Travel World Online

Yukon Life zu Favoriten hinzufügen


Yukon Life
Die Pelly Lorelei

Yukon Life Reisen Online Reiseführer

Endlich auf dem Fluss!!!!! Eine Stunde später als geplant - keine Ahnung woran das lag - fuhr ich mit Flo und Rusty 3 den Silver Trail hoch. Kurz vor Stewart Crossing begann Rusty zu ruckeln. Zuerst drehten wir einfach die Musik laute, aber da das aus vollkommen unverständlichen Gründen nicht half, schauten wir in Stewart Crossing in den Motorraum. Wahrscheinlich würde das mit der kaputten Dichtung zusammen hängen und Wolfi würde das schon richten. Mir war fast alles egal, Hauptsache ich käme nach Pelly Crossing und könnte mich ins Kanu setzen.

Der Wagen hielt bis Pelly durch. Jetzt war es sogar sonnig, alles bestens für einen guten Tourstart. Ich packte das Kanu rappelvoll, verabschiedete mich kurz von Flo und um kurz nach 14 Uhr startete ich. Ein neues Stück Fluss, das letzte, das ich vom Pelly noch nicht befahren hatte. Durch den vielen Regen war der Pelly sehr schnell geworden. Ich paddelte die ersten Kurven und ließ Brücke und Dörfchen hinter mir. Allerdings führt eine Nebenstraße teilweise an ihm entlang. Außerdem lagen zahlreiche Hütten, Fisch- und Jagdcamps am Ufer. Dunkle Wolken zogen heran und es regnete für eine halbe Stunde. Ich teilte mir den Regen mit einigen Weißkopfseeadlern und Möwen.

Die Pelly Lorelei

Nach und nach änderte sich die Landschaft. Waren es zuerst sanft geschwungene Hügel, lagen anschließend riesige Felsbrocken im Fluss und die Ufer wurden ebenfalls felsig. Ein kleiner Berg reizte mich besonders, aber ich widerstand der Herausforderung und wollte erst mal Kanu fahren. Der vorher über 50 Meter breite Pelly wurde an einer von zwei Felsen in ein schmaleres Bett gezwungen. Das sah aus wie eine Mini-Lorelei und gefiel mir ausnehmend gut. Teilweise war das Stück so wir der Thirty Mile River-Abschnitt des Yukon hinter dem Lake Laberge.

Ich versuchte mein Glück beim Angeln, hatte aber keins. Der Pelly war so schmutzigbraun, dass die Fische meine Blinker gar nicht sahen. Echte Blindfische. Die Sonne war heraus gekommen und das Paddeln machte mir mächtig Spaß. Ich hatte einen Grinsen auf dem Gesicht, das man nur mit Nuklearwaffen hätte entfernen können. Das Kanu lag gut im Wasser und ließ sich auch von schnellerem Kabbelwaser nicht aus der Ruhe bringen, so schwer war es beladen. Musste ich halt kräftig essen und trinken, damit es leichter werden würde.

Ein Bauernhof im Yukon

Kurz vor dem Ende des Pelly Rivers erreichte ich die Pelly Farm. Ich hatte schon davon gelesen und gehört, doch trotzdem war es für mich einer der erstaunlichsten Anblicke im Yukon. Mitten in der Wildnis plötzlich eine Ebene mit eingezäunten Feldern, Traktoren und Scheunen. Die Farm existiert schon seit knapp hundert Jahren und zwischen den neuen Wohngebäuden machte ich einige alte Hütten aus. Die jetzigen Besitzer sollen die Farm bereits seit über 50 Jahren haben. Es passte so überhaupt nicht hierhin und ich kam nicht richtig klar damit. Ich fasste es einfach nicht.

Kurz dahinter sah ich die großen Basaltwände und den Pelly in den Yukon münden. Ich paddelte auf die linke Flussseite. Schon von weitem sah ich zahlreiche Kanus und Kajaks am Ufer liegen. Hochbetrieb in Fort Selkirk. Ruckzuck hatte ich mein Kanu an Land, ausgepackt, alle relevanten Klamotten hoch geschleppt, das Zelt aufgebaut und das Chili zum Kochen gebracht. Am Lagerfeuer erzählte jemand Geschichten, doch ich sorgte erst für mein leibliches Wohl. Schließlich war es bereits nach 21.30 Uhr. Prioritäten setzen.

Rund 30 Personen zelteten, aber die meisten paddelten am nächsten Tag weiter, um rechtzeitig zum Musikfestival in Dawson City zu sein. In einer Ecke stand ein großes Zelt, das die Sängerinnen und ihre Familien beherbergte. Die waren größtenteils ebenfalls mit dem Kanu angereist. Am folgenden Abend sollte es nämlich ein Konzert in der anglikanischen Kirche von Fort Selkirk geben. Ich erzählte mit einigen anderen Besuchern und einem ziemlich betrunkenen Indianer, der jeden dumm anquatschte und sich als Boss der Workcrew ausgab.

Elder Don Trudeau

Am nächsten Morgen erzählte ich lange mit Don Trudeau. Er war eigentlich auf Urlaub hier, zog aber den Trunkenbold, der ein Neffe von ihm war, aus dem Verkehr. Alkohol war für die Indianer in Fort Selkirk absolut tabu. Don war halt ein "Elder" - also einer der Weisen und Erfahrenen - die großen Einfluss im Stamm besitzen. Er erzählte mir auch, dass Danny Roberts deshalb nicht in Fort Selkirk beerdigt worden war, weil seine Frau in einem Winter in Pelly Crossing gestorben und ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte, und er dann neben ihr. Allerdings sollte in diesem Jahr ein kleines Denkmal für ihn aufgestellt werden. Danny Roberts hatte Fort Selkirk erhalten, als noch kein anderer daran dachte.

Don hatte außerdem mehrere Bücher über Sitten und Gebräuche seines Stammes geschrieben, von dem ich ihm eines über den Nutzen und Gebrauch des Feuers abkaufte. Seine Frau Audrey kennen auch alle, die durch Pelly Crossing fahren, denn sie verkauft dort ihre indianischen Handarbeiten und ich hatte mich schon des öfteren gefragt, was es bei "Audrey's Creations" - so das Hinweisschild - wohl zu kaufen gab. Da hatte ich doch ein weiteres Teil des riesigen Yukon-Puzzles gefunden. Ich ging durch die Gebäude von Fort Selkirk und stieß ziemlich am Ende - oder Anfang je nach Betrachtungsweise - auf einen Pfad, der am Yukon River entlang führte. Wohl eine Stunde folgte ich ihm und ein Ende war nicht abzusehen, als ich umkehrte. Er folgte der alten Telegraphenlinie.

Ich setzte mich an meinen Laptop und schrieb. Zwischenzeitlich hatte ich es zum Aufladen des Akkus im Raum mit dem Videorecorder gelegt und als ich es abholte lagen dort noch zwei andere Laptops. Kurz vor dem Konzert kamen zwei große Voyageur-Kanus - mit sechs bis zehn Leuten besetzt wie zur großen Zeit des Pelzhandels - an und gleichzeitig setzte Regen ein. Also großer Rummel. Das Konzert begann mit einer halben Stunde Verspätung. In der Kirche saßen hauptsächlich Indianer, die alle mit dem Motorboot angereist waren, während wir Bleichgesichter alle mit dem Kanu her gepaddelt waren. Verkehrte Welt.

Kirchenmusik

Ich setzte mich nach hinten und hatte alles gut im Blick. Beim Konzert gefiel mir Kate Weeks am besten, also rein musikalisch natürlich. Die anderen, Natalie Edelson, Kim Bangs und Kim Barlow waren doch reichlich stimmlastig und melancholisch, wobei sie alle tolle Stimmen hatten. Für Unruhe sorgten ein paar Kinder sowie die Indianer, die dauernd rein und raus rannten, weil sie sich nicht so lange konzentrieren konnten. Haben bestimmt alle ADS (Aufmerksamkeit Defizit Syndrom), sind also eher Jäger als Sammler. Nach der Hälfte des Konzerts fuhren die roten Jäger alle weg und es kamen mehr weiße Sammler.

Gegen 23 Uhr wurde das Konzert mit einem gemeinsamen Liede beendet. Ich hatte ein paar Fotos gemacht und latschte dem dusseligen Fernsehfuzzy dabei mehrmals durch das Bild. Müssen sie mich eben raus schneiden. Danach fanden wir uns beim Lagerfeuer zusammen. Ich erzählte mit Hannah und ihrer Freundin, sowie Russel und seiner Frau, die auch - oh je, jetzt ist mein Ziel raus, wenn ich in Fort Yukon keine Mitfahrgelegenheit nach Old Crow finden sollte - bis zur Beringsee paddeln wollten. Allerdings hatten sie sich schon ein Loch ins Kanu gefahren und ich half mit meinem Kanuflickzeug aus. Ist ja nicht so, dass immer nur ich aus dem Graben gezogen werden muss. Manchmal ziehe ich auch raus.

Am Wochenende sollte in Dawson City Musikfestival und kein Platz mehr auf dem Campingplatz zu bekommen sein. Also fasste ich den Entschluss am Donnerstagabend sprich in drei Tagen dort zu sein und 280 Kilometer mit dem Kanu gemacht zu haben. Vor mir starteten eine Gruppe mit zwei Kanus und Jack mit seiner Familie. Frei auf dem Yukon. Ich paddelte alle die Kanäle, die ich schon immer paddeln wollte, ohne Rücksicht auf die Gruppen zu nehmen. Kürzester Weg, aber nicht der schnellste. Der lag bei dem vielen Wasser in der Hauptströmung.

Paddelmarathon

Ich paddelte und paddelte und wollte gar nicht mehr aufhören, so viel Spaß machte mir das. Der Himmel war bewölkt, es aber größtenteils trocken. Nach einer Weile überholte ich Jack und seine Familie und schließlich auch die andere Gruppe. An Menzies Location und dem Selwyn Creek vorbei. Nachdem ich vorher nur einen Weißkopfseeadler und ein Stachelschwein gesehen hatte, erspähte ich kurz vor dem Coffee Creek eine Elchkuh. Kurz dahinter campierte ich auf einer Insel. Die ersten 113 Kilometer waren in zehn Stunden geschafft.

Nach einem Sprung in den Fluss paddelte ich frisch von dannen. Hinter dem Kirkman Creek wurde es etwas zäher, die Strömung nicht mehr ganz so schnell. Das änderte sich mit dem einfliessenden White River. An der Quelle gegenüber fasste ich Frischwasser und paddelt weiter. Es war mächtig heiß geworden. Bei Stewart Island war von den Gebäuden im Vorbeifahren nichts mehr zu sehen. Dahinter ließ ich mich treiben. Auf einer Insel waren die beiden Mädels, mit denen ich in Fort Selkirk lang gequatscht hatte. Sie riefen rüber, dass sie noch Platz auf der Insel hätte. Die jungen Dinger wollte doch bestimmt nur Sex. Ekelhaft. Also rief ich rüber, dass es zu früh für mich sei (also zum campen, meinte ich damit) und paddelte weiter.

Besetzt beziehungsweise belegt

Anderthalb Stunden später suchte ich nach einem Campspot. Die erste Insel war von Kanuten belegt, die zweite auch. Der Yukon ist halt der Highway unter den Flüssen. Ich nahm die dritte Insel. Immerhin hatte ich nun schon drei Truppen überholt, die bereits am Tag vor mir von Fort Selkirk gestartet waren. Runde 90 Kilometer in neuen Stunden sollten dafür sorgen, dass ich Dawson City am nächsten Tag rechtzeitig erreichen sollte.

Den Sixty Mile und den Indian River ließ ich vorbei fliegen und gegen 17.30 Uhr war ich in Dawson. Ha ha, geschafft. Doch der Campground war jetzt schon rappelvoll und ich fand keinen Platz mehr. Kurz vor den Überresten der alten Steamer baute ich schließlich mein Zelt auf. Hinter dem Campground und damit kostenlos. Ein Partyspot von Dawson, aber da der Zugang zum Campground schon jetzt überwacht wurde und nur Autos mit gültigen Camptickets durch gelassen wurden, wohl momentan inaktiv. Denn soweit würde kein Kanadier laufen. Und sonst würde ich einfach mitfeiern.

Klondike Kate's, Gertie's und Snake Pit

Also über den ganzen Campingplatz zu Fähre, geduscht und bei Klondike Kate's gegessen. Die hatten eine ganz andere Speisekarte als sonst, alles natürlich viel teurer. Jetzt reichte es aber bald mit den Veränderungen. Auf der Waterfront Street traf ich Nicola, die mit ihrem Freund Tyson im Sommer ja in Dawson wohnt und erzählte kurz mit ihr. Danach ging ich zu Diamond Tooth Gerties Spielcasino. Schließlich würden die wahrscheinlich schon geschlossen haben, wenn ich zurück kommen würde und einmal im Sommer brauchte ich das. Nach ein Stunde Black Jack - und ab und zu nach den Tänzerinnen gucken - hatte ich noch zehn Dollar. Ich setzte alles, gewann und hatte meinen Einsatz wieder raus. Den versoff ich halt im Pit bei den Pointer Brothers.

Teilen Sie diese Seite
mit Ihren Freunden