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Wie die Walser von den Walliser Alpen ins Kleinwalsertal kamen

Hochzeitskrone
Die Walser Hochzeitskrone trägt man heute wieder

 

Die Namensähnlichkeit kommt nicht von ungefähr: die Walser, wie sich die Einwohner des Kleinwalsertals in Vorarlberg nennen, stammen aus den Walliser Alpen in der Schweiz. Von dort machten sich im ausgehenden 12. Jahrhundert die ersten Gruppen von Oberwallisern auf den Weg über die Pässe. Was genau die Ursachen für den Beginn ihrer beschwerlichen Wanderung über die Alpenpässe in die benachbarten Täler war, weiß man nicht. War es die wachsende Bevölkerungszahl, waren es Naturkatastrophen, Klimaveränderungen oder gar die Pest? Es gibt keine Aufzeichnungen darüber, daher kann man es nur vermuten. Auf jeden Fall zogen Walliser Familien nach Westen, Süden und Osten, wo sie sich in unwirtlichen Gegenden niederließen.

 

Walser Regionen
Hier leben heute die Walser

 

Auf meine Frage an Stefan Heim, den Archivar in Riezlern im Kleinwalsertal, warum sie für ihre Wanderungen den beschwerlichen Weg über die steilen Bergpässe wählten, erklärt mir dieser: “Das waren damals die einfacheren Wege. Über die Pässe führten die Handelswege aus dem Süden, und die Händler überquerten sie mir ihren Säumerpferden, auf deren Rücken, Salz, Mehl und Gewürze in den Norden transportiert wurden. Denkt nur an Eure Anfahrt von Oberstdorf: heute ist dieser Weg einfach. Aber Ihr habt dabei dreizehn Wasserwege überquert. Straßen, wie wir sie heute kennen, gab es damals nicht. Da waren die Wege über die Pässe die einfachere Wahl.” Sie waren hart im Nehmen, die Walliser, die durch ihre Wanderungen zu Walsern wurden.

 

Kleinwalsertal
Das Kleinwalsertal ist von Österreich und der Schweiz nur über steile Bergpässe zu erreichen.

 

Wir sind im Walser Museum in Riezlern, das sich in den zwei Stockwerken über der Tourismus Information Kleinwalsertal befindet. Dort hat man Utensilien der Walser zusammen getragen, die zeigen, dass einst das Leben an den steilen Berghängen ihren Tagesablauf bestimmte: sie züchteten Rinder und Ziegen an den Bergweiden, mähten das Gras, das sie in Heumandeln trocknen ließen und nutzten Säumerpferde für den Transport ihrer Handelswaren, die sie zu bestimmten Zeiten in der Geschichte nur über die Bergpässe nach Österreich transportieren durften.

 

Walser Stube
Eine typische Walser Stube

 

Das Kleinwalsertal weist eine Besonderheit auf: es bietet nur einen Zugang zum Tal, und der ist ausschließlich von Norden her über Deutschland zugänglich. Wer denkt, man könne das Tal durchqueren und weiter nach Österreich hineinfahren, sieht sich bald eines Besseren belehrt. Nach 17 Kilometern enden die Straßen in Baad an einem Kreisverkehr. Dahinter gibt es nur noch Wanderwege und Pfade, die zu Berghütten auf den Berghöhen führen.

 

Walserhaus
So sieht ein Walserhaus aus

 

Die einstigen Freiherren von Rettenberg erlaubten es einigen Walser Familien, die steilen Hänge des Tales als Alpe zu nutzen. Diese rodeten die Berghänge und siedelten sich im Jagdgebiet der Adligen im Breitachtal an. Sie mussten dafür Söldnerdienste leisten im Falle von kriegerischen Auseinandersetzungen und eine geringe Pacht bezahlen. Das Land wurden ihnen zugesichert, und sie konnten es in der Familie weiter vererben.

 

Tischdeko
Tischschmuck

 

Über die Wanderung der Walser gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen. Es gibt aber große Übereinstimmungen in der Mundart, im Baustil der Häuser, bei den Kirchenpatronen. Der Hl. Theodul wird heute noch am 16. August in den Kirchen im Kleinwalsertal gefeiert.

Heute gibt es im Kleinwalsertal drei Hauptorte: Riezlern, Hirschegg und Mittelberg. Von den knapp 6000 ganzjährigen Einwohnern des Tals sind etwas mehr als die Hälfte Österreicher, 45 Prozent sind Ausländer. Dabei machen die Deutschen mit 30 Prozent den größten Teil aus. Einer der Gründe dafür ist, dass das Kleinwalsertal seit 1891 durch den Zollanschlussvertrag zum deutschen Wirtschaftsgebiet zählt, obwohl es österreichisches Hoheitsgebiet ist und zum Bundesland Vorarlberg gehört.

 

Kommode
Wunderschön, oder? Die Kommode in der Guten Stube der Walser

 

Bis heute ist das Tal nur von deutscher Seite aus zu erreichen. “Wir wollen es auch nicht anders,” sagt mir einer der Wirte, den wir bei unserer Kurzreise ins Kleinwalsertal kennenlernen. “Das wäre fatal für das Tal. So kommen die Feriengäste und bleiben im Tal. Gibt es eine Möglichkeit, von hier weiter in den Süden zu fahren, nimmt der Fremdenverkehr ab. Nein, es ist gut so, wie es ist.”

 

Wanduhr
Eine Walser Wanduhr

 

Tatsächlich ist der Tourismus heute die wichtigste Einnahmequelle im Kleinwalsertal. Spielten früher noch die Landwirtschaft, die Viehzucht und die Herstellung von Käse eine wichtige Rolle, so nehmen diese inzwischen nur noch eine Nebenrolle ein. Handwerker stellen ein weiteres Standbein der Wirtschaft im Tal. Industrie konnte sich hier nie ansiedeln. Und so ist der Fremdenverkehr heute von höchster wirtschaftlicher Bedeutung in diesem faszinierenden Tal.


Wir empfehlen die Übernachtung im:

Travel Charme Hotel Ifen
Oberseitestraße 6
6992 Hirschegg
Österreich
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Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei Tourismus Kleinwalsertal für die freundliche Einladung zu dieser Reise. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

2 Responses

  1. Andreas
    | Antworten

    Hallo Monika und Peter,

    die Auswandungswelle aus dem Wallis erinnert mich stark an die aktuellen Nachrichtensendungen. Warum? Die Walser kamen möglicherweise als Flüchtlinge hierher. Vielleicht zwangen sie Überbevölkerung, Not und Elend zur Auswanderung. Es ist denkbar, dass sie unter adeligen Lehensherrn litten, die ihre Freiheit als Leibeigene einschränkten. Man weiß es nicht genau was der Grund war für ihre Auswanderung. Ich freu mich jedesmal wenn ich in eine Walsersiedlung komme. Es grenzt fast an ein Wunder, das sich die Walserkultur solange erhalten konnte. Das besondere Flair und die alpine Umgebung in diesen Siedlung inspiriert mich jedesmal wieder. Gruß Andreas

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Hallo Andreas,

      ja, das stimmt. Wir finden es auch faszinierend, dass diese Kultur bis heute ihre Eigenheiten bewahrt hat. Es liegt vielleicht auch an der Abgeschiedenheit des Tals. Schließlich ist es bis heute eine “Sackgasse”, es sei denn, man wandert über die Berge.

      Viele Grüße,
      Monika und Petar

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