Wo Du die Rheinauen auf einer Kutschfahrt erleben kannst

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Rheinauen auf einer Kutschfahrt durch die Rheinauen bei Monheim
Kutschfahrt durch die Rheinauen bei Monheim

 

„Drei Tage lang kommt das Wasser, drei Tage lang bleibt es und drei Tage lang fließt es wieder ab.“ Dieser Satz unseres Kutschers, Herrn Reuter von der Kaltblutzucht Reuter im Haus Bürgel in der Urdenbacher Kämpe am Rhein, bleibt mir unauslöschlich im Gedächtnis. Auf unserer #Winterglück Reise durch das Neanderland besuchten wir die Rheinauen bei Monheim südlich von Düsseldorf. Herr Reuter lud uns ein, die Rheinauen auf einer Kutschfahrt durch das Naturschutzgebiet mitten im dicht besiedelten Ballungsraum am Rhein zu erleben. Wir reisen an aus Erkrath durch eine Region, in der sich ein Ort fast nahtlos an den anderen reiht. Umso erstaunter sind wir, als wir uns kurz hinter Monheim plötzlich inmitten einer ursprünglichen und naturbelassenen Auenlandschaft befinden. Ein Kontrast, der größer nicht sein könnte! Das Auenland umgeben von moderner Urbanität!

 

Herr Reuter vor unserer Kutschfahrt durch die Rheinauen
Herr Reuter vor unserer Kutschfahrt durch die Rheinauen

 

Die Rheinauen auf einer Kutschfahrt erleben

Am Haus Bürgel, einem ehemaligen Römerkastell, das heute Gutshof, Römisches Museum und Biologische Station in einem ist, treffen wir Herrn Reuter, der mit einer zweispännigen Kutsche vor dem ehemaligen Herrenhaus auf uns wartet. Das Wetter ist für einen 9. Dezember sonnig und kühl, aber nicht so kalt, dass wir die bereit gestellten Decken benötigen. Da es in der Nacht davor geregnet hat, geht unsere Kutschfahrt erst durch wassergefüllte Schlaglöcher auf einem holprigen Feldweg. Da wir in unserer Kutsche ungewohnt hoch sitzen, klammern wir uns zunächst etwas unsicher an den Seiten der Kutsche fest, aber wir gewöhnen uns bald an das gleichmäßige Schaukeln des Zweispänners. Nur wenn eines der Schlaglöcher zu tief ist, greifen wir noch haltsuchend nach den Seitenlehnen unserer Kutschsitze.

 

Rheinauen auf einer Kutschfahrt Am Rhein
Am Rhein
Rheinauen auf einer Kutschfahrt Herr Reuter erzählt vom Hochwasser in den Rheinauen
Herr Reuter erzählt vom Hochwasser in den Rheinauen

 

Herr Reuter erweist sich als Kenner der Auenlandschaft, durch die er uns kutschiert. Kein Wunder, lebt er doch seit Jahren hier und erlebt die regelmäßigen Überflutungen der Wiesenlandschaften. Jedes Jahr wieder überflutet der Rhein die Urdenbacher Kämpe, und Haus Bürgel, wo Herr Reuter seine Kaltblüter züchtet, befindet sich mittendrin. Er kann uns genau sagen, wie hoch das Wasser steigen muss, um Haus Bürgel zu einer Insel zu machen. „Bei zehn Meter Pegelstand über Normal steht das Erdgeschoss des Herrenhauses unter Wasser und wir hoffen, dass der Pegel nicht noch weiter steigt“, erzählt er uns seelenruhig von seinem Kutschbock aus. Auf meine Frage, wie man denn mit dieser ständig wiederkehrenden Bedrohung leben kannt, lacht er und meint: „Mit einer guten Vorratshaltung und guten Nerven!“ Im Herrenhaus von Haus Bürgel, in dem Herr Reuter den ersten Stock bewohnt und in dem die Biologische Station untergebracht ist, die für die Urdenbacher Kämpe zuständig ist, sind die Nutzräume für die Bewohner und Nutzer erst ab dem ersten Stock eingerichtet. Das Erdgeschoss dient als Lager, das man bei Hochwassergefahr leert. Genauso ist es mit den Ställen. Nähern sich Hochwasserwellen über Rhein und Mosel, werden die Tiere auf höhergelegenen Höfen untergebracht. „Meine vier Töchter übernachten während des Hochwassers bei Freunden, um die Schule weiter besuchen zu können. Wir bleiben dann hier und achten auf den Hof und die Umgebung.“

 

Rheinauen auf einer Kutschfahrt Unwirkliche Morgenszenerie in den Rheinauen
Unwirkliche Morgenszenerie in den Rheinauen
Durch die Rheinauen auf einer Kutschfahrt
Durch die Rheinauen auf einer Kutschfahrt

 

Wir bekommen davon jedoch nichts mit. Für uns bedeutet die Rheinauen auf einer Kutschfahrt zu erleben vor allem eines: eine einstündige gemächliche Fahrt durch eine Landschaft, wie wir sie bisher noch nicht kennengelernt haben. In diesen Überflutungsgebieten am Rhein wachsen Auenwälder und Pflanzen, die nur hier vorkommen. Wir sind am Morgen unterwegs, während die winterliche Sonne ein gelbliches Licht durch die dahin schwindenden Nebelschwaden wirft. Dies schafft eine unwirkliche Atmosphäre, die verstärkt wird durch die Tier- und Pflanzenwelt, die wir von unserem Sitz auf der Kutsche beobachten können: ein Graureiher, der uns genauso neugierig anschaut wie wir ihn. Kleine Vögel, die so schnell an uns vorüberschwirren, dass wir sie nicht erkennen können. Besonders gespenstisch wirken die Baumriesen kanadischer Pappeln, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs hier angepflanzt wurden, um eine nahegelegene Streichholzfabrik mit Holz zu versorgen. Diese Fabrik ist inzwischen geschlossen, und es gibt keine Abnehmer mehr für die Bäume, die nach einer bestimmten Zeit ihre Zweige und Äste abwerfen. So stehen sie wie Mahnmale in der Natur und verleihen der Auenlandschaft einen geheimnisvollen Charakter.

 

Winterliche Streuobstwiesen
Winterliche Streuobstwiesen

 

Unsere Route durch die Rheinauen führt vom Haus Bürgel vorbei am Auenwald und am Rheinufer entlang, von dem wir einen schönen Ausblick auf Zons am anderen Rheinufer haben. Von dort biegen wir ab in die Urdenbacher Kämpe und fahren an Streuobstwiesen vorbei zum Altrhein, dem alten Flussbett des Rheins. Mehr als 50 verschiedene Apfel- und Birnensorten wachsen auf diesen Wiesen, die gleichzeitig als Viehweiden dienen. Im Frühjahr und Sommer müssen diese Wiesen besonders schön sein: Wiesenschaumkraut, Wiesenknopf und Herbstzeitlose wachsen darauf. Wir können noch die Schönheit des Herbstes erahnen, hat der Frost doch noch nicht die Reste des Herbstlaubs von den Bäumen fallen lassen. Diese verwunschene Landschaft kann man auch auf verschiedenen Wanderwegen erkunden.

 

Das Herrenhaus im Haus Bürgel
Das Herrenhaus im Haus Bürgel

 

Bevor uns Herr Reuter zurück zum Haus Bürgel kutschiert, dreht er noch eine kleine Runde durch Urdenbach, einen der südlichen Vororte von Düsseldorf. Der dörfliche Charakter dieses Ortes passt gut zur Landschaft der Rheinauen, und wir können uns vorstellen, wie es hier einst ausgesehen hat, als die Urbanisierung der Region noch nicht so weit fortgeschritten war wie heute. Uns hat der Ausflug durch die Rheinauen auf einer Kutschfahrt sehr gut gefallen. Einen guten Eindruck davon erhaltet Ihr in Petar’s Video:

 

 


Anfahrt mit Auto, Bus, Bahn und Fähre

S-Bahn und Bus:

Von den S-Bahn-Haltestellen Hellerhof und Garath zu Fuß in ca. 10 Minuten.

Mit der Buslinie 788 ab S-Bahnhof Benrath und ab Busbahnhof Monheim.

Fähren:

Rheinfähre Zons-Urdenbach (Auto- und Personenfähre), ganzjährig, www.faehre-zons.de

Piwipper Böötchen (Personen und Fahrräder), Saisonbetrieb, www.piwipp-boot.de

Parkmöglichkeiten:

Am Ortsausgang von Düsseldorf-Urdenbach, Drängenburger Str.

Am Ortsausgang Monheim-Baumberg, Urdenbacher Weg

Am Rheinufer in Monheim-Baumberg, Ende Klappertorstr., Anfahrt über Hauptstr.

Am Campingplatz Monheim-Baumberg, Urdenbacher Weg

Übernachtungsmöglichkeiten in der Nähe:

Übernachtungsmöglichkeiten in Monheim könnt Ihr hier buchen*


Quelle: eigene Recherchen vor Ort. Wir bedanken uns bei Das Neanderland und Nordrhein Westfalen Tourismus für die Einladung zu dieser Reise. Unsere Meinung bleibt, wie immer, unsere eigene.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video: © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

6 Antworten

  1. Zypresse
    | Antworten

    Da ward ihr grad bei mir ums Eck. Wobei ich die Urdenbacher Kämpe zu Fuß oder per Rad erkunde. Dass man dort auch eine gemütliche Kutschfahrt machen kann war mir neu. Gut zu wissen! In jedem Fall ist das ein wunderbares Fleckchen im Süden Düsseldorfs!

    • Die Kutschfahrt lohnt sich! Es hat viel Spaß gemacht, mit den Pferden durch die Rheinauen zu fahren.

  2. vielweib
    | Antworten

    Ein Stück meiner Heimat NRW wunderbar eingefangen 🙂
    vielweib kürzlich veröffentlicht…Karnevalsflucht: Lieber Kurzurlaub statt Kamelle und Pappnase?My Profile

  3. Julia
    | Antworten

    Liebe Monika, liebe Petar,

    ich hab heut Euren Beitrag, die Bilder und den Film gesehen.

    Ich muss sagen, ich bin restlos begeistert, weiß gar nicht wo ich anfangen soll und wie ich die richtigen Worte finden soll.

    Ich kenn die Urdenbacher Kämpe, die Aue, Haus Bürgel und bin auch selber schon in den Genuss gekommen mit Herrn Reuter in der Kutsche zu fahren. Es ist beeindruckend zu sehen wie authentisch die Bilder wirken und wie friedlich die Natur sich auf diesen zeigt. Ich liebe es selbst sehr, diese Friedlichkeit bei Spaziergängen zu allen Jahreszeiten zu genießen.

    Beim Lesen Eurer Texte, über diese mir sehr bekannte Gegend, hatte ich den Eindruck, mit Euch gemeinsam in der Kutsche zu sitzen. Ich hatte regelrecht einen Kloß im Hals, so sehr habe ich mich von dem was Ihr schreibt und eben wie Ihr es schreibt mitgerissen gefühlt. Auch Herrn Reuter durfte ich selbst schon einmal kennenlernen und kann nur bestätigen das er genau so ist, wie man es sehen und lesen kann. Er tut alles dafür, den Fahrgästen die Natur und die Tiere sowie auch die Geschichte dieser Gegend nahe zu bringen. Dies tut er aus vollster Überzeugung und aus seiner langjährigen Erfahren, er berichtet buchstäblich mit Leib und Seele.

    Ich danke Euch für diesen tollen Eindruck, den nun auch viele Menschen bekommen konnten, denen dieses schöne Fleckchen Erde bislang noch unbekannt ist/war. Es entspricht genau Eurem Bericht!

    Vielen Dank für diesen Moment

    Herzlichste Grüße

    Julia

    • Liebe Julia,

      herzlichen Dank für Deinen netten Kommentar. Du hast Recht, Herr Reuter hat uns sehr beeindruckt. Wir sind auf unseren Reisen immer auf der Suche nach Menschen, die ein interessantes Leben zu bieten haben, und er gehört ganz sicher dazu. Es freut mich sehr, dass Du ihn in unserem Video und dem Blogpost wieder erkennst.

      Herzliche Grüße auch von uns,
      Monika und Petar

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