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Die kulinarische Seite von Montreal, Quebec

So schmeckt das Frühjahr in Montreal © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
So schmeckt das Frühjahr in Montreal © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Diesmal sind wir auf außergewöhnlichen Pfaden unterwegs in Montreal: wir wissen ja von unseren Reisen durch die Cantons de l’Est und durch die Ile d’Orleans, dass Quebec ein echtes Paradies für Genießer und Gourmets ist. Den frankokanadischen Hang zu gutem Essen, exzellenten Zutaten und  ausgiebigem Dinieren erleben wir immer wieder auf unseren Reisen durch die Provinz Quebec. Wer hierher kommt, sollte sich Zeit nehmen fürs Essen, denn ein mehrgängiges Mahl schlingt man nicht schnell herunter, sondern man genießt dies in Muße am liebsten mit der Familie oder mit Freunden. Dabei verrinnen oft Stunden, aber die lohnen sich. Die Speisen werden aus den frischen Produkten der Region gekocht, wobei diese eine schier überwältigende Vielfalt und Fülle aufweisen, von den unglaublichen Geschmackserlebnissen für den Gaumen ganz zu schweigen. Auf unseren Reisen durch die Provinz lernten wir bereits verschiedene Produzenten kennen und wissen, mit wie viel Liebe und Begeisterung diese ihre Produkte erzeugen: die Weine und Apfelweine Quebecs können sich mit den besten der Welt messen. Die Ile d’Orleans versorgt die Provinzhauptstadt Quebec seit Jahrhunderten mit frischem Obst und Gemüse, köstlichem Cassis oder selbst gemachter Schokolade. Und die hausgemachten Wurst-, Käse- und Geflügelspezialitäten in Quebec suchen ihresgleichen. Daher sind wir neugierig, was uns die größte Stadt der Provinz, Montreal, in dieser Hinsicht zu bieten hat.

 

Eine der typischen Straßenlaternen in Montreals Wohnvierteln © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Eine der typischen Straßenlaternen in Montreals Wohnvierteln © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Wir sind unterwegs mit Ruby Roy, einer Kennerin der kulinarischen Szene Montreals. Sie kocht selbst sehr gerne, wie sie uns erzählt, und kauft fast ausschließlich in den Märkten der Stadt ein. Ruby stammt aus einem der Stadtteile Montreals abseits des Stadtzentrums, und das ist, was sie uns zeigen will. Wir machen uns auf ins italienische Viertel unterhalb des Mont Royal. Auf unserem Weg dorthin macht uns Ruby auf die Laternenmasten entlang der Straßen aufmerksam: “Achtet mal darauf! Sie sehen nach ein paar Häuserblocks anders aus. Wenn Ihr neue Laternenmasten seht, bedeutet das, dass Ihr ein Viertel verlasst und ins nächste gelangt. Das wissen nur die wenigsten Montrealer. Die Laternenmasten sind meine Leidenschaft. Jedes dieser Stadtviertel ist eine Einheit für sich. Überall findet Ihr einen lokalen Metzger, einen Bäcker, eine Confiserie oder Chocolaterie und lokale Restaurants, die typisch für die Volksgruppe sind, die dort wohnt.” Auch das vegane Montreal gibt es, wie Mostly Amélie berichtet.

 

Riesige Auswahl an Bagels in der Boulangerie Fairmount Bagel © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Riesige Auswahl an Bagels in der Boulangerie Fairmount Bagel © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Wer hier lebt, kennt seine Nachbarn und legt beim Einkaufen gern einen Schwatz mit seinem Bäcker ein, bei dem es schon mal darum geht, was der Konkurrent im nächsten Viertel gerade wieder an Neuem anbietet. In einem Artikel über die kulinarische Szene Montreals lese ich über “den Krieg zwischen zwei Bagel-Shops”. Und Ruby zeigt uns die Boulangerie Fairmount Bagel, in der die riesige Auswahl an Bagels den Ideenreichtum des Bäckers beweisen: da gibt es Bagel mit Zwiebeln, mit Knoblauch, mit Sesam – alle mit dunklem Mehl, oder mit Mohn und hellem Mehl gebacken. Es gibt Brezel nach New Yorker Art, Bagel mit Zimt, mit Blaubeeren oder Cranberries. Die Auswahl ist schier endlos.Und immer gut.

 

Hier entsteht die "Salsa della Nonna" © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Hier entsteht die “Salsa della Nonna” © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Was wir vergeblich suchen, ist ein Supermarkt, der alles verkauft. Die gibt es nur in den großen Malls. “Aber das gehe ich nicht einkaufen”, sagt Ruby. “Ich weiß, was mir schmeckt und was ich will. Ich gehe zu meiner Charcuterie, in der ich genau die Wurst bekomme, die ich möchte. Für den Käse, den ich liebe, fahre ich sogar durch die ganze Stadt zum Atwater Market auf der anderen Seite des Stadtzentrums.” Kein kurzer Weg, wie wir selbst noch feststellen. Wer hier lebt, der achtet darauf, was er kocht und womit. Ruby nimmt uns mit zu “Bella Nonna”, wo wir die Besitzerin kennenlernen, die ihre eigenen Tomatensoßen herstellt nach traditionellen Rezepten ihrer Familie. Als wir ihr Geschäft betreten, ist sie gerade dabei, diese in Gläser zu füllen – in Handarbeit, so wie meine Großmutter es machte, als ich bei ihr als Kind zu Besuch war. Es duftet wundervoll nach Tomaten und Basilikum, den beiden wichtigsten Zutaten für ihre Soße. Und auch sie kennt Ruby. Während wir uns die verschiedenen Soßen anschauen, die in den Regalen stehen, erzählt sie ihr die jüngsten Ereignisse in ihrer Familie.

 

In diesem Laden hätte ich stundenlang stöbern können © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
In diesem Laden hätte ich stundenlang stöbern können © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Dann zeigt Ruby uns ein Geschäft, in dem ich am liebsten meine gesamte Reisekasse ausgegeben hätte: Les Touilleurs, einen Laden, in dem man alles bekommt, was man für die Küche benötigt – vom Küchenhobel über Kuchenformen, Nudelhölzer bis hin zu Schneidebrettern und sogar Rezepten. Das alles ist so schön, dass ich am liebsten meine ganze Küche damit ausstatten möchte. Die Besitzer sind eine Institution in der kulinarischen Szene von Montreal: sie veranstalten Kitchen Parties in ihrem Geschäft, auf denen sie ihren Gästen selbst Gekochtes servieren. Und wer Lust hat, kann mit ihnen auf Genießer-Reisen in andere Weltregionen gehen. Sie haben sogar ihre eigene Fernsehshow: die Les Touilleurs TV show, in der François Longpré und Sylvain Côté das Essen und die damit verbunden kulturellen Aspekte zelebrieren. Jede Show handelt von einem anderen Aspekt aus der Welt der Gastronomie, die ein Koch vor seinem Publikum in Form eines Kochkurses präsentiert. Diese Begeisterung für das Essen und Kochen spüren wir in jeder Ecke des Ladens, bis uns Ruby drängt weiter zu fahren.

 

Hier sollen Portugiesen wohnen © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Hier sollen Portugiesen wohnen © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Immer wieder passieren wir die für Montreal so typischen Wohnstraßen, an denen schmiedeeiserne Treppengeländer die steilen Außentreppen säumen, die in die oberen Stockwerke der Wohnhäuser führen. Davor liegen kleine, oft nur ein paar Quadratmeter große Gärten, an denen man, wie Ruby uns erzählt, häufig erkennen kann, welcher Herkunft die Bewohner sind: “Wenn Ihr Gärten seht mit vielen Blumen und Heiligenfiguren, dann stammen die Bewohner gewöhnlich aus Portugal.” Überprüfen können wir diese Aussage zwar nicht, aber wir entdecken tatsächlich solche Gärten auf unserem Rundgang durch die Wohnviertel Montreals.

 

In Montreal ist man gern mit dem Rad unterwegs © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
In Montreal ist man gern mit dem Rad unterwegs © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

 

Ähnlich bunt ist das Bevölkerungsgemisch, dem wir unterwegs begegnen. Nach unserer Tour mit Ruby machen wir uns selbst auf den Weg durch die Wohnbezirke der Stadt und setzen uns in eines der vielen einladenden Bistros, die wir unterwegs sehen. Da wir auf unserem Spaziergang einfach drauflos gegangen sind ohne auf Stadtplan, Straßennamen oder unsere Orientierung zu achten, fragen wir unseren netten Kellner nach dem Weg und wie lange es denn wohl dauere, bis wir von seinem Lokal zu Fuß bis in die Innenstadt kommen. Zunächst schaut er uns etwas verwirrt an, und meint dann: “Genau kann ich das nicht sagen. Ich fahre meistens mit dem Rad.” Aber er weist uns in die richtige Richtung, und nach kurzer Zeit kehrt er zurück und teilt uns mit, dass wir dafür etwa eine Stunde benötigen. Immer wieder kommt er vorbei und zeigt uns den richtigen Weg auf der Karte, und so kommen wir näher ins Gespräch mit ihm. Er erzählt uns, dass er aus Rumänien stammt und hier auf einer Reise hängen geblieben ist. Ich frage ihn, wie ihm sein Leben in Montreal gefällt, und er lacht und zeigt auf die fast kleinstädtisch wirkende Umgebung: “Hier fühle ich mich wohl. Ich habe meine Freunde hier gefunden, und mir geht es gut. Ich will hier nicht mehr weg.”

Etwas, was wir ihm sehr gut nachfühlen können. Das Montreal abseits der Sehenswürdigkeiten und Highlights ist uns sehr sympathisch, und wir können gut verstehen, dass man sich hier zu Hause fühlt.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort auf Einladung von Tourisme Montreal. Unsere Meinung bleibt unsere eigene.

Text: © Copyright  Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video: © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

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