Kloster Lehnin – Ort voller Geschichte

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Kloster Lehnin
Kloster Lehnin

 

Der Zugang zum Kloster Lehnin ist leicht zu übersehen. Kein Schild weist darauf hin. Hier spreche ich vom tatsächlichen Kloster, nicht vom Ort Kloster Lehnin. Fast wären wir dran vorbeigefahren auf unserer Tour durch Brandenburg. Es gibt daneben nämlich einen Ort, der denselben Namen trägt. Darin liegt das tatsächliche Kloster. Wir hatten eigentlich erwartet, das Kloster irgendwo in der freien Landschaft vorzufinden. Aber dem ist nicht so. Es liegt vielmehr mitten im Ort, und ziemlich versteckt. Nur eine schmale Gasse, die man kaum als Zufahrt erkennt, führt hinein. Dahinter sind wir dann allerdings gleich in einer anderen Welt. Keine Spur mehr von Autolärm, alltäglicher Hektik oder Einkaufsstress. Stattdessen herrscht hier himmlische Stille.

 

Königshaus
Königshaus

 

Kloster Lehnin lohnt einen Ausflug ab Berlin

Es dauert nur eine knappe Autostunde, bis man Kloster Lehnin von Berlin aus erreicht. Trotzdem bedeutet dies, in eine ganz andere Welt einzutauchen. Weit weg vom Trubel der Großstadt bietet das Kloster einen Ort der Stille. Statt der Großstadt erleben wir einen Ort, an dem wir den langen Hauch der Geschichte spüren. Die ehemalige Zisterzienser Abtei wurde zwischen 1185 und 1190 zunächst im romanischen Stil erbaut und 1262 gotisch vollendet. Während der Reformation 1542 wurde die Abtei säkularisiert. Seit 1911 befindet sich darin das Luise-Henrietten-Stift, eine kirchliche Einrichtung, die Altenbetreuung und eine Klinik anbietet. Der St. Marien Kirche sieht man noch immer ihre Zisterzienserherkunft an. Wegen ihrer schlichten Architektur erinnert sie an die Zeit, als Mönche dieses Areal bewohnten. So wie sie heute zu sehen ist, wurde sie zwischen 1871 und 1877 rekonstruiert.

 

St. Marien Kirche
St. Marien Kirche

 

Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein

In der Kirche empfängt uns eine freundliche Nonne, die uns mit Informationsmaterial über die Kirche versorgt. Der Innenraum ist schlicht. Es gibt jedenfalls nicht viel, was die Blicke auf sich lenkt. Stattdessen zeugen die Spitzbögen vom gotischen Erbe, das die Mönche hinterließen.

 

Schlichter Innenraum
Schlichter Innenraum

 

In den Stufen, die zum Chorraum führen, ist ein Baumblock eingelassen, auf dem die Gründungslegende des Klosters basiert. Er ist versteinert und stammt wahrscheinlich aus der Zeit vor 1180. Man erzählt sich, dass Markgraf Otto I. unter diesem Baum schlief. Der schlimme Traum, der ihn dabei heimsuchte, veranlasste ihn, an dieser Stelle eine geistliche Burg zu errichten.

 

Taufbecken
Taufbecken
Hauptaltar in St. Marien
Hauptaltar in St. Marien

 

Als wir schließlich das Kircheninnere wieder verlassen, fragt Petar die Nonne, die uns unsere Informationsblätter wieder abnimmt, was sie denn gut findet an ihrem Klosterleben. Ihre Antwort vergesse ich sicher nicht so schnell: „Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein.“ Zufrieden und glücklich wirkt sie auf mich.

 

Prachtvolle Backsteingotik
Prachtvolle Backsteingotik

 

Ein stiller Ort

Gleich darauf verstehe ich warum. Ein Spaziergang durch die Außenanlagen zeigt uns, warum Kloster Lehnin als einer der wichtigsten romanisch-gotischen Backsteinbauten in Brandenburg gilt. Beeindruckend und gut erhalten ist die Kirche St. Marien. Und nicht nur sie. Auch viele der dazugehörenden Gebäude auf dem Klostergelände sind im gotischen Stil errichtet. Dieses Ensemble aus passenden Baustilen versetzt uns durch seine gut erhaltene Architektur in eine andere Zeit. Unter uralten Laubbäumen, die Mitte September gerade mal die ersten Anzeichen herbstlicher Farben zeigen, ist ein Rundgang auf dem Gelände ein Genuss. Wir lassen uns Zeit, ducken uns zwischen herunterfallenden Kastanien durch, die den Herbst ankündigen.

 

Stiller Rückzugsort im Kloster Lehnin
Stiller Rückzugsort im Kloster Lehnin
Gotische Stilelemente
Gotische Stilelemente
Gotische Fenster
Gotische Fenster

 

Eine Bank unter einem alten Laubbaum lädt ein zum Ausruhen. Von dort habe ich einen guten Blick auf die Rückwand der Kirche.  Während die Sonne durch das Blätterdach über mir glitzert, bewundere ich die Steinmetzarbeiten, mit denen der rückwärtige Türbogen in die Kirche verziert ist. Daneben schließt sich eine Reihe von Spitzbogenfenstern an, die allerdings rein dekorativen Charakter haben. Denn sie sind zugemauert. Anders als die Spitzbogenfenster im Nachbargebäude. Diese sind mit schönen Backsteinintarsien verziert. Wer, wie wir, sich für gotische Architektur interessiert, sollte ausreichend Zeit mitbringen, um die vielen kleinen Details zu sehen, die es auf dem Klostergelände zu entdecken gibt. Auf jeden Fall lohnt ein Ausflug nach Lehnin für alle, die die Gotik lieben.

Impressionen vom Kloster Lehnin hat Petar in seinem Video eingefangen. Schaut mal rein!


Reiseorganisation:

Anreise:

Der nächstgelegene Flughafen ist Berlin. Möglich ist ebenfalls die Anreise per Bahn nach Lehnin (Fahrplan und Buchung*). Außerdem fahren Fernbusse* nach Berlin. Von dort könnt Ihr einen Mietwagen mieten oder mit der Bahn nach Lehnin fahren.

Mietwagen:

Günstige Mietwagen – schnell und einfach buchen!*

Unterkünfte nahe Lehnin

Hotels und Unterkünfte in Lehnin und Umgebung* könnt Ihr über unseren Partner booking.com buchen. Wir haben jedoch im sehr ruhig gelegenen Paulinen Hof Seminarhotel* einige Kilometer entfernt übernachtet, das wir sehr empfehlen können.

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Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei Tourismus Brandenburg für die Unterstützung dieser Reise. Unsere Meinung bleibt wie immer unsere eigene.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

28 Antworten

  1. Ralf Falkowski
    | Antworten

    Was für eine tolle Einstellung der Nonne, wenn es davon doch mehr auf der Welt geben würde. Ein sehr interessanter Ort, an dem ich mir vorstellen könnte mal 2-3 Tage das Schweigen zu lernen und einfach nur mit sich selbst zu sein, das würde mir sehr gefallen.

    Danke Euch für diesen Bericht und den Ort, den ich mir prompt notiert habe. Liebe Grüße
    Ralf
    Ralf Falkowski kürzlich veröffentlicht…Erinnerungen festhalten – CEWE – FotobuchMy Profile

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Ja, das fanden wir auch, Ralf. Wir waren in den letzten Jahren mehrfach in Klöstern unterwegs und haben diese Stille zu schätzen gelernt. Das sind ganz besondere Orte, auch wenn wir absolut nicht religiös sind.

      Liebe Grüße,
      Monika

  2. Marion
    | Antworten

    Hallo Monika und Petar,

    da geht es mir ähnlich wie Euch: Mit der Religion habe ich es nicht so. Aber die Atmosphäre in manchen Klostern ist oft wunderschön ruhig und friedlich. Im Spätsommer war ich im Kloster Himmerod in der Eifel – die Bilder im Inneren mit den Spitzbögen erinnern mich zum Teil etwas daran. Ein Abstecher zum Kloster Lehnin scheint sich auf jeden Fall zu lohnen.

    Liebe Grüße,
    Marion
    Marion kürzlich veröffentlicht…Sort Sol: Auf der Suche nach der Schwarzen Sonne DänemarksMy Profile

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Liebe Marion,

      ein Besuch im Kloster Lehnin lohnt sich auf jeden Fall. Wir reisen ja meist mit dem Auto aus Süden an, da ist es nur ein relativ kurzer Abstecher nach Westen, bevor wir nach Berlin weiter reisen.

      Liebe Grüße,
      Monika

  3. outdoor-hochgenuss
    | Antworten

    Mal wieder ein schöner Tipp für eine Reise nach Brandenburg, danke!

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Das freut mich sehr, wenn wir Dir als gebürtigen Brandenburger noch Tipps für Deine Heimat geben können, Thomas.

      Liebe Grüße,

      Monika

  4. Sabine
    | Antworten

    Ein schöner Ort, ich kann mir die Atmosphäre dort sehr gut vorstellen!

  5. Barbara
    | Antworten

    Ich mag solche versteckten Orte und die Möglichkeit, in Stille abzutauchen. Gerade an Berlin finde ich das so spannend, dass man doch sehr schnell komplett raus kommt. Im Großraum Stuttgart oder im Ruhrgebiet dauert das viel länger.

    Zisterzienser und noch ein bewahrter Schuss Romanik – damit habt Ihr mich! Wenn ich mal in der Gegend bin und es sich ergibt, dann fahre ich auch mal hin.

    „Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein.“ – Wie wahr!
    Barbara kürzlich veröffentlicht…Abendspaziergang in Spa, BelgienMy Profile

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Hallo Barbara,

      wir sind oft unterwegs auf der Suche nach solchen Orten und immer wieder erstaunt, wie nahe man sie oft an wirklich großen Städten findet. Gerade die Region des Hohen Fläming südlich von Berlin bietet eine ganze Reihe solcher stiller Rückzugsorte. Ein Ausflug dorthin lohnt allemal.

      Liebe Grüße,
      Monika

  6. Sabine
    | Antworten

    Hallo ihr Zwei,

    „Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein.“ – zum Beispiel nur eine Bank unter einem Baum. Dort könnte ich Stunden sitzen. Ein schöner Ort! Mich erfüllt der Blick in die Natur vollkommen. In diesem Moment bin ich glücklich. Das Kloster sieht wirklich schön aus und strahlt schon von außen sehr viel Ruhe aus.
    Herzliche Grüße
    Sabine

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Hallo Sabine,

      genau dasselbe dachte ich auch, als ich dort saß und die gotischen Fenster bewunderte. Das war so wunderbar entspannend. Es braucht wirklich nicht viel, um glücklich zu sein.

      Liebe Grüße,
      Monika

  7. Wolfgang
    | Antworten

    Hallo Monika und Petar,

    sehr schöne Impressionen und eine einfühlsame Beschreibung dieses Klosters habt ihr dem Leser geliefert. Sehr beeindruckt hat mich die Weitläufigkeit und der gute bauliche Zustand der Klosteranlage.

    Ich habe übrigens dieses Jahr in einem anderen Kloster eine ähnliche Erfahrung mit einer Nonne gemacht. Obwohl ich nicht religiös bin, hat das Gespräch mit dieser Frau einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

    Beste Grüße
    Wolfgang

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Hallo Wolfgang,

      freut mich sehr, wenn Dir unser Bericht gefällt. Das Kloster ist nach seiner Restaurierung Ende des 19. Jahrhunderts ununterbrochen „in Betrieb“. Sogar während DDR-Zeiten waren dort die Nonnen aktiv. So hat uns unsere Gesprächspartnerin erzählt, dass sogar Regierungsmitglieder der DDR sich lieber in ihrer Klinik behandeln ließen als in den ortsüblichen DDR-Kliniken, weil sie vom Mutterhaus im Westen unterstützt wurden und von dort bessere Ausstattung erhielten.

      Viele Grüße,
      Monika

  8. Kathi
    | Antworten

    Liebe Monika,

    ich finde Klöster auch sehr spannend. Hier fasziniert mich das Innere des Klosters ungemein. Obwohl eher schlicht, gefällt mir der Innenraum wirklich sehr. Wie schön, dass euch die Nonne ,,ihr“ Kloster gezeigt hat. Da wird man nachdenklich, wieviel es wirklich braucht, um glücklich zu sein…

    Viele liebe Grüsse
    Kathi

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Liebe Kathi,

      ja, dieses Kloster wirkt innen sehr schlicht. Das ist anscheinend typisch für die ursprünglichen Zisterzienserklöster, wie man uns gesagt hat. Allerdings habe ich auch schon andere Klöster der Zisterzienser gesehen, auf die diese Schlichtheit nicht mehr zutrifft, wie z.B. Stift Heiligenkreuz in Österreich. Das ist schon fast opulent im Vergleich zu diesem.

      Liebe Grüße,
      Monika

  9. Kuno
    | Antworten

    Das Kloster sieht schon durch seine Backsteine einladend und warm aus. Ich finde es immer sehr interessant sich mit dort Lebenden zu unterhalten und deren Sicht auf die Dinge zu erfahren, so wie ihr es ja auch gemacht habt. Schön finde ich auch den Verweis auf ähnliche Artikel am Ende eures Beitrags 🙂

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Danke, Kuno. Wir sind selbst gar nicht religiös, aber wir finden das Klosterleben interessant. Vielleicht gerade weil wir uns nicht vorstellen können, wie man dort lebt. Wir haben in den letzten Jahren einige Klöster besucht und sind immer wieder überrascht, wie offen man uns dort unsere – manchmal auch sehr direkten – Fragen beantwortet. Es sind faszinierende Erfahrungen, die wir dort gemacht haben. Von diesen Orten der Stille gar nicht zu reden. Das sind Erlebnisse, wie man sie sonst kaum irgendwo haben kann.

      Es freut mich sehr, wenn Dir unsere „ähnlichen Artikel“ gefallen. Das spornt an, weiter zu machen 😀

      Liebe Grüße,
      Monika

  10. Andreas
    | Antworten

    Heuer besuchte ich das Biosphärenreservat Elbe. In Brandenburg gibt es viele reizvolle Dörfer mit Backsteinhäusern. Diese zeitlose Architektur finde ich einfach schön.
    Andreas kürzlich veröffentlicht…Bad Urach | Grafensteige – Wanderung und Entdeckungen am WasserfallsteigMy Profile

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Da stimmen wir Dir absolut zu, Andreas. Die Bauten der Backsteingotik sind wirklich etwas Besonderes. Wir halten immer wieder Ausschau danach.

  11. Claudia
    | Antworten

    Hallo ihr Zwei, das ist also das Kloster, von dem Petar am Samstag in Wien berichtete. Sehr schön und macht gerade wieder einmal Lust nach Deutschland zu reisen. Liebe Grüße, Claudia
    Claudia kürzlich veröffentlicht…Der Winter kann kommen, ich bin bemantelt und was die Steingasse mit meiner Jugend zu tun hatMy Profile

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Ja, das ist es, Claudia. Es hat uns gut gefallen, vor allem als Freunde der Backsteingotik. 😀 Es lohnt einen Abstecher von Berlin aus, solltest Du mal da sein.

  12. Bine
    | Antworten

    Wo die Nonne Recht hat, hat sie Recht 😉 Das sollten wir uns alle wohl viel mehr zu Herzen nehmen, schließlich geht das auch außerhalb eines Klosters. Aber schön, dass es solche Orte der Stille noch gibt.

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Ja, nicht wahr. Sie hat mir auch gut gefallen 😀 Und Du hast Recht, solche Orte gibt’s auch anderswo. Man muss sie nur finden.

  13. Anne
    | Antworten

    Als Brandenburgerin freue ich mich immer sehr, auf Reiseblogs über meine alte Heimat zu stolpern. Falls Ihr auf eurer Brandenburgtour auch im wunderschönen Barnim Halt machen solltet, dann schaut unbedingt im Kloster Chorin vorbei.

    Viele Grüße,

    Anne

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Oh! Vielen Dank für den Tipp, Anne. Wir sind immer wieder mal in Brandenburg unterwegs. Da kommt uns Dein Tipp gerade Recht. Den merken wir uns für eine unserer nächsten Reisen vor. Herzlichen Dank dafür.

      Liebe Grüße,
      Monika und Petar

    • outdoor-hochgenuss
      | Antworten

      Hallo Anne, ja der Barnim hat viel zu bieten. Ich, Thomas, entdecke meine Heimat auch immer wieder neu. Das neue Schiffshebewerk ist wohl auch bald fertig, oder?
      Grüße aus Stuttgart!

  14. Lana_SHON
    | Antworten

    Ein sehr guter Tipp! Danke!

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