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Oster-Tradition im Burgenland: Ostereier kratzen

Bemalte Ostereier - Oster-Tradition im Burgenland
Bemalte Ostereier – Oster-Tradition im Burgenland

 

Bemalte Straußeneier wirbeln am Rad durch die Luft. An den Forsythien baumeln rote, blaue, grüne, lila, gelbe und bunte Eier im Wind. Zwischen den Blumenrabatten im Vorgarten der Familie Stipsits schauen Osterhasen hervor. Es ist Osterzeit in Stinatz. Das bedeutet für Erika Stipsits, dass sie jetzt kaum etwas anderes tut als Eier zu verzieren. Dazu färbt sie diese und verziert sie anschließend mit Motiven.

Oster-Brauch in Stinatz, der schon über Generationen Tradition hat

Erika Stipsits in ihrer Küche
Erika Stipsits in ihrer Küche – Oster-Tradition im Burgenland

 

Gelernt hat sie das Ostereier Schnitzen von ihrer Mutter. Diese kennt es wiederum von ihrer Großmutter. In den Monaten vor Ostern arbeitet Erika Stipsits an den Eiern. Diese können sich sehen lassen. In einem Musterbuch hat sie Motive gesammelt. Daraus holt sie sich die Ideen für ihre Eierdekorationen. Da gibt es Blumenmotive, Herzen,  und außerdem Blattformen, Ranken und Bordüren. Diese machen schließlich aus einem Hühner-, Gänse- oder Straußenei ein Kunstwerk.

Ostereier Schnitzen – Oster-Tradition im Burgenland

Ostereier, wie sie in Kroatien verziert werden - Oster-Tradition im Burgenland
Ostereier, wie sie in Kroatien verziert werden – Oster-Tradition im Burgenland

 

Das Dorf Stinatz liegt nahe an den Nachbarstaaten. In den Wirren des 19. Jahrhunderts verschlug es schließlich kroatische Familien ins Burgenland. Noch heute halten sie die Tradition Kroatien in Ehren. Auch wenn, wie Erika Stipsits sagt, “der Großteil der Jugend sich nicht mehr die Mühe macht, das Brauchtum fortzusetzen. Denen ist die Arbeit zu anstrengend. Außerdem ist ihnen der Aufwand zu groß.”
 

 
Tatsächlich handelt es sich beim Ostereier Schnitzen um harte Arbeit. Die Schwielen an den Händen von Erika Stipsits sprechen Bände. Sie zeugen jedenfalls von der anstrengenden Beschäftigung. “Die Osterzeit endet meist mit einer Sehnenscheiden-Entzündung,” berichtet Frau Stipsits. Kein Wunder! Arbeitet sie doch täglich von morgens bis spät in die Nacht an ihren Kunstwerken.

Die Ostereier Schnitzerinnen von Stinatz

Eine gekratzte Rose als Osterei-Motiv - Oster-Tradition im Burgenland
Eine gekratzte Rose als Osterei-Motiv – Oster-Tradition im Burgenland

 

Ihr Fleiß zahlt sich jedoch aus. Die Ostereier Schnitzerinnen von Stinatz sind in ganz Österreich bekannt. Jeder hat schon von ihnen gehört. Erika Stipsits ist außerdem im Fernsehen aufgetreten. Sie war sogar beim österreichischen Bundespräsidenten zu Gast. Auch ihre Kunden kommen aus dem ganzen Land: “Einer meiner Stammkunden reist jedes Jahr aus Kärnten an. Nur um sich Eier zu holen.”

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Am liebsten ist ihr, wenn die Kunden sie in ihrer Küche besuchen. Dort arbeitet sie tagsüber. Dann können sie ihr zusehen, wie die Kunstwerke entstehen. Sie können sogar Wünsche zu Motiven äußern. “Ein Osterei mit ‘Hello Kitty’ ist einfach zu machen”, meint Erika Stipsits. Innerhalb weniger Minuten zaubert sie ein Ei mit dem Lieblingsmotiv ihrer Fans. Dafür benötigt sie weder Vorlage noch Anleitung. Sie beherrscht diese Arbeit im Schlaf. Während unseres Besuchs erzählt sie von der Kunst des Ostereier Schnitzens. Gleichzeitig wird ein Ei nach dem anderen von ihr bearbeitet. Jedes mit anderen Motiven, ohne Vorlage. Sie muss nicht einmal innehalten, um zu überlegen, wie das Muster weiter gestaltet werden soll.

Wer selbst einmal beim Ostereier Schnitzen zuschauen will, ist herzlich willkommen. In der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersamstag kann man Frau Erika Stipsits außerdem in ihrer Küche besuchen. Nur anrufen sollte man vorher. Frau Erika Stipsits, Hauptstraße 196, A-7552 Stinatz, Tel. 03358 / 3192. Weitere Fotos von den Oster-Traditionen in Stinatz im Burgenland.

 

Easter Traditions in Stinatz, Burgenland, Austria

 


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Zuletzt aktualisiert am 15. December 2018 um 19:39 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

 

Mit diesem Beitrag nehmen wir an der Blogparade “Frühling” teil.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung von Burgenland Tourismus und Kreativ Reisen

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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Monika und Petar Fuchs in Graz

Monika Fuchs und Petar Fuchs sind die Herausgeber des Slow Travel und Genuss Reiseblogs TravelWorldOnline Traveller. Sie veröffentlichen dieses Blog seit 2005.

Ihre Themen sind

Monika Fuchs ist Autorin und Fotografin des Blogs und schreibt als freie Journalistin für DIE ZEIT Online und Reisemagazine wie 360° Kanada, 360° USA, touristik aktuell, etc. Außerdem verfasst sie Reiseführer über Destinationen und Genuss Reiseziele in aller Welt. Petar Fuchs produziert die Videos auf diesem Blog sowie auf YouTube.

Weitere Informationen über Monika und Petar Fuchs.

6 Responses

  1. Martina Priester
    | Antworten

    Guten Morgen,

    Ich benötige bitte eure Hilfe.

    Wir brauchen dringend Eierkratzer für die Osteraustellung
    24.03&25.03.2018 auf der Burg Forchtenstein in Mattersburg.

    Das wäre toll wenn sich Menschen bereit erklären würden sich für 2 Tage die Zeit zu nehmen um andere Menschen ins Staunen zu versetzen und Ihnen glückliche und einzigartige Momente zu schenken.

    Bitte ganz dringend um eure Mithilfe indem ihr eine Zusage erteilt.

    Mit verbundenem Dank

    Martina Priester

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Hallo Frau Priester,

      bei uns sind Sie mit Ihrer Anfrage an der falschen Adresse. Wenden Sie sich doch direkt an Frau Stinatz (Telefonnummer und Adresse finden Sie im Artikel oben). Vielleicht hat sie selbst Zeit, oder kann Sie an jemanden verweisen.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Monika Fuchs

  2. Silke
    | Antworten

    Sieht toll aus, aber man braucht sicher viel Geduld. Schön wenn solche Traditionen weitergegeben und gepflegt werden.

    • Monika & Petar Fuchs
      | Antworten

      Hallo Silke,

      Frau Stipsits macht das den ganzen Winter über. Sie fängt im Spätherbst an und kratzt die Muster in die gefärbten Eier während der Wintermonate. Sie ist so gut darin, dass sie oft gar nicht hinschauen muss, um ihre Muster einzukratzen. Übung macht den Meister.

      Liebe Grüße,
      Monika

  3. Monika Fuchs
    | Antworten

    Diese Eier sind nicht zum Essen gedacht. Sie werden erst ausgeblasen, gefärbt und dann gekratzt – eine Menge Arbeit, die darin steckt. Ich konnte nicht widerstehen und habe mir einige mitgenommen und damit einen schönen Osterstrauß geschmückt. Nun hebe ich sie in einem Eierbehälter fürs nächste Jahr auf.

  4. ClaudiRTW
    | Antworten

    ich mag ja altes Handwerk, und mag den Post deshlab umso mehr. Und mir fiel bei deinen schönen Bildern auf, dass sie sehr den sorbischen Eierverzierungen ähneln. Aber die werden da nicht gekratzt, sondern mit Wachs bemalt… wirklich schön. Eigentlich mag man solche Eier am Ende doch gar nicht essen, oder?

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