Drei Dörfer der Saone in der Franche Comté

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Ray sur Saone - Rosen an verwitterten Fassaden
Dörfer der Saone – Ray sur Saone – Rosen an verwitterten Fassaden

 

Ruhig und beschaulich sind sie, die Dörfer der Saone in der Franche Comté im Osten Frankreichs, und damit genau das Richtige für einen erholsamen Urlaub für Genießer. Wir haben einige davon erlebt auf unserer Hausboot Tour von Gray nach Scey sur Saone. Großartige Sehenswürdigkeiten sollte man sich nicht erwarten. Stattdessen sind die Dörfer der Saone die perfekten Stopps auf unserer gemächlichen Hausbootreise auf dem Fluss. Die meisten liegen etwas abseits der Hauptroute auf dem Fluss, und wir müssen Abstecher durch Seitenkanäle machen, um zu ihnen zu gelangen. Genau das macht eine Hausboottour auf der Saone zu einem perfekten Erlebnis für alle, die Erholung suchen. Wir hatten fünf Tage Zeit für unsere Reise von Gray nach Scey sur Saone und zurück und haben mehrere Dörfer entlang der Route besucht. Dadurch dass wir dazu den Hauptfluss verlassen müssen, wird auch die Rückreise abwechslungsreich und interessant. Die Dörfer der Saone sind perfekt für alle, die Slow Travel und Genussreisen lieben: Ruhe, Entspannung und Entschleunigung sind angesagt. Wer danach sucht, erliegt schnell dem Charme dieser uralten Dörfer der Saone.

So haben wir drei Dörfer der Saone erlebt

Seveux

Seveux ist das erste der Dörfer der Saone, das wir auf unserer Hausboottour kennenlernen. Wir fahren morgens gegen neun in Gray ab und erreichen am frühen Nachmittag die Marina von Savoyeux, kurz nachdem wir den aufregenden Tunnel vor Savoyeux mit unserem Hausboot, der Magnifique, durchquert hatten. Ein spannendes Erlebnis! Gleich nach dem Tunnel befindet sich die Marina, die wir nutzen wollen, um Strom und Wasser aufzutanken. Weil das Wetter so schön ist, beschließen wir, hier einen ruhigen Nachmittag zu verbringen. Die Marina und ihre Umgebung sind dafür perfekt geeignet: auf der anderen Flussseite verläuft ein schöner Radweg, der zu Ausflügen mit den Fahrrädern einlädt, die wir an Bord dabei haben. Petar und ich entscheiden uns für einen Spaziergang hinein nach Seveux, das nur einen knappen Kilometer von der Marina entfernt liegt. Simone von nach-holland.de schließt sich uns an. Hinweisschilder auf eine Bäckerei und ein Restaurant machen uns die Entscheidung in der Nachmittagshitze einfach. Denn was gibt es Verführerischeres als ein kühles Getränk nach einem Spaziergang durch eines der Dörfer der Saone?

 

Seveux eines der Dörfer der Saone
Seveux eines der Dörfer der Saone

 

Wir überqueren die Brücke über den Saone Kanal und beobachten Boote dabei, wie sie den Tunnel von Savoyeux durchqueren. Eine spannende Angelegenheit, zuzuschauen wie andere Bootsfahrer das tun. Vogelgezwitscher und die bereits erwähnten Hinweisschilder auf erfrischende Drinks locken uns schließlich weiter in Richtung Dorf. Vorbei an uralten Laubwäldern, aus denen der Gesang der Vögel sommerliche Stimmung verbreitet, nähern wir uns dem Hauptfluss der Saone, die an dieser Stelle recht breit und seicht ist. Auf einem Hügel über dem Ort taucht ein Schloss auf, dessen Wirtschaftsgebäude sich in der Nähe der Durchgangsstraße durch Seveux befinden. Beim Anblick von Bauernhöfen, vor denen zufrieden eine Herde Rinder grast, die den Schatten Jahrhunderte alter Buchen und Eichen sucht, erschließt sich uns der Charme dieses Dorfes. Hier scheint die Zeit still zu stehen.

Die Mittagshitze ist langsam vorbei, die Schatten werden länger, und die Menschen kommen aus ihren Häusern: im Bauernhof, der selbstgemachten Ziegenkäse anpreist, telefoniert gerade die Bäuerin mit dem Handy und sitzt auf einem Heuballen. Im Dorfzentrum sind ein paar Männer dabei, den hübschen Blumenschmuck um den Dorfbrunnen und den Dorfwaschplatz zu säubern. Und aus dem Café „Chez Berthe“ kommt uns der Besitzer mit ausgestreckten Händen entgegen, schüttelt uns die Hände und begrüßt uns mit einem freundlichen: „Bonjour M’sieur, M’dame“, bevor er gleich darauf in einem Auto verschwindet und davon fährt. Dieser persönlichen Einladung können wir nicht widerstehen und setzen uns an einen der Tische auf der Terrasse von „Chez Berthe“, wo wir einen Diabolo Orangeade probieren, ein kühles Erfrischungsgetränk, das intensiv nach Mandeln und Orange schmeckt. Perfekt für einen Slow Travel Tag wie diesen.

Wir schauen vorbei in der Dorfkirche, die – wie viele Kirchen in der Franche Comté – einen jener Kirchtürme besitzt, deren Dach mit wunderschönen glasierten Kacheln verkleidet ist. Im Inneren wirkt sie eher bescheiden. Verlockende Essensdüfte, die aus einem der Bauernhöfe des Dorfes zu uns herüberwehen, bringen uns schließlich dazu, zur Marina zurück zu kehren, wo wir uns in unserer eigenen Kombüse eine leckere Ratatouille zum Abendessen zubereiten.

Ray sur Saone, eines der schönsten Dörfer der Saone

Am nächsten Tag machen wir tagsüber einen Abstecher nach Ray sur Saone, eines der schönsten Dörfer der Saone, das abseits des Hauptwasserwegs liegt. Weil wir die Anlegestege nicht erkennen können, legen wir „wild“ am Flussufer an und klettern über unsere wackelige Schiffsplanke an Land. In nur wenigen Minuten sind wir im Zentrum des Dorfes mit seinen uralten Bauernhäusern, denen man das Alter ansieht. Verwittert, mit bröckelndem Putz, manche mit schiefem Dach oder zugemauerten Fenstern machen die Häuser des Ortes schnell deutlich, dass Ray sur Saone ein Dorf mit viel Geschichte ist. Darauf weist auch das Schloss hin, dass sich auf dem Berg über dem Dorf erhebt. Weil es sich in Privathand befindet und nicht für Besucher geöffnet ist, schenken wir uns den steilen Aufstieg und schauen uns lieber im Dorf um. Die französische und die Europa-Flagge sowie zwei uns unbekannte Wappen schmücken den Eingang zur „Mairie“, dem Rathaus des Dorfs. Liebevoller Blumenschmuck ziert die alten Hoftore und verwilderten Gärten.  An einem Haus am Kirchplatz ist die Eingangstür geöffnet und nur ein luftiger Vorhang hindert uns daran, ins Hausinnere zu blicken. Daneben befindet sich der alte Waschplatz des Dorfes, der von einer Arkadenhalle umgeben ist, an deren Bögen sich blühende Rosen nach oben winden. Nun fehlt nur noch eine Katze. Und tatsächlich sitzt eine im nächsten Hofeingang und leckt sich genüsslich die Pfoten.

Eine Überraschung stellt die Dorfkirche dar: nicht nur, dass ihr Kirchturm ebenfalls mit schönen glasierten Kacheln gedeckt ist. Im Inneren finden wir sehenswerte Reliefs und eine Skulpturengruppe, die die Grablege Christi darstellt. Besonders beeindruckend finde ich die Reliefs an der Kanzel, die verschiedene Heilige darstellen, und ein schönes Buntglasfenster in der Seitenkapelle.

 

Ray sur Saone eines der Dörfer der Saone
Ray sur Saone eines der Dörfer der Saone

 

Bei „Chez Yvette“ gesellen wir uns zur französischen Besatzung eines zweiten Hausboots, das im Hafen angelegt hat. Diese lassen sich das Mittagessen von Yvette schmecken, die offenbar vom Kochen etwas versteht, denn sie gibt bereitwillig Auskunft über das Rezept, das sie für ihr Karottengemüse verwendet. Genauso freundlich sind die Männer aus dem Dorf, die am Tisch hinter uns Platz nehmen. Sie grüßen lächelnd, und es scheint sie nicht zu stören, dass Fremde in ihrem Dorf zu Gast sind. Überhaupt fällt uns die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen in den Dörfern an der Saone häufig auf. Hier ist man Besuchern gegenüber gastfreundlich und hilfsbereit. Und was wir besonders zu schätzen wissen, weil das Schulfranzösisch bei allen Mitgliedern unserer Hausboot-Besatzung etwas eingerostet ist: fast überall spricht man Englisch, manchmal Deutsch. Auf alle Fälle versucht man, uns zu verstehen und sich mit uns zu verständigen. Und fast immer klappt das gut.

Nach unserem mehrstündigen Stopp in Ray sur Saone fahren wir weiter bis Scey sur Saone, wo wir zu spät im Ortszentrum ankommen, um dort noch einen Liegeplatz zu bekommen. Daher schenken wir uns die Besichtigung und fahren am nächsten Tag weiter nach

Traves in der Franche Comté

Das dritte Dorf, das wir uns auf unserer Hausboottour anschauen, ist Traves. Ähnlich wie Ray sur Saone liegt auch dieses Dorf abseits des Hauptwasserwegs auf der Saone. Um es zu erreichen, müssen wir einen einige Kilometer langen Seitenarm entlang fahren, der allein schon den Besuch dieses Dorfes wert ist. Durch dichte Laubwälder führt uns unser Weg nach Traves. Die Zweige der Buchen und Trauerweiden hängen bis zur Wasseroberfläche herunter. Manche Baumwurzeln vermitteln uns den Eindruck in einem Mangrovenwald unterwegs zu sein, und fast erwarten wir Alligatoren und Löffler zwischen den Bäumen zu entdecken. Ein Trugschluss, denn was wir sehen, sind Schwäne, Reiher und immer wieder einen schnell dahin flitzenden Eisvogel, dessen leuchtend blaues Federkleid uns die Kamera in den Händen zucken lässt. Immer aber sind sie zu schnell, als dass wir sie aufs Bild bannen können.

 

Traves eines der Dörfer der Saone
Traves eines der Dörfer der Saone

 

In Traves öffnet sich eine Bucht, in die uns der Flusswegweiser hineinweist, und wir kommen in einen sehr hübschen Hafen mit vielen gut gepflegten Anlegestellen. Wer hier tagsüber mit dem Hausboot ankommt, darf kostenlos anlegen, solange er etwas in der Bar des Ferienparks konsumiert, zu dem die Marina gehört. Genau das, was wir suchen! Zunächst begrüßen uns an unserem Steg drei Esel, die offenbar Besucher vom Fluss gewohnt sind, denn sie folgen uns, wohin wir auch gehen – immer in der Hoffnung, etwas Futter zu bekommen oder gestreichelt zu werden. An Streicheleinheiten soll es nicht fehlen, denn die drei sind einfach zu goldig.

Vor dem erfrischenden Drink schauen wir uns das Dorf an. Ziemlich steil geht der Weg hinauf zur Kirche, deren Inneres ziemlich düster wirkt. Ähnlich enttäuschend ist auch das Dorf Traves auf den ersten Blick. Erst als wir durch spazieren, entdecken wir charmante Details, hübschen Blumenschmuck und die malerische Schönheit, die halb verfallene Gebäude besitzen. Hier muss man etwas tiefer blicken, um den Charme des Dorfes zu entdecken. Daher dauert es nicht lange, bis es uns zurück zieht in die Bar an der Marina, wo wir uns unter einem Schatten spendenden Baldachin bei einem Diabolo Citron entspannen und das kostenlose WLAN nutzen, um einige Posts über unsere Social Media Kanäle zu veröffentlichen.

Genuss Reise durch die Dörfer der Saone

Unsere Hausbootreise entlang der Saone hat sich durch unsere Abstecher in die Dörfer der Saone zu einer echten Genuss Reise entwickelt. Genuss, diesmal nicht in kulinarischem Sinne, sondern in der Bedeutung von Gemächlichkeit, Erholung und Ruhe. Diese haben wir in den fünf Tagen auf der Saone genossen, so sehr, dass uns zum Schluss der Abschied schwer fiel – sowohl von unserer Crew, unserem Hausboot, das in dieser Woche zum Heim wurde, und von den hübschen Dörfern an der Saone.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei LeBoat und Tourisme Franche Comté für die Einladung zu dieser Reise. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

 

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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