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Ausflugsziele in der Steiermark – Stift Rein und Maria Straßengel

Ausflugsziele in der Steiermark - Stift Rein
Stift Rein – eines der lohnenden Ausflugsziele in der Steiermark

 

Ausflugsziele in der Steiermark – Stift Rein und Maria Straßengel

Das sind Ausflugsziele in der Steiermark, deren Geschichte bis ins 12. Jahrhundert reicht, ist unser Ziel: das Stift Rein. Neben Stift Heiligenkreuz und Stift Lilienfeld ist es eines der Zisterzienserklöster Österreichs. Bei unserem Besuch des Stifts und der Wallfahrtskirche Maria Straßengel erhalten wir einen Einblick in die Anfänge der Steiermark. Und nicht nur das! Es gibt viel zu entdecken in und um Stift Rein.

 

Hier befand sich einst der Kreuzgang - Historische Ausflugsziele in der Steiermark
Hier befand sich einst der Kreuzgang

 

Stift Rein – das älteste Zisterzienserkloster der Welt

Ehrfürchtig betrachte ich die groben Steine und den Mörtel, die noch aus dem 12. Jahrhundert stammen. Wir stehen im Hof von Stift Rein, einem der Steiermark Ausflugsziele mit viel Geschichte. Hier befinden wir uns im ältesten Teil des Klosters. Das sieht man ihm auch an. Hier befand sich einst der Kreuzgang des Stifts. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Vielmehr ist dieser unter Erdablagerungen verschwunden, die sich über Jahrhunderte ansammelten. Wir sehen nur noch ein paar baugeschichtliche Hinweise auf die lange Stiftsgeschichte. Neben einem Rundbogen aus romanischer Zeit erkennen wir einen Spitzbogen aus der Gotik. Nutzen können wir diese Türen allerdings nicht mehr. Sie verschwinden in über einem Meter Erde, die den Zugang versperrt.

Das Kloster gilt als das älteste Zisterzienserkloster der Welt. Mich wundert das. Denn gegründet hat Robert de Molesme den Orden im Jahr 1075 im gleichnamigen Kloster in Frankreich. Robert de Molesme gehörte ursprünglich dem Benediktinerorden an. Ihm ging jedoch die Prachtentfaltung in der Abtei Cluny zu weit. Sein Ideal des Mönchslebens war ein einfaches Leben abgeschieden von der Welt. Dies ging so weit, dass ihm sogar das Leben in Molesme zu aufwändig war. Daher zog er weiter in die Region von Citeaux, wo er ein neues Kloster gründete. Diesem verdankt der Orden seinen Namen.

 

Am Prälatenweg wandern - Ausflugsziele in der Steiermark
Ausflugsziele in der Steiermark – Auf einer Wanderung auf dem Prälatenweg bekommt man einen Eindruck von der Abgeschiedenheit des Stifts

 

Die Landschaft um Stift Rein ist geprägt von den Zisterziensern

Blickt man tiefer, stellt sich heraus, dass Stift Rein das 38. Kloster des Mönchsordens war. Die ersten 37 Zisterzienserklöster sind jedoch im Laufe der Jahrhundert aufgelöst oder aufgegeben worden. Damit ist das Stift am Ulrichsberg in der Steiermark heute tatsächlich das älteste Zisterzienserkloster der Welt. Markgraf Leopold der Starke aus Steyr holte Zisterziensermönche aus Kloster Ebrach in Franken in die Steiermark. Das Stift liegt noch immer abgelegen in der Natur. Mit seiner Umgebung ist es eines der Ausflugsziele in der Steiermark, die einen schönen Aufenthalt garantieren. Auf einer Wanderung auf dem Prälatenweg bekommt man einen Eindruck von der Abgeschiedenheit des Stifts.

 



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Wie erfolgreich die Mönche die Landschaft nutzten, beweist ein Stollen durch den Ulrichsberg. Das Stift liegt an der Schnittstelle zweier Täler. Das Wasser des Kehrerbaches erwies sich als zu schwach, um das Wasserrad der Stiftsmühle anzutreiben. Daraufhin durchbohrten die Mönchen den Berg, der den Bach vom längeren Mühlgrabental trennt. Durch diesen Stollen leiteten sie das Wasser um und konnten so ihre Mühle erfolgreich nutzen. Die Nutzung ihrer Stiftsländereien spielt noch heute eine Rolle im Stift Rein. Das zeigen die Wanderwege, die für jede Kondition vorhanden sind. Was hältst Du zum Beispiel von einer Wanderung auf dem Barfußpfad durchs Mühlbachtal?

 

 

Das brauchst Du für eine Wanderung bei Stift Rein

 

Barocke Stiftsarchitektur in Stift Rein

Der Huldigungssaal

Highlight eines Besuchs im Stift Rein sind die Barockbauten und -malereien. Unsere Gastgeber, P. August Janisch und P. Prior Martin Höfler begrüßen uns im Huldigungssaal mit einem Imbiss. Die Decken- und Wandgemälde von Josef Amonte rauben mir den Atem. Das war auch der Sinn dieses prachtvollen Saals. Er sollte Gäste und Besucher beeindrucken. Hier empfing der Abt Stiftsbeamte und seine Untertanen.

 

Deckengemälde im Huldigungssaal im Stift Rein, eines der Ausflugsziele in der Steiermark
Deckengemälde im Huldigungssaal im Stift Rein

Die Stiftskirche

Ursprünglich stand an ihrer Stelle eine romanische Kirche. Von dieser ist nur der Eingangsbereich erhalten. Die heutige Stiftskirche geht zurück auf Abt Placidus Mally, der 1738 zur 600-Jahr-Feier des Klosterbestehens die neue Barockkirche errichten ließ. Seit 1979 ist sie eine Basilika minor. Die Fresken malte Josef Adam Mölk im Jahr 1766. Die Deckengemälde zeigen Episoden aus dem Leben des Hl. Benedikt, des Hl. Bernhard von Clairvaux und der Hl. Familie.

 

Die Stiftskirche im Stift Rein - Steiermark Ausflugsziele
Die Stiftskirche im Stift Rein

Die Marienkapelle und der Sommerchor

Wir folgen P. August auf seiner Führung durch das Kloster zur Marienkapelle. Dort zeigt er uns das Grab des Stiftsgründers Markgraf Leopold von Steyr. Er war es, der 1129 Mönche aus dem Kloster Ebrach in die Steiermark holte. Sein Grab entdeckte man erst bei Restaurierungsarbeiten in den letzten Jahren. Untersuchungen seiner Knochen zeigen, dass dieser Mann im Laufe seines Lebens viel Zeit auf dem Rücken von Pferden verbrachte. Gleichzeitig deuten seine Schulterknochen darauf hin, dass er diese stark beansprucht hatte. Bei Ritterspielen? Oder gar im Kampf? Die Wissenschaft ist sich einig, dass es sich bei dem Skelett, das in der Marienkapelle zu sehen ist, um Markgraf Leopold handelt.

 

Marienkapelle mit der Grablege des Stiftsgründers Ausflugsziele in der Steiermark
Marienkapelle mit der Grablege des Stiftsgründers

 

Über eine steile Treppe, der man ihr Alter ansieht, erreichen wir den Sommerchor. Hier treffen sich die Mönche des Klosters jeden Tag um 12.00 Uhr zur Mittagshore. Mit diesen Gebeten unterbrechen sie den Arbeitsablauf ihres Tages. Dies sind Zeiten der Besinnung ganz im Sinne der Benediktiner-Regel „Ora et labora“ (Bete und arbeite).

 

Sommerchor im Stift Rein - Ausflugsziele in der Steiermark
Sommerchor im Stift Rein

 

Die Stiftsbibliothek

Sehenswert ist die Stiftsbibliothek von Stift Rein. Diese ist das jüngste Bauwerk des Barockstiftes. In ihr bewahrt das Kloster 80.000 Bücher auf. Die Fresken der Decke stammen aus dem Jahr 1753 und sind von Josef Amonte gemalt worden. In einer Vitrine sehen wir Schriften, die die Mönchen einst per Hand im Skriptorium des Stifts erstellten. Einige davon sind durch die Zeit stark beschädigt. Andere hat man in Holz- und Ledereinbände gebunden. Besucher können Buch-Paten werden und mit ihren Spenden den Erhalt eines Buches sichern.

 

Stiftsbibliothek im Stift Rein - Ausflugsziele in der Steiermark
Stiftsbibliothek im Stift Rein

 

Weitere Kostbarkeiten der Stiftsbibliothek sind der Kalender von Johannes Kepler, der von 1594 bis 1600 als Landschaftsmathematiker in Graz arbeitete. Er schuf den julianischen und gregorianischen Kalender, der im Zentrum der Bibliothek steht. Sehenswert ist außerdem ein Choralbuch aus dem Jahr 1420, das im Skriptorium des Stifts entstand. Das „Antiphonale“ ist gut erhalten. Man kann gut erkennen, wie kunstfertig die schreibenden Mönche bei der Erstellung ihrer Werke waren.

 

 

Gnadenschlüssel im Klosterladen von Stift Rein

Neben den Produkten des Klosters entdecken wir im Klosterladen etwas Überraschendes. Dort verkaufen die Mönche „Gnadenschlüssel“. Dieser Begriff ist mir bei unseren Klosterbesuchen bisher nicht begegnet. Pater August klärt uns auf. Früher durften die Gläubigen die Stiftskirche nur zum Schlüsselsonntag betreten. Das war der erste Sonntag nach Ostern. Der Papst hatte die Kirche mit vielen Ablässen ausgezeichnet, die ihren Besuchern am Kirchweihtag zugute kamen. Ab 1479 erlaubte Papst Sixtus IV. den Gläubigen den Besuch der Kirche am Gnadensonntag. Das Fest verschob man später auf den ersten Sonntag nach Ostern. Nur an diesem Tag durften die Gläubigen Kloster und Kirche betreten. Die Beichtväter erhielten für diesen speziellen Tag besondere Vollmachten. Als Erinnerung an ihren Besuch gab man den Besuchern kleine silberne Schlüssel, die „Gnadenschlüssel“. Als die Stiftskirche 1786 zur Pfarrkirche wurde, gab man diesen Brauch auf. Erst vor wenigen Jahren ließ man wieder „Gnadenschlüssel“ prägen.

 

Gnadenschlüssel von Stift Rein
Gnadenschlüssel

 

Genuss in der Stiftstaverne von Stift Rein

Im Anschluss an die Besichtigung des Stifts besuchen wir die Stiftstaverne. Unter alten Laubbäumen genießen wir ein Mittagessen im Biergarten des Stiftsgasthauses. Schweinemedaillons mit Pilzrahmsoße und Spätzle und eine gebackene Forelle schmecken nach so viel Kultur und Geschichte besonders gut.

 

Wallfahrtskirche Maria Straßengel – Hochgotik in Österreich

Nur wenige Minuten mit dem Auto sind es von Stift Rein zur Wallfahrtskirche Maria Straßengel. Diese liegt auf einem Felssporn über dem Ort Gratwein-Straßengel. Von dieser Wallfahrtskirche hatte ich vor unserem Besuch noch nie gehört. Umso überraschter war ich, als ich die Bauten aus der Hochgotik über dem Tal aufragen sah. Was für ein Anblick! Kein Wunder, dass sich Wallfahrer von diesem Ort angezogen fühlten. Besonders beeindruckend ist die Kirche, die mit ihrem 48 Meter hohen Turm ein Paradebeispiel der Hochgotik darstellt.

 

Maria Straßengel gemeinfrei
Maria Straßengel

 

Gründung von Maria Straßengel

Maria Straßengel zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten der Hochgotik in Österreich. Die jetzige Kirche geht zurück auf das Jahr 1346. Damals legte Abt Hartwig von Rein den Grundstein für den Bau der gotischen Kirche. Bereits vorher stand an dieser Stelle eine Kapelle, die das Stift Rein wahrscheinlich 1157 errichten ließ. Grund dafür war, dass in diesem Jahr Markgraf Otakar III. dem Kloster ein Marienbildnis schenkte. Dieses brachte er von einer Wallfahrt aus Palästina mit. Angeblich soll es eine Kopie eines Marienbildes des Evangelisten Lukas sein. Ein Gemälde in der Seitenkapelle der Kirche zeigt diese Geschichte.

 

Abt P. Philipp Helm zeigt das Gemälde in Maria Straßengel
Abt P. Philipp Helm zeigt das Gemälde in Maria Straßengel, das die Übergabe des Marienbildes an Stift Rein zeigt

 

Ob das Marienbild tatsächlich aus Palästina stammte, ist umstritten. Heute sucht man es allerdings vergebens in Maria Straßengel, denn es wurde 1976 gestohlen. Das Bild, das heute den Hochaltar ziert, ist eine Kopie von Gottfried Höfler, dem Vater von P. Martin Höfler, dem Prior von Stift Rein.

 

Wurzelkreuz in Maria Straßengel
Wurzelkreuz in Maria Straßengel

 

Das Wurzelkreuz von Maria Straßengel

Wallfahrer zieht es noch aus einem weiteren Grund nach Maria Straßengel. 1255 sah ein Hirte, wie sich einige Rinder unter einer Tanne seltsam verhielten. Als er nachschaute, entdeckte er eine Wurzel, die wie der gekreuzigte Jesus aussieht. Bart, Gesicht und Haare sind deutlich zu erkennen. Ebenso der Körper und die Füße, die übereinander liegen. Pflanzenphysiologen stellten fest, dass die Figur nicht geschnitzt ist, sondern aus der Wurzel gewachsen ist. Ich bin bei solchen Dingen ja immer sehr skeptisch, aber das Kreuz ist einer der Gründe, warum Leute auch heute noch nach Maria Straßengel pilgern.

 

Gotische Glasfenster hinter dem Hauptaltar in Maria Straßengel
Gotische Glasfenster hinter dem Hauptaltar

 

Gotische Glasfenster

Sehenswert sind außerdem die gotischen Glasfenster, die sich hinter dem Hauptaltar befinden. Dieser ist nicht mehr original. Das hat damit zu tun, dass Kaiser Josef II. (1780-1790) Wallfahrten verbieten ließ. In Maria Straßengel führte das sogar soweit, dass die Kirche abgerissen werden sollte. Der Altar fiel dieser Zeit zum Opfer. Erst das 700jährige Jubiläum der Kirche sorgte für eine Wende. War sie bis dahin fast verfallen, sieht man sie jetzt wieder zumindest in Teilen in ihrer alten Pracht. Wallfahrer kommen bis heute nach Maria Straßengel.

 

Maria Straßengel
Maria Straßengel

Gotische Reliefs über den Kircheneingängen

Am besten gefällt mir Maria Straßengel jedoch von außen. Zwei gotische Reliefs über den Eingängen sind sehr gut erhalten. Besonders beeindruckend ist der Kirchtrum, der mit seiner durchbrochenen Spitze an den Stephansdom in Wien erinnert. Im Volksmund nennt man ihn daher „den kleinen Steffel“.

 

 

Die Probstei und die Rauchkuchl

Das Probsteigebäude stammt aus dem Jahr 1494. Heute befindet sich darin das Pfarramt. Sehenswert ist die Rauchkuchl, die sich in diesem Gebäude befindet. Abt P. Philipp Helm zeigt uns, dass sich der Rauchfang über mehrere Stockwerke nach oben erstreckt. Die Wände sind verkohlt vom Rauch, mit dem die Köche der Probstei über Jahrhunderte ihre Speisen geräuchert und haltbar gemacht haben. Gegenüber der Probstei befindet sich eine Taverne. Bei unserem Besuch war diese allerdings geschlossen. Hier kann man nach dem Besuch der Wallfahrtskirche die Aussicht auf die Umgebung noch auf sich wirken lassen.

Zwei Ausflugsziele in der Steiermark für ein Wochenende

Unser Tipp: Stift Rein, die Wanderwege in seiner Umgebung und die Wallfahrtskirche Maria Straßengel eignen sich perfekt für einen Wochenendausflug. Hier spürt man die Geschichte, die diese Landschaft, das Kloster und die Wallfahrtskirche geschaffen hat. Mit etwas Muße kann man sich versetzen in längst vergangene Zeiten und eintauchen ins Leben von Mönchen, Rittern und Hirten. Uns haben Stift Rein und die Wallfahrtskirche Maria Straßengel entführt in eine vergangene Zeit.


Reiseorganisation:

Anreise

Der nächstgelegene Flughafen ist in Graz (15 km). Stift Rein ist 15 km entfernt und mit dem Auto gut zu erreichen.

Am bequemsten ist die Anreise mit dem Auto. Einen Mietwagen* kannst Du hier buchen.

Unterkünfte:

Unterkünfte in und um Stift Rein* findest Du unter diesem Link.

Führungen in Stift Rein:

Täglich Führungen um 10:30 und 13:30 Uhr … und für Gruppen täglich zwischen 9:00 und 17:00 Uhr mit Anmeldung.

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Stift Rein
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Quelle Stift Rein und Maria Straßengel – Ausflugsziele in der Steiermark: Recherchen vor Ort auf Einladung von Kloesterreich. Unsere Meinung bleibt davon unberührt.

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos:  © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Video:  © Copyright Petar Fuchs, TravelWorldOnline

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