17. Jahrhundert hinein nur wenigen vorbehalten. Erst als die protestantischen
Glaubensströmungen begannen, ihre Version der Bibel zu verbreiten, erkannte die katholische Kirche, dass schnelles
Handeln nötig war. Und dies musste sich sowohl auf die Ausbildung der Gläubigen als auch der Ausbilder erstrecken. Häufig fehlte es den Klerikern,
deren Aufgabe das Unterrichten war, selbst am nötigen Wissen. So entstanden zunächst Priesterseminare. Später folgten die ersten kostenlosen
öffentlichen Schulen, die ihre Hauptaufgabe darin sahen, den Katechismus zu verbreiten. Bildungsziele in NeufrankreichEingebettet in diese Entwicklung im französischen Mutterland verfolgte die Bildungspolitik Neufrankreichs drei Ziele:
In den Schulen, die zunächst in den Städten und später auf dem Land gegründet wurden, war die religiöse Unterweisung der Kinder das Hauptziel. Dabei wurde kein Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gemacht. Gleichzeitig wurde den Lehrern klar, dass es am Wissen der Massen mangelte. Jungen Leuten warfen sie ihr ausschweifendes Leben und ihre Faulheit vor und nicht zu Letzt ihre Missachtung der kolonialen Autorität. Ziel der höheren Bildung war es, ihnen die Furcht vor Gott und ein Grundwissen im Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln, das es ihnen ermöglichte, ein ehrliches Auskommen zu finden. Die Verantwortlichen erkannten, dass sie die zukünftigen Mütter als Erzieherinnen ausbilden mussten, damit diese ihre Kinder auf ein Leben vorbereiten konnten, wie es sich die kolonialen Autoritäten für ihre Siedler vorstellten. So entstanden genausoviele Mädchen- wie Jungenschulen. Die ersten Mönchsorden - Augustiner, Franziskaner, Jesuiten und Dominikaner - hatten bereits auf anderen Kontinenten Erfahrungen als Missionare gesammelt. Ab 1615 waren die ersten Rekollektenbrüder nach Amerika geschickt worden mit dem Auftrag, die
"Wilden" der Neuen Welt zu bekehren. Ihnen folgten 1625 die Jesuiten, diesen wiederum 1639 die Ursulinerinnen, die sich in Quebec niederließen,
um die Frauen der Eingeborenen und die Töchter der Kolonisten auszubilden. Weitere Orden, die sich im Laufe der Zeit in der schulischen
Ausbildung der Kolonie engagierten, waren die Sulpizianer, die Charronbrüder und die Laienschwesternschaft der Congregation Notre-Dame unter
der Leitung von Marguerite Bourgeoys, die in Montreal stationiert war. Art der AusbildungDie Bildungspolitik Neufrankreichs orientierte sich anfangs an französischen Werten. Das war nicht anders zu erwarten, denn die Orden, die diese Aufgabe übernahmen, kamen ursprünglich aus Frankreich und waren nach den dortigen Maßstäben ausgebildet worden. Nach Neufrankreich mussten alle Unterrichtsmaterialien importiert werden. Die Gelder dafür stammten von religiösen Gemeinschaften, die ihren Sitz in Frankreich hatten. Bei den Kindern der Kolonisten zeigte dieser Bildungsansatz einigen Erfolg. Anders sah es jedoch bei der Vermittlung europäischer Wertvorstellungen an indianische Schüler aus. Ein Mangel an Wissen und Unverständnis für die Kultur der Eingeborenen machten es den Lehrer unmöglich, ihr Ziel zu erreichen. Nicht nur die Unkenntnis der Eingeborenensprachen, sondern vor allem das fehlende Verständnis für die indianische Kultur verurteilte ihr Vorhaben zum Scheitern. Schulische Methoden, die sich in Frankreich bewährt hatten, wie die Unterbringung der Schüler in Internaten, bewirkten in Neufrankreich das völlige Gegenteil. Allein Marguerite Bourgeoys in Montreal konnte einige Erfolge vorweisen, weil sie ihren Schützlingen erlaubte, zu kommen und zu gehen, wann sie wollten. Dabei beharrte sie darauf, ihnen praktische Fähigkeiten wie Nähen und Stricken beizubringen. Nur wenige Indianer konnten so zum Christentum bekehrt werden. Die Indianerkinder, die bis dahin uneingeschränkte Freiheit
genossen hatten, unterwarfen sich der Schuldisziplin nur mit Widerwillen. Zudem waren die Fähigkeiten, die man ihnen in diesen Schulen
beibrachte, keineswegs auf ihre Bedürfnisse für ein Leben in der Wildnis zugeschnitten. Ihre traditionelle Ausbildung bestand in der Vermittlung
praktischer Fähigkeiten für den Ackerbau, die Jagd, den Fischfang, das Fallenstellen, die Nahrungskonservierung, das Überleben im Wald,
die Kenntnis natürliches Heilpflanzen und anderer Dinge. Rechnen, Lesen und Schreiben half ihnen nicht beim Überleben als Jäger,
Sammler oder Fallensteller. Auch die französische Sprache benötigten sie nicht, da der Pelzhandel in indianischer Sprache stattfand. Kirche und Staat und die BildungDie Bildung lag im 17. Jahrhundert in den Händen der Kirche. Bischöfe erließen Regeln, wer welche Aufgaben zu erfüllen hatte, welcher Lehrstoff vermittelt und wo neue Schulen gegründet werden sollten. Der Staat stellte den Gemeinschaften Ländereien und Seigneurien zur Verfügung und trug sein jährliches Schäuflein dazu bei, die Eingeborenenmissionen zu unterstützen. Zahlreiche Kleriker verwandten ihre Zeit und ihre persönlichen Mittel darauf, Schulen zu gründen. Einer der berühmtesten war Monseigneur de Laval, der zahlreiche schulische Institutionen in Quebec gründete. Aber auch andere schlossen sich seinem Beispiel an: Cure Lamy förderte die Nonnengemeinschaft der Congregation Notre-Dame in Sainte-Famille auf der Ile d'Orleans. Die Jesuiten gründeten ein College in Montreal, das der Staat nie unterstützte, und Cure Philippe Boucher gründete eine Schule in Levis. Staatliche Unterstützung kam unregelmäßig und war meist auf Eigeninteresse gegründet. So spendete Ludwig XIV. 1686 400
livres, um Navigatoren für die Kolonien ausbilden zu lassen. Später stellte er den Jesuiten eine größere Summe Geld zur Verfügung, damit
sie die Navigationskunst an ihrem College in Quebec unterrichteten. KnabenschulenDer Ausbildung von Jungen galt der Vorrang in den Kolonien. Sie konnten nach dem Besuch der Grundschule eine höhere Schule absolvieren und konnten den klassischen Bildungsweg einschlagen, um später als Priester, Notar oder Arzt zu arbeiten. Die Orden, die sich auf die Ausbildung der Jungen spezialisierten, waren die Jesuiten, Absolventen des Seminaire du Quebec, die Charronbrüder und die Sulpizianer. Die ersten, die 1635 eine Schule für Jungen gründeten, waren die Jesuiten. Es folgten weitere, wenn auch das Jesuitenkolleg in Quebec das einzige blieb, das sowohl Grund- und höhere Ausbildung anbot. Zunächst bestand der Lehrplan aus der Vermittlung des Katechismus, Französisch und Rechnen, später folgte die gesamte klassische Bildung. 1671 begann auf Wunsch des Königs die Ausbildung in der Kunst der Navigation. 1663 gründete Monseigneur de Laval das Seminaire de Quebec, das erste Priesterseminar der Kolonie. Auf dem Lehrplan standen die Sakramente, der Katechismus, die religiösen Zeremonien und gregorianische Gesänge. 1668 schuf Laval das kleinere Seminaire Enfant-Jesus, das Hilfsarbeiter für die Absolventen des Priesterseminars ausbilden sollte. Später wurden die Bildungsangebote an dieser Schule erweitert auf Geistes- und Sozialwissenschaften und Fachausbildung z.B. von Zimmerleuten, Malern und Bildhauern für die Dekoration von Kirchen. Weitere Schulen entstanden an der Cote de Beaupre, wo Bildhauer und Holzschnitzer ihr Handwerk lernten. Jean-François Charron - Gründer der Charronbrüder - wurde 1654 in Quebec geboren und öffnete 1692 ein Heim für Kranke und Waisen in Montreal, aus dem ein Krankenhaus mit angeschlossener Waisenschule wurde, wo Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet wurde. Ab 1718 durfte die Charronbruderschaft Lehrer für Landschulen ausbilden. So entstanden Schulen und Hospitäler im ganzen Land. Die Bedeutung der Bruderschaft nahm schnell ab, nachdem ihr Gründer verstarb. Die Krankenpflege übernahmen schließlich die Grauen Schwestern unter Marguerite d'Youville. Die Schulen blieben endgültig geschlossen. Das Seminaire de St-Sulpice von Paris schickte 1657 Priester nach Montreal, die ein Sulpizianerseminar
gründeten und 1664 die Seigneurie von Montreal erhielten. Sie stellten die Priester der Stadt, beaufsichtigten
Frauenorden wie die Hospitaliers, die Congregation Notre-Dame, Lehrer, Priester, Missionare und Entdecker. Sie weigerten sich,
ihren Nachwuchs aus den Kolonien zu rekrutieren, eröffneten aber 1666 eine Schule für Kinder. Von 1686 bis 1693 bildeten sie Laienbrüder aus, die als
Lehrer an den Schulen der Sulpizianer tätig waren. Untergebrachten waren sie in einem Haus in der Rue Notre-Dame in Montreal.
Nach nur sieben Jahren wurde dieser Laienorden wieder aufgelöst, die Sulpizianer führten ihre Bildungsarbeit aber bis ins 18. Jahrhundert
fort. MädchenschulenDie Ausbildung von Mädchen stieß in jener Zeit auf heftigen Widerstand. Zugang zu sündhaften Büchern führe zum Niedergang der Moral. Schulunterricht fördere weibliche Untugenden wie Redseligkeit, das Einmischen in Dinge, die sie nichts angingen, und Streitsucht. Daher empfahl man den Lehrern an Mädchenschulen größtmögliche Umsicht. Auch hier waren es Orden wie die Ursulinerinnen, die Hospitaliers, die Congregation Notre-Dame, die den Lehrauftrag übernahmen. 1639 kamen drei Ursulinerinnen aus Tours und Bordeaux in Quebec City unter der Leitung von Marie L'Incarnation an. Sie sollten auf Bitte der Jesuiten die Frauen und Töchter der Indianer und der Kolonisten unterrichten. Sie unterhielten eine Tages- und Internatsschule. Als die Zahlen der indianischen Schülerinnen immer stärker zurückgingen, konzentrierten sie sich im 18. Jahrhundert verstärkt auf die Ausbildung der Töchter der Kolonisten und unterrichteten sie zusätzlich in Geschichte, Erdkunde, Musik und den Naturwissenschaften. Nach der Eroberung durch die Engländer hießen sie auch deren Töchter in ihrer Schule willkommen. Weitere Ursulinerschulen entstanden in Trois-Rivieres und sogar in Louisiana. Auf demselben Schiff, mit dem 1639 die Ursulinerinnen ankamen, landeten die Hospitaliers aus Dieppe in Quebec City und gründeten dort das Hotel Dieu, an dem sie Mädchen erzogen und in der Religion unterwiesen. 1693 wurde in der Unterstadt von Quebec City das Hopital general de Quebec unter der Leitung der Hospitaliers errichtet, wo sie sich um invalide, alte und geistig behinderte Menschen annahmen. Daran angeschlossen war eine Mädchenschule, die bis 1868 Schülerinnen unterrichtete.
Ursprünglich eine Gruppe von Laienfrauen, die sich 1658 unter der Leitung von Marguerite Bourgeoys zusammenschloss, musste
die Congregation Notre-Dame auf Anweisung von Monseigneur de St-Vallier, dem zweiten Bischof der Kolonie, den Schleier nehmen und erhielten trotz der Gegenwehr
Marguerite Bourgeoys den Status eines Nonnenordens. 1760 eröffnete die Congregation Notre-Dame die erste gemischte Schule, weil nicht genügend
Kinder vorhanden waren, um getrennte Schulen für Jungen und Mädchen zu rechtfertigen. 1676 gründete die Congregation eine Schule für Töchter
der höheren und mittleren Gesellschaftsschichten in Ville-Marie, wie Montreal damals hieß, Außerdem entstand das "Ouvroir de la Providence" in
Pointe-Saint-Charles, wo ältere Mädchen als Dienstboten ausgebildet wurden. Im Laufe der nächsten hundert Jahre entstanden
unter der Leitung der Congregation Schulen in ganz Quebec. Laienlehrer (19. Jahrhundert)Erst im 19. Jahrhundert gab es neben den kirchlichen Schulen auch die Möglichkeit der Ausbildung durch Laienlehrer. Die wenigsten von ihnen hatten ein Lehrerkolleg besucht. Sie wurden aufgrund ihrer Moral vom Bischof oder seinem Vertreter ausgewählt und durften nur Kinder ihres eigenen Geschlechts unterrichten. Da Städte bereits gut mit Bildungsstätten versorgt waren, war es ihre Aufgabe in Fachschulen oder als reisende Lehrer
auf dem Lande zu unterrichten. Für viele von ihnen bot der Unterricht ein zweites Einkommen. Vor allem über die Frauen, die diese Arbeit
ausübten, weiß man nur noch sehr wenig. Sie werden manchmal erwähnt als Mädchen, die den Nonnen eine helfende Hand boten. Dauer, Methoden und InhalteUrsprünglich sollten in den Schulen moralische und christliche Prinzipien vermittelt werden. Das Einschulungsalter lag bei etwa elf Jahren, und manche blieben nur wenige Monate bis zu einem Jahr. Das war die Zeit, die für die Vorbereitung auf die Kommunion nötig war, und sie reichte aus, um ihnen die Grundbegriffe im Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen. Jene, die die Schule länger besuchten, erlernten handwerkliche Fertigkeiten: Handwerk für die Jungen, Nähen, Spinnen, Stricken und feine Stickereien für die Mädchen. Die weiblichen Schülerinnen sollten lernen, reinlich und nicht untätig zu sein. Ob ein Kind die Schule besuchte, hing von vielen Dingen ab - gehörte es der Adelsschicht, der Mittelklasse oder der Arbeiterklasse an, lebte es in städtischer oder ländlicher Umgebung, blieb es im Internat oder besuchte es die Schule als Tagesschüler, war der Schulbetreiber säkular oder ein religiöser Orden und gehörte das Kind selbst einer Religionsgemeinschaft an oder nicht. Dazu spielten die Lebensumstände in der jungen Kolonie eine Rolle: weite Entfernungen, schlechte Straßen, eine geringe Bevölkerung, das raue Klima und die ständigen Konflikte mit Indianern und zwischen Franzosen und Engländern. Wie gut die Ausbildung war, ist heute nur noch schwer festzustellen, denn eine übergeordnete Kontrolle gab es nicht. Der Schulleiter entschied, ob ein Schüler seine Ausbildung fortsetzen konnte oder nicht. In den Schulen wurden die Kinder nach Alter getrennt. In den Internaten der Ursulinerinnen und der Jesuiten wurden die Tagesschüler von den Internatsschülern ferngehalten, um "schlechte Einflüsse" zu vermeiden. Indianerkinder wurden von denen getrennt, die ihre eigene Sprache verstanden, aber kanadische und indianische Internatsschüler teilten sich Speise- und Schlafsäle und verbrachten ihre Freizeit miteinander. Die Einrichtung der Schulen war minimal und bestand nur aus dem Nötigsten. Der Unterricht konzentrierte sich auf den Einzelnen. Ein Lehrer kümmerte sich um drei bis vier Schüler, von denen jeder
sich mit anderen Dingen beschäftigte. Wenn genügend Lehrpersonal vorhanden war, konnte es sein, dass sie sich auf bestimmte Fächer spezialisierten. Wohlstand, Berufe, FinanzierungDer Wohlstand der Eltern begann im Laufe der Zeit die schulische Ausbildung der Kinder zu bestimmen. Damit wurde der Grundstein für ihren Erfolg im Leben gelegt. Bestimmte Berufe erforderten zur damaligen Zeit keine besondere Ausbildung. Um 1750 z.B. hielt der Staatsanwalt Verrier Rechtsvorträge vor jungen Leuten, die sie auf ihre Aufgaben als Assistenten für Rechtsanwälte vorbereiten sollte. Der Beruf des Rechtsanwalts selbst blieb in der Kolonie verboten. Mediziner und Chirurgen bildeten ihre Nachfolger selbst aus. Sie hatten ihre Kunst in Frankreich gelernt. Notare erlernten ihren Beruf bei einem erfahrenen Notar, indem sie Gesetze abschrieben und sich im Laufe der Zeit mit komplexeren Gesetzestexten befassten. Die Ausbildung erforderte keine Prüfung und keinen Schulabschluss. Wenige Schüler beendeten ihre klassische Ausbildung zur Gänze, weil ihren Eltern das Geld dafür fehlte. Das Seminaire
de Quebec, die Sulpizianer oder die Ursulinerinnen besaßen ihre eigenen Wohltatigkeitsfonds, die aus Spenden finanziert wurden. Bischöfe,
Priester und Wohltäter stellten Gelder aus ihrem Privatbesitz zur Verfügung, um arme Jungen und Mädchen zu unterstützen. Museum Marguerite Bourgeois, Notre-Dame-de-Bonsecours, Montreal
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